Das Ruhrgebiet – Die Droge, die mich süchtig macht

VfL Bochum –FC St. Pauli 1:3

An einem Montag mit dem Bus quer durch Deutschland zu fahren ist und bleibt scheiße. Mit Abschaffung der Montagsspiele stellen sich bei mir auch keine Gefühle á la „Jetzt muss man nochmal fahren, bevor man keine Chance mehr dazu hat“ ein. Null. Da half es auch nicht, dass es beim Einstieg in den Fanladenbus einen Hagelschauer gab. Der Bus fuhr an und ich sehnte mich in Richtung eigene Couch.

Der Busfahrer zog direkt den bis dahin gänzlich dem Wetter zuteil werdenden Unmut der gesamten Gesellschaft auf sich, als er zwar verkündete, dass seine bisherige Bilanz bei Auswärtstouren mit dem FCSP bei 4 Siegen und einem Unentschieden liegt, dies aber unpassend mit einem „Vorwärts, Kameraden!“beendete. Ich machte mich auf eine längere Tour gefasst.

Glücklicherweise bin ich am Wochenende Besitzer eines Six-Packs mit verschiedenen Bieren aus Warburg geworden. Nach einer Beschäftigung für vier Stunden suchend, entschied ich mich für einen Biertest. Landbier, Urtyp und Helles standen auf dem Programm. Voller Elan erforschte ich die Produkte, hergestellt mit Erfahrung in der 10. Generation vom Braugeschlecht Kohlschein. Wer möchte, kann sich den Verlauf hier anschauen. Problematisch dabei wurde, dass es im Bus circa 50 Grad waren und die Klamotten aller Insassen die Luftfeuchtigkeit aufgrund des kurzen Hagelschauers in unangenehme Bereiche trieb. Zudem hatte ich bereits eine lange Unterhose an und wurde dafür, zu recht, von unserem Fanbeauftragten mitleidig belächelt. Die Kombination dieser ganzen Umstände sorgte nun also dafür, dass ich die Versuchsobjekte etwas zu schnell konsumierte. Über den Verlauf der Versuchsreihe informierte ich dazu auch noch durchgehend bei Twitter und ich bin froh, dass mein Akku irgendwann eine Warnung absetzte. Manche Sachen macht man besser nüchtern. Schließlich war es bereits soweit, dass ich mich mehr auf die Musik konzentrierte, als auf das im Übrigen sehr leckere Bier.

Es läuft Hildegard Knef und S. Schallert klopft an die Tür. #fcsp #bocfcsp— NiceGuysSanktPauli (@NiceGuysSP) 10. Dezember 2018

Kurz vor Bochum zog dann außerdem ein Greifautomat meine Aufmerksamkeit in den Bann. Im wissenschaftlichen Eifer wurde das Gerät inspiziert sowie festgestellt, dass die Besitzer an uns nur Geld verlieren können. So wanderten also mehrere Euro in die Abzockmaschine. Glücklicherweise startete die Weiterfahrt, bevor der letzte Test (während der Greifarm zupackt, den Automaten zur Seite kippen) durchgeführt werden konnte.

Mit federnden Schritten schwebte ich in Bochum aus dem Bus. Das Ruhrstadion war bereits herrlich beleuchtet und erwartete einen singfreudigen Gästeblock. Dieser war nicht ganz ausverkauft. Im Sitzplatzbereich klafften ziemlich große Lücken. Dafür war es im Stehplatzbereich umso voller. Ich wechselte in der Halbzeit vom Steh- in den Sitzplatzbereich, weil ich mit auswärtigen Familienmitgliedern verabredet war. Das führte nun dazu, dass ich zu Halbzeit eins nur schwerlich eine Analyse des Spiels vornehmen kann. Es fiel auf, dass wir extrem tief, aber sicher standen. Sobald es dann uns für nach vorne ging ,wurden wir aber schnell gefährlich. Die perfekte Kombination, wenn man Auswärts antritt. Bereits die gesamte Hinrunde fällt auf, dass wir in der Lage sind, aus wenigen Ausflügen nach vorne, oft Großchancen zu erspielen. Ein Grund, warum wir uns auf Platz drei der Auswärtstabelle befinden.  

Die Bochumer sind leider keine Nullblinden (Platz 2 in der Heimtabelle) und so waren die Kette und das gesamte Mittelfeld munter in der Verteidigung beschäftigt. Im Ergebnis zeigte sich dann ein Spiel, das so gar nicht zu dem Wetter und einem Montagabend passte. In Halbzeit 2 hatte ich dann auch den passenden Überblick dazu. Sam und Hinterseer kann schon als besseres Sturmduoin der zweiten Liga bezeichnet werden. Wie gut, dass Ziereis und Avevor als besseres Innenverteidigerduo in der zweiten Liga bezeichnet werden können. Angefeuert durch das Vollbier im Stadion adelte ich sie gar als das beste Innenverteidigerduo der Welt.

Das attraktive und offene Spiel wurde dann durch die Parade von Himmelmann gegen den starken Kopfball von Ganvoula entschieden. Damit wurde endgültig belegt, dass heute kein Tor mehr für die Bochumer fällt. Mit dem erlösenden dritten Tor startete die Phase der Erleichterung. Die Akkustikverhältnisse in Bochum sind grandios und so war der Rest ein Mix aus Gesang und Freudestrahlen.

Seit dem 19.04.2013 haben wir nun nicht mehr in Bochum verloren (3 Siege, zwei Unentschieden). In anderen Teilen des Ruhrgebiets (z.B. Duiburg) haben wir, klammert man das abgeschenkte Spiel gegen die Duisburger am 34. Spieltag der letzten Saison aus,  seit dem 06.12.2002 nicht mehr verloren (5 Siege, ein Unentschieden). Das Ruhrgebiet scheint immer eine Reise wert.

Auf dem Rückweg hätte ich dann fast das Freibier des Busfahrers geöffnet (Holsten…). Doch im letzten Moment fielen mir die Logos der EM 2016 auf der Dose auf. Stattdessen schlummerte ich weg. Nicht wirklich tief, scheint mir. Schließlich habe ich seitdem schlimme Ohrwürmer verschiedener Gammel-Hits.

Ruhrgebiet? Immer eine Reise wert.

//flippa

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