Zwar hielt der FC St. Pauli gegen den Hamburger SV die Null, war offensiv aber viel zu harmlos, sodass am Ende die Enttäuschung klar überwiegt.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Der FC St. Pauli trifft auf den Hamburger SV. Das alleine reicht schon, um Fußballherzen höherschlagen zu lassen. Dazu Freitagabend, Flutlicht, Millerntor – mehr braucht es eigentlich nicht, um komplett zu eskalieren. Aber es gibt auch die andere Variante, um diese Partie zu beschreiben: Es ist scheißekalt, die beiden schwächsten Offensiven treffen aufeinander, Abstiegsangst ist vorhanden. Nach Abpfiff der 113. Stadtmeisterschaft, die man laut HSV-Trainer Merlin Polzin „nicht lange in Erinnerung behalten wird“ (was aus Sicht des FC St. Pauli bitte unbedingt der Fall ist), kann man festhalten, dass sich dieses Spiel ganz klar für die zweite Variante entschieden hat.
Die Aufstellung
Eine Veränderung gab es in der Startelf des FC St. Pauli im Vergleich zur Niederlage in Dortmund: Louis Oppie kehrte zurück, verdrängte Lars Ritzka aus der Anfangsformation. In der Innenverteidigung startete somit erneut Adam Dźwigała, Tomoya Andō blieb auf der Bank. Dort fand sich auch Ricky-Jade Jones ein, der zuletzt gegen Dortmund überzeugen konnte. Danel Sinani und Jackson Irvine standen wieder im Kader, Connor Metcalfe erwartungsgemäß nicht.
Aufseiten des HSV gab es einige Überraschungen in der Startelf: Jean-Luc Dompé, Daniel Elfadli und Albert Sambi Lokonga konnten von Beginn an auf dem Platz erwartet werden. Polzin entschied sich aber dafür, stattdessen mit Alexander Røssing-Lelesiit, Ransford Königsdörffer und Jordan Torunarigha zu starten. An der 3-4-3-Grundformation des Teams änderte das nichts, an der Herangehensweise aber schon ein bisschen.

FCSP: Vasilj – Dźwigała, Wahl, Mets – Pyrka, Smith, Sands, Oppie – Fujita, Kaars, Pereira Lage
HSV: Heuer Fernandes – Capaldo, Vušković, Torunarigha – Jatta, Vieira, Remberg, Muheim – Königsdörffer, Downs, Rössing-Lelesiit
FC St. Pauli gefriert bei Ballbesitz
Der Hamburger SV agierte bei Ballbesitz nicht mit solch starken Überladungen der eigenen rechten Seite, wie man es in dieser Saison schon gesehen hat. Auffällig war auch, dass das Team öfter mit Remberg als fallendem Sechser im Aufbau agierte. Capaldo und Muheim schoben dann gerne in die beiden defensiven Halbräume, viel seltener aggressiv nach vorne als sonst. Davor agierte Jatta auf der rechten Außenbahn als tiefe Anspielstation. Königsdörffer, der sich gegen den Ball dort positionierte, agierte mehr oder weniger als freies Radikal (blieb aber total ineffektiv) und versuchte zusammen mit Downs und Vieira, in den offensiven Halbräumen für Probleme des FC St. Pauli zu sorgen.
Bloß kein Risiko!
Diese Probleme gab es aber nicht für den FCSP. Der HSV kam zwar ganz gut in die Partie, schaffte es aber aus geordnetem Spielaufbau nie so wirklich, Torgefahr zu erzeugen. Die kompakte Formation des FC St. Pauli, in der nur wenig mannorientiert auf die Rotationen des HSV reagiert wurde, blieb stabil. Was allerdings auch daran lag, dass die Gäste alles andere als hochklassigen und mutigen Offensiv-Fußball spielten. Vielmehr war dem Team von Polzin trotz anfänglicher Feldüberlegenheit anzumerken, dass es das Risiko scheute.
Das Risiko scheute auch der FC St. Pauli. So sehr, wie man es wohl nur selten zu sehen bekommt. Das Spiel schlug relativ schnell eine Richtung ein, in der alle strukturierten Vorhaben beider Offensiven von Vorsicht und Unsicherheit ertränkt wurden. In der Folge gab es so viele lange Bälle zu sehen, dass es irgendwann einfach nur noch wehtat. Der FCSP versuchte zu Beginn noch mit flachen Pässen von den Außenbahnen in Richtung Offensivzentrum ins letzte Drittel des HSV vorzudringen. Das ging ein paar Mal schief – und nach wenigen Minuten stellte das Team von Alexander Blessin diese Versuche nahezu komplett ein. Dabei waren die Räume für solche Pässe eigentlich vorhanden. Der Hamburger SV wirkte nicht unbedingt sattelfest in der Defensive. Nur tat der FCSP ihm den Gefallen, die Stärken des Teams herauszuarbeiten.
Langer Ball auf Vušković, eine „suuuuper“ Idee…
Denn von den Füßen der FCSP-Spieler aus flogen etliche hohe Bälle in Richtung HSV-Abwehrkette, die nur wenig Probleme hatte, diese zu verteidigen: 22 Kopfball-Duelle führten die Herren Capaldo, Vušković und Torunarigha, 18 davon gewannen sie. Zumeist segelten die Bälle sogar genau dorthin, wo sie definitiv nicht hinsollten: Luka Vušković führte alleine zwölf Kopfballduelle, gewann zehn davon. Einige weitere Male führte er nicht einmal ein Duell, sondern köpfte den Ball ohne Gegenwehr wieder aus der Gefahrenzone. Und irgendwo zwischen Vušković und Torunarigha (der, anders als im Hinspiel, viel zu selten in Laufduelle gezwungen wurde!) befand sich der bemitleidenswerte Martijn Kaars, der zusammen mit Mathias Pereira Lage vorne ziemlich im Stich gelassen wurde von seinen Mitspielern, was Hauke Wahl nach Abpfiff mit deutlichen Worten monierte.
Denn es ist schon ok und verständlich, dass der FC St. Pauli das Risiko scheut, nachdem die ersten Versuche des flachen Aufbauspiels in die Hose gegangen sind. Aber dann sollte die Exit-Strategie doch bitte eine andere sein, als allen zu zeigen, wie gut Vušković im Kopfballspiel ist. Er ist nämlich sehr, sehr gut: Kein Bundesligaspieler gewinnt pro Partie mehr Kopfballduelle. Das war schon vorher bekannt, aber der FC St. Pauli tat dem HSV trotzdem diesen großen Gefallen. Darüber ärgerte sich nach Abpfiff auch der maßlos enttäuschte Alexander Blessin. Unter anderem erklärte er, dass man eine ganz andere Exit-Strategie gehabt habe, diese aber, warum auch immer, nicht spielte.
St. Pauli tut dem HSV einen Gefallen
Dass es überhaupt zu den vielen Situationen kam, in denen der FC St. Pauli genau das tat, was er nicht tun sollte, lag auch daran, dass er zuvor bereits schon genau das tat, was er nicht tun sollte: Nämlich viel zu wenig. Wenn die FCSP-Abwehrkette den Ball in ihren Reihen bewegte, dann passierte in den Mannschaftsteilen davor das, was unter Anwesenheit von Wasser bei diesen Temperaturen nun einmal passiert: Einfrieren. Das Spiel des FC St. Pauli war statisch, es gab viel, viel, viel zu wenige Bewegungen in den vorderen Reihen, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen. Dabei war es genau das, was dem HSV im Hinspiel so große Probleme bereitet hatte. Da gelang es immer wieder, die HSV-Abwehr in Laufduelle zu zwingen, sie aus ihren Positionen herauszuziehen. Pässe hinter oder vor die letzte Kette der Gäste hätten dabei geholfen, stattdessen spielte der FC St. Pauli zumeist meist Pässe in die Kette.
Doch selbst wenn es dem FC St. Pauli mal nicht gelingt, die Bälle vor oder hinter die letzte Kette des Gegners zu spielen, bleibt da immer noch die Option, über einen zweiten Ball Gefahr zu erzeugen. Doch auch das blieb der FCSP schuldig. Blessin kritisierte auf der Pressekonferenz nach Abpfiff das Nachrückverhalten seines Teams: „Wir waren vom Kopf her in den Momenten für die zweiten Bälle nicht so präsent, da war der HSV besser.“ Auch Nikola Vasilj kritisierte diese wenig proaktive Spielweise, die dazu geführt habe, dass die Abstände zur eigenen Offensive zu groß waren und entsprechend kaum Druck auf die zweiten Bälle erzeugt werden konnte (was zwingend notwendig ist, wenn man schon so viele lange Bälle spielt).
Und selbst wenn es dem Team gelang, in die Zweikämpfe zu kommen, wurden sie im ersten Abschnitt einfach viel zu oft verloren. Laut Blessin gewann der HSV in der ersten Hälfte 63 Prozent der Zweikämpfe, Ein Wert, der betroffen macht, auch den Cheftrainer: „Wenn wir von einem Abstiegs-Derby sprechen, dann ist das zu wenig.“

Das einzig positive am ersten Abschnitt war aus Sicht des FC St. Pauli, dass auch der HSV offensiv so gut wie gar nicht stattfand. Die Gäste erspielten sich genau einen Abschluss, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (xG: 0,09). Da sich auch der FCSP nur unwesentlich mehr Abschlüsse erspielte, nämlich magere zwei (summierter xG: 0,03…), gab es eigentlich nur zwei Dinge, die an der ersten Halbzeit gut waren: Dass sie endlich vorbei war und dass niemand auf dem Platz, besonders beide Torhüter, Erfrierungen davongetragen hat (was hoffentlich auch auf den Rängen der Fall gewesen ist). Die Stadtmeisterschaft ist auch das Aufeinandertreffen der toremäßig schwächsten Offensiven der Bundesliga gewesen – und die ersten 45 Minuten dieser Partie untermauerten diesen Status auf schmerzvollste Art und Weise.
Es kommt Bewegung rein
Mit Start der zweiten Hälfte stand dann Ricky-Jade Jones auf dem Platz, er ersetzte Kaars. Blessin erklärte später, dass in der Pause vor allem das Nachrück- und Zweikampfverhalten Thema gewesen seien. Jones zeigte Wirkung. Schon nach fünf Minuten hatte der FC St. Pauli um ihn herum mehr Unruhe in der HSV-Hintermannschaft gestiftet, als in der gesamten ersten Halbzeit. Zwar war der Ertrag in Form von Torgelegenheiten immer noch extrem dürftig, den ersten FCSP-Abschluss der zweiten Halbzeit gab es in Minute 63, aber das Team war nun immerhin deutlich aggressiver. So wirklich mutig war das Spiel des FC St. Pauli aber leider weiterhin nicht, es war noch viel zu oft von Vorsicht und Risikoarmut geprägt. Die ersten Chancen im zweiten Abschnitt hatte dann auch der HSV und fast hätte es in der 54. Minute im FCSP-Tor eingeschlagen, doch Vasilj war beim Kopfball von Vušković auf dem Posten.
Sinani und Jones beleben St. Pauli
Diese Gelegenheit markierte dann aber erst einmal das Ende der Offensivpräsenz des HSV. Ab jetzt übernahm der FC St. Pauli mehr und mehr das Spiel. In der 58. Minute notierte ich mir endlich die erste richtig gute Angriffs-Sequenz des FCSP, als sich mit gleich drei „Steil-Klatsch“-Situationen nach vorne durchkombiniert wurde. Diese mündete in einer Ecke, die dann leider, wie so viele Standardsituationen in diesem Spiel, kümmerlich am erstmöglichen HSV-Kopf verendete. Aber immerhin konnte man nun das Gefühl entwickeln, dass der FC St. Pauli in diesem Derby angekommen war.
Mit der Einwechslung von Danel Sinani kippte die Partie dann noch ein wenig weiter in Richtung des FC St. Pauli. Sinani brachte dabei genau das Element ein, das dem Team zuvor oft fehlte: Wenn das eigene Team den Ball hatte, dann war Sinani immer in Bewegung und wollte immer den Ball haben. Ihn schien es auch nicht nachhaltig zu beeindrucken, wenn er eben jenen Ball mal verlor, wenn eine Aktion nicht gelang. Das klingt total nach Stammtisch-Phrase, ich weiß. Aber am Freitag stand da zeitweise ein FC St. Pauli auf dem Platz, der als Team fürchterlich verunsichert und ängstlich wirkte – und das äußerte sich eben darin, dass viel zu oft niemand mit Nachdruck den Ball forderte, wenn die eigenen Innenverteidiger diesen besaßen.
„Ballverluste, die eigentlich bestraft werden.“
Die zweite Halbzeit des FC St. Pauli war also ein gutes Stück besser als die erste. Auch die Zweikampfwerte kippten nun klar in Richtung des FCSP (55 Prozent der Boden-Duelle wurden gewonnen). Und es gab dann auch eine Phase, in der das Team einem Treffer recht nahe kam: Zwischen der 75. und 81. Minute gab es vier Abschlüsse, einen davon, jenen von Sinani, hielt HSV-Keeper Heuer Fernandes stark. Wirklich zufrieden konnte der FC St. Pauli aber auch mit der zweiten Hälfte nicht sein. Zum einen, weil die Torabschlüsse einfach nicht zwingend genug waren. Zum anderen, weil es einige Momente gab, in denen der HSV regelrecht zum Toreschießen eingeladen wurde. Blessin sagte nach Abpfiff: „Wir hatten Ballverluste, die eigentlich bestraft werden.“ Wurde der FCSP aber nicht, weil der HSV zum Beispiel seinen „3-gegen-1“-Konter in der 82. Minute fürchterlich schlecht ausspielte.
Somit endet die 113. Stadtmeisterschaft ernüchternd, vor allem für den FC St. Pauli. Der HSV wird mit diesem Punkt deutlich besser leben können, hat er doch den Punkte-Abstand beibehalten können. Beim FC St. Pauli regierte nach Abpfiff hingegen komplette Enttäuschung. Denn auch wenn das Team die Null hielt, zum ersten Mal in dieser Saison in einem Heimspiel, so muss einfach klar und deutlich festgestellt werden: Dieser HSV war offensiv völlig harmlos und defensiv nur dann sattelfest, wenn der FCSP dessen Stärken betonte, indem er genau so spielte, wie er nicht sollte. Dieser HSV war absolut schlagbar. Dass das nicht gelungen ist, ist total enttäuschend.
So, genug gemosert und den Frust rausgeschrieben. Muss sein, Niederlagen (oder in diesem Fall Unentschieden) müssen manchmal richtig wehtun, damit genug Motivation daraus gezogen werden kann. Irgendwann überwiegt vielleicht das gute Gefühl, dass die Stadtmeisterschaft weiterhin im Besitz des FC St. Pauli ist. Besonders dann, wenn es nun gegen Leipzig endlich mal wieder gelingt, dreifach zu punkten. Trotzig und weil wir sowieso keine Zeit haben, um uns zu lange mit diesem Spiel aufzuhalten, schreibe ich das, was ich immer am Ende eines Spielberichts schreibe und dieses Mal noch etwas wichtiger finde als sonst:
Immer weiter vor!
// Tim
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Ich versuche es mal sehr ruhig.
Ich erinnere mich, dass wir zu Saisonbeginn nach Stuttgart zu einem verunsicherten und nicht gut gestarteten VfB gefahren sind. Keiner konnte damals ahnen, dass das der Beginn einer beispiellosen Serie werden sollte, aber das ist nicht der Punkt. Stuttgart hat uns in dem Spiel buchstäblich aufgefressen. Deren Intensität und Willen konnte man bis unters Stadiondach spüren. Hauke Wahl sprach damals übrigens von fehlenden Basics bei uns. Vielleicht sollte er mal in Ruhe nachdenken, wo die denn gestern so gewesen sind. Denn nun schaue ich mir an, wie der FCSP gestern ins Spiel ging. In ein Derby, das von den Vorzeichen her einfach ein mustwin gewesen ist, wenn man vom Klassenerhalt träumen will. Das war jenseits der nicht vorhandenen Offensivbemühungen einfach nur noch peinlich. Und das ist noch ein freundliches Wort. Ich habe nichts von dem unbedingten Willen gespürt, dieses Spiel ziehen zu wollen. Den Fans, dem Umfeld, ja, auch der Liga signalisieren zu wollen, wie sehr man das gewinnen will, und dass die anderen im Kampf und den Klassenerhalt mit uns rechnen müssen. Und dazu bekamen wir noch derart eklatante spielerische und technische Mängel zu sehen, dass mir absolut die Phantasie fehlt, wie wir in dieser Liga am Ende was reißen sollen. Wenn Blessin nun davon spricht, dass es eigentlich einen anderen Plan gab, als den der da zu sehen war, dann könnte ich dann endgültig die Wände hochlaufen. Wer ist denn dafür verantwortlich, dass Matchpläne umgesetzt werden? Und vor allem: Was verdammt nochmal war denn der Plan? Davon sehe ich offensiv seit Monaten nichts. Ist aber auch mittlerweile schon eigentlich egal. Das sind mittlerweile für mich nur noch Floskeln eines Trainers, der mit dem Latein am Ende ist. Denn vielleicht nochmal deutlich, und das steht im Text ja auch: Beinahe jeder andere Bundesligist hätte uns hier gestern rasiert. Und das mit recht wenig Aufwand. Es hilft mir auch überhaupt nicht die Laune zu steigern, dass der hsv der andere peinliche Part dieses gruseligen Spiels war, und seine Möglichkeiten wie eine Regionalligamannschaft ausspielte. Um die geht es aber letztlich auch nicht.
Ich glaube wenn ich ehrlich bin nicht an den Klassenerhalt. Da stimmen einfach zuviele Faktoren nicht.
Die Spielanalyse von Tim werte ich als eine – Millernton-typisch eher seichte – Trainerkritik. Wieder einmal brachten wir gegen einen Gegner nur knapp drei Viertel unserer Pässe zum Mitspieler (Passquote 77%) zustande. Das mag gegen absolute Top-Teams wie Borussia Dortmund (haha, genau) noch erklärbar sein, aber gegen einen vergleichsweise harmlosen HSV wirkt diese Bilanz doch sehr fragwürdig.
Wenn sich Alexander Blessin hinterher öffentlich fragt, warum seine Mannschaft so häufig den Ball lang und weit nach vorne schlägt, kann ich seine Verwunderung jedenfalls nicht teilen. Er ist schließlich der Trainer – und dieses Muster ist keineswegs neu, sondern seit einigen Spielen etabliert. Man sucht das Glück durch unkontrollierte Befreiungsschläge nach vorne. Wenn Blessin diese Spielweise also selbst „gar nicht so dufte“ findet, sie aber trotzdem immer wieder zu unserem Spiel gehört, wirft das erhebliche Fragen auf. Offenbar kommen seine Ideen bei der Mannschaft nicht (mehr) an.
Im Transfermarkt-Forum wurde bereits treffend angemerkt, Blessin habe unserer Mannschaft jegliche Spielkultur genommen. Seit Monaten werden fast nur noch planlos hohe Bälle nach vorne geschlagen. Dieser Eindruck deckt sich leider mit dem, was wir Woche für Woche auf dem Platz sehen.
Nach dem Derby erklärte Jackson Irvine im Sky-Interview, die Defensive sei das Herzstück der Mannschaft und man habe sinngemäß auf den richtigen Moment gelauert. Entschuldigung, aber: Das war ein Derby gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Da muss mehr kommen als nur darauf zu hoffen, dass ein Pereira Lage vielleicht mal einen schweren langen Ball verwertet. Im Derby nur auf Fehler des Gegners zu warten, ist deutlich zu wenig. Leidenschaft, Kampfgeist, Mut nach vorne – all das hätte ich in so einem Spiel erwartet, statt einer reinen „Schauen wir mal, ob vorne zufällig was klappt“-Einstellung.
Blessin gestand im Sky-Interview ja sinngemäß auch ein, dass man im Grunde nur einen Matchplan habe – nämlich das Spiel durch die Mitte zu forcieren. Macht der Gegner die Mitte dicht, steht seine Mannschaft folglich ohne Lösungen und ohne Spielkontrolle da. Ein derart eindimensionales Offensivkonzept ist alarmierend. Im Prinzip räumt man damit ein, dass bei kompakt stehenden Gegnern der Zufall entscheiden muss, ob man zum Erfolg kommt. Gegen Top-Teams mag es noch klappen, da sie einem die Mitte aufmachen – da scheitert man dann an der individuellen Qualität – doch gegen direkte Konkurrenten hofft man offenbar nur auf den einen Lucky Punch, weil es keinen alternativen Gameplan gibt. Das ist eine äußerst riskante Herangehensweise für eine ganze Saison.
Ich bin es ehrlich gesagt leid, ständig den Trainer infrage zu stellen – offenbar juckt es sowieso keinen der Verantwortlichen, was da von Spieltag zu Spieltag auf den Rasen gebracht wird. Vorstand und sportliche Leitung stellen sich demonstrativ hinter Blessin, ungeachtet der offensichtlichen Probleme.
Zur Untermauerung ein paar Aussagen von Präsident Oke Göttlich aus einem Sky-Interview vor dem Spiel (Gedächtnisprotokoll) – und meine Anmerkungen dazu:
– „Blessin sei ein toller Trainer.“ – Oke lobt seinen Coach in den höchsten Tönen. Aber woran wird das festgemacht? Blessin hat bei Union Saint-Gilloise zwar großartige Arbeit geleistet, doch den Nachweis, diese Erfolge hier zu übertragen, bleibt er bislang schuldig. Meint Oke vielleicht eher, Blessin sei ein toller Typ? Damit könnte ich ja mitgehen – aber als Trainer muss er seine Qualität erst noch unter Beweis stellen.
– „Blessin darf hier noch einige Spiele verlieren.“ – Übersetzt: Selbst weitere Niederlagen würden vorerst toleriert. Wie viele denn noch? Bis der Klassenerhalt nicht mal mehr rechnerisch möglich ist? Dass ein Vereinspräsident so etwas sagt, obwohl das Team gerade eine Horror-Pleitenserie hingelegt hat und im Begriff ist, eine zweite in derselben Saison zu starten, ist erstaunlich. Man muss sich fragen, wie Oke das bei der nächsten Mitgliederversammlung erklären will. (Zur Einordnung: Aktuell sind vier Spiele in Folge ohne Sieg und nur ein Tor aus dem Spiel heraus zu verzeichnen.)
– „Die Leute kommen hier nicht für schönen Fußball, sondern für die Leidenschaft.“ – Eine bemerkenswerte Aussage. Früher stand der FC St. Pauli durchaus für attraktiven Fußball. Tim widmete dem einschläfernden Spielstil unter Kauczinski sogar einen ganzen Artikel – und wie froh man war, als es anschließend wieder ansehnlicher wurde. Angenommen, Oke hätte Recht und den Fans ginge es tatsächlich nur um Leidenschaft: Wo war diese Leidenschaft denn gestern? Auf dem Platz waren eher Angst und Planlosigkeit tonangebend.
Mit solchen Aussagen macht Oke Göttlich sich im Grunde selbst das Leben schwer, sollte Blessin doch noch einmal freigestellt werden müssen. Aber man gewinnt den Eindruck, dass er ein Szenario ohne Blessin gar nicht erst in Betracht zieht. Das passt zu dem Auftritt von Bornemann – er wirkte nach dem Derby geradezu entspannt und gelassen. So etwas kann man wohl nur sein, wenn a) die eigene Position bombensicher ist und b) man sich nicht mit unangenehmen Trainerfragen beschäftigen muss, weil ein Trainerwechsel ohnehin ausgeschlossen scheint. Offenbar ist man im Verein bereit, eher den Abstieg in Kauf zu nehmen, als am Trainerstuhl zu rütteln (Blessin könnte den Prank des Jahres bringen und einfach nach dem Abstieg nach FFM wechseln. Bin ich gespannt auf die Interviews in diesem Szenario).
Oke hat ja sogar selbst angedeutet, dass ein Abstieg einkalkuliert sei, weil man über einen Zeitraum von 8–10 Jahren plant, um sich in der Bundesliga zu etablieren. Dazu sei nur angemerkt: Wir haben 14 Jahre gebraucht, um überhaupt wieder aufzusteigen. Die Zeit bis zum nächsten Aufstieg wird sicherlich nicht kürzer, wenn der Trainer mit seiner eindimensionalen Taktik in Liga 2 dann erneut an Mannschaften wie dem HSV scheitert, die einfach nur das Zentrum dicht machen. Das ist doch kein Plan.
Bleibt die Frage, wie man dem Trainer helfen kann, aus dieser Lage herauszukommen – sofern er ohnehin unantastbar bleibt. Einen neuen Stürmer kaufen? Die grundlegenden Probleme würde auch ein zusätzlicher Angreifer kaum lösen. Selbst ein Stürmer wie Guilavogui würde an der aktuellen Spielweise nichts ändern – er müsste sich die Bälle weiterhin weit hinten abholen, weil aus dem zentralen Mittelfeld nichts Kreatives nach vorne kommt. Das Offensivproblem liegt nicht an den Stürmern, sondern im Zentrum und in der fehlenden Spielidee.
Viel sinnvoller wäre es, nun endlich vermehrt auf junge Spieler zu setzen. Schließlich ist man nach dem gestrigen Derby mental ohnehin schon abgestiegen – warum also nicht Talente wie Schmidt oder Schmitz in die Mannschaft integrieren? Statt in Interviews immer nur zu betonen, was für tolle Spieler das seien und dass „ihre Zeit bald komme“, sollte man ihnen lieber jetzt eine echte Chance geben. Andernfalls läuft es darauf hinaus, dass ihre Zeit tatsächlich kommt – allerdings woanders (vermutlich erfolgreich bei Hoffenheim oder ähnlich), während wir hier tatenlos zuschauen.
Es schmerzte gestern, dieses eingefrorene Spiel zu sehen. Aber wir haben es auch geschafft, keinen Gegentreffer zu kassieren. Das ist sehr wichtig und wir sollten nicht verpassen, das zu würdigen.
Klar, das liegt auch daran, dass die Rauten-Offensive so schwach ist, Nikola uns wieder einmal großartig gerettet hat und der HSV den 3 zu 1-Konter so peinlich verstolpert hat.
Dennoch: Es ist viel Wert, dass wir keinen gefangen haben. Gegen RaBa wird das natürlich eine andere Nummer, aber wenn wir das am Dienstag noch einmal schaffen, so würde das einen Sieg bedeuten.
In meinem GG Umfeld wurde mir gestern vorgeworfen, ich sei zu pessimistisch mit meiner Einschätzung, dass weiter so nicht reichen wird. 13 Punkte oder weniger nach 18 Spieltagen haben seit
1963 in 92% aller Fälle zum direkten Abstieg geführt. Es gab drei Ausnahmen: Freiburg 2011/2012, Augsburg 2012/2013 und Mainz 2020/2021. Notwendig war ein folgender Punkteschnitt von 1,5 bis 1,8. ich denke, es ist wichtig, der Realität ins Auge zu blicken: wir benötigen in den kommenden Spielen mehr als Unentschieden. Dieser Realismus muss notwendig Konsequenzen für das einzugehende Risiko in unserem Spiel haben. Während Konkurrenten wie die Rauten ohne weiteres auf Unentschieden spielen können, brauchen wir jetzt notwendig mehrere drei Punkte Spiele, müssen also zwingend das Risiko erhöhen.
Moin Walkon,
Naja, ich habe deine Rechnung nicht geprüft. Aber diese Saison wird auch ein Team mit 13 oder weniger Punkten nach dem 18. Spieltag nicht direkt absteigen! 😀
Grüße
Ist an sich nicht so schwierig zu recherchieren, weder das „am Ende“ noch die 88 Teams, die nach dem 18. Spieltag 13 Punkte oder weniger hatten und von denen 79 abgestiegen sind. Um es konkreter zu sagen: Ein 3-5-2 mit zwei Innenverteidigern auf der Bank (Ando und Robatsch) + der Option Smith zurück, aber keinen Wechselmöglichkeiten auf den offensiven Außen (Dapo wieder zu Hause gelassen) ist genauso wenig Risiko, wie die Entscheidung es gegen den HSV bei drei Wechseln zu belassen und das 0:0 glücklich über die Zeit zu retten.
In der Abwägung wäre ich dafür, auch auf die Gefahr hin, richtig unterzugehen, Matchpläne zu verfolgen, die wenigstens eine Chance auf drei Punkte beinhalten. Für Siege werden wir ins Risiko gehen müssen. Ich zumindest würde mich dann auch nicht beschweren, wenn die Risiken eintreten sollten. Aber irgendein halbwegs realistisches Szenario, in dem der Klassenerhalt gelingt, wäre doch nett. Wenn wir absteigen sollten, ist es egal, ob wir im Derby die Null gehalten haben oder 0:6 verlieren.
Ja, Tim. Das war, auch in der zweiten Halbzeit, etwas wenig. Es fühlte sich auch irgendwie etwas komisch an, das alles. Im Vorfeld, im Stadion, im Spielverlauf, der (Stimmungs-) Lage. Ich persönlich hatte fast schon zu viel Bock auf das Spiel, dann doch lieber einfach in Augsburg gewinnen, fertig.
Ein bisschen bin ich einfach froh, dass dieser Derbykack jetzt vorbei ist, am besten wird die Saison nun auch einfach… einfacher. Rausgehen, warmmachen, weghauen, kein völlig exaltiertes Drumherum mehr und so.
Nicht zuletzt: Ich wünsche dem HSV damit weiterhin vieles für den weiteren Verlauf, aber ganz sicher weder Tod noch Hass, wie es einige auf den Tribünen gestern lautstark kund tun mussten. Sie hätten gerne die Fresse halten können. So. Voran, FC Sankt Pauli.
Jo, war ein öder Kick oder, wie jemand aus meiner Bezugsgruppe sagte, irgendwie unbefriedigend.
Was wäre aber hier in den Kommentaren los, hätten wir geil offensiv gespielt und verloren?
Für mich haben die Anderen gestern einen Punkt gewonnen, weil Auswärtsspiel, und wir zwei Punkte verloren, behalten aber die Stadtmeisterschaft – eben irgendwie unbefriedigend.
Ich konnte Blessin gegen Ende der 2.Hz ein paar Meter vor mir ausrasten sehen: Er brüllte RJJ an er solle weiter nach vorne laufen.
Gestern hatte er also, zumindest in der 2.Hz, einen deutlich offensiveren Plan, der von einigen im Team schlicht schlecht umgesetzt wurde, ziemlich bescheiden, aber so läuft´s leider manchmal (öfter). Blessin würde ich deshalb, am gestrigen Spiel gemessen, keine Schuld geben. Das Team war gelähmt vom Derbylärm, bloß nicht verlieren war wohl der Hauptgedanke in den Köpfen.
Themenwechsel:
Das Stadion war gestern ähnlich gelähmt wie das Team, für ein Derby war das eher mau.
Ich fand die Ultras auch recht daneben: Erst einen blöden Mainstream Popsong mitgrölend abfeiern (was hat „Diamonds“ denn bitte mit dem FCSP zu tun?) und dann die „Wir sind Hamburg“ Choreografie: Ich habe mich als St.Paulianer eigentlich immer damit wohl gefühlt genau das nicht zu sein, oder habe ich die feine Ironie dahinter nicht gecheckt?
Am Dienstag aber, da holen wir dann endlich den 3er!!!
„Diamonds“ wird von der 1. Frauen schon länger als Hymne benutzt, oder? Ich fand, das kam gestern gut.
Von den 1. Frauen?
Das wäre mir neu.
In Sonderzügen und auf anderen Partys der Fanszene aber schon.
Ach, daher war das. Mir kam es bekannt vor, dann hatte ich es in die falsche Schublade abgeordnet, danke für die Korrektur.
Ich glaube nicht, dass das Team vom Derbylärm gelähmt war. Das war es im Hinspiel auch nicht, und da war es lautstärkemäßig ja nicht viel anders. Das Team ist absolut verunsichert. Dazu rufen die Spieler offenbar die Basics nicht ab. Wenn Fujita beispielsweise nach dem Spiel davon spricht, dass die Intensität gefehlt habe, dann lässt das sehr tief blicken. Oder was wäre denn DAS Spiel gewesen, in dem man das abruft, als ein Derby im Kampf gegen direkte Konkurrenz um den Klassenerhalt? Und auch dafür trägt der Trainer die Hauptverantwortung. Der hat das ja aber elegant weggewischt. Der Plan war ja ein anderer, aber das Team hat das nicht hinbekommen. Komisch ist halt nur, dass man diesen Plan für das Offensivspiel auch sonst niemals sieht. Aber gut. Meinetwegen kann der weiterhin hier versuchen der Mannschaft das Kreieren von Torchancen beizubringen. Ich bin damit ehrlich gesagt langsam durch. Am Dienstag werden wir womöglich sogar gar nicht so schlecht aussehen. Vielleicht holen wir sogar mit Glück einen Punkt. Für mehr reicht die Taktik nicht. Und dann kommt das Spiel in Augsburg. Da wird das Team dann aber bestimmt auf Sieg spielen.
Mit „Derbylärm“ meinte ich den Medienrummel, das Stadion war ja eher verhalten.
Und ja, der war im Hinspiel auch da, allerdings war es eine andere Situation für die Mannschaft, die Saison hatte gerade begonnen, wir hatten gegen Dortmund gut ausgesehen und die Köpfe waren unbelastet.
Anders als bei Schulle damals, würde ich einen Trainerwechsel (mittlerweile) nachvollziehen können. Die Gesamtlage wirkt schon sehr zerfahren, unabhängig von den Ergebnissen geht die Entwicklung des Teams insgesamt eher seitwärts mit Amplituden in beide Richtungen, laut Bornemann war das damals der Grund Schulle zu entlassen.
Aber mitten in der Saison? Wer würde denn garantiert einschlagen und bezahlbar sein?
Und, nur nebenbei, gab es ja Gerüchte, dass Bornemann sich mit Urs Fischer getroffen hat, es ist ja offensichtlich nicht so, dass die Entscheidungsträger untätig daneben stehen.
Die Saison ist noch lang und noch laaange nicht verloren.
Gewinnt das Team, verantwortet der Trainer den Sieg. Verliert das Team, kann der Trainer nix für.
Interessanter Ansatz. Arbeitest du in unserer sportlichen Führung?
Eigentlich sollte es klar sein und der Millernton hat es ja auch bereits mehrfach erwähnt, dennoch muss man hier aufgrund einiger Kommentare nochmal auf eine Sache hinweisen: Wir haben zusammen mit Heidenheim den kleinsten Etat der Liga. Um mindestens 16. zu werden, muss die Mannschaft somit überperformen. Das heißt sie muss über fast die gesamte Saison hinweg besser spielen, als es der Kader hergibt. Also immer über 100 %. Das haben sie letzte Saison geschafft, was ein riesen Erfolg war. Das schaffen sie leider diese Saison bisher nicht. Aber viele tun hier so, als wäre das eine Katastrophe und mit einem anderen Trainer wäre das sofort anders und besser. Verstehe ich nicht. Das ist schlichtweg Realitätsverweigerung.
Ich finde es auch schade, dass wir nicht im gesicherten Mittelfeld stehen oder um Europa mitspielen, aber die aktuelle Lage ist nichts anderes, als die logische Schlussfolgerung unserer Möglichkeiten. Wie hat es hier Maik oder Tim (sorry, dass habe ich gerade nicht auf dem Zettel) so treffend formuliert: Wenn 18 Vereine ALLES richtig machen, steigen trotzdem 2 Vereine ab.
Deswegen sollte man sich nicht zurücklehnen und mit den Schultern zucken, wenn man letzter ist. Viel mehr muss der Klassenerhalt das gemeinsame Ziel bleiben und alle müssen dafür hart kämpfen. Aber jetzt hier die üblichen „der Trainer macht alles falsch“-Parolen raus zu hauen, hilft wirklich überhaupt nicht dabei, dieses Ziel gemeinsam zu erreichen.
Forza St. Pauli! Nächstes Spiel wird wieder angefeuert! Alle zusammen und unfassbar laut!
Das ist eine Wetter-Klima-Diskussion hinter der man sich verstecken kann. Will man erfolgreich sein, muss man diesen Unsinn endlich lassen, weil er eine nicht weiter bringt.
Kleinster Etat ungleich schlechtestes Team
Wer aktiv Fussball gespielt hat, der weiß was auf dem Platz passiert, wenn der Druck in den Köpfen zu groß ist. Die Mannschaft steht wie gelähmt, nichts geht mehr, völlig egal, wie der Matchplan war, wo auch immer einer hinläuft, es kommt kein Ball, jeder versucht, keinen Fehler zu machen, woran der Spielaufbau scheitert, die Bälle werden ins Nirwana geschlagen. Wer werden das in der nächsten Zeit immer dann sehen, wenn es heißt, dieses Spiel MUSS gewonnen werden, allein Erfolgserlebnisse können diese Lähmung lösen, Schritt für Schritt. Wozu die Mannschaft fähig ist steht auf einem anderen Blatt, mit Chance werden wir es Dienstag wieder sehen, bzw immer dann wenn es gegen Mannschaften geht, die deutlich überlegen sind, eine Niederlage eben das „normale“ ist. Wir haben einen neuen Mittelfeldspieler, Den Norweger Mathias Rasmussen, er soll universell einsetzbar sein. Sollte er Spielmacherqualitäten haben, könnte das sofort Struktur in die Offensive bringen, schauen wir mal…locker bleiben! Frust bringt nichts…positiv bleiben…“Hoffnung ist oft wie ein Jagdhund ohne Spur“. (Will Shakespeare)
Auch ich bin, nach über sechs Stunden Bahnfahrt, am Freitag frierend im Stadion gestanden und war keinesfalls angetan von dem, was ich auf dem Platz gesehen habe. Gesehen habe ich unter anderem, dass der Gast aus der Vorstadt deutlich mehr Qualität auf dem Platz hatte. Da ist eben schlichtweg mehr Kohle im Umlauf. So gesehen war das, was unser Team vor allem in der Defensive abgeliefert hat, aller Ehen wert.
Vorne war es, insbesondere in der 1. Halbzeit, schlichtweg nichts. Und das lag maßgeblich an den fehlenden Anspielstationen. Wenn da nicht alle Spieler mitmachen, dann wird es eben nichts. Pereira Lage und Oppie mit unterirdischer Passquote, Sinani später auch nicht besser – und das lag sicherlich auch mit daran, dass zu sich zu selten jemand als Anspielstation angeboten hat. Das ist dann auch der Punkt, den ich kritisiere.
Wir stehen aktuell nun mal da, wo wir mit diesem Kader hingehören. So bitter die Erkenntnis ist. Die finanzielle Lücke zum Rest der Liga – Heidenheim ausgenommen – ist schlichtweg zu groß bis gigantisch. Auch ich habe nach dem guten Saisonstart schon von einer sorgloseren Runde geträumt, doch man muss sich doch nur mal ansehen, wie sich beispielsweise die Vorstadt nach dem Vorrundenderby noch verstärkt hat: Vieira, Lokonga, Downs. Von denen hätten wir uns keinen einzigen leisten können, geschweige denn alle drei.
Wir tun gut daran, die Füße auf dem Boden zu lassen, weiter um jeden Punkt zu kämpfen – und auf Überraschungen zu hoffen. Ich habe den Klassenerhalt jedenfalls noch längst nicht abgeschrieben. Dass es verdammt schwer wird, daran hatte ich aber auch nie Zweifel. Dass ich ob der aktuellen Situation und der im Derby gesehenen Leistung eine Sinnkrise bekomme und alles bisher Erreichte infrage stelle, kommt mir nicht in den Sinn.
Sinnkrise bekomme ich mit Blick aufs Weltgeschehen, vor allem die Vorgänge in den USA. DAS macht mir Angst.
Zu 100% deiner Meinung. Danke für den Kommentar!
Recht hast du, Winnie…
Aber Geld ist nicht alles…in der Schweiz steht der FC Thun auf Platz 1 mit 6 Punkten Vorsprung, ein Aufsteiger, der nur 1 Million nach dem Aufstieg investiert hat. Die Qualität der Mannschaft ist immer entscheidend, und ich frage mich, wo wir heute stehen würden, wenn wir mit einem „Hürzeler 2.0“ gespielt, und nicht stattdessen das ganz besondere System mit dem 2 Mann Sturm…aber gut, das ist vom Tisch, Mund abwischen weiter machen…!