„Er kann und wird uns noch helfen“

„Er kann und wird uns noch helfen“

Manolis Saliakas hat seinen Stammplatz beim FC St. Pauli verloren. Wie es dazu kam und wie er damit umgeht, hat Alexander Blessin berichtet.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

In seinem vierten Jahr als Spieler des FC St. Pauli hat sich der Wind für Manolis Saliakas gedreht. Nach drei Jahren als unangefochtener Stammspieler, ist er nun genau das nicht mehr. Warum er den Konkurrenzkampf gegen Arkadiusz Pyrka aktuell verloren hat, wie er mit dieser Situation umgeht und wie es für ihn weitergehen könnte, hat Alexander Blessin erklärt.

Zur Saison 22/23 kam Mano(li)s Saliakas zum FC St. Pauli und schwang sich auf Anhieb zum Stammspieler auf. Damals verdrängte er Luca Zander von der Position des Rechtsverteidigers. In 33 Ligaspielen stand er in der Startelf, konnte nur einmal aufgrund einer Gelbsperre nicht dabei sein. Starke acht Torbeteiligungen sind einer der Nachweise dafür, dass der FCSP durch Saliakas einen richtig großen Qualitätszugewinn auf dieser Position verzeichnen konnte.

Konkurrenzlos und zuverlässig

Den Status des unumstrittenen Stammspielers hatte er auch in den beiden Folgesaisons inne: 23/24 fehlte Saliakas, abgesehen von zwei Sperren und einem Ausfall aufgrund einer Erkrankung, kein einziges Mal in der Anfangsformation des FC St. Pauli. Zu Saisonbeginn 24/25 feierte er dann nicht nur sein Bundesliga-Debüt, sondern wurde auch erstmals in einem Ligaspiel des FCSP eingewechselt. Es war auch das erste Mal, dass den FCSP-Verantwortlichen bewusst geworden sein dürfte, dass da kein Duracel-Häschen auf der rechten Außenbahn unterwegs ist. Denn Saliakas verpasste große Teile der Sommervorbereitung und war zu Beginn 24/25 nur Bankspieler. Eine Oberschenkelverletzung sorgte dann dafür, dass er im Februar 2025 drei Spiele aussetzen musste (und in den zwei folgenden „nur“ eingewechselt wurde).

Im Sommer 2025 bekam Manos Saliakas dann ernsthafte Konkurrenz beim FC St. Pauli auf seiner Position. Zuvor hatte er zwei Jahre lang mit Philipp Treu einen „Back-up“-Spieler, der dafür seinen Stammplatz hinten links verlassen musste. Konkurrenz war das nicht. Auch Adam Dźwigała vertrat Saliakas ab und an, ist aber auf der rechten Seite ebenfalls positionsfremd. Mit Arkadiusz Pyrka wechselte nun aber ein klassischer Rechtsverteidiger zum FC St. Pauli. Saliakas befand sich also ab Sommer 2025 in einem Konkurrenzkampf um den Startelf-Platz. Und diesen konnte er lange gar nicht führen, weil er aufgrund von Adduktorenproblemen in der Vorbereitung einige Zeit fehlte.

Saliakas verliert Zweikampf mit Pyrka vorerst

Je länger die Saison 25/26 nun andauert, umso deutlicher verliert Saliakas diesen Konkurrenzkampf gegen Pyrka. Viermal stand er in der Startelf. Genau so oft wurde er für Pyrka eingewechselt. Allerdings fehlte er auch zweimal aufgrund von Adduktorenproblemen im Kader und saß fünfmal 90 Minuten auf der Bank – unter anderem in den letzten vier Spielen vor Weihnachten. Pyrka hat sich im Konkurrenzkampf also vorerst durchgesetzt, Saliakas bleibt vorerst nur die Rolle als Zuschauer.

Alexander Blessin erklärte rückblickend, dass er etwas daran zweifelt, ob der zu Saisonbeginn recht offene Konkurrenzkampf förderlich für die Leistungen von Saliakas und Pyrka gewesen ist: „Ich weiß nicht, ob wir da einen Fehler gemacht haben, dass wir den Bereich sehr lange offen gehalten haben. Zuerst denkt man, so ein Duell kann sich insofern ausdrücken, dass sich beide steigern und auf ein gewisses Level kommen. Das hat aber vielleicht beide ein bisschen verunsichert.“

Hamburg, Deutschland, 27.09.2025, Millerntor-Stadion, FC St. Pauli - Bayer 04 Leverkusen Nach einem Gegentreffer für den FC St. Pauli erhält Manolis Saliakas aufmunternde Worte von Hauke Wahl. Copyright: Stefan Groenveld
Nachdem Manos Saliakas beim zweiten Gegentreffer für den FC St. Pauli gegen Leverkusen nicht ganz unbeteiligt war, erhielt er ein paar aufmunternde Worte von Hauke Wahl.
(c) Stefan Groenveld

Statistiken: Pyrka mit Defensiv-, Saliakas mit Offensiv-Vorteilen

Die genauen Gründe, warum Pyrka aktuell Stammspieler ist und Saliakas dadurch auf der Bank sitzt, erklärte Blessin auf der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel nicht im Detail. Er sagte einzig: „Letztlich hat Arek seine Leistungen extrem stabilisiert.“ und erklärte, dass beide im Offensivbereich noch zulegen können. Zudem verwies er darauf, dass Saliakas zwei Jahre in Folge die so wichtige Sommer-Vorbereitung des FC St. Pauli verpasst habe: „Das ist ärgerlich und das merkt man einfach auch. Ich glaub aber, Manos ist auf einem Weg, wo ich sage, er kann und wird uns noch helfen.“

Der Blick in die Statistiken ist bei der Frage, wer bisher eigentlich besser auf dieser Position spielte, nicht unbedingt aufschlussreich:
Die Zweikampfwerte von Saliakas und Pyrka in der Defensive sind identisch: Beide gewinnen knapp zwei Drittel ihrer direkten Duelle (womit sie im oberen Drittel aller Rechtsverteidiger der Liga liegen). Saliakas führte ein paar mehr Duelle. Allerdings fängt Pyrka pro 90 Minuten deutlich mehr Pässe ab. Ballbesitz-bereinigt sind es mehr als fünf abgefangene gegnerische Pässe pro Partie, womit er zu den fünf besten Spielern auf dieser Position gehört, während Saliakas mit 2,7 abgefangenen Pässen pro Spiel auf Platz 30 von 31 Rechtsverteidigern zu finden ist. Sowieso sei angemerkt, dass viele wichtige Dinge nicht in Zahlen abgebildet werden können. Ein Beispiel: Das zweite Tor der Leverkusener im Frühherbst am Millerntor kam aufgrund eines Stellungsfehlers von Saliakas zustande und wird in Statistiken gar nicht abgebildet. Hier zählt dann eher der subjektive Eindruck. Und der schlägt beim Blick auf die Qualitäten für das Defensivspiel eben für Pyrka aus, der vor Weihnachten zudem einen immer sichereren Eindruck hinterließ.

Wenn es aber darum geht, dass der FC St. Pauli von der Rechtsverteidiger-Position aus mehr Offensivgefahr erzeugen will, dann wäre, basierend auf den Zahlen, Manos Saliakas die bessere Wahl. Er schlägt rund doppelt so viele Flanken wie Pyrka, die zudem eine höhere Genauigkeit besitzen, kommt auf doppelt so viele Torabschlüsse und gewinnt auch rund doppelt so viele Offensivduelle. Nur Julian Ryerson legte als Rechtsverteidiger in dieser Saison bisher aus dem Spiel heraus pro 90 Minuten mehr Torschüsse auf als Saliakas, Pyrka liegt hier auf Platz 29. Die Zahlen können also nicht unbedingt erklären, warum Manos Saliakas aktuell gegenüber Arek Pyrka das Nachsehen hat.

„Er ist kein Stinkstiefel“

Was auch immer dazu geführt hat, dass Saliakas aktuell auf der Bank sitzt: Man kann sicher sein, dass er mit dieser Rolle alles andere als zufrieden ist. Blessin: „Manos ist ein Sportsmann durch und durch. Er will auf der einen Seite spielen, aber akzeptiert das (seine Rolle, A.d.R.) dann auch. Natürlich gefällt es ihm nicht. Aber er ist kein Stinkstiefel. Er gibt Gas im Training und lässt sich nicht hängen. Das kann man ihm ganz hoch anrechnen. Und das ist wichtig, denn wenn wir in dem Bereich das Gefühl haben, dass wir wechseln müssen, dann kommt er dann sofort rein. Und dann habe ich auch ein gutes Gefühl, weil er bei der Stange bleibt.“
So scheint Manos Saliakas aktuell zwar auf dem Rasen keine große Rolle zu spielen, aber er sorgt mit guten Trainingsleistungen dafür, dass der Konkurrenzdruck hoch bleibt. Das dürfte zwar keine Rolle sein, die ihm auf Dauer gefällt, für den FC St. Pauli ist so jemand aber extrem wichtig. Und wer weiß, wann sich für ihn wieder die Chance ergibt, an den aktuell bestehenden Verhältnissen zu rütteln.

// Tim

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3 thoughts on “„Er kann und wird uns noch helfen“

  1. Sorry Herr Blessin, aber bei Saliakas´ letzter Einwechselung war sofort mehr Feuer, mehr Offensivgefahr zu sehen.
    Offensive Außenbahnen scheinen bei Blessin schlicht nicht gewünscht, s. Dapo auf der anderen Seite.
    Ich bin gespannt wie der Trainer zu mehr Torgefahr kommen will – ab durch die Mitte? Üben wir ja schon etwas länger…
    Ich kann da nur ratlos mit dem Kopf schütteln aber lasse mich durch eine rekordverdächtige Rückrunde gerne eines besseren belehren.
    Auf einen 3er bei VW!!

  2. Für den Moment kann ich die Entscheidung halbwegs nachvollziehen. Defensiv ist Pyrka wirklich einen Deut besser, außerdem fischt er seit einiger Zeit immer wieder in Treu-Manier Bälle kurz vor der Linie weg. Aber vorn fehlen uns die besonderen Aktionen von Manos doch stark. Allein die Tore wie gegen Kiel oder Frankfurt. Wenn beide wirklich fit sind, fände ich es toll, eine Aufteilung zu finden, die beiden gerecht wird. Gut fand ich die Erkenntnis, dass Konkurenzkampf nicht immer nur Vorteile bringt und Spieler auch verunsichern kann.

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