Die Saison 21/22 der Torhüter des FC St. Pauli

Die Saison 21/22 der Torhüter des FC St. Pauli

Bevor der FC St. Pauli in die neue Saison startet, wollen wir uns die Leistungen der Spieler in der Saison 21/22 genauer anschauen. Dazu haben wir tief in die Statistiken geschaut. Diese zeigen: Mit Nikola Vasilj und Dennis Smarsch hat der FCSP zwei zweitligataugliche Torhüter, aber eine sehr klare Nummer Eins.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Drei Torhüter befinden sich im Kader des FC St. Pauli. Sowohl Nikola Vasilj (33 Spiele in der 2. Liga) und Dennis Smarsch (vier Spiele im Pokal, eines in der Liga) kamen in der letzten Saison zum Einsatz. Sören Ahlers, der dritte Torwart, war siebenmal für die U23 im Einsatz. Wir schauen uns die Leistungen von Vasilj und Smarsch mal genauer an.

Vasilj – Erhöhtes Plateau ohne Ausreißer

Mit dieser Überschrift lässt sich die Saison von Nikola Vasilj ganz gut beschreiben. Wie vor Saisonbeginn erhofft, war das Team auch dank ihm sehr viel stabiler in der Defensive. Von außen betrachtet strahlte er eine gewisse Ruhe auf seine Vorderleute aus, welche sicher einiges zur sehr stabilen Hinrunde beitrug. So war dann auch bereits nach wenigen Spielen der Saison 21/22 klar: Der FC St. Pauli hat einen guten Torwart verpflichtet.

Nikola Vasilj spielte eine unauffällige Saison und das ist dann auch schon so etwas wie ein Lob. Denn unauffällig bedeutet eben auch, dass er in seinem Spiel keine großen Schnitzer drin hatte. Ja klar, es gab ein paar Situationen, bei denen man ihm an Gegentoren auch eine Mitschuld aussprechen muss. Andersherum gab es, besonders in der Rückrunde, auch viele Spiele, in denen er sein Team vor (noch höheren) Rückständen bewahrte. Dieses Verhältnis ist nahezu ausgeglichen, mit leichten Ausschlägen hin zu einer positiveren Bewertung, wie die Statistik zeigt:

Radar-Grafik von Nikola Vasilj im Vergleich zum Median aller Torhüter der 2. Bundesliga der Saison 21/22.

Vergleicht man die Anzahl der Gegentore mit den gegnerischen xG-Werten wird deutlich, dass sich der FC St. Pauli mit Vasilj auf dem Platz weniger Gegentore gefangen hat, als nach xG wahrscheinlich. Dies kann viele Gründe haben. Einer davon ist, dass Nikola Vasilj in dieser Saison seine große Stärke zeigen konnte: Im 1-gegen-1 ist er nur ganz schwer zu bezwingen und auch in Sachen Reflexe gehört er zu den besten Torhütern der 2. Bundesliga. Unauffällig ist Vasilj auch deshalb, da er bei seinen Paraden meist keinen dreifachen Rittberger in der Luft und drei Rollen danach macht. Damit knüpfte Nikola Vasilj an seine auch zuvor gezeigten Leistungen an.

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Die oben gezeigte Radar-Grafik zeigt aber auch zwei der Bereiche, in denen Nikola Vasilj noch Luft nach oben zu haben scheint: Sobald es darum geht das eigene Tor zu verlassen, wird es etwas wackeliger. Das gilt vor allem für Flanken (Achtung, jetzt wird es subjektiv), bei denen ich eher den Eindruck hatte, dass Vasilj lieber nicht seinen Kasten verließ. Womöglich auch deshalb, da er in der ein oder anderen Situation nicht ganz so gut aussah.
Nicht als Schwäche, aber sicher auch nicht als Stärke, möchte ich das Fußballspiel von Nikola Vasilj bezeichnen. Im Passspiel geht er nur ganz selten Risiko ein. Sowohl Technik als auch Geschwindigkeit hindern ihn daran. Nicht falsch verstehen: Nikola Vasilj ist aus meiner Sicht kein Unsicherheitsfaktor im Aufbauspiel. Aber wenn man sich anschaut, welche Rolle einige Torhüter anderer Teams im Aufbauspiel durch gute Technik einnehmen, dann gibt es bei Vasilj in diesem Bereich Luft nach oben.

Dennis Smarsch – Erhöhtes Plateau mit Ausreißern

Anders als sein direkter Konkurrent, ist das Torwartspiel von Dennis Smarsch eines mit Extremen. So fragte ich mich zum Beispiel nach dem Pokalspiel gegen Borussia Dortmund, warum er nur zweiter Torwart beim FC St. Pauli ist. Die beiden folgenden Spiele (auswärts bei Union und Schalke) gaben mir eine Antwort. Smarsch zeigte in dieser Saison vereinzelt, dass er enorm großes Potenzial besitzt, aber es wurde auch sichtbar, dass er dieses Niveau (noch) nicht dauerhaft abrufen kann.

Deutschland, Magdeburg, 07.08.2021, Fussball DFB-Pokal 1. Runde, 1. FC Magdeburg - FC St. Pauli in der MDCC-Arena Schlussjubel bei Torwart Dennis Smarsch (FC St. Pauli)
Dennis Smarsch war in der Saison 21/22 der “Pokal-Torwart” des FC St. Pauli. Ob er sich auch nächste Saison mit so einer Rolle zufriedengeben wird?
(c) Peter Böhmer

Die Daten sind aber natürlich auch etwas verfälscht. Denn zum einen sind fünf Spiele sehr wenig, um ein möglichst umfassendes Bild seiner Leistungen zu bekommen. Zum anderen ist der Vergleich zu anderen Torhütern schwer, da im Pokal auch zwei Spiele gegen hochrangige Bundesligisten dabei waren. Wenig verwunderlich ist daher auch die hohe Anzahl der gegnerischen Torschüsse, möchte man meinen. Doch anders als vielleicht vermutet, hat das Erstrundenspiel gegen Magdeburg den größten Anteil daran (Magdeburg schoss sage und schreibe 45x auf das FCSP-Gehäuse).
In all seinen Einsätzen musste Smarsch mindestens einmal hinter sich greifen. Im Schnitt gab es 1,5 Gegentore pro Spiel, was höher als der xG-Wert der Torschüsse ist.

Radar-Grafik von Dennis Smarsch im Vergleich zum Median aller Torhüter der 2. Bundesliga der Saison 21/22.

Kurz nach Saisonbeginn hatte ich mich über die Torhüter beim FC St. Pauli mit Sascha Felter unterhalten. Der Torwart-Experte stellte die Stärken und Schwächen von Nikola Vasilj und Dennis Smarsch sehr ausführlich dar und rückblickend hat er die Dinge meist richtig eingeschätzt. Eine seiner Kernaussagen: Dennis Smarsch ist einer der talentiertesten Torhüter Deutschlands – und Dennis Smarsch braucht dringend Spielzeit.

Dies dürfte für den inzwischen 23-jährigen Torwart ein sehr relevanter Punkt sein, auch für die neue Saison. Zwischen all den Abschieden und vermuteten Ab- und Zugängen ist die Situation im Tor des FC St. Pauli etwas in Vergessenheit geraten. Dabei ist es gut möglich, dass es auf dieser Position zu Veränderungen kommen wird, da sicher beide Torhüter den Anspruch erheben werden in der kommenden als Nr.1 im Tor zu stehen.

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2 thoughts on “Die Saison 21/22 der Torhüter des FC St. Pauli

  1. Hi Tim,
    vielen Dank für deine Arbeit und die gute Aufbereitung der Themen.

    Ich einen Hinweis zu den Radar-Graphiken. Persönlich finde ich es besser, wenn der “besser” Wert immer außen liegt und nicht einfach immer die größere Zahl (also viel Fläche ein gutes Ergebnis darstellt). Bei den Gegentoren, ist ja ein tiefer Wert gut, daher würde ich die Skala drehen.

    Beste Grüße

    Moritz

    1. Moin Moritz,
      danke für den Hinweis. So soll es auch sein. Da ist mir in der Programmierung ein Dreher der Zahlen unterlaufen (passiert mir bei den Fouls auch ständig), weil es ein Wert ist, der besser wird, je niedriger er ist.

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