Vorschau: Die 2.Liga nach der Winterpause

Zu absolut fanunfreundlicher Zeit, nämlich am nächsten Dienstag geht es wieder los: Der 19.Spieltag der 2.Bundesligasaison 19/20 steht an. Zeit also mal einen Blick in die Glaskugel zu werfen. Natürlich nehme ich mir kein Allwissen heraus und behaupte, dass das Geschriebene auch nur ansatzweise dem entspricht was passieren wird oder was passiert ist. Trotzdem möchte ich gerne mal alle 18 Zweitligisten beleuchten, schauen, wie die Hinrunde lief, ob da frisches Blut in den Kader gepumpt wurde und dann gebe ich auch noch meine persönliche Einschätzung dazu ab (falls ihr wetten wollt, dann lieber nicht auf Basis dieser Einschätzung).

Die Plätze an der Sonne

Bei der Beschreibung der einzelnen Teams werde ich mich (mehr oder weniger) an der aktuellen Tabelle langhangeln. Dementsprechend fange ich an mit… dem VfB Stuttgart (3.Platz, 31 Punkte) (ich sach ja, ‘mehr oder weniger’…):
Legt man den Wert des Kaders und die von mir sehr geliebten expected Goals (Tabelle folgt später im Text) zugrunde, so kann es eigentlich nur der VfB sein, der am Ende der Saison die Reifenfelge in die Höhe stemmen darf. Der Kader wurde zu Saisonbeginn massiv umgebaut ohne nennenswert an Qualität zu verlieren und mit Tim Walter wurde ein Trainer geholt, der sich mit seinem “Walterball” sogar international einen Namen gemacht hat. Und trotzdem gab es von Anfang an eigentlich nie so richtig Ruhe bei der Arbeit. Zu Beginn war es eher ein Problem, dass die durchaus vorhandenen hochkarätigen Chancen nicht ausreichend genutzt wurden. Später dann, nachdem es drei Niederlagen in Folge gab (mit dem 2-6 beim hsv als ‘Krönung’) war das Kind eigentlich schon in den Brunnen gefallen. Eine Trennung von Walter, kurz vor Weihnachten, war die Folge. Die Winterpause wird vermutlich nur ganz leicht etwas Schnee über die blank liegenden Nerven bei all denjenigen gelegt haben, die es mit dem VfB halten.
Sein Nachfolger (übrigens der neunte(!) Trainer in den letzten 5 Jahren beim VfB) ist Pellegrino Matarazzo. Für viele ein unbeschriebenes Blatt, hat er doch bisher ‘nur’ als Jugendtrainer bei Nürnberg und Hoffenheim und später, unter Nagelsmann und Schreuder bei Hoffenheim als Co-Trainer gearbeitet. Eine mutige Entscheidung. Denn zumindest der breiten Öffentlichkeit hat Matarazzo noch nicht zeigen können, dass er neben seiner fachlichen Expertise (die er zweifelsohne besitzt) auch einen so dermaßen unruhigen Klub führen kann. Zumal der Kader nicht unbedingt auf seine Spielweise ausgerichtet ist (eine genaue und sehr gute Analyse findet ihr hier) Trotzdem bleibt der VfB Stuttgart der Topfavorit auf den Spitzenplatz. Und das obwohl (oder gerade weil) mit Santiago Ascasibar ein Spieler den Verein gen Berlin verlassen hat (für schlappe 11Mio Kröten), der zwar spielerisch eine echte Granate ist, aber sich nie so richtig mit dem Kapitel 2.Liga anzufreunden schien.
Tendenz: Aufstieg

expected Goals nach der Hinrunde. Quelle: @fivethirtyeight

Und wenn wir gerade das Wort ‘Aufstieg’ in den Mund nehmen, dann sei auch der hamburger sv (2.Platz, 31 Punkte) erwähnt, die Nummer Zwei nach den Marktwerten des Kaders in der Liga. Dieser zeichnete sich, zumindest von außen betrachtet, vor allem durch eine nahezu ungewohnte Ruhe während der Hinrunde aus. Kein Vergleich zum hysterischen “Wir rocken die Liga” zu Saisonbeginn 18/19, gefolgt vom hochverdienten 4.Platz, der sich für einige wie ein zweiter Abstieg anfühlte. Diese Ruhe scheint vor allem von Dieter Hecking auszugehen, der die Befindlichkeiten im Kader gut wegzumoderieren scheint. Ganz allgemein hat sich der Klub auch vor der Saison von einigen ‘Altlasten’ befreien können, welches jedoch nicht bedeutet, dass nicht noch weitere vorhanden sind (ich möchte an dieser Stelle an die millionenschweren Verträge von Wood und Papadopoulus erinnern). Trotzdem schien der zweite Hamburger Klub zu Beginn der Hinrunde wie ein Uhrwerk zu laufen. Zum Ende folgten jedoch vier sieglose Spiele, die auch aus spielerischer Sicht etwas dürftig ausfielen. Ein Fingerzeig?
In der Winterpause wurden mit Beyer und Schaub dann noch zwei Spieler gehobenen Formates an Land gezogen.
Das Ziel ist klar und die Tendenz auch: Trotz Derbyniederlage im Februar, ist es unwahrscheinlich, dass der hsv nicht aufsteigt.

Die Verfolger

Moment mal, Verfolger? Arminia Bielefeld ist doch Tabellenführer (1.Platz, 34 Punkte)! Das ist richtig. Ich führe sie trotzdem in der Rubrik ‘Verfolger’, da ich, wie bereits erwähnt, glühender Anhänger von expected Goals bin. Und nach diesen Werten sind die Bielefelder nunmal nicht in der absoluten Spitze zu finden. Denn nach den xG-Werten ist Bielefeld tatsächlich ‘nur’ auf Rang drei zu finden, mit einigem Sicherheitsabstand zu den beiden bereits beschriebenen Teams . Klar, bei vier Punkten Vorsprung auf den 4.Platz, wird die Arminia ein gehöriges Wort im Aufstiegsrennen mitreden. Ohnehin bin ich ein Fan vom Neuhaus-Fußball, der, auch aufgrund des lange zusammengewachsenen Kaders, sehr stabil gegen nahezu alle Teams der zweiten Liga funktioniert. Trotzdem hat Bielefeld in der Hinrunde überperformed und nach den Gesetzen der Mathematik wird es über kurz oder lang dazu führen, dass Bielefeld eben nicht aus weniger mehr macht. Die Frage ist aber 1). ob diese Überperformance anhält (unglaubliche 20% aller Torschüsse haben in der Hinrunde zu Toren geführt – Topwert der Liga) und 2.) wie der Klub mit den nun während der Winterpause sicher nicht gesunkenen Ansprüchen umgehen wird. Die Serie von drei sieglosen Spielen vor Weihnachten darf sicher nicht viel länger weitergeführt werden.
Tendenz: eher fallend als steigend.

Als weitere Verfolger haben sich zum Ende der Hinrunde der 1. FC Heidenheim (4.Platz, 30 Punkte) und Erzgebirge Aue (5.Platz, 29 Punkte) positioniert. Während Heidenheim nicht einmal mehr bei uns Dödeln vom MillernTon als Geheimfavorit durchging (in der Auftaktfolge der Saison haben drei von sechs auf Heidenheim als Aufsteiger gesetzt), hat Aue eine wirklich bemerkenswerte Verwandlung hingelegt. Und das obwohl kurz nach Saisonbeginn mit Dirk Schuster ein neuer Trainer an die Seitenlinie musste. Vielleicht ist es nicht bis zu mir durchgedrungen, aber für mich verbleibt es weiterhin unklar, warum Daniel Meyer seinen Posten räumen musste. Der Leistung auf dem Platz tat das jedoch keinen Abbruch, wenngleich auch Aue zu den Überperformern der Liga gehört (siehe Tabelle unten). Nebenbei ist Aue das Team der 2.Liga, welches die meisten gegnerischen Torschüsse zugelassen hat (287).
Trotzdem: Vor allem zuhause ist Aue unschlagbar (7-2-0; bestes Team der Liga). Und um die Defensive zu stabilisieren wurde mit Jacob Rasmussen, auf St.Pauli nicht unbekannt, als Verstärkung auf der Innenverteidigerpostition ein echter Coup gelandet (ausgeliehen vom AC Florenz bis zum Saisonende).
Tendenz: Puuh, keine Ahnung, Aue ist echt ne Wundertüte. Denen traue ich fast alles zu.

Wie bereits geschrieben: Die Heidenheimer waren bei einigen Leuten auch schon vor der Saison auf den Tippscheinen zum Aufstieg. Dem eher mittelmäßigen Saisonstart folgte ein formidables Ende, mit Siegen gegen Hannover (4-0), bei den heimstarken Osnabrückern (3-1) und nicht zuletzt beim hsv (1-0). Bemerkenswert: Nach eigener Führung hat Heidenheim diese Saison bisher immer gewonnen (7x).
Ich persönlich mache diese Leistungen ganz plakativ an einer Person fest: Niklas Dorsch. Sicher ein Spieler mit gehobenem Erstligaformat. Dazu kommt natürlich dann noch ein Trainer, der zwar schon ewig da ist, aber die Truppe kontinuierlich von einem reinen Umschalt-Team hin zu einer Mannschaft entwickelt hat, die auch mit eigenem Ballbesitz richtig was anfangen kann (nicht zuletzt dank Dorsch). Und es scheint so, als wenn auch andere Kicker der 2.Liga den Heidenheimern einiges zutrauen. So zumindest interpretiere ich den Wechsel von Tobias Mohr (aus Fürth) während der Winterpause.
Tendenz: Dorsch spielt nächste Saison 1.Liga.

Vergleich der Tore bzw. Gegentore mit den expected Goals. Quelle: @fivethirtyeight

Das “gesicherte” Mittelfeld

Was ist schon heutzutage noch sicher? Von sicherem Mittelfeld schwadronierte Eintracht Braunschweig 17/18 sicher auch (11. nach der Hinrunde). Ganz zu schweigen von Würzburg, die 16/17 als 6. nach der Hinrunde satte 13 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatten (und nicht mal die haben sie geschafft, sie stiegen als 17. direkt ab). Wenn ich auch nur einen todsicheren Tipp abgeben müsste, dann wäre es, dass sich von den Teams VfL Osnabrück, Jahn Regensburg, Greuther Fürth und SV Sandhausen mindestens eines am letzten Spieltag noch in massiven Abstiegsnöten befinden wird.

Punktemäßig hat dabei der VfL Osnabrück (6.Platz, 26 Punkte) die besten Karten nicht in den Abstiegsstrudel hinein zu geraten. Und auch von den Leistungen auf dem Platz her wäre ein solcher Einbruch eher überraschend. Das Team von Daniel Thioune wirkt sehr stabil und tat dies auch während der sieben Spiele langen Sieglos-Serie in der Mitte der Hinrunde. Aber stabil wirkten damals auch die Würzburger Kickers.
Tendenz: Ich möchte es nicht beschreien.

Wer sich überraschend gut im Mittelfeld eingefunden hat ist Jahn Regensburg (7.Platz, 26 Punkte). Das war aus meiner Sicht überhaupt nicht zu erwarten. Denn vor Saisonbeginn verließen in Person von Adrain Fein (hsv), Sargys Adamyan (TSG Hoffenheim) und Hamadi Al Ghaddioui (VfB Stuttgart) einfach mal die drei besten Spieler der Vorsaison den Klub. Und mit Achim Beierlorzer auch gleich noch der Trainer (der nach kurzem Gastspiel in Köln nun versucht mit Mainz die Klasse zu halten). Da schien ein Abstieg vorprogrammiert. Aber denkste, die Verantwortlichen haben einfach Co-Trainer Selimbegovic zum Chef-Trainer gemacht und die spielen jetzt ihren Stiefel einfach weiter runter (maximales Chaos auf dem Platz erzeugen, schnelles vertikales Spiel mit hoher Ballverlustquote (Regensburg hat mit knapp 71% die schlechteste Passquote aller Teams in der gegnerischen Hälfte)). Bemerkenswert.
Tendenz: Könnte zu einer grauen Maus langen. Danach wird Stolze den Klub verlassen. Selimbegovic auch. Und dann geht die Party wieder von vorne los.

Düster sah es zu Saisonbeginn auch bei Greuther Fürth (8.Platz, 25 Punkte) aus. Zumindest war das mein Eindruck als ich mit Fürther Bekannten kurz nach Saisonende sprach. Stefan Leitl traute niemand so richtig was zu. Rachid Azzouzi auch nicht. Doch dann hielten sie Maxi Wittek am Ronhof und holten das ewige Talent Branimir Hrgota aus der 1.Liga – ein Volltreffer (8 Tore in der Hinrunde). Mit dem Wechsel von Tobias Mohr nach Heidenheim ist dem Team aber sicher nicht geholfen.
Tendenz: die xG-Werte zeigen eine Überperformance. Das wird sich ausgleichen.

Den SV Sandhausen (9.Platz, 24 Punkte) hatte ich zwischendurch auch schon abgeschrieben. Zumindest nachdem sie Philipp Förster nach Stuttgart ziehen lassen mussten. Darauf folgte auch gleich, nach gelungenem Saisonstart, eine Serie von sieben sieglosen Spielen. Doch die Truppe hat sich wieder gefangen. Und sie verlieren einfach nicht oft: Erst vier Niederlagen gab es diese Saison. Seit acht Speilen wurde gar nicht mehr verloren (letzte Niederlage Mitte Oktober gegen Regensburg). Woran liegt das? Ich kann es Euch sagen, es ist ganz simpel: Weil in Sandhausen in 17 von 18 Spielen die gleiche Viererkette aufgelaufen ist. In 17 von 18 Spielen! Donnerwetter! Entsprechend stellt der SVS die viertbeste Abwehr der Liga. Klar, folgt man den xG-Werten so hätte es durchaus mehr Gegentore geben dürfen, aber die Überperformance wird durch die offensive Unterperformance nahezu ausgeglichen (siehe xG oder auch: nur 10% aller eigenen Torschüsse werden zu Toren, was der schlechteste Wert der Liga ist).
Tendenz: Fällt die Viererkette auseinander, fällt auch der SVS ganz tief. Ansonsten wird auch nächste Saison im Hardtwaldstadion Zweitligafußball gespielt.

(c) Stefan Groenveld

Das schöne an diesem Blog ist ja, dass uns niemand vorschreibt, was in so einen Artikel reinkommen muss und was nicht. Und daher kann ich geflissentlich zwei Teams ignorieren: Darmstadt 98 (12.Platz, 21 Punkte) & den Karlsruher SC (15.Platz, 20 Punkte). Haha, nein, tue ich natürlich nicht. Möchte doch noch ein wenig mosern. Fast jedes zweite Tor der Karlsruher fällt nach einem Standard (13 von 29) – eine unglaubliche Quote. Der KSC bringt ganze 50% seiner Eckbälle auch zum eigenen Mitspieler (zum Vergleich: Regensburg bringt nur knapp 25% an den Mitspieler (letzter Platz) und die Nummer Zwei in diesem Ranking (Stuttgart) bringt 43 % der Ecken zum Mitspieler. Schon klar also worauf beim KSC der Fokus liegt. Das Problem wird aber sein, dass nicht jedes Mal neue Laufwege & Muster angewendet werden. Es nutzt sich vermutlich ab. Zwar gab es spielerisch auch einige Hoch’s (das 4-1 gegen Regensburg zum Beispiel), aber richtig nachhaltig ist das nicht. Tendenz: Das wird ne schwere Rückrunde.
Bei Darmstadt ziehe ich den ‘Graue Maus’-Joker und halte mich komplett raus. Da muss ich ehrlich zugeben, dass ich da keine Ahnung habe und nullkommanull einschätzen möchte, was da gehen bzw. nicht gehen kann. Bei dem ganzen Grau komme ich einfach nicht durch. (Bezeichnend, dass mir erst kurz vor Veröffentlichung auffiel, dass ich die gar nicht dabei habe)

Der Inbegriff der Grauen Maus haftete übrigens mal dem VfL Bochum (14.Platz, 20 Punkte) an, damals in der ersten Liga. Ist auch schon zehn Jahre her, dass sie da zu Gast waren. Nach ordentlicher Rückrunde 18/19 waren die Ansprüche in Bochum durchaus gestiegen, doch die Saison hätte beschissener nicht starten können: Erst am 9. Spieltag kam der erste Sieg. Davor trennte man sich bereits frühzeitig von Robin Dutt, der sich quasi selbst entlassen hat. Die Baustelle ist dabei mehr als deutlich, denn die eigene Offensive liefert regelmäßig (sowohl nach xG-Werten als auch nach realen Toren stellt man die drittbeste Offensive der Liga). Und an diesen 32 erzielten Treffern war maßgeblich Stürmer Ganvoula beteiligt (15 Torbeteiligungen). Nur ein mageres Spiel konnte Bochum bisher ohne Gegentor beenden.
Tendenz: Mit dem Sieg gegen Hannover am 17.Spieltag konnte man zwar auf den 11.Platz springen (die bis hierhin beste Platzierung der Saison). Das könnte ne enge Kiste werden, vor allem, wenn es bei Ganvoula mal nicht so läuft.

Deutlich hinter den Erwartungen

Als Absteiger aus der ersten Liga kann eigentlich nur der direkte Wiederaufstieg das Ziel sein. Als jedoch klar war, dass neben Hannover und Nürnberg auch der VfB Stuttgart in die 2.Liga muss (und der hsv ja bekanntlich drinblieb), konnte es ja bereits rein rechnerisch nicht dazu führen, dass diese vier Teams allesamt ihre Saisonziele erreichen.
Der 1. FC Nürnberg (16.Platz, 19 Punkte) stellt diese Saison ein besonderes Beispiel von Pleiten, Pech & Pannen dar. Unglaublich eigentlich, dass dieser Klub zeitweise zwar nach xG-Werten die beste Defensive der Liga hatte, aber zeitgleich die meisten Gegentore kassierte. Das hat sich zum Ende der Hinrunde zwar ein bisschen abgeschwächt, aber Nürnberg stellt weiterhin die drittbeste Defensive (nach xG) und die drittschlechteste Defensive (nach Gegentoren) dar. Nur 74 Torschüsse auf das eigene Tor ließ der Glubb zu, fing sich dabei aber satte 34 Gegentore. Ein Faktor war sicherlich das unglaubliche Pech mit Verletzungen auf der Torhüterposition. Aber natürlich lief auch mit dem inzwischen entlassenen Trainer Damir Canadi einiges schief (der nebebei ‘tolle’ PowerPoint-Präsentationen erstellt). Zumindest deuten die Aussagen verschiedener Spieler, dass sie nun unter Neu-Trainer Jens Keller einen Plan für das Pressing haben, in eine solche Richtung.
Tendenz: Der FCN wird trotz weiter anhaltender Pannen-Serie im Tor (es hat sich im Trainingslager wieder ein Torwart verletzt) nicht absteigen. Und das ist eine gute Nachricht.
Auch Hannover 96 (13.Platz, 21 Punkte) hat sich die Hinrunde in der 2.Liga anders vorgestellt. Aber im Gegensatz zu Nürnberg sehe ich dort echt ganz dunkle Wolken aufziehen. Während der Hinrunde wurde bereits Slomka durch Kenan Kocak ersetzt (überhaupt krass, dass Slomka ernsthaft als gute Option vor der Saison in Betracht gezogen wurde; aber naja, davor war Thomas Doll dort Trainer). Kürzlich wurde nun auch der Sportdirektor-Posten mit Zuber für Schlaudraff erneuert, der tags zuvor mit dem Verein noch vorm Arbeitsgericht stritt. Mit Guidetti und Kaiser wurden in der Winterpause zwei erfahrene Spieler geholt. Das ist ja immer schon ein Zeichen für arge Not, wenn in der Winterpause erfahrene Spieler geholt werden. Ob es hilft verbleibt unklar, Trainer Kocak ist zumindest nach den Testspielen mehr als bedient. Scheint ganz so, als wenn viele dort den Ernst der Lage nicht erkannt haben.
Tendenz: Das. Wird. Gaaaanz. Eng.

(c) Stefan Groenveld

Kommen wir zu Holstein Kiel (10.Platz, 23 Punkte), die ich eigentlich gar nicht so richtig in irgend einer Rubrik führen möchte. Auch im höchsten Norden der Liga wurde bereits der Trainer gewechselt. Und das war wohl bitter nötig. Der Versuch mit Fabian Boll einen ‘menschlichen’ Co-Trainer an die Seite von Andre Schubert zu stellen, der ja nicht dafür bekannt ist sonderlich feinfühlig im Umgang mit Spielern zu sein, ist also krachend gescheitert. Dem eher schwachen Saisonstart (nur ein Sieg aus sieben Spielen) steht eine gute Phase im Herbst gegenüber (fünf Siege aus acht Spielen). Im Dezember konnte jedoch nicht mehr gewonnen werden.
In Kiel einmal mehr bemerkenswert, wie der Kader im Sommer verstärkt wurde. Kinsombi, Karazor und Schindler verlassen den Klub und mit Transfers wie Baku, Öczan oder Atanga, aber auch aus dem eigenen Kader (Lee) gleichen die das einfach wieder aus. Spricht für ein gutes Scouting, eine immer wieder kluge Zusammenstellung der Teams. An der Seitenlinie wurde mit Ole Werner auch das eigengewächsigste Eigenwächs überhaupt eingesetzt. Es scheint sich auszuzahlen.
Tendenz: Klarer Mittelfeldkandidat. Nach der Saison wieder Ausverkauf. Und dann wird es eng. Denn die sportlichen Geschicke werden nun von einem auf St.Pauli nicht unbekannten Gesicht geleitet.

Abstiegsangst

…nein, keine Angst sondern geradezu Panik herrscht bei Dynamo Dresden (18.Platz, 13 Punkte). Aber is ja auch vollkommen angebracht. Wer aus den ersten 18 Spielen magere 13 Punkte holt, der muss dringend etwas tun. Auf der Trainerposition wurde am Ende der Hinrunde Markus Kauczinski installiert. Das halte ich sogar für die richtige Wahl, da Kauczinski ja schon dafür bekannt ist, dass er Teams stabilisieren kann. Die ersten beiden Spiele gingen dann jedoch unter seiner Leitung verloren und vor allem die Leistung in Osnabrück (0-3, magere 4 Torschüsse) war bedenklich. Entsprechend wurde im Winter in den Kader investiert. Vornehmlich in die vordere Reihe, was bei nur 17 geschossenen Toren (Schlusslicht der Liga) durchaus richtig erscheint. In Moussa Koné hat im Winter dann auch ein Stürmer den Klub verlassen, der im ganzen Jahr 2019 irgendwie nie so richtig ins Rollen gekommen ist. Immerhin 3 Millionen überwies Nantes nach Dresden für Konés Dienste. Ob die Neulinge helfen, muss sich zeigen. Die SGD hat aus den letzten 11 Spielen nur magere 4 Punkte geholt (davon drei im ‘Do-or-die’ gegen Wiesbaden).
Tendenz: Sechs Punkte Rückstand auf Platz 16 sind ein Brett. Aber in der 2.Liga ist halt auch vieles möglich. Trotzdem unwahrscheinlich, dass Dresden das noch schaffen wird.

Richtig gepunktet hat hintenraus der SV Wehen Wiesbaden (17.Platz, 17 Punkte). Sieben Punkte gab es aus den letzten vier Spielen vor Weihnachten (und da ist auch die unglückliche Niederlage auf St.Pauli dabei). Als klarer Abstiegsfavorit gestartet, wurde Wehen dieser Rolle zu Beginn auch direkt gerecht, verlor sechs der ersten sieben Spiele und die xG-Werte zeigten nicht mal eine Unterperformance. Es folgte eine Umstellung auf ein 5-4-1 (vorher mit 4er-Kette), welches die Gegentorflut (23 Gegentore nach sieben Spielen) vorerst stoppte (in den letzten 10 Spielen, blieb Wehen 6x ohne Gegentor). Inzwischen haben sie nicht nur nach xG-Werten Dresden hinter sich gelassen, welches nervöses Zucken von St.Pauli bis nach Nürnberg ausgelöst hat. Großer Wert auf schönen Fußball wird dabei natürlich nicht gelegt.
Tendenz: Da niemand etwas anderes erwartet hat als den Abstiegskampf, scheint Wehen nach anfänglichen Problemen bestens auf diesen eingestellt zu sein. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und prognostiziere den Klassenerhalt.

(c) Stefan Groenveld

Und nun zu Dir, FC St.Pauli (11.Platz, 21 Punkte):
Puuh, was ne Hinrunde. Da merkte man doch schon deutlich, dass im Kader, auf der Trainerbank und allgemein im Verein ein bisschen der Wind gedreht hat. Spieler sahen sich urplötzlich doch recht heftiger öffentlicher Kritik ausgesetzt, nicht nur in der bekannten Wutrede von Luhukay kurz vor Saisonbeginn, sondern auch mitten in der Hinrunde (z.B. Kritik an Himmelmann). Das änderte sich im Verlauf der acht Spiele andauernden Sieglosserie. Bereits nach dem 0-1 gegen Hannover am Millerntor, als Jos sich doch schon recht demonstrativ vor das Team stellte, war eine weitere Änderung im Innenleben des Teams merkbar. Es folgte ein Krampfsieg gegen Wehen und ein Brustlöser gegen Bielefeld kurz vor Weihnachten. Beim Blick auf die Tabelle waren beide Siege jedoch auch bitter nötig, das Polster auf Platz 16 beträgt schmale zwei Punkte. Spielerisch war defintiv ein massiver Entwicklungsschritt erkennbar, auch während der sieglosen Phase wurde guter Fußball gespielt (z.B. gegen KSC & Heidenheim), der auch aufgrund von einigem Pech nicht in Siege umgemünzt werden konnte. Die Ansätze sind also richtig.
Der absolute Nackenschlag in diese eigentlich versönliche Phase in der Winterpause, wurde uns dann von Mats versetzt. Ich bin immer noch untröstlich, aber inzwischen der Ansicht, dass der menschliche Verlust sehr viel größer als der sportliche ist.
Nachdem der Sommer ja durchaus von einigem Knatsch begleitet wurde, war es im Winter nahezu gespenstisch harmonisch. Und zusätzlich hat sich bisher niemand verletzt in der Vorbereitung. Das ist nicht mehr mein St.Pauli.
Tendenz: Ab jetzt gewinnen immer wir! Was für ein Schlusswort.

// Tim

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