Ruhig bleiben, mutig bleiben, drin bleiben

Ruhig bleiben, mutig bleiben, drin bleiben

Ja, ich weiß, die aktuelle Tabellensituation ist mehr als alarmierend. Und die desolate Leistung zuletzt gegen Fürth hat nicht unbedingt dazu beigetragen, dass der FC St. Pauli voller Selbstbewusstsein zum wichtigen Spiel in Würzburg reisen kann. Was wir aber trotzdem überhaupt nicht gebrauchen können sind Angst und Panik.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Acht Punkte aus 13 Spielen sind natürlich nicht das, was wir uns alle vor der Saison vorgestellt haben, was wir erwartet haben. Aber wenn wir mal nüchtern die Spiele betrachten, dann war es in vielen Spielen, die nicht gewonnen werden konnten (also 12 von 13…) so, dass der FCSP ebenbürtig oder sogar besser war als das gegnerische Team.

“Es war nicht alles schlecht”

Ja, das meine ich so, wie ich es schreibe (das deckt sich auch gut mit den Aussagen der sportlich Verantwortlichen). Denkt mal an das Spiel gegen Aue. Oder das gegen Nürnberg. Oder gegen Osnabrück. Oder Sandhausen. Auch gegen Paderborn und Düsseldorf verliert der FCSP vollkommen unnötig.

Klar ist aber auch, dass es Spiele gab, bei denen der FC St. Pauli verdient verloren hat, wie zuletzt gegen Fürth oder wie beim ernüchternden 1-2 in Braunschweig oder, wenn auch nicht ganz so deutlich, gegen den KSC. Das sind drei von dreizehn Spielen.

Ja, Fußball ist und bleibt ein Ergebnissport. Aber Ergebnisse spiegeln eben oft nicht das Leistungsniveau wider. Basierend auf verschiedenen Statistiken (hier und hier) muss klar festgehalten werden, dass der FCSP weniger Punkte geholt hat, als aufgrund seiner Leistungen möglich gewesen wären. Hat er aber nicht, klar. Und klar ist auch, dass Ergebnisse eben die relevante Größe sind, die über Wohl und Wehe, über Auf- und Abstieg entscheiden. Fußball ist ein Ergebnissport.

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Die Entwicklung einer Spielidee

Trotzdem halte ich den eingeschlagenen Weg für richtig und auch wichtig. Wir alle haben uns vor der Saison Mut und eine nachhaltige Spielidee gewünscht. Endlich mal mehr als die maximalen Fehlervermeidungsstrategien der letzten Jahre. Weil eine eigene Spielidee dazu führt, dass ein Klub auch längerfristig Erfolg haben kann. Mit Ausnahme von Darmstadt vor einigen Jahren sind wie viele Klubs mit Fehlervermeidungsstrategien aufgestiegen? Und liegt der Fokus der aktuell erfolgreichen Teams aus Fürth, Bochum, Kiel und Heidenheim auf dem eigenen oder dem gegnerischen Fußball?

Der FC St. Pauli ist von diesen Teams momentan völlig zurecht weit entfernt. Weil er diese Weiterentwicklung des eigenen Spiels in den letzten Jahren verpasst hat. Fürth und Bochum, auch Heidenheim vor einigen Jahren, haben gegen den Abstieg gespielt, aber haben auf den Kernpositionen auf Kontinuität gesetzt. Sie haben diesen Personen vertraut. Weil es Experten auf ihrem Fachgebiet sind. Diese Kontinuität zahlt sich jetzt, nach einiger Zeit, aus.

Sollte man Mut bestrafen?

Wir alle haben uns vor der Saison mutigen Fußball und mutige Entscheidungen gewünscht , damit sich endlich etwas beim FCSP verändert.
Aber warum werden der Fußball und die Entscheidungen drumherum als mutig bezeichnet? Mutig sein bedeutet auch immer die Bereitschaft ins Risiko zu gehen. Die Bereitschaft, dass etwas eben nicht sofort funktioniert. Wenn es immer alles sofort klappen würde mit Veränderungen im Spielstil und in der Kader-Zusammenstellung, dann gäbe es keinen Fehlervermeidungsfußball, dann würden alle mutig ihre Ideen durchsetzen.

Ja, mutig sein bedeutet eben auch, dass mal etwas schiefgehen kann. Es bedeutet auch, dass ein Plan manchmal nicht aufgeht. Ist der mutige Plan mit Timo Schultz und einem (zwangsläufig) großen Umbruch im Kader nun gescheitert? Siehe weiter oben bei den Bewertungskriterien, die nicht nur Punkte berücksichtigen.

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Ja, es fehlt ein Sechser. Ja, die Abgänge sämtlicher Stürmer nach der letzten Saison konnten nicht adäquat aufgefangen werden. Ja, wir haben mehr verletzte als fitte Innenverteidiger. Wer mutig agiert, der macht auch Fehler. Sollen wir deswegen nicht mehr mutig sein?
Denn so beschissen die Tabellensituation aktuell auch ist, es gibt noch genug Spiele (und ein offenes Transferfenster), um Fehler zu korrigieren, um aus Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Immer weiter vor!

Was der FCSP jedoch nicht gebrauchen kann, sind Angst und Panik. Das würde zu blankem Aktionismus führen. Es würde dazu führen, dass der FCSP in alte Muster verfällt und seinen mutigen Weg nicht weiterverfolgt.
Ich werde die Verantwortlichen nicht dafür anmuffen, weil sie mutige Entscheidungen aus voller Überzeugung getroffen haben. Ich würde es eher tun, wenn sie sich nicht trauen mutige Entscheidungen zu treffen.

Bringt ein weiterhin mutiger Weg auf und neben dem Platz die Wende? Ich weiß es nicht. Aber solange niemand garantieren kann, dass Angst und Panik-Entscheidungen ein besseres Ergebnis bringen, möchte ich lieber, dass mein Verein mutig vorangeht.

// Tim

p.s. ähnliche Gedanken findet ihr auch beim MagischerFC-Blog: Zur Lage des FCSP

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12 thoughts on “Ruhig bleiben, mutig bleiben, drin bleiben

  1. Da ist doch vieles Wahres in deinen Worten. Jetzt müsste nur das Team auch ein bisschen mutiger sein. Ruhe bewahren, aber nicht ruhig sein!

  2. Danke Tim für die Darstellung der Sicht des mutigen Handeln des FCSP. So sehe ich es auch und Glaube, Liebe und Hoffe #nurnochpositiv Forza Magischer FC #auswärtssieg

  3. Der richtige Artikel zur rechten Zeit. Genauso wie Du, habe ich es vor dem Fürth-Spiel auch gesehen.
    Wir haben viele Spiele aus mangelnder Effektivität verloren. Trotz der Tabellensituation hat die Mannschaft auch immer Moral gezeigt.

    Das Fürth-Spiel hat da leider etwas kaputt gehen lassen. Gefühlt war es das schlechteste Spiel seit über 10 Jahren und wirklich alles was zuvor noch gut lief funktionierte plötzlich gar nicht mehr.
    Zyniker würden jetzt schreiben „bis auf die Effektivität“

    Aber ich denke auch, dass sich die Mannschaft mit dem Trainer-Team da raus kämpfen kann und ich glaube, dass es bei einer junge Mannschaft nach einem Umbruch durchaus Kräfte freisetzen kann, wenn sie solche Situationen miteinander durchgestanden haben. Wenn sie sich aus eigener Kraft aus dem Loch frei geschaufelt und den Klassenerhalt erreicht haben.

    Ich erinnere mich an einen Sonntag Nachmittag in Darmstadt. So einen Sonntag Nachmittag kann ich auch gerne mal in Regensburg erleben.

    1. Puuh, den Sonntag in Darmstadt möchte ich eigentlich nie wieder erleben, auch wenn das letztendlich ja gut ausging.
      Sehe ich genauso, dass ein gemeinsames Herausziehen aus der Krise richtig Kräfte freisetzen könnte. Ein Sieg in Würzburg wäre also aus vielerlei Hinsicht ganz wichtig.

      1. Kommt auf die Uhrzeit an. Als ich nach dem Spiel über den Rasen gelaufen bin, habe ich mich gefühlt wie Beckenbauer 1990 in Rom😉

  4. Tim, ganz großes Dankeschön.
    Ich lese schon gar nicht mehr Kommentare bei FB & Co, weil mir da zu viele (mit Verlaub) Flachwichser*innen unterwegs sind, die in AFD- Manier immer nur draufhauen, aber nie konkrete Lösungsvorschläge machen.
    Ich sehe es im Groben wie Du. Einzig die wachsende psychische Schwäche des Teams sehe ich als ganz großes Problem.
    Wissen wir doch alle: wenn Du immer auf die Fresse kriegst, dann geht das Selbstbewußtsein den Bach runter und irgendwann stolperst Du über die eigenen Füße.
    Genauso geht´s aber auch andersherum. Bälle kommen dann an (oder gehen ins Tor), die sonst versprungen wären.

    Deshalb: Hebel in Würzburg umlegen und die Saison beginnt!

    Walk on, Magischer FC

    1. Das mit dem Selbstbewusstsein und der Spirale nach unten ist ja genau das, was zu Fürth geführt hat. Die Mannschaft stand doch komplett neben sich. Ich habe nicht so die Ahnung von Fußball wie Tim, aber das kann mir doch niemand erzählen, dass ein Daschner, ein Dittgen, ein Knoll, ein wer auch immer mit braunem Trikot auf dem Rasen stand nicht besser Fußball spielen kann wie sie es am Sonntag gezeigt haben. Wir kennen diese Jungs doch mittlerweile, das sind doch alles keine schlechten Fußballspieler.

      Was mir da aber besonders Angst macht, sind die leeren Ränge. In einer normalen Saison kann sich in einer solchen Phase zumindest das Millerntor hinter die Mannschaft stellen.

      Gegen Würzburg müssen wir den Schalter unlegeb. Und selbst wenn das nicht gelingt sind es immer noch 20 Spieltage. Wir dürfen nicht vergessen, dass es eben noch nicht Halbzeit ist. Und ein Flach-Schuss in der 94igsten bei einem Stand von 0:0 kann auch zu einem Brustlöser führen.

      Und ich halte ehrlich gesagt Braunschweig und Würzburg für deutlich schwächer als uns.

  5. FB Kommentare bzw. eigentlich leider Gottes fast alle Kommentarspalten sind schon seit einiger Zeit kaum noch zu ertragen.

    Ich unterschreibe sehr vieles in dem Artikel und habe in den letzten Jahren den überstürzten Aktionismus häufiger kritisiert. Wenn ich jetzt von manchen höre ein Peter Neururer muss her dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    Allerdings sehe ich die Spiele etwas weniger positiv. Ich habe zum Beispiel mehr positives in der Anfangszeit unter MK gesehen (die Ergebnisse waren nicht da, dann wurde wieder auf den eher destruktiven Fußball umgestellt und die Ergebnisse haben “kurzzeitig” gestimmt). Damals hat man den Fehler gemacht und sich blenden zu lassen von den Ergebnissen und man dachte das man mit dem Kader aufsteigen müsste.

    Ich bin nicht begeistert von der Kaderzusammenstellung (da waren aber auch schon in den letzten Jahren viele Fragezeichen) und da hat eben auch der Trainer einen Teil beizutragen. Den ganzen Zirkus den man nun mit dem Torwart anstellt und vorallem auch die letzten Aussagen vom Coach sind doch etwas erschreckend. Da wird ein unnötiges Fass aufgemacht das man in der aktuellen Phase definitiv nicht gebrauchen kann.

    Ich bin kein Fan von Trainerentlassungen und wüsste auch nicht wer das im Zweifelsfall übernehmen sollte. Auch ein neuer Coach benötigt eine gewisse Zeit um seine Idee umzusetzen. Allerdings gibt es diese Saison schon einige Fehler aus denen man hoffentlich lernen wird.

    1. Moin Timo,

      ich glaube, dass das “Fass” nicht aufgemacht worden wäre, wenn nicht alle Verantwortlichen der Meinung wären, dass auf dieser Position eine Veränderung notwendig ist. Da ist sich doch jeder drüber bewusst was das für ein Echo nach sich ziehen würde. Entsprechend glaube ich (und das ist ja auch statistisch erkennbar), dass ein WEchsel im Tor sinnvoll ist. Warum sollte auf jeder Position ein Wechsel möglich und angebracht sein, wenn die Leistung nicht stimmt, aber nicht auf der Torwartposition?

  6. Ich bin auch kein Freund von Aktionismen, befürchte aber, dass sie eintreten – beharrt der FC St. Pauli darauf, diese hybride Strategie zu fahren; einerseits Andersseinwollen und andererseits stinknormalen Profifussball zu spielen.

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