Baba, GB9!

Baba, GB9!

Nun ist es passiert: Guido Burgstaller verlässt den FC St. Pauli. Er wechselt zu Rapid Wien und somit endet seine äußerst erfolgreiche Zeit beim FCSP nach weniger als zwei Jahren. Wir halten Rückschau auf seine Zeit beim FC St. Pauli.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Es ist alles andere als eine Überraschung. Aber jetzt, wo es verkündet wurde, fällt es doch ziemlich schwer, wo es da so hart und trostlos Schwarz auf Weiß geschrieben steht:
Guido Burgstaller verlässt den FC St. Pauli.

Nach 57 Spielen, in denen er unter anderem an 44 Toren direkt beteiligt war (31 Tore, 13 Vorlagen). Wir halten Rückschau auf diese sehr intensiven Monate, die denkbar schlecht starteten, dann aber umso besser weitergingen.

Erfolg mit Anlauf

Ende September 2020 glühte nachmittags mein Telefon. Wenige Minuten zuvor war das schon sehr detaillierte Gerücht publik geworden, dass Guido Burgstaller zum FC St. Pauli wechseln würde. Rund eine Stunde später war uns klar: Die Sache mit Guido und dem FCSP ist ernst, sehr ernst und wir starteten die Vorbereitungen auf unseren Artikel zur Spielervorstellung.

Klar, der Name Burgstaller war ganz sicher einer aus einem deutlich anderen Regal, als sonstige Spieler, die mit dem FC St. Pauli in Verbindung gebracht werden. Aber ob das wirklich so eine gute Idee ist, einen Spieler zu verpflichten, der in den Jahren zuvor in der Bundesliga nicht mehr ganz so zum Zug gekommen ist? Das ein Jahr zuvor beendete Kapitel “Sami Allagui” dürfte nicht wenigen damals noch Bauchschmerzen bereitet haben.

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Guido Burgstaller verpasste das erste halbe Jahr beim FCSP verletzungsbedingt
(c) Peter Böhmer

Ein neuer Allagui?

Der Wechsel von Guido Burgstaller wurde auch begleitet von einigen unschönen Worten. Denn sein letzter Pflichtspieltreffer lag zum Zeitpunkt des Transfers schon eine ganze Weile zurück. Und so war auch bei Flo Zenger, der uns ein paar Fragen zu Burgstaller beantwortete leichte Skepsis vorhanden:

Ich bin aber gleichzeitig etwas skeptisch, was die Geschwindigkeit angeht und wie er mental die Phase auf Schalke jetzt verkraftet hat. Das letzte Pflichtspieltor war – glaube ich – in der ersten Pokalrunde im DFB-Pokal 2019/20 bei Drochtersen/Assel, also vor dreizehn Monaten. Wenn er zurück kommt – und die Fähigkeit dazu hat er, nach Nürnberg kam er auch nach einer sehr unzufriedenstellenden Phase bei Cardiff – dann ist er mindestens eine gute Ergänzung, wenn nicht sogar mehr.

Flo Zenger im damaligen Spielerprofil

Die ersten Monate von Guido Burgstaller beim FC St. Pauli dürften dieser Skepsis Recht gegeben haben. Der vermeintliche Königstransfer brauchte erstmal gehörigen Anlauf, bis er wirklich einer wurde.

Kann er nicht? Kann er doch!

Denn sein Start beim FC St. Pauli war denkbar schlecht: Bei der Niederlage in Sandhausen wurde er eingewechselt und zwei Wochen später verletzte er sich beim Heimspiel gegen seinen Ex-Club aus Nürnberg schwer. Eine “Gefäßverletzung im Bauchraum” bedeutete bereits das Jahresende für ihn. Der FCSP stürzte in den Tabellenkeller.

Erst zu Jahresbeginn 2021 kehrte Burgstaller auf den Platz zurück. Sein erster Startelfeinsatz war das Heimspiel gegen Holstein Kiel, bei dem mit Omar Marmoush zum ersten Mal das so aufregende Angriffs-Duo des FCSP gemeinsam startete. Eine Woche später begann dann eine bemerkenswerte Serie: Beim Auswärtsspiel in Hannover erzielte Burgstaller seinen ersten Treffer für den FC St. Pauli. Sein erster Treffer nach rund 18 Monaten. Ich möchte gar nicht wissen, was dieses Tor für ihn persönlich bedeutete.

2021 = 27 Burgstaller-Tore

Sicher ist, dass dieser Treffer so etwas wie ein Brustlöser gewesen sein muss. Denn bei den folgenden Spielen gegen Regensburg, Bochum, Heidenheim, Sandhausen, Nürnberg und Darmstadt traf er ebenfalls. Damit gelang ihm Historisches: Er traf in sieben Ligaspielen in Folge für den FC St. Pauli (#GB9 – Seven goals in a row!). Von der anfangs hier und dort geäußerten Kritik an seinem Transfer war nichts mehr da. Guido Burgstaller war im Jahr 2021 einer der entscheidenden Gründe für den Erfolg des FCSP.

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Satte 31 Tore in zwei Jahren beim FC St. Pauli sind ein ziemlich fettes Ausrufezeichen, welches Guido Burgstaller setzte.
(c) Peter Böhmer

Satte 27 Tore erzielte Guido Burgstaller, der inzwischen mit dem Titel “Fußballgott” versehen wurde, im Jahr 2021. Elf waren es in der Spielzeit 20/21, 14 in der Hinrunde 21/22 (plus zwei Tore im Pokal in Magdeburg).

Diese unfassbare Torquote konnte er nicht halten. Das Jahr 2022 ist (bisher) eher ernüchternd. In der Rückrunde 21/22 erzielte Burgstaller “nur” noch vier Tore und der sportliche Absturz des FC St. Pauli hängt leider auch irgendwie damit zusammen.

Kurz vor Ende der Saison wurde dann medial bekannt, dass es im Sommer trotz laufendem Vertrag beim FC St. Pauli zu Veränderungen kommen könnte. Was ich persönlich anfangs für eine Ente hielt (Wechselgerücht nach Nürnberg kurz vor dem Spiel gegen Nürnberg), wurde mit der Zeit immer realer und kurz nach Saisonende machte auch Rapid Wien öffentlich klar, dass sie Guido Burgstaller gerne verpflichten möchten. Am Dienstag berichteten dann verschiedene Medien, dass ein möglicher Wechsel nach Nürnberg auch deshalb nicht zustande kam, da der FCSP ihn nicht an einen direkten Konkurrenten ziehen lassen wollte. Stattdessen steht nun fest, dass die Wiener mit ihrem Werben um die Dienste des 33-jährigen erfolgreich waren.

Gehen, bevor der Morgen graut

So endet also eine äußerst erfolgreiche Beziehung zwischen Guido Burgstaller und dem FC St. Pauli. Und ich persönlich tue mich sehr schwer damit, diesen Abgang richtig einzuordnen. Ist das nun ein herber Verlust? Ja, ganz sicher sogar. Denn Burgstaller war nicht nur für eine Vielzahl an Toren verantwortlich, sondern wurde seiner Rolle als Leitwolf voll und ganz gerecht. Einige Male fühlte es sich so an, als wenn Guido Burgstaller das Team ganz alleine mitreißen würde. Wenn sich die Verantwortlichen beim FCSP von der Verpflichtung erhofft haben, dass sie einen Torjäger und Führungsspieler bekommen, dann dürften sie bis hierhin voll und ganz zufrieden sein.

Vielleicht ist dann jetzt auch genau der richtige Zeitpunkt, um den Verein zu verlassen. Aufhören, wenn es am schönsten ist und so. Sicher ist, dass Guido Burgstaller in seinen zwei Jahren einen enormen Eindruck hinterlassen hat. Dadurch dürfte er das Team und auch den ganzen Verein auf ein anderes Level gehoben haben und entsprechend hat er einen fast unmessbaren Wert für den FCSP geschaffen.
Nun wird sich also einiges bewegen in der Offensive des FC St Pauli. Mit den Abgängen von Dittgen und Makienok und dem nun feststehenden Wechsel von Burgstaller, aber auch dem zu erwartenden Abgang von Kyereh, klafft da aktuell eine ziemliche Lücke. Die nächsten Tage und Wochen werden sicher spannend. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel dürften auch durch den Burgstaller-Transfer vorhanden sein.

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Die Wege von Guido Burgstaller und dem FC St. Pauli trennen sich nun. Andreas Bornemann sagte im Pressegespräch nach der Saison in Bezug auf die Situation um Burgstaller “es gibt private Situationen, die man akzeptieren und dann nach Lösungen suchen muss“. Dem Vernehmen nach möchte er wieder näher an seiner Familie sein, was voll und ganz nachvollziehbar ist. Die Liaison, die Party des FCSP mit GB9, endet damit mehr oder weniger auf dem Höhepunkt. Vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

Lieber Guido, ich habe dich ja mit großer Vorliebe immer ein wenig zu triggern versucht, indem ich sagte, dass Du gewisse Dinge nicht kannst. Wohlwissend, dass dich das überhaupt nicht juckt und überzeugt davon, dass Du die Dinge sogar noch viel besser kannst. Das hat mir großen Spaß gemacht. Ich wünsche Dir für deine sportliche und persönliche Zukunft alles Gute.
// Tim

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5 thoughts on “Baba, GB9!

  1. Der Burgstaller des Jahres 2021 war unfassbar gut. Da waren alle positiven Eigenschaften aus dem Artikel vorhanden.
    Für das Jahr 2022 sehe ich das nicht mehr (bis auf das Pokalspiel gegen Dortmund).
    Aus meiner Sicht war es auch kein Zufall, dass Matanovic ohne ihn auf dem Platz 2 Tore erzielt hat. Da kam doch einiges an negativen Vibes rüber, was einen jungen Spieler vielleicht auch verunsichert und zu falschen oder zu späten Entscheidungen bringt.

  2. Schön geschrieben. Alles Gute, GB9! Ich hoffe nur, man hat sich jetzt nicht verzockt. Daferner von Dresden war ja im Gespräch, ist aber jetzt wohl mit Nürnberg in Verhandlungen, weil dort Guido ja nicht hindurfte. Ja, ich weiß, Gerüchte werden nicht kommentiert, ich hoffe nur, man findet guten Ersatz!

  3. Wir hatten mit GB9 eine sehr schöne Zeig 2021, aber der Zauber der letzten Monate ist ein wenig verflogen. Und 500k für einen 33-jährigen (+ das eingesparte sehr üppige Gehalt) machen für uns viel finanziellen Spielraum frei für einen Nachfolger. Ist also für Rapid, Guido und uns eine Win-Win-Win-Situation.

  4. Nach ein aufregendes Jahr an der Tabellenspitze, Sankt Pauli verkauft alle Leistungsträger und setzt auf göttlichen Beistand.

  5. Wenn man sich die RR anschaut, dann kam der Wechsel genau zum richtigen Zeitpunkt: 2 Tore plus 2 Elfer… viel, viel zu wenig für einen S11-Platz und erst recht für den wohl am besten verdienenden Spieler im Verein. Sportlich lag es sicherlich nicht allein daran, dass er weniger Zuspiele bekam, sondern er hat diese auch schlechter verwertet, teils auch zu sehr auf den Flügeln unterwegs, um überhaupt Chancen zu bekommen. Mag daran liegen, dass er auch kein Stürmer ist, der sich physisch im Strafraumzentrum gegen IV-Kanten durchsetzt, was in der RR deutlich häufiger gefragt war als noch in der Hinrunde. Wirkte auch zunehmend unzufrieden mit sich und der gesamten Situation.

    Schwer zu sagen, ob es nun an der Ferne zu seiner Familie lag, daran, dass sich der Gegner besser auf Schultz’ Mannschaft eingestellt hatte oder doch schlicht daran, dass sich mit 33 langsam der körperliche Abbau bemerkbar macht. So oder so, es war doch sehr wahrscheinlich, dass wir in der nächsten Saison eher den Burgstaller der RR denn der HR gesehen hätten. Anders gesagt: Wäre er geblieben, hätte es durchaus das Risiko gegeben, dass wir ein Sturmproblem bekommen hätten. Stattdessen haben wir nun noch eine hübsche Summe plus Gehaltsbudget und vor allem die Zeit, rechtzeitig anderweitig planen zu können.
    Burgstaller wünsche ich alles Gute – wie im Artikel beschrieben: als Typ für die Mannschaft fast noch wichtiger als mit seinen Toren -, aber ich halte den Zeitpunkt des Wechsels “für genau richtig” – für Burgstaller, mehr noch aber für den Verein.

    Hoffentlich verpflichten wir als MS nun noch einen wirklichen Zentrumsspieler, vom Schlag eines P. Hofmann (den hätte ich echt gerne bei uns gesehen). Meiner Meinung nach war dessen Fehlen (Makeniok war doch eher ein unterstützender Zielspieler, wenn er gespielt hat) eines der Puzzleteile, die für den Einbruch in der RR verantwortlich waren.

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