FCSPgoesUSA (and CAN) oder: zu Gast bei Freunden

(Artikel von Justus / Fanladen)

Wie im letzten Jahr fährt der FC St. Pauli zum Saisonabschluss in die USA, dieses Mal mit einem kleinen Abstecher nach Kanada. „Der FCSP“ meint in diesem Falle: Profi-Mannschaft (in Teilen, „aufgefüllt“ mit U23- und U19-Spielern) und eine „Delegation“ aus der Geschäftsstelle und den Gremien Präsidium und AR. Dazu durfte wie im letzten Jahr auch ich mitfahren. Durch die Besuche bei den Fanclubs, dem Rahmenprogramm der Reise usw., sicherlich keine schlechte Idee. Da ich im letzten Jahr schon einige Bekanntschaften gemacht hatte, freute ich mich, die Leute wieder zu sehen, einige hatte ich innerhalb der Saison bereits am Millerntor begrüßen können, Wahnsinn, was die Leute für so ein Spiel investieren: sei es Geld, Zeit usw.
Aber das kennen wir ja auch von hier, das 10.Mal Fürth haben ja sicherlich auch einige auf dem Buckel…

Vor der Abreise war der FC Buffalo bereits bei uns zu Gast und spielte gegen unsere U23 an der Kollaustr vor ca. 100 Zuschauern, davon 12 Leuten aus Buffalo. Leider konnte man dort kein Bier kaufen während des Spiels, was mir vor unseren Gästen fast ein bißchen peinlich war. Im Laufe der Reise wurde mir das aber egal, dazu später mehr.

Die Reise sollte uns zuerst nach New York führen, dann nach Buffalo (jeweils mit einem Spiel) und dann sollte es von Toronto wieder zurück nach Hamburg gehen. Also drei Städte, die jeweils einen FC St. Pauli–Fanclub aufweisen können: Die East River Pirates in New York, den FC St. Pauli – Buffalo und den FC St. Pauli – Toronto Fanclub. Das konnte ja eigentlich nicht schlecht werden…

Auf der Hinreise gesellte sich dann auch noch Thees Uhlmann zu unserer Reisegruppe. Er stieg in Frankfurt dazu, um am Abend des Spiels gegen Cosmos in der East River Bar ein Konzert zu spielen.
Er sorgte dabei auch gleich für gute Laune: Beim Security-Check seiner Gitarre fragte ihn der Security-Hoschi: „Ey, dich kenne ich, bist Du nicht Bosse?“, als er das verneinte, haute der Typ ab, um 3 min später wieder zu kommen: „Ach nee, aber jetzt weiß ich es: Du bist Thees Uhlmann von Kettcar!
Weltklasse, so stelle ich mir das Promileben vor!

Vieles über die Reise konnte ja über die (social media-) Kanäle des Vereins angesehen werden, daher werde ich mich nicht an einem Reisetagebuch versuchen (checkt dafür: Vereinsblog zur USA-Tour), sondern eher die Begegnungen mit den Fans aus Übersee in den Mittelpunkt stellen.

Gleich am 1. Morgen holte uns Shawn von den East River Pirates ab, um uns eine kleine Stadtführung durch Manhattan zu geben. Bestes Wetter und ein local guide sorgten für frohe Gesichter trotz Jetlag. Schön, dass Fans und Mannschaft so nah sein können und sich auf Augenhöhe begegnen – das war fast bei der gesamten Reise zu erkennen. Abends kam es dann zur ersten großen Begegnung zwischen Fans und Spielern/Delegation des FC St. Pauli: in der Knitting Factory in Brooklyn gab es ein Konzert u.a. mit face2face und Kitschkrieg. Der Laden war ziemlich geil, wie ich fand, mit zwei verschiedenen Sälen, wobei man von dem einen Saal zwar in den Konzertsaal gucken konnte, dank Glasscheibe dazwischen war es da aber nicht ganz so laut, was den Gesprächen sicherlich zuträglich war. Face2face mit gutem Hardcore, über die Vorband breite ich mal den Mantel des Schweigens, die 1. Band hatte ich leider gar nicht mit bekommen. Zum Schluss legten dann Kitschkrieg auf, was noch Einige zu Tanzeinlagen animierte…

Danach wurde aber trotzdem noch der kurze Fußweg mit Teilen der Mannschaft, des Trainerteams und Fans in die East River Bar zurück gelegt, die auch schon mit Braun-Weißen gut gefüllt war. Einfach ein super Laden mit Drinnen- und Draußen-Bereich. Wenn ihr da seid, solltet ihr der Heimat der New Yorker Fahrradkuriere und dem Fanclub mal einen Besuch abstatten, es lohnt sich!
Allzu spät sollte es aber nicht werden, stand doch am nächsten Tag das Panel „„The rise of indepent football“ an. Moderiert von Nick Davidson (bekannt als Autor des Buches Pirates, Punks & Politics) diskutierte Oke u.a. mit Joe Barone (Senior Vice Pres., New York Cosmos), Shawn Roggenkamp (FC St. Pauli NYC), Patrick Infurna (Fan/Ultra Cosmos NY), Tim Kelly (Chairman Chattanooga Football Club) und Sean Mann (CEO Detroit City FC).
Sehr interessant, hätte aber sicherlich mehr ZuhörerInnen vertragen können, lag aber auch an der „Anstoßzeit“. Auf Twitter findet ihr einige Videos der Session. Abends stand das Friendly gegen Cosmos an, ehrlich gesagt kannte ich den Verein nur als Club von Pelé und Beckenbauer und nicht „aktuell“, 2010 wurde der Verein ja „wieder gegründet“. Spielort war das Rocko Schamoni, äh Rocco B. Commisso Soccer Stadium, auf der es eine Tribüne für ca. 3.500 Leute gibt. Vor dem Spiel traf man sich in der Kneipe um die Ecke, schöner Laden. Die Frau hinter der Theke hatte sicherlich nicht mit so einem Ansturm gerechnet, war aber absolut in der Lage, alle zu bedienen – Respekt!
Hier wurde einem spätestens bewusst, dass man mit den Fans von Cosmos sicherlich einiges gemeinsam hat, coole Leute mit dem Herz am richtigen Fleck. Im Stadion dann kein einziger Getränkestand, die beiden kleinen Supermärkte um die Ecke wussten diesen Zustand zu nutzen und man konnte die Getränke in Tüten einfach rein tragen: Taschenkontrolle oder ähnliches gibt es nicht, in der Halbzeit also gleich wieder dahin 😉
Beim Spiel dann ordentlich Pyro von beiden Seiten und ne gemeinsame Choreo der East River Pirates mit den Cosmos-Fans:

Im Stadion dann eine bunte Mischung an St. Pauli–Fans: Einheimische, ein paar Hamburger, Touristen und Fans aus ganz Nordamerika: Awesome! Melodien müssen evtl. noch einmal geübt werden 😉

Nach dem Spiel dann schnell in die East River Bar nach Brooklyn, wo Thees Uhlmann sein Konzert gab. Und was soll ich sagen: Ich fand es großartig. Großartiger Typ mit einem tollen Konzert in einem super Laden vor vielen tollen Leuten – was willste mehr? Mir hat es viel Spaß gemacht und ich hatte das Gefühl, dass es vielen Leuten so ging! Der Abend endete spät an der geschlossenen Hotelbar, aber man weiß sich ja zu helfen!

Der nächste Tag war Reisetag und es ging mit dem Bus durch das NICHTS nach Buffalo. Ich sag mal so: Zum Glück fahre ich oft Bus, man gewöhnt sich doch an alles… Abends dann in Buffalo eine „unofficial“ Supporters Night, zuerst in einer Kneipe, später in einer Brewery, die Stimmung war gut:

Buffalo auch ein heißes Partypflaster, an jeder Ecke ne Kneipe, Club oder Bar…

Am nächsten Morgen sind wir dann mit der Delegation zusammen mit dem FC St. Pauli Buffalo – Fanclub zu einer Organisation namens „Journey’s End“ gefahren, die hier umfangreiche(!!!) Hilfe für Refugees anbieten. Der Fanclub unterstützt das mit Spenden, vor allem für das Soccer-Projekt. Hier wurde uns deutlich vor Augen geführt, wo die Unterschiede zwischen den USA und Europa liegen. Unter Trump wird es auch für diese Organisation schwieriger.
Aber Buffalo bleibt stabil! Das Umland aber wohl leider ganz und gar nicht…

Danach war dann Match-Day! Standesgemäß vor dem Spiel mit „parking lot“ – Party neben dem Stadion. Hier trafen sich die Buffalo–Fans mit St. Pauli–Fans, die sich wiederum vor allem aus den nordamerikanischen Fanclubs zusammen setzten. Dann gemeinsamer „Marsch“ zum Stadion und auch hier keine Kontrollen, dafür Pyro und mit gebrachtes Bier.
Zum Schluss wurde die Mannschaft gefeiert und Korbi Müller, Richy Neudecker und Sami Allagui verabschiedet – macht‘s gut!

Abends dann Party inkl. Live-Kara-Oke, angeblich soll es Videos geben… (Anm. d. Layouters: Quatsch…)
Wiederum ein großartiger Abend mit gemeinsamem feiern von Mannschaft, Fans usw.

Am nächsten Tag ging es dann nach Toronto, wobei wir auf dem Weg einen Halt bei den Niagarafällen einlegten, eindrucksvoll genug! Aber wenn man dann dort aussteigt und mit Zaunfahne des Toronto-Fanclubs empfangen wird, die sich riesig freuen, dann weiß ich wieder, warum ich hier stehe (also: nicht an den Niagarafällen, meine ich).

Am nächsten Tag ging es dann nach Toronto, die Mannschaft flog zurück nach Hamburg, Teile der Delegation am nächsten Tag nach Lynchburg.
Sandra aus dem AR, Andy von der AFM und ich blieben noch einen Tag: Mit Teilen der Delegation und dem Toronto–Fanclub besuchten wir noch ein MLS–Spiel. Vorher waren wir mit dem Fanclub in einem Yachtclub zum Essen, absolut brillant gelegen, brachte uns doch von da das hauseigene Wassertaxi direkt vors Stadion. Also so möchte ich gerne immer anreisen…

Beim Spiel trafen wir uns in der 2. Halbzeit noch mit TFC Red Action , einer kleinen antifaschistischen Fangruppe, mit der wir dann den Abend noch im Dock Ellis, der Heimstätte des Fanclubs aus Toronto, beendeten – war wieder ein schöner Abend!
Das Dudziak-Trikot kommt da auch noch weg…

Am nächsten Tag kamen Andy, Sandra und ich dann in den Genuss einer Stadtführung von Mark (FC St. Pauli – Toronto) durch Kensington Market, es war toll:

Danke dafür!

Und damit ging eine eindrucksvolle  Reise zu Ende.
Es konnten Kontakte ausgebaut, Freundschaften bestätigt und gezeigt werden, was der FC St. Pauli und seine Fans alles bewegen können und welche Bedeutung dieser mittelmäßige Zweitligist selbst auf anderen Kontinenten entfachen kann. Wahnsinn!

Danke an die gesamte Nordamerikakurve, vor allem den Fanclubs aus New York (vor allem Shawn), Buffalo (vor allem Ernie) und Toronto (vor allem Mark) als unsere „Gastgeber“:

Danke aber auch an den FC St. Pauli für diese Reise und das Einlassen darauf, dass der Austausch mit Fans so wichtig ist und nicht zu kurz kommen darf. Ein großes Dankeschön dafür vor allem (aber auch stellvertretend an alle anderen) an Bernd von Geldern. Außerdem ist es ja auch mal schön, nicht der Reiseleiter zu sein, wenn man mal mit einer Gruppe weg fährt 😉

Und danke an Thees Uhlmann, selten sooo viel gelacht!

Ich hoffe, dass wir auch hier in Hamburg zu einem größeren Miteinander innerhalb  und im Umfeld des Vereins  kommen…
Diese Reisen haben gezeigt, welches Potenzial das besitzt!
// Justus / Fanladen

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