Die Aufstiegssaison 2009/2010

Wir hatten mit dem Thema „Niederlagen“ für die letzte YouTube-Sendung vielleicht nicht die beste Idee für die aktuell eh schon traurige Gesamtsituation, auch wenn es am Ende trotzdem eher amüsant zuging. Umso erfreulicher aber geht es dann heute zu: Unsere letzte Aufstiegssaison wird behandelt.
Zunächst hier im Text, unten drunter dann als Video und Podcast, wo uns niemand geringeres als Ralph Gunesch mit seiner virtuellen Anwesenheit beehrte.
Danke Ralph für Deine Zeit und einen ganzen Haufen toller Einblicke! Ebenso möchten wir uns bei Stefan Groenveld und Antje Frohmüller bedanken, die tief in ihren Archiven kramten und uns viele Bilder aus der Saison zur Verfügung gestellt haben.
(Titelbild: Antje Frohmüller)

Die Saison 2009/2010
Neben dem FC St. Pauli ist in der Saison 2009/2010 noch der 1. FC Kaiserslautern aus der 2. Liga aufgestiegen. Auf dem 3. Platz landete der FC Augsburg, der jedoch in der Relegation am 1. FC Nürnberg scheiterte. Den Gang in die 3. Liga mussten Rot Weiss Ahlen, TuS Koblenz und Hansa Rostock antreten.
Sollte es noch einen Beweis für die Theorie bedürfen, dass die 2.Liga eine reine Durchgangsliga ist, bitteschön: Kein einziges Team hat durchgängig seit der Saison 09/10 in der Liga gespielt. Und neben dem FCSP befanden sich 09/10 nur drei weitere Teams in der 2.Liga, die auch in der Saison 2019/2020 in der Liga sind: Arminia Bielefeld, Greuther Fürth und der Karlsruher SC. Diese vier Teams hatten zwischenzeitlich Abstecher in die erste (Fürth, FCSP) oder dritte Liga (Bielefeld, KSC). Alle anderen 14 Teams spielen aktuell in anderen Ligen. Vier in der ersten Liga, vier in der dritten Liga, vier in der Regionalliga und zwei in der Oberliga. Ihr dürft gerne, natürlich ohne Hilfsmittel, in den Kommentaren auflisten, wer da inzwischen wo spielt.

Transfers & Statistiken des FCSP
Keine Frage. Mit Charles Takyi (zurückgeholt aus Fürth), Deniz Naki (aus Leverkusen), Rouwen Hennings (Kauf nach Leihe), Richard Sukuta-Pasu (Leihe aus Leverkusen), Bastian Oczipka (Leihe in der Winterpause), Matthias Lehmann (ablösefrei aus Aachen), Markus Thorandt (ablösefrei von 1860) und Max Kruse (ablösefrei aus Bremen) wurden eigentlich nur Transfers getätigt, die fast ausnahmslos als gelungen betrachtet werden können. Sicher, das Grundgerüst im Kader mit Hain, Morena, Rothenbach, Gunesch, Boll, Bruns, Ebbers & Co war bereits mehr als solide. Es führte da eines zum anderen.
Im Sommer verließen den FCSP Ömer Sismanouglu (Kayserispor), Filip Trojan (Mainz), Alex Ludwig (1860 München), Rene Schnitzler (FC Wegberg-Beeck, ganz weit unten in der Ligenklasse), Björn Brunnemann (Union Berlin), Benjamin Weigelt (Wehen-Wiesbaden) und Junior Hoilett (nach Leihe zurück zu den Blackburn Rovers). Klar, der Weggang von Trojan tat weh. Aber der war aufgrund seiner Leistungen genauso wenig zu halten wie Junior Hoilett.
Als die Transfers so getätigt wurden, war natürlich noch nicht ganz klar, ob wir uns nun verstärkt haben oder nicht. Denn mit Naki, Kruse und Oczipka wurden ja Nachwuchsspieler geholt, die den Entwicklungsschritt erst noch gehen mussten. Es waren also einige Fragezeichen vor der Saison vorhanden.

(c) Stefan Groenveld

Den größten Spielanteil in der Saison 09/10 hatte Marius Ebbers mit 2.935 Minuten und Einsatzzeiten in jedem der 34 Saisonspiele. Knapp dahinter folgt Matthias Lehmann (33 Spiele, 2.925 Minuten). Erst dann kommt Torwart Matze Hain (33 Spiele, 2.894 Minuten), der sich im Aufstiegsspiel in Fürth einen Kieferbruch zuzog und von Bene Pliquett vertreten wurde. Es folgen Kapitän Fabio Morena (31, 2.790 Minuten) und Florian Bruns (33, 2.645 Minuten).
Und die Liste der notenbesten Feldspieler (nach kicker-Benotung) liest sich ziemlich ähnlich: Auf Marius Ebbers (Durchschnittsnote: 2,91) folgen Matthias Lehmann (3,02) und Fabio Morena (3,16). Dahinter kommen dann Florian Bruns (3,24) und Deniz Naki (3,25).

So, kommen wir zum Wesentlichen: Den einzelnen Spieltagen. Ihr werdet sehen, dass wir bei einigen Spielen mehr und bei anderen weniger Lust auf eine Rückschau hatten.

1. Spieltag, FC St. Pauli – Rot Weiss Ahlen: 2-1

Was für ein Auftakt in die Aufstiegssaison! Am Freitagabend bei sommerlichen Temperaturen empfing der FCSP Rot Weiss Ahlen zum Tanz. Es sollte dank eines Last-Minute-Treffers von Nils Pichinot (der es völlig zurecht in unsere Liste der besten späten Siegtore geschafft hat) ein perfekter Start in die Saison werden. Und die Art und Weise mit der die drei Punkte eingefahren wurden, ließ aufmerken. Die doch recht tiefgreifenden Änderungen im Kader schienen Wirkung zu haben (das 1-0 war gleich eine Co-Produktion der Neuzugänge Lehmann und Naki).
Die ersten Spieltage einer Saison sind ja immer was Besonderes. Denn es kann einfach alles passieren. Es ist quasi jede Saison aufs Neue so, dass man trotz der vielen Einschätzungen und Diskussion in der Vorbereitung nun zum ersten Mal einen Blick in die Wundertüte werfen darf. Und da alle mit null Punkten starten (Arminia Bielefeld wurden erst im Laufe der Rückrunde vier Punkte abgezogen) hat man irgendwie das Gefühl, egal ob das eigene Team nun echte Chancen hat oder nur ganz vage Hoffnungen, dass diese, ja diese Saison nun endlich mal der Aufstieg drin ist. Wir nehmen nicht zuviel vorweg, wenn wir hier schreiben, dass uns unser Gefühl dieses Mal nicht getäuscht hat…

Hach, Siegtore in der Nachspielzeit… Dieses tolle Bild von Stefan Groenveld hat alle Emotionen des Moments eingefangen als Nils Pichinot das späte 2-1 beim Saisonauftakt gegen Ahlen erzielte.

2. Spieltag, Alemannia Aachen – FC St. Pauli: 0-5

Nach dem Last-Minute-Treffer von Pichinot ging es mit positiver Grundstimmung nach Aachen. Dort hatte in der Vorsaison der altehrwürdige Tivoli die Pforten geschlossen und die Alemannia auf Platz 4 nur knapp den Aufstieg verpasst. Unter anderem, weil der FCSP dort am 24.Spieltag durch einen 3:1-Sieg am 24.Spieltag (2x Hoilett, 1x Ludwig) als letztes Auswärtsteam siegreich war.
Und an diesem Montag im August sollte nun der neue Tivoli eingeweiht werden. 32.900 Menschen im neuen und natürlich ausverkauften Schmuckkästchen direkt nebenan – und die erste Halbzeit geriet zu einem einzigen Rausch in Braun-Weiß.
Ebbers (24. & 28.), Naki (35.) und Bruns (39., 11m) schossen unsere Farben mit 4:0 in Front, Rouwen Hennings traf kurz vor Schluss sogar noch zum 5:0.
Der Gästeblock war eine einzige Masse in Ekstase, u.a. war es die Geburtsstunde des „Immer weiter vor“-Songs, der damals mit folgendem Text das Licht der Welt erblickte:

Alemannia,
Ihr verliert, das ist doch klar,
Hier am Tivoli,
siegt der FC St.Pauli!

https://www.youtube.com/watch?v=F3VT1gbMJKk

Und dann war am Ende doch alles ganz furchtbar und alle waren geschockt, denn es gab an diesem Abend wichtigeres als Fußball:
In den Feierlichkeiten stürzte „Mini“ aus dem Block auf den Beton darunter und erlitt schwere Verletzungen.
Bis heute ist das anschließende Verhalten von BILD und MOPO einer (von vielen) Gründen dafür, warum man diesen beiden Medien weder ein Printerzeugnis abkaufen, noch deren Website jemals mit einem Klick beehren sollte.

3. Spieltag, FC St. Pauli – MSV Duisburg: 2-2

Puuh, das ist selbst heute noch ärgerlich. Erst erzielt Charles Takyi das 2-1 gegen Duisburg, bekommt nach seinem Torjubel (siehe Bild) jedoch die gelbe Karte. Nach klarsten Gelegenheiten auf das 3-1 ist es wieder Takyi der entscheidend ins Spiel eingreift: Er sieht zurecht (ja, leider zurecht) die Gelb-Rote Karte und so muss der FCSP knapp 60 Minuten in Unterzahl spielen. Nichtsdestotrotz hat der FCSP weiterhin Chancen auf das dritte Tor. Doch ein gewisser Sandro Wagner erzielt den Ausgleich in der zweiten Halbzeit. Ganz klar: Zwei verlorene Punkte.

Für das Ausziehen des Trikots bei seinem Torjubel bekam Charles Takyi zurecht die Gelbe Karte. Es sollte nicht sein einziges Vergehen an diesem Tag bleiben. // (c) Stefan Groenveld

4. Spieltag, Karlsruher SC – FC St. Pauli: 0-4

Ist ja auch immer ne Zeitreise so eine Rückschau auf eine vergangene Saison. Seine Heimpremiere als Cheftrainer in Karlsruhe feierte damals nämlich ein gewisser Markus Kauczinski. Und die ging ziemlich gründlich inne Büx: In Karlsruhe spielte sich der FCSP in der zweiten Halbzeit in einen Rausch und gewann völlig verdient mit 4-0 im Wildpark. Spätestens bei diesem Spiel wurde dank seines Doppelpacks deutlich, welch ein Königstransfer Matthias Lehmann für den FCSP gewesen ist. Klar, die Aufstiegssaison hat viele Geschichten von Spielern geschrieben. Aber es war schon bemerkenswert, welches Gleichgewicht Lehmann in das Spiel des FCSP brachte. Durch den Sieg wurde dann auch wieder punktgleich mit Union Berlin von der Tabellenspitze gegrüßt.
Immer weiter vor!

5. Spieltag, FSV Frankfurt – FC St. Pauli: 2-3

Und die Tabellenführung wurde auch am 5.Spieltag beim FSV Frankfurt verteidigt. Beim dritten Auswärtsspiel der Saison wurde der dritte Sieg eingefahren (bei einem Torverhältnis von 12:2). Donnerwetter! Das Spiel begann perfekt: Bereits in der 1. Minute erzielte Marius Ebbers das 1-0. Es folgte jedoch nur zwei Zeigerumdrehungen später der Ausgleich und dann in der 17. Minute durch ein astreines Eigentor vom „Fairteidiger“ (die Nutzungs- und Namensrechte hierfür liegen bei Timo Schultz) Ralph Gunesch der Rückstand.
Das Spiel wurde dann in der zweiten Halbzeit aber noch zu Gunsten des FCSP gedreht. Hauptakteur war hierbei Charles Takyi, der, nachdem er bereits das erste Tor vorbereite, das 2-2 selbst erzielte und auch das 3-2 von Lehmann auflegte. Nahmen wir den Doppelpack von Lehmann einen Spieltag vorher zum Anlass uns lobend über seine Verpflichtung zu äußern, so können wir dieses Mal die Rückholaktion von Charles Takyi lobpreisen. So Rückholaktionen sind ja eigentlich immer eher mit Skepsis zu betrachten. Es wird einfach nie so gut, wie es mal war, aber die Erwartungen sind halt so wie früher. Doch dieser Wechsel ist dann wohl eher die Ausnahme der Regel. Wobei es scheint als wenn beim FCSP die Ausnahmen die Regel ist. Gunesch kam zurück, war besser denn je, Sobiech auch, Mats quasi auch und mit Abstrichen war auch die Rückholaktion von Alex Meier ein Erfolg (bestimmt blendet der Autor gerade Negativbeispiele aus…).

6. Spieltag, FC St. Pauli – 1. FC Kaiserslautern: 1-2

Ja, *phew, über Niederlagen schreiben… und dann auch noch gegen die „Region“!
Bloß weg hier!

7. Spieltag, Arminia Bielefeld – FC St. Pauli: 1-0

Ihr wisst spätestens nach der Lektüre des „Niederlagen“-Textes, dass ich (Tim) mal jung und naiv war und ich die Rückkehr meiner Reise nach Frankfurt mit sicher geglaubten drei Punkten im Gepäck geplant hatte. Zwei Jahre später war ich nicht mehr ganz so naiv, aber doch ausreichend genug, um voller Erwartung in einen Bus nach Bielefeld zu steigen. Die drei vorherigen Auswärtssiege taten ihr Übriges. Dabei habe ich genaugenommen gar keine Niederlage gesehen, denn zu allem Überfluss kam unser Bus auch noch zu spät in Bielefeld an (irgendein Depp im Bus war der Meinung nicht über Allertal zu fahren – das ist IMMER ein Fehler!). Und da Giovanni Federico bereits in der 8. Minute das entscheidene Tor erzielte, habe ich mir ein torloses Unentschieden (Spielzeit: 65 Minuten) angeschaut.
Durch die Niederlage wurde der FCSP von Bielefeld in der Tabelle überholt und rutschte auf den 4. Platz ab (falls ihr selbst mal die Tabelle anschaut, so werdet ihr merken, dass der FCSP je nach Website auf dem 3. oder 4. Platz geführt wird. Das liegt am Punktabzug für Bielefeld, der aber erst im März 2010 vollzogen würde, jedoch teilweise bereits zu Saisonbeginn eingerechnet wird oder eben nicht).

8. Spieltag, FC St. Pauli – TSV 1860 München: 3-1

Nach zwei Niederlagen in Folge kam der krisengeschüttelte TSV 1860 München ans Millerntor. Und wie das halt so ist, wenn die Grundpfeiler eines Teams und einer taktischen Ausrichtung funktionieren, gewinnst du auch Drecksspiele. So wie dieses, bei dem beide Teams wenig anboten, Rothenbach, Ebbers und zum Ende Naki jedoch die Tore machten. Durch die Niederlage von Union Berlin und dem Unentschieden von Kaiserslautern konnte der FCSP wieder nah heranrücken an die Aufstiegsplätze.
Übrigens beinhaltet das Spiel eine echte Zeitreise – denn der Trainer von 1860 München war zu dieser Zeit Ewald Lienen. Der führte 1860 nach durchwachsenem Saisonstart noch auf den 8. Platz. Im Sommer 2010 folgte aber die Vertragsauflösung, da Ewald ein Angebot von Olympiakos Piräus vorliegen hatte.

(c) Stefan Groenveld

9. Spieltag, Rot-Weiß Oberhausen – FC St. Pauli: 1-3

Auf den 3-1 Heimsieg gegen 1860 München folgte ein 3-1 Auswärtssieg in Oberhausen. Nach der ernüchternden Niederlage in Bielefeld, ließ der FCSP auswärts also wieder drei Tore und drei Punkte folgen. Den Endstand besorgte in der Nachspielzeit Max Kruse. Seine Torpremiere im braun-weißen Dress. Das war war quasi der Auftakt der Kruse-Festspiele in der Hinrunde, denn in den folgenden sechs Spielen kamen weitere fünf Treffer auf sein Konto. Durch den Sieg in Oberhausen und den gleichzeitigen Sieg von Fürth bei Union konnte der FCSP wieder auf den dritten Platz klettern.

10. Spieltag, FC St. Pauli – Energie Cottbus: 1-1

Dieses Spiel ist einigen vielleicht noch in Erinnerung. Nicht zwingend wegen des Ergebnisses. Eher aufgrund der Ereignisse kurz nach Wiederanpfiff: Im Gästeblock wurden mehrere Bengalos gezündet. Eines davon wurde auf den Rasen geworfen, nahe an die Haupttribüne. Doch da verblieb es nicht. Ein nicht unbekanntes Gesicht schnappte sich den Bengalo und warf ihn zurück in den Gästeblock.
Hui, da war was los auf der Gegengerade!

11. Spieltag, Hansa Rostock – FC St. Pauli: 0-2

Naki – die Fahne. Das reicht.

(c) Stefan Groenveld

Okayokay, es gab natürlich noch ein wenig mehr zu erzählen, z.B. die Sperre des DFB für die „Hals abschneiden“-Geste von Deniz Naki oder den Niveaulimbo auf den Tribünen oder zwei volle Sonderzüge… aber vielleicht machen wir „Spiele gegen Hansa“ mal als eigenes Thema.

12. Spieltag, FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf: 2-1

Man, das waren tolle Zeiten Anfang November 2009: Der FCSP stand nach 11 Spielen auf dem 3. Platz und sollte an einem Freitagabend Fortuna Düsseldorf am Millerntor empfangen (übrigens das letzte Spiel vor der alten Haupttribüne). Vorgemerkt: Das war Jahre bevor sich die Truppe von Fortuna den Titel „Schauspieler vom Dienst“ nachhaltig erarbeitete. Fortuna war gerade nach langer Abstinenz in die 2. Liga aufgestiegen und ihr haftete irgendwie noch ein wenig was von einem Punk-Image an, zumindest für mich (Tim). Und das beste war, dass der Spieltag nicht erst am Freitag, sondern bereits am Donnerstag begann. Denn an diesem Donnerstag gab sich Celtic Glasgow die Ehre und wurde im Volksparkstadion vorstellig (oder wie auch immer das Ding damals hieß). Also ging es am Donnerstag, so um die Mittagszeit mit ein paar Bier zum Knust. Im weiteren Verlauf dann der Trip zum Volkspark, gefolgt von einer langen Fete, einem zünftigem Katerfrühstück, nur um sich kurze Zeit später bereits wieder mit einem Bier in der Hand auf St. Pauli wiederzufinden.
Ein hochklassiges Spiel des Tabellendritten gegen den Tabellenfünften gab es dann abends zu sehen. Der FCSP ging früh in Führung, fing sich aber Mitte der Halbzeit den Ausgleich und erzielte in der zweiten Halbzeit das 2-1 durch Hennings. Und das alles wurde so oder so noch im Rausch des Sieges in Rostock durchlebt. Der FCSP war schlicht in Topform und landete den vierten Sieg im fünften Spiel nacheinander. Watt willste mehr?! Wir waren quasi unschlagbar. Und deshalb konnte das nächste Spiel auch nur so enden, wie es endete…

13. Spieltag, FC Augsburg – FC St. Pauli: 3-2

… schnell weiter … hier gibt es nix zu sehen… außer vielleicht einen FCSP, der in Unterzahl (Lechner flog nach 30 Minuten, natürlich zu Unrecht, vom Platz) zwei Gegentore in zwei Minuten fing (samt Eigentor von Morena), diesen Rückstand wieder ausglich, nur um sich in der Nachspielzeit doch noch das 3-2 zu fangen… bloß weg hier!

14. Spieltag, FC St. Pauli – Union Berlin: 3-0

Na klar, Siegtore in der Nachspielzeit sind einfach unbezahlbar und in den Erinnerungen vieler einfach präsenter als deutliche Siege. Daher gehen wir davon aus, dass es nicht allzu viele Erinnerungen an den klaren 3-0 Heimsieg gegen Union gibt. Denn der FCSP führte bereits zur Halbzeit mit drei Toren (von Ebbers, Kalla und Kruse) und für ein Spiel gegen Union Berlin war das quasi höllisch langweilig (in den folgenden Heimspielen gegen Union haben wir z.B. 3x erst in der Nachspielzeit das Siegtor erzielt). Dank der drei Punkte und der Niederlage von Bielefeld konnte der FCSP wieder auf den 2. Platz springen und hat nebenbei Union Berlin einen ziemlichen Nackenschlag versetzt, denn Union hätte bei einem Sieg punktemäßig mit dem FCSP gleichziehen können. Enorm wichtiger Dreier also.

Schau mal, Schnecke, wie süß.
(c) Stefan Groenveld

15. Spieltag, TuS Koblenz – FC St. Pauli: 1-5

Und die gute Form konnte auch mit nach Koblenz genommen werden. Wobei „gute Form“ in diesem Fall doch schon ziemlich untertrieben ist. Der FCSP schenkte Koblenz satte fünf Tore ein, ehe das Heimteam noch einen Ehrentreffer erzielte. Nein, der FCSP war nicht in „guter Form“, er war quasi auswärts das Maß aller Dinge: 24 Tore in acht Auswärtsspielen sind ein echtes Pfund. Und ganz nebenbei zeigten sie auch die Stärke des von Stanislawski favorisierten 4-2-3-1, bei dem aus der berühmten „Kompaktheit“ immer wieder gute Kontersituationen geschaffen werden konnten. Sechster Sieg aus den letzten acht Spielen. Was ne Serie!

16. Spieltag, FC St. Pauli – Greuther Fürth: 2-2

Pah, dass wir dafür überhaupt einen Punkt bekommen haben, hatte ich ganz vergessen und ist nicht viel weniger als eine Frechheit! Das Spiel fühlt sich wie eine der krassesten Niederlagen aller Zeiten an. Das lag daran, dass der FCSP das 3-1 erzielte. Aber dann machte Fürth das 2-2. Häh?! Jo, da haben quasi alle im Stadion einige Zeit für gebraucht, um zu verstehen, dass die Vorentscheidung von Naki nicht zählt, da es Abseits gewesen sein soll (was natürlich völliger Quatsch war). Das Millerntor feierte, die Spieler auch und „Song 2“ dröhnte aus den Boxen während etwa das halbe Team von Fürth die einzigen waren, die weiter Fußball spielten und so durch Sebastian Ghasemi-Nobakht das 2-2 erzielten. Und das alles in der Nachspielzeit… Alter, was ne Niederlage!

Was ne Schönheit das Millerntor bis Herbst 2009 doch gewesen ist!
(c) Antje Frohmüller

17. Spieltag, SC Paderborn – FC St. Pauli: 2-1

Und nach der gefühlten Niederlage gab es dann auch ne richtige. Da spielst du eine formidable Hinrunde, holst ganze 33 Punkte aus 16 Spielen und bekommst dann als Weihnachtsgeschenk ne Niederlage in Paderborn. Das tat zweifelsohne weh, aber war vielleicht rückblickend gar nicht mal so unwichtig. Denn mit einem Sieg hätte der FCSP ein fast schon beruhigendes Polster von sechs Punkten (bei deutlich besserem Torverhältnis) auf den 3. Rang gehabt.

18. Spieltag, Rot Weiss Ahlen – FC St. Pauli: 0-2

Der Auftakt zur Rückrunde war nicht weniger als perfekt: Vier Siege aus den ersten vier Spielen. Den Anfang machte ein krampfiges 2-0 bei Schlusslicht Ahlen. Bemerkenswert war dabei vor allem das Premierentor von Richard Sukuta-Pasu, der handgestoppte 20 Sekunden nach seiner Einwechslung das entscheidende 2-0 erzielte oder besser gesagt erstolperte.
Merke: Wer solche Drecksspiele gewinnt (als Top-Team beim Schlusslicht), hat auch wirklich ganz dicke Kohlen im Feuer.

19. Spieltag, FC St. Pauli – Alemannia Aachen: 1-0

Aus fußballerischer Sicht ist vielen dieses Spiel sicher nicht in Erinnerung. Max Kruse besorgte in der ersten Halbzeit das 1-0, welches zugleich der Endstand war. Aber allen ZuschauerInnen im Stadion ist dieses Spiel sicher noch in Erinnerung als das Fucking-Kälteste-Spiel-Aller-Zeiten! Das Thermometer zeigte in der Nacht vor dem Spiel deutlich zweistellige Minusgrade. Zwar waren es „nur“ noch -9°C während des Spiels, aber so sehr wir uns alle darüber freuten, dass die alte Haupttribüne abgerissen wurde, so sehr bereuten wir es damals. Denn der eisige Wind knallte direkt auf die Gegengerade. Schlimmer noch: Die Bierleitungen waren zugefroren und auf dem Glühwein bildete sich nach kürzester Zeit eine Eisschicht. Wenn sich heute Leute über Vermummung im Stadion aufregen, dann hätten die mal beim Spiel gegen Aachen einen Blick auf die Gegengerade werfen sollen. Das war nachhaltig frostig, trotz des Sieges. So nachhaltig, dass dem Autor dieser Zeilen beim Schreiben noch ein kalter Schauer über den Rücken fährt. Ein Glück ist Frühling!

Während auf den Rängen quasi alles vor Kälte erstarrte, erzielte Max Kruse das entscheidende 1-0 gegen Aachen.
(c) Stefan Groenveld

20. Spieltag, MSV Duisburg – FC St. Pauli: 0-2

Ja, der FCSP hat fünf Buden in Koblenz und Aachen erzielt, dazu vier in Karlsruhe und Fürth. Doch den beeindruckendsten Auswärtsauftritt gab es defintiv beim MSV Duisburg, der bis zu diesem Spiel mit nur fünf Punkten Rückstand auf den FCSP durchaus ein direkter Konkurrent war. Lest Euch einfach mal den Ticker der ersten Halbzeit durch. Die Anzahl der Großchancen hat der FCSP auswärts sonst in einer ganzen Saison.
Spätestens nach dieser Lesitung war mehr als deutlich, dass der Aufstieg diese Saison nur über den FCSP führen dürfte.

21. Spieltag, FC St. Pauli – Karlsruher SC: 2-1

Es war Rouwen Hennings, der mit einem Doppelpack gegen den KSC für einen weiteren Dreier sorgte. Seine Saisontore sechs und sieben. Zwei weitere Tore folgten noch im Laufe der Saison. Damit belegte er in der internen Rangliste der Torschützen den 2. Platz. Ganz vorne thronte Marius Ebbers mit satten 20 Treffern. Den dritten Platz teilten sich Matthias Lehmann und Charles Takyi mit je acht Treffern, dicht gefolgt von Deniz Naki (7 Tore) und Florian Bruns (6 Tore, davon vier Elfmeter). Sieben weitere Torschützen gab es noch, die alle einen Treffer erzielten.
Einen der Treffer von Hennings gegen den KSC legte Bastian Oczipka auf. Der war erst im Winter auf Leihbasis von Leverkusen zum FCSP gewechselt (da kein Wasser in den Wein gegossen werden soll, wird an dieser Stelle unterschlagen für welchen Klub er in der Hinrunde auflief) und spielte bis auf den Auftakt gegen Aachen in jedem Spiel über die volle Distanz.
Bester Vorlagengeber der Saison beim FCSP war übrigens Deniz Naki, der ganze 11-mal ein Tor auflegte. Ihm folgt Marius Ebbers, der mit neun Torvorlagen und seinen 20 Toren der beste Scorer der gesamten 2. Bundesliga in der Saison 2009/2010 wurde. Florian Bruns und Matthias Lehmann haben je acht Tore aufgelegt und Charles Takyi hat sechsmal serviert.

Die „Bowlingkugel“ – ein glücklicherweise häufig gesehener Jubel nach erfolgreichen Spielen in der Saison.
(c) Antje Frohmüller

Die „Krise“
Auf den vierten Sieg in Serie, der zumindest für den Freitagabend an dem das Spiel stattfand die Tabellenführung bedeutete, folgten vier ernüchternde Spiele, die wir hier lieber schnell übergehen wollen und daher das Ergebnis für sich stehen lassen:

22. Spieltag, FC St. Pauli – FSV Frankfurt: 0-0

Es war kalt. Und öde.

23. Spieltag, 1. FC Kaiserslautern – FC St. Pauli: 3-0

Boah, ja, nee, da müssen wir doch kurz zwischenfunken. Denn an diesem 23. Spieltag war FCK vs. FCSP nicht viel weniger als das absolute Topspiel der zweiten Liga. Das erstplatzierte Team empfängt das zweitplatzierte. Was nach großem Fußball klingt, war aus FCSP-Sicht jedoch eher ein ziemlich heftiger Nackenschlag, der zeigte, dass der Weg doch nicht so genau vorgezeichnet war, wie es nach vier Siegen zum Rückrundenauftakt ausgesehen hatte. Völlig verdient verlor der FCSP in der „Region“ und hatte im Anschluss noch zwei weitere Niederlagen zu beklagen.

24. Spieltag, FC St. Pauli – Arminia Bielefeld: 0-1

Gibt es nicht.

25. Spieltag, TSV 1860 München – FC St. Pauli: 2-1

Leichter Frust in den Gesichtern nach der Niederlage zuhause gegen Bielefeld.
(c) Stefan Groenveld

26. Spieltag, FC St. Pauli – Rot-Weiß Oberhausen: 5-3

Nach dem 21.Spieltag (KSC) hatten wir als Tabellenzweiter sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und gar acht Punkte auf Platz vier.
Die letzten vier Spiele hatten also alles, was wir uns mühsam aufgebaut hatten, mit dem Hintern umgerissen und nun hatten wir plötzlich vier Punkte Rückstand auf Augsburg (2.) und nur noch zwei Punkte Vorsprung auf die Fortuna aus Düsseldorf (4.). Es wurde also eng, sehr eng.
RWO befand sich fünf Punkte vor den Abstiegsrängen zwar nicht in akuter Not, witterte ob unserer Serie aber natürlich seine Chance… und dank der frühen Führung durch Ebbers (5.) schien alles endlich wieder gut zu werden.
Ich (Maik) hatte von einem Bekannten eine Einladung in ein Separée unseres Wettsponsors auf der Süd erhalten und musste von dort mit ansehen, wie Ralph Gunesch bereits nach zehn Minuten verletzt ausgewechselt wurde – wie sich dann herausstellen sollte war es ein Innenbandriss und er kam in der restlichen Saison nicht mehr zum Einsatz.
Das Spiel war der Wahnsinn. Freistoßtor aus 30 Metern (Lehmann) Torwartpatzer bei uns, Torwartpatzer bei RWO, fast ein Tor von der Mittellinie durch Ebbers und zwei(!!) Tore nach Ecken(!!!) für uns(!!!!).
Nach dem Spiel baute besagter Wettsponsor dann einen Pokertisch im Separée auf und ich konnte das Spiel gewinnen und ging mit einem Pokerkoffer nach Hause – wahrscheinlich begünstigt durch die Hilfe von Ralph Gunesch, der sich sichtlich geknickt ob seiner Verletzung später noch zu mir gesellt hatte.

27. Spieltag, Energie Cottbus – FC St. Pauli: 0-1

Ein Auswärtssieg aus der Kategorie „ganz wichtig & ganz dreckig“. Charles Takyi besorgte mit seinem Treffer den 1-0 Auswärtssieg in Cottbus. Da Düsseldorf am gleichen Spieltag gegen Spitzenreiter Kaiserslautern „nur“ einen Punkt holte, konnte der FCSP mit dem Sieg das Polster auf den 4. Platz auf sieben Punkte ausbauen.

28. Spieltag, FC St. Pauli – Hansa Rostock: 2-0

Diese Saison soll ja eigentlich ein einziger Ritt der Freude gewesen sein – doch während wir schon von der Verletzung von Mini in Aachen geschrieben hatten, dürfte dieser Heimsieg gegen die Kogge wahrscheinlich als einer der schwärzesten Tage ever in die Vereinsgeschichte eingehen – zumindest aus Fansicht.
Wer das im Detail nachlesen möchte, sei auf den Übersteiger-Blog (Teil 1 am Tag danach und Teil 2 nach 3-4x drüber schlafen) sowie den Magischen FC von damals verwiesen.
Die Kurzform:
Der damalige Präsident C.Littmann war eine Allianz mit den Polizeibehörden eingegangen und hatte so (verkürzt) für einen leeren Gästeblock gesorgt. Bei aller Rivalität mit der Kogge, gerade solche Spiele leben von der Rivalität beider Lager und eben dann auch einem vollen Gästeblock.
Die aktive Fanszene hatte sich daraufhin (in einem breiten Bündnis, nicht wie oft im Nachgang dargestellt „nur“ USP) daraufhin für die ersten Minuten auf Boykott verständigt, insbesondere auf den Stehplätzen der Süd. Wohlgemerkt: wegbleiben, nicht etwa nur Stimmungsboykott.
Das Spiel wurde 2:0 gewonnen, die Kogge „versenkt“ (was sie schlussendlich in die Relegation gegen Ingolstadt brachte, die sie verlor und seit dem auch nur noch ein weiteres Mal in der 2.Liga antreten durfte), all dies war in den Tagen und Wochen drauf aber nebensächlich, denn der oft beschworene Riss zwischen Teilen der Braun-Weißen Fanszene hatte sich an diesem Tag so sehr offenbart, wie seither erst wieder bei jenem 0:4 im Derby neun Jahre später.

(c) Antje Frohmüller

29. Spieltag, Fortuna Düsseldorf – FC St. Pauli: 1-0

Ein Montagsspiel bei Fortuna Düsseldorf. Was kann es schöneres geben?! So einiges. Vor allem, wenn man nach elendiger Fahrerei durch den Oster-Reiseverkehr (das Spiel fand Ostermontag statt) endlich auf einem Parkplatz ausgespuckt wird, der direkt an der Fabrikhalle eines Modekonzerns liegt. Es stellte sich erst später heraus, dass es sich hierbei um das Stadion von Fortuna Düsseldorf handelte. Da das Ding aber komplett von Metallstreben umhüllt ist und zu allem Überfluss auch noch „Esprit-Arena“ dransteht, kannste nun wirklich nicht davon ausgehen, dass es sich um ein Fußballstadion handelt.
Und so traurig es draußen war, so traurig ging es drinnen weiter, damals am Ostermontag 2010. Denn Fortuna Düsseldorf kam mit dem 1-0 Sieg gegen den FCSP bis auf sechs Punkte heran. Und dann verbrachte der gesamte Gästeblock das Spiel mit Diskussionen. Nicht über Takyi’s Leistungen, die habe ich (Tim) später im Bus lauthals mit „größter Scheiße aller Zeiten“ gegeißelt (Mea Culpa, Charles!) und damit eine andere Diskussion quer durch den Bus beenden wollen. Nein, der Montagstermin an sich und die daraus resultierenden Proteste samt Stimmungsboykott sorgten für erhebliche Diskussionen. Ist auch echt ne schwierige Lage: Natürlich verdient der Montagstermin schon immer jedweden Protest. Aber wenn das eigene Team um den Aufstieg spielt (oder wenn es allgemein auf dem Platz um richtig was geht), dann ist die Sachlage schon etwas schwieriger. „Absolut unangebracht“ sagten die einen, „zwingend notwendig“ die anderen, „Wo ist der Bierstand?“ sagte ich – es hatte einen Grund warum ich nach dem Spiel quer durch den Bus krakeelte…

30. Spieltag, FC St. Pauli – FC Augsburg: 3-0

Wieder war es ein Montag. Und dieser Montag wird sicherlich von den meisten als entscheidender Meilenstein zum Aufstieg empfunden. Der zweitplatzierte FCSP (55 Punkte) empfing den drittplatzierten FC Augsburg (54 Punkte). Dahinter war bekanntlich Düsseldorf mit 49 Zählern, die jedoch tags zuvor in Cottbus verloren. Es war also klar, dass der FCSP mit einem Sieg einen gewaltigen Schritt machen konnte. Und den tat er und gewann ein hart umkämpften Spiel letztlich deutlich mit 3-0. Sicher eines der besten oder zumindest beeindruckendsten Spiele von Marius Ebbers, der einen Doppelpack in der zweiten Halbzeit erzielte und damit das Millerntor zum Beben brachte.
(Sidenote: Trainer der Gäste war damals Jos Luhukay).

Marius Ebbers jubelt nach seinem Doppelpack gegen Augsburg. Der Sieg war ein Meilenstein auf dem Weg in die 1. Liga.
(c) Stefan Groenveld

31. Spieltag, Union Berlin – FC St. Pauli: 2-1

Auf den womöglich vorentscheidenen Sieg folgte ziemliche Ernüchterung. Und das im wörtlichen und übertragenen Sinne. Denn der FCSP verlor an der Alten Försterei durch ein spätes Gegentor. Und weit vor diesem Gegentor, nämlich bereits zur Halbzeit war das Bier im Gästeblock alle. Absolut ernüchternd auch die Ergebnisse von den anderen Plätzen: Augsburg gewann, Fortuna gewann. Somit war der erspielte Vorsprung wieder weg.

32. Spieltag, FC St. Pauli – TuS Koblenz: 6-1

Das letzte Freitagsspiel der Saison und mit der TuS Koblenz kam ein Team mit schwersten Abstiegssorgen ans Millerntor. Koblenz hatte drei Punkte Rückstand auf Rostock, die jedoch nur auf dem Relegationsrang waren. Auf Rang 15, wo der FSV Frankfurt rangierte, der in der Woche zuvor das Do-or-die gegen Rostock für sich entscheiden konnte, waren es bereits sechs Zähler. Und da Rostock am selben Tag überraschend bei Kaiserslautern gewann, die dadurch nicht den sicher geglaubten Aufstieg zuhause feiern konnten, war der Abstieg von Koblenz mit der Niederlage am Millerntor quasi besiegelt. Denn zu den sechs Punkten Rückstand kam auch noch ein katastrophales Torverhältnis (auch dank des 1-6 und 1-5 gegen den FCSP).
Das Torverhältnis spielte auch beim FCSP eine Rolle: Sie hatten ein klar besseres als Düsseldorf und Augsburg und daher quasi einen Punkt mehr auf dem Konto. Und so war vor dem Spiel bereits sicher, dass ihnen bei einem Sieg zumindest der Relegationsrang nicht mehr zu nehmen sein würde (da Düsseldorf zwei Tage später nur Unentschieden spielte, war es auch punktetechnisch nach dem Spieltag sicher).
Das Spiel startete etwas schleppend, wurde im weiteren Verlauf aber eine ziemlich deutliche Angelegenheit. Doch erst einmal bekam der FCSP einen denkwürdigen Elfmeter. Diesen setzte der etatmäßige Schütze Bruns erstmal satt neben das Tor. Der Elfmeter wurde jedoch wiederholt, Lehmann trat an – und scheiterte an Torwart Paucken. Da wirkte es dann doch mal zumindest kurzfristig ein wenig so als wenn das Nervenkostüm des FCSP nicht ganz so fest sitzt. Dass der FCSP letztendlich gewann, lag natürlich an der besseren Spielanlage und der guten Umsetzung der taktischen Vorgaben. Oder aber, und diese Version gefällt wesentlich besser, dass ein Mitglied unserer Bezugsgruppe (Nice Guys Sankt Pauli) auf der Gegengerade geradezu Magisches vollbracht hat: Denn kurz vor dem Doppelpack von Takyi & Naki (42. und 44. Minute) ging er mit der sicher tausendfach pro Spiel getätigten Aussage „Ich gehe jetzt mal ein Tor pissen!“ die sanitären Anlagen im Stadion besuchen. Es wurden zwei Tore und wir haben die ganze Halbzeitpause lang gelacht. Und nicht nur das, als das Spiel nach Start der zweiten Halbzeit vor sich hindümpelte, schickten wir die besagte Person wieder zu den sanitären Anlagen. Das Ergebnis: Der Doppelpack von Takyi & Ebbers (57. und 59. Minute). Gelacht wird darüber bis heute.

33. Spieltag, Greuther Fürth – FC St. Pauli: 1-4

Eine Braun-Weiße Pilgerfahrt gen Franken.
Die Geschehnisse dieses Tages, als deutlich mehr als die Hälfte des Ronhof für den Gast schrie und sang und der Pausenrückstand (durch Christopher Nöthe…) nach der Pause noch locker gedreht wurde und dann am Ende alle Dämme gen Rasen brachen… Naki mit Fahne auf der Auswechselbank stehend in einem Meer von Fans…
Wahnsinn.
Unvergesslich.
Man muss dabei gewesen sein, alle Schilderungen können es nicht greifbar machen.

34. Spieltag, FC St. Pauli – SC Paderborn: 1-2

Vorab: Ja, angesichts eines Aufstiegs ist meckern natürlich albern… aber wir hätten nur dieses eine Kackspiel gewinnen müssen, um „die Felge“ zu kriegen! Stattdessen hat ausgerechnet Kaiserslautern dieses Titel feiern dürfen. Grmpf.

Der SC Paderborn hatte damals eine ziemlich gute Truppe, die in der Folge zahlreich ans Millerntor wechselte, u.a. mit Florian Mohr, Sören Gonther, Sebastian Schachten, Enis Alushi und Mahir Saglik, trainiert von André Schubert.

Doch nach den Fürther Feierlichkeiten war dann leider die Luft raus und es gab eben die Niederlage, vielleicht auch, weil man dachte Lautern würde eh gewinnen. Egal, reichte nicht, der Rest war dann Party. Zunächst im Stadion, später auf der Reeperbahn vorm Schmidt’s Tivoli.

Besonders in Erinnerung dürfte vielen „das Nachspiel“ sein, als die Mannschaft kurz raus ging, um dann mit 22 Spielern wieder aufzulaufen, für ein Spiel FCSP vs 1.Liga, zur Hälfte in Bundesliga-Trikots.
Hennings hatte das Frings-Trikot an, Timo Schultz das von Jarolim… und die beiden bepöbelten sich schon beim Einlaufen aufs Feinste, inklusive Schwalbe von Schultz. Diese wiederholte er dann noch mehrfach auf dem Platz, bis Schiri Christian Bönig ihn schließlich mit Doppelrot vom Platz schickte und er mit Mittelfingern die Gegengerade bepöbelte. Fantastisch.
Nachdem St.Pauli dann das Tor schoss, zogen auch alle „Erstligaspieler“ ihre Trikots aus und jubelte in Aufstiegstrikots zu Song 2.

(c) Stefan Groenveld
(c) Stefan Groenveld

Diese Zeitreise war uns ein Fest… und ein ganz klein bisschen geil wäre es schon, wenn wir denn in ca. zehn Jahren auch wieder auf so eine Aufstiegssaison zurückblicken können, die aktuell noch nicht gewesen ist.

Wer das jetzt alles begeistert gelesen hat, kann hier jetzt auch noch anschauen, wie wir in 2 1/2 Stunden diese Saison mit niemand geringerem als Ralph Gunesch besprochen haben:

Und die Podcast-Version:

// flippa, Maik & Tim

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