Trikotfarben des FCSP – soo wichtig!

Trikotfarben des FCSP – soo wichtig!

Ihr habt geglaubt, dass ihr schon alle möglichen Quatsch-Statistiken zum FC St. Pauli gesehen habt? Ha! Ihr habt ja sowas von keine Ahnung. Wir sind da einer Sache nachgegangen und haben dabei streng genommen nichts herausgefunden. Außer wilden Theorien, spekulativem Durchfall und endlich mal wieder ein wenig Mode-Blogging. Kommt mit, wird ein guter Trip!
(Titelbild: Peter Böhmer)

Die Torhüter des FC St. Pauli sind in dieser Saison in drei verschiedenen Trikots aufgelaufen: Ein knalliges Gelb, ein sanftes Blau und ein fast schwarzes Grau. Nach der Niederlage in Düsseldorf erreichte mich in den Kommentaren zum Spielbericht folgende Frage:

Moin Tim,
(…) hast du eine Liste wie hoch die Punkte-Ausbeute in dieser Saison ist, wenn der Torwart im dritten Trikot aufläuft? Gefühlt ist da in dieser Saison nichts bei rum gekommen.

Luca in den Kommentaren zum Düsseldorf-Spielbericht

Was soll ich sagen… Ein Zusammenhang zwischen Trikotfarbe und Erfolg des FCSP? Das erscheint so herrlich abwegig, ich hätte lügen müssen, wenn ich geantwortet hätte, dass mich so eine Statistik nicht interessieren würde. Vielmehr konnte ich nicht ruhig sitzen bleiben, bis ich der von Luca aufgestellten These auf den Grund gegangen bin. Aber nicht nur das, ich habe mir natürlich auch angeschaut, wie der FCSP gespielt hat, wenn die Torhüter andersfarbige Trikots getragen haben. Und die Trikotfarben der Feldspieler natürlich auch. Und die Kombination der Trikotfarben…

Das modische Gewissen des FC St. Pauli

Bevor wir uns aber anschauen, in welchen Trikots der FC St. Pauli wie performed hat, versteht es der MillernTon als seine Aufgabe, die Optik der Trikots mal etwas genauer zu beleuchten. Denn immerhin ist der MillernTon DAS modische Gewissen im FCSP-Umfeld. Ein Auszug aus dem Slack-Channel der Podcast-Crew:

Während Debbie eine kurze, einleuchtende und prägnante Meinung abgab (“Gelb ist echt ne ätzende Farbe“), lieferte Maik direkt ein schlüssiges Gegenargument, warum der FCSP auch weiterhin auf ein gelbes Torwart-Trikot setzen sollte: “Schon der beliebte Schlager ‘Hoch auf dem gelben Wagen’ zeigt doch, dass Gelb die Farbe der Wahl sein muss, wenn es um Erfolg geht.“. Es folgte dann auch gleich noch ein mächtiger Diss gegen blaue Trikots: “Wie oft hat der HSV denn in den letzten drei Jahren in Dortmund gewonnen? Na? Seht ihr? Deswegen darf das Trikot halt auch nicht Blau sein.
Auch Redaktion-Mitglied Sebastian konnte mit der Trikotfarbe Blau beim FC St. Pauli nur bedingt etwas anfangen und erinnerte an graue blaue Vorzeiten: “Wir hatten doch in den 90ern mal blaue Auswärtstrikots. Dazu dann ‘Blau, Blau, Blau blüht der Enzian‘. Äh…“. Ja, das waren Zeiten…

MillernTon-Modeexperte Johnny hat die Gunst der Stunde genutzt und mal genau ausgeführt, worauf es ihm bei Fußball-Trikots wirklich ankommt:
Ich bin eher Fan von schlichten Trikots. Und ich will hier gar nicht wieder die Schuh-Diskussion aufbringen. Aber ein klassisches mitunter zeitlos anmutendes Design gefällt mir einfach besser. Kein Kragen und Schnüre oder so was. Nicht zu viele Farben, nicht zu viele Muster. Es muss die Augen betonen. Rein von den Farben her wäre es gut die Feldspieler in Braun und den Torwart in Blau zu halten. Stichwort Komplementärfarbe.

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Während ihr nun alle das Wort “Komplementärfarbe” zu verstehen versucht (einfach das Wort anklicken), gebe ich seine weitere Einschätzung wieder: Das aktuelle Trikot vom VfL Osnabrück mit den 3D-Nummern hinten drauf z.B. gefalle ihm, denn “es schreit nach Retro und Oberlippenbart“. Abneigung gegenüber Trikots empfinde er aber, wenn es ihn zu sehr an seine Schulzeit erinnere:

“Wenn Trikots aussehen wie ein Schulranzen in meiner Jugend löst das in mir Abneigung aus – das mag mit meiner wenig erfolgreichen Schulzeit zusammenhängen, aber es spricht mich von einem ästhetischem Punkt aus nicht an.”

Johnny – Mode-Experte des MillernTon

Basierend auf diesen Ausführungen hat Johnny auch gleich einen Vorschlag, wie die Trikots des FC St. Pauli am besten zusammenpassen: “Blau zu Braun, Gelb zu Eierschale, Grau zu Schwarz. (Wobei Braun und Eierschale sich auch mischen können, aber nur wenn es nicht anders geht, weil irgendwer seine Hose vergessen hat oder so.)

Unabhängig von der Diskussion, ob Blau oder Gelb oder Grau nun eine wünschenswerte Trikotfarbe ist, platzte Blog-Kollege Philip nach dem Auftritt des FC St. Pauli in Heidenheim der Kragen:

Egal, ob erfolgreich oder nicht: in Sachen Style hat der FC St. Pauli in Heidenheim einen absoluten Tiefpunkt gesetzt, da ist sich die gesamte MillernTon-Redaktion einig. Aber Minus mal Minus ergibt bekanntlich Plus. In Heidenheim noch nie gepunktet und style-mäßig als Komplett-Versager aufzutreten scheint seine Wirkung beim Gegner nicht verfehlt zu haben. Der FC St. Pauli gewann das wilde Spiel auf der Ostalb.

Der FC St. Pauli zu Gast in Heidenheim – Oder wie Philip es nennt: beim “Style-Limbo”
(imago images/via OneFootball)

Welche Trikots der FC St. Pauli tragen sollte

So, kommen wir zur Auswertung. Ich habe mir mal die Trikots aller Saisonspiele 20/21 angeschaut. Diese Daten habe ich dann mit den Spielresultaten verglichen und daraus eine “Punkte pro Spiel”-Quote und eine Sieg-Wahrscheinlichkeit berechnet. Aufgesplittet ist das dann nach Farbe der Torwart-Trikots, Farbe der Feldspieler-Trikots und die Kombination aus beiden Trikots. Abgesehen von der Kombination “Torwart Grau – Feldspieler BraunGrau” wurden alle Farb-Kombinationen bereits auf dem Feld gesichtet.

Diese Grafik mag für den einen oder die andere leicht überfordernd sein. Daher habe ich mit Hilfe der folgenden Überschriften leicht verdauliche Kost in Form von “Reim-dich-oder-ich-schlag-dich” – Sätzen gebasteltt:

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Du bist der, der hält? – Dann trag bitte Gelb!

Bei der Frage nach dem bestmöglichen Outfit für sportlichen Erfolg auf der Torhüter-Position ist die Lage recht eindeutig: Trägt der Torhüter das gelbe Trikot holte der FCSP im Schnitt 1.68 Punkte pro Spiel. Da können Blau (0.67) und Grau (0.75) nicht ansatzweise mithalten. (Anm. Maik: Ha! Hoch mit dem Gelben Trikot! Hab ich’s doch gewusst!!!) Übrigens können sie auch bei der Anzahl an Spielen nicht mithalten. In 22 von 32 Saisonspielen wählte der FCSP das gelbe Outfit (6x Grau, 4x Blau).
Die Eingangsfrage ist damit beantwortet: Doch, es sind schon Punkte für den FCSP heraus gesprungen, wenn der Torhüter im dritten Trikot (Grau) aufgelaufen ist. Beim 4-2 zuhause gegen Heidenheim nämlich. Die drei anderen Spiele (gegen Osnabrück und Braunschweig in der Hinrunde sowie zuletzt gegen Düsseldorf) wurden jedoch verloren.
Allgemein beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass der FCSP Spiele gewinnt, wenn der Torhüter das gelbe Trikot trägt bei guten 46%. Bei Grau (25%) und Blau (17%) ist die Quote erheblich schlechter.

Der letzte Auftritt von Robin Himmelmann im Tor des FC St. Pauli – Ein tristes Grau in Braunschweig.
(imago images/via OneFootball)

Spielst Du in Trikotfarbe Braun, kannst du das Spiel kaum verhau’n

Die aufgestellte These, dass das graue Ausweichtrikot ein Unheilsbringer ist, bestätigt sich zwar nicht komplett bei den Torhütern. Wohl aber bei den Feldspielern. Die haben zweimal das graue Pokal-Leibchen getragen: Bei der krachenden Niederlage in Elversberg und beim 1-1 in Würzburg. Bitte, FCSP, packt die Teile ganz schnell tief in die Kleiderschränke, verbrennt sie oder “verliert” sie in Stellingen!
Anders ist die Lage bei den Trikots in Eierschalen-Optik: In sechs Spielen gab es je zwei Siege, Unentschieden und Niederlagen. Ganze 10 Siege in 23 Spielen gab es für den FC St. Pauli, wenn die Feldspieler in Braun aufgelaufen sind.

Allerdings ist die Siegquote (43%) und die “Punkte pro Spiel”-Statistik (1.52) in den braunen Trikots nicht ganz so vielversprechend, als wenn der Torhüter in Gelb auf dem Platz erscheint.
Natürlich haben diese Angaben überhaupt gar keine Aussagekraft. Auch nicht, wenn wir uns anschauen würden, welche Kombinationen aus Torhüter- und Feldspieler-Outfit die besten Quoten hat.
Ich habe das natürlich trotzdem gemacht…

Ist die Kombi “Eierschale-Blau”, bist Du erfolgreicher als der… Vize-Stadtmeister

Wenn der FC St. Pauli in dieser Saison noch aufsteigen möchte, dann muss aus den letzten drei Spielen die maximal mögliche Punkteausbeute geholt werden. Das ist einzig und allein möglich, wenn die Farbe der Feldspieler-Trikots in Eierschalenoptik und die der Torwarttrikots in Blau gehalten ist. Sämtliche Zweifel an dieser Aussage sind unzulässig.
Blog-Kollege Maik fuhr, konfrontiert mit der hieb- und stichfesten Statistik, dass Blau doch ne gute Wahl sein könnte, schwere Geschütze auf: “Als ob mich Fakten schon irgendwann mal beeindruckt hätten“.

Persönliches Empfinden: Sieht gruselig aus
Statistik sagt: 100% Siegquote
(imago images/via OneFootball)

Diese Trikot-Kombination trug der FCSP einzig beim siegreichen Auswärtsspiel in Hannover. Somit gibt es noch weitere wichtige Erkenntnisse: Immer, wenn der FCSP in Eierschale-Blau aufläuft gibt es einen Auswärtssieg in der Nachspielzeit und Igor Matanović trifft. Wisst ihr also Bescheid, wie das gegen Kiel zu laufen hat!

Definitiv nicht mehr tragen sollte der FC St. Pauli die Kombinationen Eierschale-Grau und Grau-Gelb – diese Farben stehen für eine 100%-Quote in Sachen Niederlagen.
Die mit Abstand häufigste Trikot-Kombination ist Braun-Gelb. Von den 16 Spielen, in denen diese Kombi getragen wurde, hat der FCSP die Hälfte gewonnen. Dabei war genau diese Kombination lange Zeit die denkbar schlechteste Wahl. Fünf Unentschieden und drei Nierlagen gab es, ehe mit dem Heimspiel gegen Regensburg eine beängstigende Siegesserie startete: die letzten acht Spiele mit dieser Farbkombination hat der FC St.Pauli gewonnen! Leute, wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist, dann weiß ich auch nicht.

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Come on you Boys in Braun-Gelb!

(imago images/via OneFootball)

// Tim

Nun mal kurz ernsthaft:
Die Wahl der Trikotfarbe scheint durchaus eine gewisse Relevanz zu haben. So zeigten mehrere Studien, dass Teams oder Einzelsportler in roten Trikots erfolgreicher sind. Auf Rang zwei dieser Farb-Rangliste kommt Blau. Von der Farbe Weiß wird generell abgeraten.
Auch interessant: Es wird vermutet, dass grelle oder stark gemustere Trikots von Torhütern dazu führen, dass die Spieler eher in Richtung der Torhüter schießen bzw. verwirrt werden. Das würde zumindest den Siegeszug von Gelb im FCSP-Tor erklären.

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20 thoughts on “Trikotfarben des FCSP – soo wichtig!

  1. DAS sind doch mal stats, mit denen ich was anfangen kann! Hab allen Ernstes mal in den 90èrn Buch darüber geführt, welche Kombination ich bei Siegen angehabt hatte: Celtic-Trikot und St.Pauli-Schal oder St.Pauli-Trikot und Celtic-Schal..Fährt man aber nun auch noch regelmässig auswärts – was ich zu dieser Zeit tat..-, verkompliziert sich die Sache naturgemäss. Und wie passen hier Unentschieden rein?? Irgendwann schien dann die Grenze zwischen “ganz lustiger Marotte” zu “beklopptem Nerdtum” überschritten, und ich vergass das Ganze. Wer allerdings Nick Hornby`s “fever pitch” gelesen hat -und das sollte eigentlich Pflichtlektüre sein!-, erinnert sich bestimmt gerne an diese “vor dem Heimspiel Gummimäusen den Kopf abbeissen, warten bis ein Auto drüber fährt und erst dann gehts ins Stadion”-Geschichte…
    Danke Tim, made my day!

    1. Ja, so eine Phase hatte ich auch mal. Und dann stand ich plötzlich bei -3°C in kurzer Hose im Stadion, weil “Glückshose”…

      1. und? Hats was gebracht?
        In unserer Peergroup erwandern und erradeln wir uns seit Wochen einen FCSP-Auswärtssieg nach dem anderen!

  2. Für solche Artikel muß man Euch
    bei Millernton einfach mögen…

    Übrigens gibt es in Ost-Norwegen (Drammen)
    den Klub Mjöndalen IF. Sie teilen mit dem FCSP
    nicht nur die selben Vereinsfarben. Sehr lustig,
    das Gründungsdatum des Klubs war auch im
    Jahr 1910 😉
    Letzte Saison hatten sie mal braun-weiß mit
    goldgelb kombiniert, was ich farblich irgendwie
    sehr hübsch fand.

    Mjöndalen IF-Shirt
    (Hjemme, Eliteserien 2021)
    https://mifshop.no/products/12

  3. Ganz wichtiger Beitrag. Man kann nur hoffen und wünschen, dass im Verein die/der “Head of Sustainable Performance Fashion” hier mitliest.
    Einziger Wermutstropfen: Die offensichtliche Korrelation zwischen individuell gewählter Farbe der Schnürsenkel und expected points (nach dem xP Modell) wird von Tim nicht einmal erwähnt.
    Absicht?

    1. Ja, jettzt hast Du mich erwischt, Du Fuchs!
      Nach xP müssten die Schnürsenkel wie folgt aussehnen, damit wir noch aufsteigen: 2/5 des Teams Türkis, 3/17 grau-meliert, ein Spieler komplett Grün-metallic und der Rest muss sich an den Grundsatz “Alles kann, nichts muss – aber mindestens drei Farben mischen und eine davon muss glitzern”
      Ich habe das auch so an den Verein weitergeleitet.

    1. Nein, wir sollten da viel radikaler vorgehen und direkt die Vereinsfarben von Braun-Weiß auf Rot-Blau ändern. Vielleicht können wir dem 1. FC Heidenheim ein Angebot machen, welches sie nicht ablehnen können?

  4. Was aber wirklich nervt sind die verschiedenen Brauntöne. Der Rücken hat ein helleres Braun als der Rest des Trikots.
    Zum Glück gibt es ja demnächst Trikots zum selber machen!

  5. Danke Tim für diese Auswertung. Also brauchen wir für unsere Torhüter wieder das Pinke Trikot, dicht dran an Rot und schön auffällig. Muss man mal drüber nachdenken ob es sich lohnt eine LED Leuchtshow auf der Süd ums Tor herum zu installieren welche läuft während das Auswärtsteam auf die Süd spielt. Das kann man doch mal als Fan Projekt an unsere Fangruppen weiter Leiten.

    1. Vielleicht können wir so Reflektoren auf den trikots der Torhüter anbringen. Oder noch besser: Spiegel. Dann müssen Stürmer beim Schießen selbst zusehen

  6. Moin,
    und die Frisuren? Oliba oder Vokuhila? Dauerwelle oder Dreadlocks?
    Bin begeistert von deinen Statistiken. Aber,
    Hamburg ist Eier Blau?
    Schönes Wochenende.

  7. Köstlich! 😀

    Ich erinnere mich dadurch an die 90er, als zu den braun-weiß-gestreiften Trikots, braune Hose und blaue Stutzen getragen wurden. Wenn ich mich recht erinnere, dann wurde die blauen Stutzen angesichts einer Siegesserie (fortführend) getragen, an dessen Ende der Aufstieg in die Bundesliga gelang 🙂

    Hier direkt am Anfang zu bewundern:

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