Nicht nur Jackson Irvine, sondern auch weitere Spieler des FC St. Pauli haben sich kürzlich verletzt. Das führt zu einer kritischen Personalsituation im zentralen Mittelfeld.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Es ist eine Nachricht, hinter der sich ein ziemliches Drama verbergen könnte: Jackson Irvine muss nach erneuten Problemen am linken Fuß „bis auf Weiteres“ aussetzen und wird dem FC St. Pauli somit erst einmal nicht zur Verfügung stehen. Wie ernst die Situation für ihn und den FCSP ist, konnte am Dienstag, als der Verein eine kurze Meldung zur Verletzung des FCSP-Kapitäns veröffentlichte, noch nicht abgeschätzt werden. Zwei Tage später ist man immer noch nicht schlauer, was die Ausfallzeit betrifft. Aber man hat eine Idee davon, wie ernst die Lage für Irvine und auch den FC St. Pauli ist.
Schwere der Verletzung unklar
Machen wir uns nichts vor: Für einen fast 32-jährigen Profifußballer ist ein Ermüdungsbruch sowieso schon eine ziemlich bescheidene Sache. Dass dieser im Frühsommer überhaupt operiert wurde, ist ebenfalls kein gutes Zeichen, weil es auf Komplikationen hindeutet (Ermüdungsbrüche werden nämlich üblicherweise konservativ behandelt, eine OP sollte nur die Ausnahme sein). Dass es nun am gleichen Fuß wieder Probleme gibt und womöglich erneut eine OP notwendig ist („Es wird sich in den nächsten zehn Tagen herausstellen, wie wir da weiter vorgehen.“), wie Blessin auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Dortmund berichtete, ist alarmierend. Bereits zuvor war aus dem Verein bereits zu hören, dass es in nächster Zeit noch ein Update zur Verletzung von Irvine geben wird.
Allein die Tatsache, dass der linke Fuß von Jackson Irvine in den nächsten zehn Tagen erst einmal kritisch beäugt und anschließend entschieden wird, wie man ihn behandelt, lässt darauf schließen, dass bei der Ausfallzeit eher in Monaten als in Wochen gerechnet werden muss. Da die Saison noch fast genau vier Monate andauert, machte entsprechend das Wort „Saisonaus“ bereits die Runde. Auch wenn es sich um eine andere OP, einen anderen Eingriff handeln könnte, so ist ein Vergleich hilfreich: Nach der letzten OP am linken Fuß hat Jackson Irvine ein halbes Jahr gebraucht, bevor er wieder auf dem Platz stehen konnte. In fast genau einem halben Jahr (19.07.) steht das WM-Finale an – für Irvine könnte eine OP also auch hinsichtlich seiner Nationalmannschaftskarriere gravierende Folgen haben.
Wir wünschen gute Besserung!
Wer kann Irvine dauerhaft ersetzen?
Nicht nur für Jackson Irvine, sondern auch für den FC St. Pauli könnten die Auswirkungen gravierend sein, sie sind e sogar bereits. Gegen Wolfsburg reagierte der FCSP auf den Irvine-Ausfall, indem Eric Smith eine Position nach vorne rückte. Ob diese Rotation aber Zukunft hat, dürfte unter anderem von Smiths Anpassung an die veränderten Anforderungen auf dieser Position abhängen. Blessin erklärte am Donnerstag, dass dem Vize-Kapitän gegen Spielende die Belastung anzumerken war, dieser Lücken nicht mehr so gut geschlossen bekommen habe. Ob man den ohnehin in Sachen Belastung eher vorsichtig zu behandelnden Smith also auch drei Tage später in Dortmund wieder auf dieser Position sehen wird, ist nicht klar.
Sowieso wird Eric Smith eigentlich auch weiterhin (zumindest vorerst) in der Innenverteidigung benötigt. Adam Dźwigała zeigte sich gegen Wolfsburg zwar wie immer sehr engagiert, hat aber weiterhin Probleme mit der Entscheidungsfindung in der Bundesliga. David Nemeth fehlt verletzt, ist noch nicht einmal ins Teamtraining eingestiegen, wird also noch sehr lange brauchen, bis er wieder spielen kann. Und Neuzugang Tomoya Andō hat zwar gute Ansätze im Test gegen Werder Bremen gezeigt, soll aber, so erklärte es Blessin diesen Donnerstag, erst einmal langsam herangeführt werden an den Bundesliga-Fußball, also in Form von zeitlich begrenzten Einsätzen. Als Startelfspieler dürfte er damit nicht gelten.
Aber vielleicht muss Andō ganz schnell Startelfspieler werden. Denn das Vorziehen von Smith ist aktuell die wahrscheinlichste Variante. Zumindest solange Connor Metcalfe fehlt. Der 26-jährige ist eigentlich die erste Wahl, wenn es darum geht, einen Ausfall im zentralen Mittelfeld zu kompensieren. Doch ausgerechnet jetzt macht sein Knie Probleme, gegen Wolfsburg stand er nicht im Kader. Auch hinter einem Einsatz in Dortmund steht mindestens ein kleines Fragezeichen.
Und da auch Danel Sinani und Marwin Schmitz für das Wolfsburg-Spiel passen mussten (Sinani sogar ziemlich sicher auch für Dortmund), trat der FC St. Pauli dort an, ohne echte Mittelfeldspieler auf der Bank zu haben. Das ist weit entfernt von einer Idealsituation.

Benötigt der FC St. Pauli Verstärkung im zentralen Mittelfeld?
Neben Metcalfe, Sinani und Smith könnte es auch noch eine weitere Variante geben, um den Ausfall von Irvine zu kompensieren: Externe Verstärkung. Sollte der FC St. Pauli noch einen zentralen Mittelfeldspieler verpflichten, dann würde er es für eine Position machen, die vor Saisonbeginn noch als sehr üppig besetzt angesehen werden konnte. Und da die Situation besonders aktuell richtig kritisch ist, sollte es bestenfalls schnell gehen mit einer Verstärkung. Dann sollte es ein Spieler sein, der dem Team sofort weiterhelfen kann. Ein Spieler, der keine oder nur sehr wenig Zeit braucht, um sich an Liga und Level zu gewöhnen. Ein Spieler also, der im besten Fall schon Erfahrung in einer der Top5-Ligen besitzt.
Klingt dieses Profil nach einem Spieler, den sich der FCSP leisten kann? Zumindest dürfte es schwer werden, so jemanden zu finden. Aber das sowas klappen kann, vielleicht auch in Form von Leihen, haben die beiden Vorsaisons gezeigt. Und das ausgerechnet auf genau der gesuchten Position. Vor zwei Jahren wechselte Aljoscha Kemlein im Winter zum FC St. Pauli. Letztes Jahr kam James Sands dazu. Auch wenn Sands sich nach kurzer Zeit schwer verletzte, so steht völlig außer Frage, dass beide Spieler Soforthilfen für den FCSP gewesen sind. So jemanden könnte auch jetzt wieder benötigt werden.
// Tim
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