Ein gebrauchter Abend in Mönchengladbach, die Statistiken sehen aus wie nach einem Sieg des FC St. Pauli und die Spieler üben Kritik. Die Stimmen und Statistiken zum Spiel.
(Titelfoto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images/via OneFootball)
Ein enttäuschendes Spiel in Mönchengladbach. Die Borussia und der FC St. Pauli trennten sich 2:0 im Abstiegskampfduell. Die Gastgeber gingen in der 37. Minute durch ein unhaltbares Traumtor in Führung und erhöhten in der zweiten Halbzeit. Die St. Paulianer haben noch einmal alles reingehauen, wurden aber kaum noch gefährlich. Nach einigen guten Wochen müssen sie die Niederlage eingestehen und den vollen Fokus wieder auf das nächste Heimspiel legen.
Trainerstimmen
Eugen Polanski: „Wir haben ein klares Ziel“
„Wir sind natürlich zufrieden, dass wir hier drei Punkte behalten haben, gegen einen extrem starken Konkurrenten von uns“, erklärte BMG-Cheftrainer Eugen Polanski nach dem Spiel. Besonders die ersten 15-20 Minuten der ersten Halbzeit lobte er sehr und sagte, sie seien „sehr, sehr gut im Spiel gewesen“. Den Rest der ersten Hälfte beschrieb er als „wellenartig“, womit er unter anderem die große Chance von Fujita meinen dürfte, zu der er erklärte: „Da haben wir dann schon auch Glück.“ In der zweiten Halbzeit haben die Fohlen laut Polanzki wenig zugelassen, doch sie waren nach seinem Empfinden und seinen Vorstellungen „vielleicht einen Ticken zu passiv“. Generell schien er berechtigterweise mit dem Ergebnis zufrieden zu sein und richtete in seinem Statement viel Aufmerksamkeit auf das bevorstehende Derby gegen Köln: „Wir haben ein klares Ziel, sollten den Schwung mitnehmen, sollten uns nicht entschuldigen, dass wir Spiele gewinnen, und wohl wissen, dass wir schon noch viel Arbeit vor uns haben.“
Blessin: „Wir müssen es einfach in der Summe besser machen“
Alexander Blessin erklärte nach dem Spiel: „Wir sind natürlich nicht gerade zufrieden, es war ägerlich. Wir haben zwei Geschenke verteilt und dann verliert man so ein Spiel.“ Er erklärte, das Team des FC St. Pauli sei in den ersten 15 Minute nicht gut ins Spiel gekommen, hätte nicht die richtige Höhe gefunden oder das richtige Rausverteidigen. Über das Gegentor in der 37. Minute sagte Blessin: „Wunderschön, muss man ganz ehrlich sagen.“ Er fügte aber hinzu: „Wie der Freistoß zustande kommt, ist sehr ärgerlich.“ Insgesamt kritisierte der FCSP-Cheftrainer, dass sein Team die Bälle zu oft nicht schnell genug transportiert und falsche Entscheidung getroffen habe. Der Trainer beschrieb das Spiel als ein „klares Unentschieden“ und das nicht nur wegen der Chancen, sondern allgemein. Trotzdem merkte er an: „Es waren ein paar gute Sachen dabei.“ Es gehe jetzt darum „sich morgen wieder aufzurappeln, dann haben wir ein Heimspiel und da wollen wir unsere Serie dann verfolgen“, erklärte Blessin. Ganz generell sagte er: „Wir müssen es einfach in der Summe besser machen.“
Kernstatistiken
| Borussia Mönchengladbach | FC St. Pauli | |
| 11 (4) | Torschüsse (auf das Tor) | 6 (1) |
| 8 | Fouls | 7 |
| 43,03 | Ballbesitz | 56,97 |
| 439 (358) | Pässe (erfolgreich) | 670 (561) |
| 52 (33) | … davon ins letzte Dritte (erfolgreich) | 96 (67) |
| 66 (37) | … davon lange Pässe (erfolgreich) | 39 (13) |
| 12 | Ballkontakte im gegn. Strafaum | 23 |
| 53 (34) | Defensivduelle (erfolgreich) | 56 (45) |
| 44 (19) | Kopfballduelle (erfolgreich) | 44 (24) |
| 14,42 | PPDA | 13,96 |
| 120,34 km | Laufleistung | 120,48 km |
Viel Ballbesitz und trotzdem kein Erfolg?
Beim Anblick der Statistiken würde man ja fast denken, dass der FC St. Pauli das Spiel gewonnen hätte. In ganz vielen Kategorien liegt man vorne und, das ist besonders auffällig, das auch in den Bereichen, in denen normalerweise eher hinterhergelaufen wird. Die Oberhand beim Ballbesitz zu haben, das kam in der bisherigen Bundesliga-Saison erst sechsmal vor, gewonnen wurde von diesen Spielen nur eins (Hinrunde gegen Augsburg). Tatsächlich hatte der FC St. Pauli in allen drei Spielen gegen Borussia Mönchengladbach mehr Ballbesitz. Beim 0:4 waren es 54,05 %, im DFB-Pokal 52,47 %, am Freitagabend satte 56,97 %. Doch auch hier endete nur ein Spiel mit einem Sieg. Die beiden anderen verlor man bitter.
Insgesamt spielte der FC St. Pauli 96 Pässe ins letzte Drittel, 67 davon kamen beim Mitspieler an. Beide sind Höchstwerte des FCSP in der bisherigen Saison und auch in der letzten Saison gab es kein Spiel mit höheren Werten. Auffällig ist bei den Statistiken ebenfalls der Expected-Goals-Wert von 0,03 xG bei Standards. Aus den jeweils zwei Ecken und Freistößen resultierte kein Torabschluss. Da wären wir wieder bei dem Thema Abschlussschwierigkeiten. Von insgesamt sechs Schüssen ging nur einer auf das Tor, obwohl es starke 23 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum gab.
Expected Goals
| Borussia Mönchengladbach | FC St. Pauli | |
| (1,29 / 1,12 /0,64 ) = 1,02 | (Wyscout / DFL / FotMob) Expected Goals | (0,35 / 0,54 / 0,51) = 0,47 |
| 0,28 | xG herausgespielt | 0,48 |
| 0,64 | xG Standards | 0,03 |
| 0,77 | xGOT | 0,13 |
Spielerstimmen „Zu viel Licht und Schatten“
Eric Smith sagte nach dem Spiel: „Tough game. I think with the ball we were doing one of our better games away from home, but we‘re not dangerous enough to create those chances.“ Ähnlich äußerte sich Kapitän Jackson Irvine: „That‘s what makes me the most angry, we looked like that soft team that we were months ago.“ Er erklärte: „I thought the energy was really good in the week, training was good, obviously we lost a couple of players“ und fügte hinzu: „We didn‘t look like ourselves today, at all, from the beginning.“ Auch Hauke Wahl schloss sich seinen Teamkollegen an: „Wenn man die letzten Wochen sieht, da haben wir auf hohem Level performt und dann ist das natürlich ein Rückschritt.“ Das ganze Team schien sehr selbstkritisch zu sein und mit der allgemeinen Leistung natürlich nicht zufrieden. Wahl erklärte: „Zu viel Licht und Schatten. Wir hatten immer mal wieder gute Momente, immer wieder gute Phasen. Aber wir hatten auch immer wieder schwache Fehlpässe.“
„Home games have been really good“
Hauke Wahl sagte es kurz, knapp und richtig: „Wir lagen in dieser Saison schon oft genug am Boden und sind immer wieder aufgestanden und das ist einfach die Mentalität dieser Mannschaft.“ Wie Tim in seinem Spielbericht schon erklärte, gelang es dem FC St. Pauli eigentlich oft, gut nach solchen Spielen zurückkommen und eine Reaktion zu zeigen. Zudem kommt hinzu, dass es am Millerntor im Moment besser zu laufen scheint: Seit sechs Heimspielen gab keine Niederlage mehr. Das ist doch schon mal was. Jackson Irvine sagte dazu: „Home games have been really good, we can always rely on our crowd and on our home games to, I think, have a bit more of that energy.“ Weil der FC St. Pauli nun nach dem Freitagsspiel erst in der kommenden Woche am Sonntag gefordert ist, ergänzte er noch: „We have a lot of time to recover, a lot of time to reflect. I think that will benefit us as well.“ Mit der Einstellung geht es am Sonntag gegen Freiburg, wo die Mannschaft ihre Reaktion zeigen kann.
//Nike
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