Wiesbaden, Karl May, Fortuna Sittard, Philipp Heerwagen

Oder auch: Scheiß drauf, Pokal ist nur einmal im Jahr!

Ich habe diesen einen Wunsch: Einmal nur mit dem FC St.Pauli ins Pokalfinale (DFB, nicht Oddset), dort den Titel holen und dann ein Europapokalspiel. Danach ist mir alles egal, dann könnt Ihr den kompletten Kram hier abschließen und die ganze Fußballscheisse den Investoren schenken, aber das muss vorher noch passieren.
Wie wir nun wissen: Es dauert noch mindestens ein Jahr länger.

Weniger Auswärtsfahrten diese Saison, klare Ansage. Die 2.Liga habe ich eh voll, die Schiedsrichter-Tätigkeit kostet Zeit, Junior spielt selbst auch durchaus ambitioniert und ansehnlich – warum also durch die Gegend fahren? Die entspannte Weisheit des alten Mannes.
Hat mit dem Verzicht auf Magdeburg noch ganz gut geklappt, aber (siehe oben) der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Und in der kuscheligen BRITA-Arena zu Wiesbaden war ich ja noch nicht.

Also, Vorsätze über den Haufen geworfen, Tickets geordert, Papa & Sohn-Tour geplant, sind ja noch Ferien.
Der Freitag als Spieltermin bot sich für eine Übernachtung an (um nicht zu sagen: er schrieb dies quasi vor). Was also macht man dann am nächsten Tag? DFB-Pokal? Regionalliga?
Ja, alles möglich, aber so richtig der ins Auge springende Knaller war dann doch nicht dabei.
Kindgerechte Unterhaltung versprachen die Karl-May-Festspiele in Elspe – und dann bliebe auch noch Zeit für ein Abendspiel in erreichbarer Entfernung.
KRC Genk hatten wir letztes Jahr besucht, Junior war auf den Geschmack gekommen und wollte den nächsten Länderpunkt in der Groundhopper-App.
Also: Niederlande. Fortuna Sittard – PSV Eindhoven!
Klang super, Tickets vermeintlich schwierig, aber nicht unmöglich, doch dazu später mehr.

SV Wehen Wiesbaden – FC St.Pauli

Die Anreise mit dem PKW gestaltete sich für einen Freitag und Ferienende in Hessen absolut entspannt. Um 11.00h gestartet, waren wir gegen 18.30h am Stadion. Unter anderem hatten wir die Zeit genutzt, den „Vor dem Spiel“-Podcast zu hören, in dem Yannick mit Sonja und Gunnar vom SVWW-Podcast „Niemals Erste Liga“ sprach.
Merkwürdigerweise gratulierten die uns quasi schon zum Weiterkommen, was meinen vorsichtigen Optimismus weiter dämpfte. Die Weisheit des alten Mannes.
Hatte doch morgens der @magischerfcblog zurecht festgestellt, dass wir seit 1998(!) im Pokal nicht mehr gegen einen Verein der dritthöchsten Spielklasse gewonnen hatten.

Klingt unfassbar? Absolut.
Lag aber nur daran, dass wir nie gegen Drittligisten gespielt haben, nicht wahr? Äh… nein.

Die Liste des Grauens:

  • 1998: SV Meppen – FCSP 0:1
    Torschütze: Artur Maxhuni (59., Elfmeter nach Foul an Cem Karaca)
  • 2001: Darmstadt 98 – FCSP 3:1
  • 2007: Werder Bremen U23 – FCSP 4:2 n.E.
    (besonders geschickt, nachdem man in der 1.Runde noch Leverkusen ausschaltete)
  • 2008: Erzgebirge Aue – FCSP 5:4 n.E.
  • (2010: Chemnitzer FC [4.Liga] – FCSP 1:0)
  • (2011: Eintracht Trier [4.Liga] – FCSP 2:1)
  • 2013: Preußen Münster – FCSP 1:0
  • 2017: SC Paderborn – FCSP 2:1
  • 2018: SV Wehen Wiesbaden – FCSP 3:2 n.V.

Seit 1998 also sechs(!) Mal als höherklassiger Verein bei einem Drittligisten gescheitert, dazu 2010 und 2011 bei einem Viertligisten.
Noch erschreckender ist eigentlich nur die Bilanz seit jener sagenumwobenen Bokal-Saison:


Fünf Siege in 13 Erstrundenpartien – davon die meisten eben als klassenhöherer Verein. Kein einziges Mal Runde 2 überstanden. Man könnte langsam annehmen, der Pokal liegt uns nicht…

Nun gut, vorsichtig optimistisch traf ich mich am Zaun innerhalb des Stadions (im Umlauf, zwischen Heim- und Auswärtsbereich) noch kurz vor Anpfiff mit eben erwähnten Sonja und Gunnar, die ihre klare Erwartungshaltung eines Ausscheidens wiederholten.
Gut, ein Sieg und ein Unentschieden aus vier Spielen ist halt auch kein Traumstart in Liga 3, vier Punkte sind schließlich zwei weniger als wir nach nur zwei Spielen haben.

Hinein ins Stadion – pardon, die „Arena“, liebevoll auch als „häßliches Wellblechdings“ bezeichnet. 13.500 passen offiziell rein, ca. 2.600 waren in der letzten Saison im Schnitt da. Trotzdem plant man aktuell eine Erweiterung der Kapazität auf 15.000, um den Anforderungen der DFL für die 2.Liga gerecht zu werden, dazu soll voraussichtlich die Gegengerade von Sitz auf Steh umgewandelt werden. Fußball-Deutschland, Deine Vorschriften. Wahnsinn.
Apropos Wahnsinn: Ziemlich gründliche Kontrollen, inklusive Blockzugang nur mit entsprechender Karte statt freier Blockwahl im Stehbereich.
Zumindest in Block 18 war aber auch noch überall genug Platz.
Die Sicht war auch okay, da gibt es deutlich schlimmere Gästeblöcke.

Was deutlich gewöhnungsbedürftiger war: Stadionsprecherin „Doppel-Desi“, im Hauptberuf Moderatorin eines lokalen Radiosenders. Wer schon mal bei RaBa Leipzig war: Ja, so in etwa.
Da ist man dann doch immer wieder beruhigt, wie souverän und entspann Daggi dies im Vergleich dazu bei uns löst.

Zum Sportlichen:
Nun ja, Pokal ist halt nur einmal im Jahr und so, siehe oben.
Wobei man festhalten muss, dass der Auftritt (abgesehen vom Ergebnis) schon okay war. Es wurde von unserer Seite wirklich Fußball gespielt, es fehlten „nur“ die Tore.
Ein Gegentreffer nach Ecke (haha, Tim, ich freue mich auf die Statistik…), ein weiterer nach einem zumindest diskutablen Elfmeter – passiert.
Pokal, eigene Gesetze und so.

Sami Allagui erneut in der für ihn (meiner Meinung nach) ungeeigneten Rolle als alleinige Sturmspitze. Man konnte aber erneut konstatieren, dass er im Vergleich zur Vorsaison um Einiges besser und engagierter wirkt. Das wird schon noch, insbesondere wenn Henk „The Tank“ Veerman diese Rolle einnehmen wird und Allagui aus dem Rückraum agieren kann.

Und Robin Himmelmann erneut mit einer bärenstarke Leistung im Tor.
(Ja, vorsorgliche Feststellung zur späteren Wiedervorlage bei einem anderen Thema.)

Egal. Pokal ist halt nur einmal im Jahr und wir konzentrieren uns jetzt auf die Liga.

Andere veröffentlichten auch:
MagischerFC Blog
Mit ein paar erklärenden Worten zur Einlasssituation und einem ähnlichen Fazit zum Sportlichen. Nur der Schiedsrichter wird deutlicher kritisiert, insbesondere auf die Situation des gegnerischen Torwarts mit Sami Allagui bezogen, die habe ich nicht wirklich sehen können.
Stehblog (SVWW)
In Wiesbaden ist man logischerweise deutlich zufriedener.
Und wer sich das ganze anhören möchte, kann dies auch beim „Niemals Erste Liga“-Pod 28 tun.
KonBon
Ein Paradebeispiel an positivem Denken: Immerhin ist der Bus nicht verreckt.
Outside Left (english)
Nick hat erstaunlicherweise eine ausgeglichene Pokalbilanz von 3:3 vorzuweisen. Und er schreibt wie immer sehr lesenswert.
FCSP South End Scum (english)
Detaillierter Spielbericht – und langsam setzt sich auch in Griechenland der Eindruck durch, dass Pokal nicht so ganz unser Ding ist.
Kleiner Tod
Bericht vom vorm TV, Bilder von vor Ort und verabschiedende Worte an Philipp Heerwagen
Vor dem Spiel- MillernTon Podcast
Yannick im Gespräch mit Sonja und Gunnar

Karl May Festspiele in Elspe

Okayokay, Modepodcast reicht, ich muss das jetzt hier nicht auch noch zum Kinder- und Tourismus-Blog ausbauen.
Aber die Planung der Papa&Sohn – Tour hatte eben ergeben, dass sich von Wiesbaden aus das Elspe-Festival durchaus anbot. Da waren wir in der Vergangenheit auch schon öfter und aus meiner Sicht ist dies deutlich besser und angenehmer als das (näherliegende) Pendant in Bad Segeberg. Ein buntes Rahmenprogramm drumrum (Stuntman-Show, Pferdeshow etc.) und ein Karl May-Stück, welches weniger von Klamauk durchsetzt ist.
Wer also noch nie da war, kann dies (zumindest mit Kindern) durchaus mal auf die Ausflugsliste packen.

Wahrscheinlich hätte ich das trotzdem gar nicht hier erwähnt, wenn uns die Übernachtung nicht nach Siegen geführt hätte. Nicht weiter spektakulär, eigentlich… bis wir dann dort parkten und den Bus des Nachbarn entdeckten, da der ja bekanntlich am nächsten Tag bei Erndtebrück gastierte.


Wo ich bisher dachte, dem Nachbarn gehe es finanziell vielleicht gar nicht so gut, war ich nach dieser Hotelwahl dann doch umso erstaunter. Dass es so schlimm steht, hatte ich nicht zu hoffen gewagt.
Aber vielleicht hat Siegen auch einfach keine besseren Hotels, mag ja sein. Zum Frühstück um 08.00h war jedenfalls niemand zu sehen, wir hatten die Kaffeekanne also gänzlich unbewacht für uns…

Fortuna Sittard – PSV Eindhoven

Womit wir beim Tourabschluß wären:
Ein Spiel der Erendivisie stand auf dem Programm. Sittard war im Sommer aufgestiegen und hatte am ersten Spieltag einen Punkt bei Excelsior Rotterdam geholt, Eindhoven als Niederländischer Meister das erste Heimspiel souverän gewonnen.
Ein Stadion mit 12.500 Fassungsvermögen, erstes Heimspiel als Aufsteiger, den Meister als Gegner… da kann man schon mal nervös werden, wenn sich der Ticketverkauf verzögert und man mit Kind anreisen will.

Unterm Strich dann im Online-Vorverkauf aber gar kein Problem, mit 11.000 Zuschauern war es zwar gut gefüllt, aber eben nicht ausverkauft. Sitzplätze auf der Mitte der Gegengeraden für 27€ (Vollzahler) bzw. 9€ (Junior) in der ersten Liga – einige Zweitligaspiele in Deutschland sollen deutlich teurer sein, munkelt man.

Und wie immer in den Niederlanden ist das musikalische Vorprogramm ein Hochgenuss. „Amarillo“, „Sweet Caroline“, Proclaimers, Kölsche Karnevalsmucke auf Holländisch, alles unterlegt mit so einem Ballermann HitMix-Beat aus der Vorhölle. Fantastisch!
Man muss es lieben.

Choreo in der Sittard-Kurve zu Spielbeginn

Der Gästeblock war voll, ein paar vereinzelte Gästefans saßen auch noch im restlichen Zuschauerbereich, aber für nur 70 Kilometer Entfernung hatte ich da doch einiges mehr erwartet. Die Restriktionen im niederländischen Fußball für Gästefans scheinen dies aber doch sehr einzubremsen.

PSV war eindeutig überlegen, sowohl auf dem Platz als auch Stimmungstechnisch. Nach einer reingestolperten Führung schien alles den gewohnten Gang zu nehmen, zumal Sittard die sich bietenden Konterchancen leichtfertig verdaddelte. Ja, ich fühlte mich fast wie zuhause…

Nach einer Stunde fiel dann doch der Ausgleich und plötzlich war auch das Stadion da, wie das halt immer so ist.
Und als sich dann schon fast alle jubelnd in den Armen liegen wollten und der 4.Offizielle die Nachspielzeit ankündigte, warf sich Eindhoven noch ein letztes Mal in den gegnerischen Strafraum und erzielte den Siegtreffer.
Fußball, ey. Er kann so scheiße sein.

Für uns ging es zurück auf die Autobahn und um 03.30h war die Papa&Sohn-Tour für 2018 dann auch beendet.

Philipp Heerwagen

Womit wir bei einem weniger schönen Thema wären:
Philipp Heerwagen wechselt per sofort zum FC Ingolstadt.
Ich verfolge ja doch sehr strikt die „Reisende soll man nicht aufhalten“-Regel, und so musste ich doch sehr lange zurückdenken, wann mich ein Wechsel zuletzt so betrübt hat.
Und, siehe da: Jemand wechselte nach Ingolstadt.
Die scheinen da unten ein gutes Gespür für tolle Menschen zu haben.

Lieber Philipp,
wir kannten uns nicht ganz so gut, wie ich den Audifahrer kenne, aber wir haben uns doch das ein oder andere Mal auch abseits offizieller Anlässe unterhalten und ich finde es immens schade, dass Du gehst.
Deine beiden Auftritte beim MillernTon Podcast (Folge 27 und Folge 41) zählen nach wie vor zu meinen Highlight-Folgen. Nicht, weil Du da besonders tiefe Einblicke in das Profileben gewährt hast, sondern weil man Dir einfach in fast jedem Satz angemerkt hat, wie sehr Du Dich mit diesem Verein identifizierst, wie gerne Du ausgerechnet ihn als Deinen Arbeitgeber hast.
Dein Trikot mit dem „Kein Fußball des Faschisten“-Aufdruck, welches wir damals ersteigert haben, hängt in Juniors Zimmer an der Wand, zusammen mit Deinen Torwarthandschuhen.

Umso trauriger ist es, dass es hier anscheinend keine andere Möglichkeit gab, diese Situation anders zu lösen.
Die sportliche Diskussion will ich hier gar nicht groß führen, dazu halte ich die Torwartposition beim FCSP für zu gut besetzt und halte es für wenig zielführend, dies jetzt hier mit Halbwissen in irgendeine Reihenfolge zu pressen.
Das kann man so entscheiden oder auch anders, trotzdem scheint es ja hier eher am „Wie“ gescheitert zu sein, zumindest im Blick von außen.

Ich halte aber Deinen Abgang für einen riesigen Verlust „in der Kabine“, wie man so schön sagt. Und ich hätte mir hier, in meiner kleinen, romantischen Fußballwelt, einfach gewünscht, dass es eine andere Lösung gegeben hätte.
Ich hoffe, Du wirst beim FCI gut aufgenommen und findest da das, was Du Dir erhoffst.
Grüß‘ mir den Herrn Gunesch… der hat übrigens dort ne ganz schicke Wohnung, in der ihn mal jemand genötigt hat mit diesem Twitter anzufangen. Vielleicht zeigt er Dir die mal und kann Dich auch von diesem Medium überzeugen, ich würde mich freuen.

Mach‘ es gut – und vielleicht kommst Du ja dann doch irgendwann noch einmal zurück, auch dies würde mich sehr freuen. // Maik

3 thoughts on “Wiesbaden, Karl May, Fortuna Sittard, Philipp Heerwagen

  1. jens says:

    schön geschrieben, besonders auf den keeper bezogen.
    und ja, schade daß er geht.

    der tourbericht ist auch gut geschrieben.
    ihr stalkt also den hsv? 😀

    jens

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