Am Sonntag ist der SC Freiburg beim FC St. Pauli zu Gast. Schauen wir, was im Verein und in der Fanszene so los ist.
Titelfoto: Stefan Groenveld
Am Sonntag steht uns wieder ein Heimspiel bevor, diesmal gegen den SC Freiburg. Sonntag 17:30 Uhr, wohl eher eine undankbare Zeit, vor allem für die Freiburger, die auch noch eine weite Reise hin und zurück antreten müssen. Das kennen wir ja aus dieser Saison auch. Dafür darf Freiburg international in der Europa League spielen und verpasst dabei dem ein oder anderen von uns einen Ohrwurm mit dem neuen Fangesang. Was sonst so in Freiburg los ist, habe ich mal versucht für Euch zusammenfassen. Diese Ausgabe von Verein und Fanszene bin ich Euch auch schon lange schuldig, hier habt Ihr sie endlich und damit sind diese und die letzte Saison vollständig.
Geschichte SC Freiburg
Gründung und NS-Zeit
Der SC Freiburg geht 1912 aus der Vereinsfusion der 1904 entstandenen Vereine Sportverein Freiburg 04 (zuvor Freiburger Fußballverein 04) und FC Union (zuvor FC Schwalbe/FC Mars) hervor. Zunächst waren die Farben Schwarz-Weiß-Gelb/Gold, bis 1920 eine Jugendmannschaft erstmals in roten Hosen auflief. Sportlich war es zu dieser Zeit ein Auf und Ab. Der größte Erfolg der 20er Jahre für den SC Freiburg war der Sieg in einer Qualifikationsrunde gegen den damals amtierenden deutschen Meister 1. FC Nürnberg im neu errichteten Winterer-Stadion.
Zur NS-Zeit durften nach Anordnung des DFB keine jüdischen oder kommunistischen Personen leitende Funktionen beim SC Freiburg ausüben, im Mai 1933 wird der Verein gleichgeschaltet. 1936 wird dem Verein von der Stadt das Winterer-Stadion gekündigt – für die Nutzung durch die Luftwaffe. 1937 wird das Winterer-Stadion zerstört und abgebaut. Man schloss sich erneut der Freiburger Turnerschaft an, um an der Schwarzwaldstraße zu spielen. 1945 wird die Freiburger Turnerschaft und somit auch der SC von der Besetzungsmacht aufgelöst.

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Neugründung, Dreisamstadion, Bundesliga
Im Jahre 1947 gründete sich der Verein unter dem Namen VfL Freiburg neu. 1949 stand er im Finale des südbadischen Pokals, verlor allerdings mit 1:2 gegen VfL Konstanz. Im November desselben Jahres änderte man den Namen wieder in Freiburger Turnerschaft 1844/Sport-Club. Ein paar Jahre später, 1952, trennte man sich von der Turnerschaft und wurde zum eigenständigen Verein SC Freiburg e.V., die Vereinsfarben sind fortan Weiß-Rot. Im September 1955 spielte man in der Amateurliga Südbaden erstmals auf dem neuen „SC-Platz an der Dreisam“, der 1967 das Dreisamstadion wurde.
Der SC Freiburg spielt viele Jahre in der Amateurliga Südbaden. 1975 gründet sich die Frauenfußball-Abteilung. 1978 schaffte es die Männermannschaft erstmals in den Profifußball, nachdem man die Meisterschaft in der Amateurliga Südbaden holte und in der Aufstiegsrunde den ersten Platz errang. Von nun an spielte man in der 2. Bundesliga. Bis 1993 dauerte es, ehe der SC Freiburg erstmals in die Bundesliga aufstieg. Es folgten zwei Abstiege und zwei Wiederaufstiege. 1995 und 2001 qualifizierte man sich sogar für den UEFA-Pokal.
Im Jahre 2005 stieg man allerdings erneut ab, erst 2009 gelang der Wiederaufstieg unter Trainer Robin Dutt. 2011 wurde Marcus Sorg sein Nachfolger. Christian Streich, der lange erfolgreicher Trainier der U19 des SC Freiburgs war, wird zunächst zum Co-Trainer der Profimannschaft ernannt. Doch noch im selben Jahr, nachdem man die Hinrunde als Tabellenletzter beendete, wurde Christian Streich zum Cheftrainer befördert. 2021 wurde das neu errichtete Mooswaldstadion (Europapark-Stadion) mit einem Testspiel gegen den FC St. Pauli eingeweiht. Im März 2024 verkündete Christian Streich seinen Abschied als Trainer des SC Freiburg. Julian Schuster übernahm.
Fanszene
Der SC Freiburg zählt um die 79.000 Mitglieder und hat über 100 Fanclubs, verteilt über ganz Deutschland. Im heutigen Mooswaldstadion stehen aktuell die Gruppen Corillo Ultras, Synthesia Ultras 79 und IWF 12 (Immmer Wieder Freiburg). Neu ist die Gruppe Ekstase Ultras, die zum ersten Mal in dieser Saison beim Auswärtsspiel in Frankfurt in Erscheinung trat. Auffällig, insbesondere auswärts, zwischen dem rot-weißen Zaunfahnenbild der Freiburger, ist die schwarze Zaunfahne von Freiburg Asozial, die eher der sportlichen Abteilung der Freiburger Fanszene angehört. Auch die Supporters Crew Freiburg e.V. ist im Zaunfahnenbild zu finden, ein Interessenverband verschiedener SC Freiburg Fans.
Generells erlebte auch die Fanszene des SC Freiburgs viele Veränderungen über die Jahre.
Denn bereits 1995 gab es bei Freiburg eine erste aktive Ultra-Gruppe „Promillos Ultras 95“, über die es aber, zumindest in den Tiefen des Internets, nicht viel zu lesen gibt. 2000 gründeten sich die „Natural Born Ultras“, die über 20 Jahre in der Freiburger Fanszene aktiv waren. Mit dem Umzug vom Dreisamstadion ins Mooswaldstation gab NBU ihre Auflösung bekannt. Auch „Wilde Jungs Freiburg“ war eine Gruppe, die von 2003 bis 2012 die Fanszene Freiburgs aufmischten, insbesondere als einem großen Teil von NBU Stadionverbote ausgesprochen wurde. 2012 stellten sie zunächst ihre Aktivität ein, traten nur noch als Freundeskreis und nicht mehr als Ultras auf. Vor ein paar Tagen, beim Auswärtsspiel gegen KRC Genk war erstmals wieder eine Zaunfahne der Wilden Jungs Freiburg im Auswärtsblock zu sehen.
Corillo Ultras
Im Jahre 2013 gründete sich Corillo Ultras. Sie selbst beschreiben sich so: „Neben der bestmöglichen und kreativen Unterstützung unseres Vereins ist es unser Anspruch, kritisch zu sein. Gegenüber uns, der teilweise abstrusen Welt des Fußballs und allem anderen, mit dem wir uns in irgendeiner Weise konfrontiert sehen.“ Weiter schreiben sie: „Wir wollen, dass es allen Menschen möglich ist ein Fußballspiel ihres Vereins sehen zu können. Unbezahlbare Eintrittspreise, Stadionverbote als Straf- oder sogenannte „Präventiv“-Maßnahmen, sowie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie und jede weitere Form der Diskriminierung stehen diesem Gedanken entgegen und werden von uns auf unterschiedlichsten Wegen bekämpft.“
Und daran halten sie fest: Beim Sammeln von Choreospenden beim Heimspiel gegen Frankfurt ist es gegenüber weiblichen Mitgliedern der Gruppe zu sexistischen und übergriffigen Vorfällen gekommen. Auf ihrer Webseite sprach die Gruppe nun Klartext, mit klaren Forderungen an die Männer. Weiterhin schreiben sie in ihrem Statement: „Wer nicht Teil des Problems sein will, sollte anfangen, sich wie ein Teil der Lösung zu verhalten: Reflektiert euer eigenes Verhalten. Schreitet ein, wenn der beste Freund, Bruder, Vater oder sonst wer zur grenzüberschreitenden Person wird. Hört auf einfach tatenlos danebenzustehen, Übergriffe runterzuspielen oder auf den Alkohol zu schieben – sonst seid ihr nicht besser als die Täter.“ Klare Kante gegen Sexismus zeigten die Corillo Ultras nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Bereits im März veröffentlichten sie einen Text zu Sexismus im Stadion.
Synthesia Ultras 79

// (c) Daniela Porcelli/Getty Images via OneFootball
Synthesia Ultras 79 gründeten sich 2018. „79“ steht hier für den Anfang der Freiburger Postleitzahlen. Bei Freiburgs letztem Besuch am Millerntor präsentierten die Synthesia Ultras eine Choreo, inklusive Pyro, mit dem Spruch „Stand zu dir schon als Kind, mit der Fahne im Wind“ – einer Zeile aus einem Freiburger Fangesang. Auch zu Beginn dieser Saison organisierten sie eine Ganzstadion-Choreo im Mooswaldstadion. Als Nordtribüne e.V. gedenkt man außerdem regelmäßig der 74 ermordeten Fans von Al Ahly aus Kairo. Nach Angriffen am 01. Februar 2012 durch Heimfans von Al Masry auf den Gästeblock, die als Racheakt gelten für die Aktivitäten der Al Ahly-Ultras beim Sturz des ägyptischen Diktators Mubarak, wurden 72 Personen ermordet, zwei Personen wurden im Rahmen von Protesten erschossen. Beim Heimspiel gegen Bremen zeigte Synthesia eine Choreo im Gedenken. Die Fanszene SC Freiburgs pflegte freundschaftliche Kontakte zu Al Ahly.
Immmer wieder Freiburg (IWF12)
Auch Immmer wieder Freiburg ist eine aktive Ultragruppe, die sich bereits 2012 gründete. Sich selbst beschreibt IWF12 so: „Dabei steht für uns ein lauter, bunter und kreativer Support der rot-weißen Jungs stets im Vordergrund. Aber auch Kritik am eigenen Verein und fanpolitische Belange platzieren wir regelmäßig im Stadion. Darüber hinaus haben wir in der Vergangenheit bereits Spendensammlungen durchgeführt und auch Vorträge zu Themen aus der Fußballwelt veranstaltet.“ IWF12 pflegt außerdem eine Freundschaft zu The Cove aus Sydney, die offiziell seit 2014 besteht.
Schlussworte
Mit Sicherheit gibt es auch noch viel mehr, das man über SC Freiburg und seine Fans erzählen kann (zum Beispiel über ihre Besuche bei den 1. Frauen). Meinerseits bin ich immer gespannt auf die Besuche von Freiburg und auch auswärts hatte ich bisher immer eine schöne Zeit in einer schönen Stadt, bei der es sich lohnt, auch mal einen längeren Ausflug hin zu machen. Ich glaube vielen von Euch geht es so, dass man Freiburg eher wohlgesonnen ist.
Aber wir sind ja ein Blog über den FC St. Pauli, deswegen sollten wir den Fokus darauf richten, unsere Mannschaft am Sonntag ordentlich nach vorne zu pushen, damit wir es den Freiburgern so schwer wie möglich machen, bei uns am Millerntor zu punkten. Und um der Mannschaft einen extra Schub zu geben, gibt es vor dem Spiel einen Busempfang. Kommt also zahlreich und heizt der Mannschaft und Euch ein, dann bleiben die Punkte auch in Hamburg!
Immer weiter vor!
// Nina
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Moin. Sehr guter Beitrag. Wenngleich ich im Schnelllesetempo überflogen bin, so fehlt mir ein Name, der den Verein glaube ich wesentlich geprägt hat – oder? Volker Finke