Lage am Millerntor – 13.03.2020

Yay, der 26. Spieltag steht an… not! Nicht nur, dass Geisterspiele echt nicht das Mittel der Wahl sind, es ist gar nicht mal unwahrscheinlich, dass der Spieltag noch kurz vor knapp abgesagt wird. Wir wissen aber auch um die Schwierigkeiten einer Absage, daher ist das nicht als Vorwurf zu verstehen. Die Situation ist ja auch von niemandem forciert und neu für alle. Ihr lasst uns heute trotzdem mal ein paar Tipps da, ja?

+++ Update 12:40 +++
Das Team des FCN befindet sich ab sofort in Quarantäne.
Da Spiel wird daher nicht stattfinden, der Hamburger Fußballverband hat sich jetzt auch endlich zu einer Generalabsage durchgerungen – und wir schicken die Lage jetzt auch ins Wochenende und sind dann Montag morgen wieder da, um hier mal in Ruhe alles zusammenzukehren.
Habt ein schönes Wochenende, spielt Gesellschaftsspiele und schaut Netflix o.ä. oder lest ein Buch und wascht Euch die Hände. Und am Wichtigsten: Bleibt gesund!

+++ Update 11:35 +++
Eine Person aus dem Trainer-/Spielerteam des 1.FC Nürnberg ist positiv auf den Corona-Virus getestet worden. Wir gehen dann mal davon aus, dass zumindest am Millerntor nicht gespielt wird.

+++ Update 10:20 +++
Die DFL hat soeben verkündet, dass man (mit Ausnahme des Hannover 96-Spiels) weiterhin den aktuellen Spieltag durchführen will und am Montag dann den Spielbetrieb ab Dienstag bis zum 2.April aussetzen will.
Parallel dazu hat Bremens Innensenator angeblich das Spiel des SV Werder am Montag abgesagt, weil „die Ultras„… no comment. Vielleicht eine richtige Entscheidung, in jedem Fall eine mindestens fragwürdige Begründung.

+++ Moin +++
Dieses Geisterspiel wird hoffentlich erstmal das letzte bleiben. Alles andere als ein Aussetzen der Saison wäre angesichts der Lage einfach pervers. Und so sehr uns alle auch ärgert, dass wir den FCSP am Sonntag nicht nach vorne schreien können, wir sollten uns den Grund für das Geisterspiel zu Herzen nehmen und dies nicht als Anlass nehmen uns mit einem großen Haufen an Leuten irgendwo zu sammeln und dem Spiel zu folgen. Lest die Hinweise vom Fanladen (und auch vom Fanclubsprecherrat & magischerfcblog). Es ist die Zeit sich solidarisch zu zeigen, mit den Menschen, für die das Coronavirus eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt. Und daran müssen wir alle in nächster Zeit die eigenen Interessen anpassen. Kauft Euch ein Getränk Eurer Wahl und macht es euch zuhause oder in kleiner Gruppe gemütlich. Das AFM-Radio sendet live aus dem Stadion, die Konferenz wird im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein.
Ohne zu tief ins Detail zu gehen, müssen wir davon ausgehen, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen (die alles und damit auch den FCSP betreffen) die nächsten vier oder fünf Wochen, also etwa bis Ostern anhalten werden und anschließend eine neue Lagebewertung stattfinden wird. Ist zwar bereits verlinkt, aber wir weisen noch einmal extra auf den Podcast von Virologe Christian Drosten mit NDRinfo.

Vorbericht FC St.Pauli – 1. FC Nürnberg
(Falls ihr noch was auf die Ohren braucht, hört Euch das VdS von Michael und Stefan an.)
Wirkt irgendwie strange, jetzt, bei dieser ganzen Thematik etwas über das kommende Spiel zu schreiben. Und das ist es auch, denn das Durchführen des Bundesliga-Spieltags auf Gedeih und Verderb zeigt, dass einige Personen dringend mal eine Feinjustierung bzgl. der Wichtigkeit des Sports im Verhältnis zu z.B. solidarischen Aufgaben in der Gesellschaft nötig haben.
Da wir aber (Stand jetzt) davon ausgehen müssen, dass das Spiel stattfindet, kommt hier die Analyse des Gegners: Der 1.FC Nürnberg hat bisher alles andere als eine zufriedenstellende Saison gespielt. Platz 14 für ein Team, welches vor der Saison klare Aufstiegsambitionen anmeldete, sind nicht viel weniger als eine massive Enttäuschung. Und damit diese Enttäuschung nicht noch in einem Desaster endet, müssen bis zum Saisonende noch ein paar Punkte geholt werden. Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt momentan vier Punkte.
Der FCN hat quasi seit dem Hinspiel, welches mit 1-1 endete, eine bewegte Geschichte hinter sich gebracht. Standen sie damals noch auf dem 6.Platz und hatten einen doch grundsoliden Saisonstart hingelegt, folgte darauf eine Serie von neun Ligaspielen ohne Sieg, nur vier Punkte in der Zeit ließen sie auf den 16.Tabellenplatz abstürzen. Das führte dann auch dazu, dass Jens Keller (hat bereits Union Berlin und erfolglos den FC Ingolstadt in Liga 2 trainiert) das Traineramt von Damir Canadi übernahm. In dieser Phase war auch gar nicht mal so klar, wer genau eigentlich im Tor von Nürnberg stehen sollte.
Nach der Übernahme von Jens Keller wurde es nur bedingt besser: In zwölf Zweitligaspielen holte der FCN unter Canadi 14 Punkte (20:22 Tore), unter Keller sind es in zwölf Spielen 15 Punkte (13:18 Tore), also nur einer mehr. Der Teufel steckt hierbei jedoch ein wenig im Detail. Denn während unter Canadi ganze 64% aller Großchancen verwertet wurden, sind es unter Keller nur magere 22%. Während das Team offensiv unter Canadi also relativ viel rausholte, bleibt es nun weit unter seinen Möglichkeiten. Übrigens: Über die gesamte Saison betrachtet ist der FCSP das Team mit der schlechtesten Großchancenverwertung der Liga (32%).
Das sieht bei den Gegentoren ganz anders aus. Zwar hat der FCN mit insgesamt 285 die drittwenigsten Torschüsse erhalten, stellt aber mit 45 Gegentoren die drittschlechteste Defensive. Zum Vergleich: Arminia Bielefeld hat nur 14 Torschüsse weniger erhalten, aber stellt mit nur 24 Gegentoren die beste Defensive der Liga.

(c) Peter Boehmer

Interessant ist übrigens der Vergleich der Positionen der Torschützen beim FCSP und FCN. Zwei Drittel aller Tore (22 von 33) haben beim FCSP Stürmer erzielt (Veerman: 8, Diamantakos: 8, Gyökeres: 6). Beim FCN hat einzig Stürmer Michael Frey (4 Tore) getroffen. Die Torgefahr erzeugt hier das nominelle Mittelfeld (na gut, es ist sicher eine Frage der Definition, ob die äußeren Mittelfelder im 4-2-3-1 als Stürmer gezählt werden oder nicht), welches auch allgemein das Herzstück des Teams ist. Denn mit Robin Hack agiert in den Reihen des Clubs sicher einer der talentiertesten Kicker der Liga (bereits 7 Ligatore). Dazu spielen mit Erras, Behrens und Dovedan ebenfalls Spieler der Kategorie „gehobenes 2.Liga-Niveau“ im Mittelfeld. Und nicht zuletzt ist mit Johannes Geis sogar ein ehemaliger Nationalspieler in Reihen der Nürnberger zu finden.
Diese fünf Spieler sind auch nahezu immer in der Startaufstellung, dem 4-2-3-1, zu finden. Und diese Konstanz würde sich Trainer Jens Keller sicher auch in der Abwehrkette wünschen. In sieben von acht Partien der Rückrunde lief eine andere Viererkette auf. das ist sicher nicht der Hauptgrund, aber liefert zumindest eine Erklärung für die vielen Gegentore.
Von der krachenden 0-3 Niederlage des FCN zuhause gegen Hannover 96 sollte sich jedoch am Millerntor niemand blenden lassen. Denn auswärts wurden aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt. Das 4-2-3-1 unter Keller ist ein kompaktes und schwer zu knackendes System, welches (erscheint anhand der vielen Gegentore unwirklich) vorrangig defensiv ausgerichtet ist. Ein Konter-Gegentor fing sich der FCN diese Saison z.B. noch nicht. Wird mal Zeit, ist ja so etwas wie unsere Spezial-Disziplin…

Schönes Wochenende!
Nur nochmal für’s Protokoll: Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband hat alle Spiele abgesagt, der Hamburger Handballverband auch, der Hamburger Fußballverband wird vermutlich heute Vormittag nachziehen. Konzerte und ähnliches sind auch abgesagt. (Übrigens: Der DOM im Frühjahr fällt auch aus…)
Macht Euch ein gemütliches Wochenende, wenn möglich im Kreis Eurer Lieben, holt die Gesellschaftsspiele aus dem Schrank, lasst das Netflix-Abo rauchen oder hört Podcasts.
Wenn nicht jetzt, wann dann? (Sorry, no Ohrwurm intended…)

// Maik & Tim

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