Dienstagabend, drei Wochen zu spät und ein Last-Minute-Strafstoß zum gefühlten Sieg. Die Stimmen und Statistiken zum Spiel des FC St. Pauli gegen RasenBallsport Leipzig.
Titelbild: Stefan Groenveld
Am Dienstagabend traf der Tabellen-17. auf den Tabellen-4., dieser Unterschied wurde im Spiel allerdings nicht deutlich. Starke St. Paulianer zeigten in der ersten Hälfte, dass sie nach dem Unentschieden am Freitag im Derby wieder etwas gutmachen wollten. Der Kampfgeist wurde auch nach dem 0:1 von Diomande nicht weniger, so kam es im letzten Drittel der Partie noch einmal zu richtig spannenden Phasen. Durch einen berechtigten, wenn auch durch das Wegrutschen von David Raum glücklichen Elfmeter, schoss Kaars den FC St. Pauli in der 93. Spielminute noch zu einem Unentschieden. Für Trainer, Mannschaft und Fans dürfte sich das also fast wie ein Sieg angefühlt haben.
Trainerstimmen
Ole Werner: „Es ist nicht so, dass wir heute ein besonders gutes Spiel gemacht haben.“
„Ich glaube unterm Strich ist das Ergebnis gerecht, weil beide Mannschaften einen ziemlich ausgeglichenen Spielanteil hatten.“ Mit diesen Worten eröffnet Ole Werner, Cheftrainer der Leipziger, sein Statement zum Spiel. Darauf folgte seine Einschätzung der Leipziger Darbietung: „Es ist nicht so, dass wir heute ein besonders gutes Spiel gemacht haben. Speziell in der ersten Halbzeit haben wir viel zu fehlerhaft gespielt“. Die erste Halbzeit kritisierte Werner mehrfach: „Da sind wir zu selten wirklich klar gewesen in dem, was wir spielen wollen.“ Als so ziemlich einzigen positiven Faktor hob er die Phase rund um den Treffer von Diomande hervor. Dennoch machte er klar: „Wir sind nicht happy mit dem Ergebnis. Wenn du in der 93. führst, dann musst du auch die drei Punkte mitnehmen.“
Alexander Blessin: „Das tut jetzt einfach mal gut.“
Während Ole Werner sich bedrückt zeigte, sagte Alexander Blessin auf der anderen Seite: „Ich bin natürlich sehr zufrieden.“ Besonders betonte er dabei, dass die Mannschaft gut ins Spiel gefunden und ein gutes Zweikampfverhalten gezeigt habe. Kritisch merkte er an, dass mit einigen Pässen zu fahrlässig umgegangen wurde und das Timing bei den Tiefenläufen nicht immer richtig gewählt wurde. Dann kam nach der Halbzeit der Gegentreffer, zu dem sich Blessin wie folgt äußerte: „Dann denkst du: Verdammt nochmal, solche Spiele hatten wir einfach schon zu häufig.“ Wie die Mannschaft dann zurückgekommen ist, hob er nochmal hervor: „Wir haben dran geglaubt“. Nach den drei letzten, wirklich unglücklichen Spielergebnissen sagte er: „Wir wissen natürlich um die Situation, irgendwann brauchen wir Dreier. Aber das tut jetzt einfach mal gut, dass wir diesen Punkt mitnehmen.“
Kernstatistiken
| FC St. Pauli | Statistik | RaBa Leipzig |
|---|---|---|
| 7 (2) | Torschüsse (auf das Tor) | 11(4) |
| 6 | Fouls | 7 |
| 44,09% | Ballbesitz | 55,91% |
| 498 (393) | Pässe (erfolgreich) | 604 (519) |
| 59 (42) | … Davon ins letzte Drittel (erfolgreich) | 66 (42) |
| 67 (35) | … Davon lange Pässe (erfolgreich) | 58 (29) |
| 18 | Ballkontakte gegn. Strafraum | 34 |
| 78 (54) | Defensiv Duelle (erfolgreich) | 48 (29) |
| 34 (21) | Kopfballduelle (erfolgreich) | 34 (12) |
| 16,58 | PPDA | 13,67 |
| 128,22 km | Laufdistanz | 120,62 |
Schon wieder ein Rekord?
Zumindest für den FC St. Pauli in dieser Saison – und was für einer! Denn die Mannschaft des FC St. Pauli lief am Dienstagabend ganze 128,22 km. So viel sind sie in der bisherigen Bundesliga-Saison noch nicht gelaufen. Nur einmal kamen sie nah an diese Zahl heran (gegen Bayern mit 126,17 km), ansonsten liegt die Durchschnittsleistung nämlich bei 113,30 km pro Spiel. „The plan was to come out with a lot more energy“, sagte der Top-Läufer des Spiels, Eric Smith (12,6 km).
Das dürften sie auf jeden Fall hinbekommen haben. Weiter so!
Expected Goals
| FC St. Pauli | RaBa Leipzig | |
|---|---|---|
| (1,11 / 1,54 / 1,45) = 1,36 | (Wyscout / DFL / FotMob) Expected Goals | (1,29 / 1,1 / 1,04) = 1,14 |
| 0,65 | xG herausgespielt | 0,84 |
| 0,01 | xG Standards | 0,20 |
| 1,25 | xGOT | 1,61 |
Spielerstimmen
Nicht nur Cheftrainer Alexander Blessin zeigte sich zufriedener mit der Leistung, auch die Jungs auf dem Platz hatten einige gute Dinge über das Spiel zu sagen. Besonders oft wurde dieses als Reaktion auf das wirklich nicht so schöne Derby am Freitag genannt: „Hier hat niemand von uns was erwartet, wir hatten nichts zu verlieren, und dann spielt es sich einfacher“, bemerkte Hauke Wahl. Auch sein Teamkollege Danel Sinani war positiv gestimmt und lobte besonders den Kampfgeist: „Wir haben die Köpfe nicht hängen gelassen und uns dann am Ende belohnt.“
Über das Tor in der Nachspielzeit sind Hauke Wahl und Nikolaj Vasilj sich einig: Das tut einfach mal gut! Der Keeper des FC St. Pauli sagte dazu: „It has to come back at one point. We were unlucky so many times, we conceded the late goals. This is probably the reward for hard work and all the good things we put in this week and the game.“ Auf die Frage, wann Kaars entschieden habe, in welche Ecke er schießen würde, antwortete dieser locker: „Schon drei, vier Wochen davor.“
„We have to realize this is the level we have to play. We were able to come up to this performance a couple of times, but not enough times. I think now is the time for us to really learn and to show that we need to show the same face every week, every game.“
Eric Smith, FC St. Pauli
„Ein Punkt bringt uns nur dann was, wenn wir Punkte folgen lassen.“
Obwohl die gute Stimmung nach einem Last-Minute-Ausgleich eine wirklich schöne Abwechslung ist, darf man sich darauf nicht ausruhen und besonders das Ziel jetzt nicht aus den Augen verlieren. Denn wie Alexander Blessin schon klar machte: Irgendwann müssen die drei Punkte her. Danel Sinani bestätigte dies in seiner Aussage nach dem Spiel: „Wir sind jetzt positiv eingestellt. Wir haben gegen einen guten Gegner einen Punkt geholt. Natürlich schauen wir nach vorne und wir werden versuchen es besser zu machen und dann die drei Punkte zu holen.“
Blessin lobte die Zweikämpfe des Teams gegen Leipzig (die er nach dem Derby scharf kritisierte). Aber: „Letztes Jahr haben wir zwei Spiele gegen Augsburg gehabt, wo wir ganz schwierig in die Zweikämpfe gekommen sind.“ Das Zweikampfverhalten dürfte also auch am Samstag wieder eine große Rolle spielen. Dass dieses Spiel gegen Leipzig jetzt so gut verlaufen ist, wird sicherlich eine große Hilfe in der Vorbereitung sein: „Das gibt uns dann einen Push, den muss es uns auch geben“, fügte Blessin hinzu. Auch Hauke Wahl bestätigte dies: „Es ist ein gutes Gefühl, gerade mit den anstregenden Spielen, die jetzt anstehen.“ Mit der zweiten englischen Woche hintereinander hat der FC St. Pauli selbstverständlich eine große Aufgabe vor sich. Dennoch wirkten Spieler und Trainer gar nicht ausgelaugt, sondern ganz im Gegenteil voller Motivation, sich dieses Wochenende mit einem Auswärtssieg zu belohnen.
Forza!
// Nike
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