Celtic – Valencia – Celtic

This is how it feels to be Celtic

Champions again, as you know

Brendan Rodgers Neill Lennon is here for ten in a row – ten in a row!


https://www.youtube.com/watch?v=YMOhplAGfC8

Das Schlimme am Dasein als St.Pauli-Fan: Europäische Pflichtspiele gibt es bekanntlich erst ab 2030. Da ich aufgrund meiner Werderaner Prägung Europapokalspiele aber irgendwie doch ganz geil finde, fahre ich nun schon seit einiger Zeit unregelmäßig dem Celtic FC aus Glasgow hinterher, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Sportlich kaum der Rede Wert. Nach zwei Siegen in den ersten beiden Spielen (4:0 bei Jeunesse Esch im Jahr 2000 und einem 3:1 bei Ajax in der CL-Quali ein Jahr später), folgten zwölf weitere Auswärtsspiele mit gerade einmal vier Unentschieden (beim HSV, Rapid Wien, Astra Giurgiu und Fenerbahce) sowie acht Niederlagen an so fantastischen Orten wie Donezk oder Malmö.
Was allerdings all diese Touren eint: Ähnlich wie bei Auswärtsspielen mit dem FC St.Pauli sind sie zumeist ganz fantastisch – wenn man denn den Fußball großflächig ignoriert.

Kleiner Schönheitsfehler dabei: Für eine Tour in den Celtic Park hatte sich bisher immer noch keine Gelegenheit ergeben – es wurde also Zeit dies zu ändern und die Auslosung der Europa League-Zwischenrunde sollte dies ermöglichen.
Mehr noch: Dank beruflicher Flexibilität konnte sowohl Hin- als auch Rückspiel besucht werden… das hatte ich seit Werders Champions League Viertelfinale 1989 beim AC Mailand nicht mehr geschafft.

Celtic FC traf also nach einem hart (und etwas glücklich) erkämpften 2.Platz in der Gruppenphase (vor RaBa Leipzig und Rosenborg) in der Zwischenrunde auf Valencia, wobei das Hinspiel zuhause stattfinden sollte.

Kurze Planungsgespräche mit meinem Lieblingsmitreisenden und der Plan stand:
Hinspiel mit Anreise mittags am Spieltag und Rückflug am nächsten Morgen, Rückspiel in Spanien dann mit etwas mehr Zeit vor Ort, Mittwochs bis Freitags.

Celtic FC – Valencia CF

Der Glaube an Celtics Auswärtsfähigkeiten in Europa ist (Begründung: siehe oben) bekanntlich „übersichtlich“, daher musste zuhause eine gute Basis gelegt werden, um noch mit ein bisschen Resthoffnung nach Spanien reisen zu können.
Ein Sieg mit 1-2 Toren im besten Fall… zumindest ein torloses Unentschieden, um es sich selbst schönreden zu können – es erschien nicht unmöglich, denn wirklich Bäume ausgerissen hat Valencia in La Liga zuletzt auch nicht.

Allerdings musste man (neben dem permanenten Nachteil, in der heimischen Liga nicht wirklich gefordert zu werden) auch noch auf eine stattliche Verletztenliste schauen, so dass auch dies als große Herausforderung erschien.
Unsere Anreise brachte uns mit einem Low Cost Carrier nach Edinburgh, von wo ein Bus uns für 12,- GBP ins knapp 80 Kilometer entfernte Glasgow beförderte.
Ein kurzer Fußmarsch mit Fish & Chips auf dem Weg ins Stadion – und weil die Zeit dann schon eng wurde taten wir das, was Celtic Fans eh ständig und überall tun: Wir nahmen ein Taxi. Dieses fuhr uns zum „Celtic Social Club“ (London Road), eine Mischung aus Kneipe und Fanräume. Praktischerweise konnten wir auch unsere Rucksäcke dort lassen.

Ab zum Stadion – und wenn das „Paradise“ bei einem Flutlichtspiel in Grün erstrahlt, ist dies auch von außen schon ein ziemlich großartiger Anblick.

Die Eingangskontrolle ist dann, wie nahezu immer in Stadien auf der Insel, nicht gegeben, lediglich Taschen werden kontrolliert. Allerdings muss man dazu sagen, dass aufgrund der HD-Kameras auch schon Leute im Nachgang mit Stadionverbot oder ähnlichem belegt wurden, wenn sie Alkohol ins Stadion schmuggelten und diesen dann all zu offensichtlich konsumierten.
Alkohol ist absolut verboten, selbst alkoholfreies Bier gibt es nicht, dafür diverse Wettschalter.

Wer ein bisschen die Bundesliga verfolgt, mag festgestellt haben, dass Vereine wie der FC Bayern oder der VfL Wolfsburg viel Geld in eine Lichtanlage investiert haben, die man zu irgendwelchen fancy Animationen oder Torjubeln ganz supi nutzen kann – und aus irgendwelchen Gründen kam auch Celtic auf solch eine Idee.
Kolportierter Anschaffungswert: Ca. 4 Millionen GBP!
Ich nehme mal vorweg, dass wir einen eventuellen Einsatz bei Toren mangels Erfolg nicht „bewundern“ konnten, allerdings gab es ein „Intro“ mit musikalischer Untermalung, bei der die Lichtanlage alles gab und alles mit den typischen Liedern untermalt wurde.
Das erinnerte schon sehr an das, was man hierzulande bei Eishockey- oder Basketballspielen erlebt und ist dann eben mehr Event als klassisches Fußballerlebnis.

Trotzdem ist das Erlebnis „Celtic Park bei Europapokalspielen“ natürlich ein Besonderes, gar keine Frage. Die Atmosphäre ist großartig, Gesänge starten an mehreren Orten und wenn die Green Brigade etwas anstimmt, wird dies auch sehr schnell von allen anderen Stadionbereichen übernommen – zumindest, solange die Hoffnung auf einen sportlichen Erfolg noch besteht.
Dies allerdings ist nicht allzu lange – zwar dauert es bis zur 42.Minute, ehe Denis Cherishev die Gäste in Führung bringt, aber auch vorher war deren Überlegenheit schon sehr deutlich. Und in Hälfte zwei wurde es nicht besser, im Gegenteil. Das 0:2 am Ende war eher noch schmeichelhaft, die Reise durch Europa endete ziemlich deutlich und niederschmetternd bereits an diesem Abend.
Begleitet wurde Valencia von ca. 150 Gästefans – aber entscheidend ist halt auf’m Platz, nicht auf den Rängen.

Für uns ging es über den „Celtic Social Club“ zu einem kurzen Zwischenstop auf einem Sofa (Danke an J.), dessen Besitzer uns dann am Freitag pünktlich um 05.30h auch wieder am Flughafen raus ließ.
Teil 1 der Reise endete also sportlich ernüchtert, trotzdem gehörte der Celtic Park bis dahin auf die Liste meiner unerfüllten „Traumstadien“ und ich kann ihn nun endlich abhaken – und es wird hoffentlich nicht der letzte Besuch gewesen sein.

Valencia CF – Celtic FC

Wir trafen am Mittwoch gegen Mittag in Valencia ein und checkten im Hulot B&B ein. Klare Empfehlung für den Preisbewussten Touristen! Perfekt gelegen und mit 42€ pro Doppelzimmer pro Nacht auch noch sehr preiswert. Nebenan hat man mit dem „Brunch Corner“ auch die Möglichkeit lecker zu frühstücken.

Touristik:

Valencia hat eine sehr schöne Altstadt mit diversen Möglichkeiten in Tapas-Bars, Cafés und Restaurants zu verweilen, außerdem eine riesige Markthalle, in der man alle möglichen frischen Lebensmittel erwerben kann, natürlich auch überall Paella.
Lokales (süßes) Getränk der Wahl, welches man probiert haben sollte: „Horchata de Chufa„.
Für den geneigten Craftbeer-Genießer empfiehlt sich „Tyris on Tap„.
Dessert-Tipp: „Churros con Chocolate

(Und: Ja… Diät-Tipps sucht Ihr hier vergeblich, korrekt.
Vegetarische Ernährung ist ebenfalls nicht zwingend spanische Kernkompetenz.
)

Alles ist fußläufig erreichbar, abgesehen von der Fahrt mit der Metro vom Flughafen in die Innenstadt und zurück haben wir keine Verkehrsmittel genutzt. Wer lieber Rad fährt, kann diese überall in der Stadt mieten.
Neben der Altstadt gilt der Stadtteil El Cabanyal als besonders empfehlenswert, der als ehemaliges Fischerdorf von der Stadtregierung einst als klassisches Gentrifizierungsziel auserkoren wurde und eine lange Geschichte der Auseinandersetzungen erlebte, ehe die Stadt 2009 klein beigab und die Umwandlung einstellte.
Wir waren dort allerdings um die Mittagszeit, wo in Spanien bekanntlich eher alles zu ist, daher kann ich da nicht allzu viel darüber berichten. Wenn man aber schon mal da ist, ist dort auch gleich das Meer und ein sehr breiter Sandstrand, außerdem ist es nicht mehr weit zum L’Oceanogràfic, dem größten europäischen Aquariumskomplex mit ziemlich futuristischem Äußeren. Wir haben letztes natürlich nicht besucht.

Optisch hervorstechendes Merkmal der Stadt ist der breite Grünstreifen, der sich komplett einmal quer durch die Stadt bis zum Meer zieht.
Dieser war früher mal ein Fluß, nach diversen Überschwemmungen entschied man in den 50ern aber, diesen ab sofort um die Stadt herum ins Meer zu leiten. Da mag es jetzt Umwelt-Experten geben, die die Sinnhaftigkeit und eventuelle Nebenwirkungen besser einschätzen können als ich, es hat aber auf jeden Fall dazu geführt, dass jetzt ein riesiger eingebetteter Grüngürtel als Naherholungsgebiet und Sportfläche mitten durch die Stadt führt. Neben diversen Laufkilometern und Fahrradwegen gibt es hier u.a. auch noch zwei beheimatete Fußballvereine.

Ticketsituation

Wir fahren ja nun schon einige Jahre zu Celtics Auftritten in Europa und nahezu immer heißt es vorab, dass das mit Tickets im Gästeblock schwierig wird.
Ebenso sind die Kontakte dann bisher immer noch gut genug gewesen, dass es vor Ort dann trotzdem klappt. So blieben wir auch dieses Mal entspannt, erst recht nach dem Hinspielergebnis. Ins Mestalla passen ca. 50.000 Zuschauer, selbst die CL-Vorrundenspiele gegen Manchester United und YB Bern waren nicht ausverkauft, lediglich das erste Spiel gegen Juve (Ronaldo) war annähernd voll.
Am Mittwoch konnte man in Valencia dann schon erahnen, dass es ziemlich grün-weiß werden würde und tatsächlich kamen wir am Ende erstmals nicht in den Gästeblock. Die zunächst kolportierten 10.000 Celts halte ich für zu hoch gegriffen, aber so 5.-6.000 werden es schon gewesen sein. (Gästekontingent: ca. 2.500)
Ausverkauft war das Stadion aber natürlich bei weitem nicht (36.600), trotzdem spielten sich vorm Kartencenter skurrile Szenen ab. Dieses öffnete am Tag vor dem Spiel um 17.00h und es war eine riesige Traube Celtic-Fans vor den etwa acht geöffneten kleinen Fenstern.
Wenn man sich bis nach vorne gewartet hatte, bekam man eine Karte pro Person – wenn man denn einen Ausweis vorlegen konnte und dieser nicht aus Großbritannien war. Ansonsten: Keine Chance.

Dies führte dazu, dass wir mit Deutschem Pass ab sofort jedermanns best buddy waren und wahrscheinlich uns bis Nachts um elf diverse Male an jeder Kasse hätten anstellen können, um immer wieder Tickets zu kaufen.
Gleiches galt für alle Personen, die einen Nicht-UK-Pass hatten (ja, auch irische Pässe waren zugelassen…) und schon bei unserer Ankunft erzählte der erste, dass er jetzt zum fünften Mal anstehen würde und dementsprechend schon fünf Karten mit seinem Namen drauf hatte. Überflüssig zu erwähnen, dass am Spieltag niemand darauf achtete, welcher Name auf der Karte stand.
Lustigste Szene dann von jemandem, der an einer Kasse zunächst abgewiesen wurde, dann aber von einem Passanten einen Spanischen Pass bekam und sich trotzig an der gleichen Kasse nochmal anstellte. Aufgrund des Ausweises wollte der Kartencenter-Mitarbeiter dann wohl unbedingt spanisch mit ihm reden und weigerte sich, auf Englisch zu kommunizieren und das Ticket zu verkaufen.
Antwort: „I’M SPANISH NOW, GIVE ME THAT FUCKIN‘ TICKET!“
Auch diverse Versuch mit einem Pass, dessen Passfoto ganz offensichtlich nicht zu der Person gehört die ihn jetzt zu benutzen gedachte, waren schlußendlich erfolgreich.
Ob dieser Schwachsinn auf den Mist von Valencia oder die UEFA zurückzuführen war, ließ sich für uns nicht aufklären, Schwachsinn blieb es trotzdem. Und tatsächlich blieben am Spieltag trotz spärlich gefüllter Ränge einige Celts draußen. Ebenfalls unnötig zu erwähnen, dass von Fantrennung im Stadion dann nicht mehr viel zu sehen war und nahezu überall auch Grün-Weiße Trikots auftauchten.

Mestalla

Ohauerha. Ich hatte vorab viel Gutes gehört, aber das Ding dann live zu sehen war dann doch nochmal was anderes. Geiles Stadion! Und steil! Und mitten in der Stadt! Fantastisch.
Wer sich das auch noch live anschauen möchte, muss sich allerdings beeilen, denn „Nou Mestalla“ soll 2021 eröffnet werde.
(So genau weiß man das zwar nicht, weil es eine ähnliche Historie wie der Berliner Flughafen aufweist, aber dieses Mal ist man nach einigem Pech mit Kreditgebern wohl tatsächlich auf einem guten Weg.)

Das Stadion ist irre steil, in den mittleren und oberen Rang gelangt man durch Türme in den Ecken, die einen ständig im Kreis laufend nach oben führen. Habe ich in der Form bisher nur in Twickenham gesehen, dem englischen Nationalstadion für Rugby.

Wir hatten tatsächlich Tickets für die oberste Reihe im Oberrang (günstigste Kategorie, 40€), allerdings in der „falschen“ Kurve. War allerdings dann auch kein Thema, den Oberrang einmal komplett zu durchwandern und sich direkt am Gästeblock hinzustellen, wie es auch die meisten anderen taten.

Das Spiel ist schnell erzählt: Celtic um Klassen besser als im Hinspiel, Valencia mit Dienst nach Vorschrift. Die weitere Entwickling nach einem (durchaus möglichen) 0:1 wäre wahrscheinlich interessant zu beobachten gewesen, leider fing sich Jeremy Toljan nach einer guten halben Stunden von Deniz Aytekin eine Gelb-Rote Karte und alle noch so kleinen Hoffnungen flogen dahin.
Valencia spielte das in der Folge clever runter und erzielte in der 70.Minute dann auch das entscheidende Tor zum 1:0.

Das war es dann also mal wieder mit Europa für diese Saison.
Berichtenswert dann wohl noch, dass Brendan Rodgers nach dem Ausscheiden dem Ruf der Premier League erlag und zu Leicester City wechselte, dafür ist mit Neil Lennon nun derjenige zurück, der „Ten in a row“ dann hoffentlich auch erfolgreich zuende bringen wird.
Danke an Michael, Scotty, Stefan und alle anderen die ich hier vergessen habe. // Maik

4 thoughts on “Celtic – Valencia – Celtic

    1. Maik says:

      Natürlich sind wir da mal vorbeigegangen.
      Aber so‘n Typ der nur noch Länderspiele besucht, war uns eher suspekt 🙂

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  1. Christoph says:

    Diese Nummer mit dem Ticketverkauf am Stadion lief vor ein paar Jahren in Barcelona genauso ab. Weltklasse! Immer wieder schön, dass Spanier den Schotten gerne helfen.

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