Für den FC St. Pauli steht ein extrem wichtiges Spiel an. Beim FC Augsburg möchte man nicht nur für sich selbst punkten, sondern damit auch den FCA im Abstiegskampf halten.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Nach zwei Unentschieden möchte der FC St. Pauli nun möglichst dreifach punkten. Mit Augsburg wartet ein Gegner, der unter einem neuen Trainer einen starken Fokus auf defensive Stabilität setzt, diese aber nur bedingt gefunden hat.
Zur Vorbereitung hört gerne auch in das „Vor dem Spiel“-Gespräch von Casche mit FCA-Fan und Blogger Andy über den durchaus bewegten Saisonverlauf der Augsburger.
FC St. Pauli: Wer kann spielen, wer fehlt?
Die personelle Situation beim FC St. Pauli dürfte im Vergleich zum Spiel am Dienstag gegen Leipzig fast unverändert aussehen. Connor Metcalfe, David Nemeth und Andréas Hountondji fallen sicher aus. Adam Dźwigała kehrt aber wieder zurück, er hat seine Gelbsperre abgesessen.
Kleinere Wehwehchen nach laufintensiver Partie
Ein paar Fragezeichen bleiben aber, denn das Spiel gegen Leipzig war intensiv. Sehr sogar, wie die Zahlen zeigen, die Nike in ihrem Artikel dargestellt hat. Entsprechend haben einige Spieler mindestens schwere Beine gehabt am Mittwoch. „Da müssen wir abwarten, wie sich das entwickelt“, sagte Alexander Blessin auf der Pressekonferenz vor der Partie. Besonders auf Tomoya Andō ging er dabei ein, der das erste Mal seit längerer Zeit wieder ein Spiel über 90 Minuten absolvierte. Blessin klang dabei aber recht positiv, dass einem Einsatz von Andō am Wochenende nichts im Wege stehen würde.
FC Augsburg: Wer kann spielen, wer fehlt?
Der FC Augsburg muss aktuell auf einige Defensivspieler verzichten. Innenverteidiger
Jeffrey Gouweleeuw fehlt schon monatelang aufgrund einer Innenbandverletzung. Auch Positionskollege Chrislain Matsima ist bereits wochenlang aufgrund eines Sehnenanrisses nicht einsatzfähig. Keven Schlotterbeck war ebenfalls angeschlagen. Immerhin wird Innenverteidiger Noahkai Banks nach abgesessener Sperre wieder zurückkehren.
Etwas weiter vorne ist die Situation für den FCA deutlich besser. Fraglich ist ein Einsatz von Sechser Kristijan Jakić, wie Trainer Manuel Baum auf der Pressekonferenz erklärte, der zudem von weiteren Spielern sprach, die angeschlagen sind. Man wird sich also überraschen lassen müssen, wie der Kader der Augsburger am Samstag aussieht.
Was hat der FCA zu bieten?
Der FC Augsburg ist mit großen Vorhaben in die Saison gestartet. Der Club spielt das fünfzehnte Jahr in Folge in der Bundesliga und möchte gerne das Image der grauen Maus loswerden. Und jedes Jahr gibt es dazu einen neuen Anlauf, der aber regelmäßig scheitert und Trainer kostet. Dieses Mal wurde im Sommer ein Trainer verpflichtet, der vieles ist, aber sicher nicht grau: Mit Sandro Wagner an der Seitenlinie war auf jeden Fall der Fokus klar und der FCA durfte sich nicht über zu wenig mediale Aufmerksamkeit beschweren. Leider war die vemehrte Berichterstattung überwiegend nicht positiv.
Sandro Wagner brachte dem FCA Aufmerksamkeit, aber keinen Erfolg
Das Problem: Sandro Wagner ist zwar gut darin, markige Worte rauszuposaunen, hatte aber als Trainer wenig Erfolg. Nach nur drei Siegen aus den ersten zwölf Ligaspielen sowie dem Pokal-Aus gegen Bochum wurde Wagner Anfang Dezember entlassen. Mit Manuel Baum übernahm ein alter Bekannter vorerst interimsweise (war bereits von 2016 bis 2019 dort Cheftrainer und seit 2025 als „Direktor Entwicklung“ beim FCA angestellt), ehe der FC Augsburg kurz vor Weihnachten erklärte, dass er bis Saisonende Trainer bleibt.
Im Winter kamen dann Arthur Chaves (Innenverteidigung, leihweise aus Hoffenheim), die Angreifer Michael Gregoritsch (2017-2022 in Augsburg, war zuletzt in Dänemark) und Rodrigo Ribeiro (leihweise von Sporting Lissabon), sowie Yannik Keitel (defensives Mittelfeld, leihweise aus Stuttgart) zum FCA.
In den sieben Spielen seit der Amtsübernahme durch Manuel Baum hat Augsburg sieben Ligaspiele bestritten, mit ausgeglichener Bilanz: zwei Siege, drei Unentschieden, zwei Niederlagen. Zuletzt gab es gegen Freiburg (2:2, nach 2:0-Führung) und Union (1:1, nach 1:0-Führung in Überzahl) jeweils ein Unentschieden, dann überraschte man mit dem 2:1-Erfolg gegen Bayern München. Besonders dieser Sieg dürfte die Stimmung in Augsburg massiv geändert haben. Denn zuvor gab es fünf Spiele in Serie keinen Dreier, der Abstand nach unten schrumpfte wieder zusammen. Nach dem Sieg gegen die Münchener hat das Team mit 19 Punkten ein kleines Polster auf die Abstiegsränge. Ein Sieg des FC St. Pauli am Samstag könnte das aber natürlich ändern…

(c) Stefan Groenveld
Unter Manuel Baum wieder zurück zur Kompaktheit
Unter Manuel Baum agiert das Team des FC Augsburg in der Grundstruktur sehr ähnlich zu dem des FC St. Pauli. Gegen den Ball wird sich in einem tiefen 5-2-3 zusammengefunden. Das Abwehrverhalten ist stark auf das Zentrum fokussiert, es gibt oft wenig Druck auf die gegnerische Innenverteidigung, dafür ist das Team aber sehr eng beisammen, maximale Kompaktheit ist das Ziel.
Im Vergleich zur Zeit mit Sandro Wagner an der Seitenlinie hat sich in Augsburg auch das Offensivspiel geändert. Blessin: „Es war partout die Marschroute, dass sie viel rausspielen, auch von hinten. Jetzt gibt es auch mal den „Exit“, den langen Ball auf den Zielspieler, damit man nicht zu viel Risiko geht.“ Blessin erklärte zudem, dass man damit darauf eingegangen sei, was das Team kann und was nicht, der Spielstil also besser zum Kader passe.
Zum Team passt also das, wofür der FC Augsburg seit Jahren steht (und wovon er sowohl mit dem Image als auch dem Spielstil eigentlich wegwollte): Kompakt stehen, wenig Risiko sowie ein Fokus auf Zweikämpfe und Umschaltmomente. Die Umschaltmomente sind unter anderem auch deshalb vielversprechend, weil es neben einem Zielspieler auch zwei schwimmende Zehner gibt, die wirklich richtig stark sind: Alexis Claude-Maurice und Fabian Rieder haben zuletzt gute Leistungen gezeigt und wenn man noch Han-Noah Massengo im defensiven Mittelfeld sieht, muss festgestellt werden, dass der FCA einfach auch richtig gute Spieler hat.
FC St. Pauli feilt am letzten Drittel
Gute Spieler hat aber auch der FC St. Pauli, das hat nicht zuletzt das Spiel gegen Leipzig gezeigt. Was da aber fehlte: Genauigkeit im letzten Drittel. Viel zu oft spielte sich der FCSP gut nach vorne, doch dort passte es dann nicht. Bälle wurden völlig unnötig verloren, Pässe zu ungenau gespielt, Laufwege passten nicht zu an sich klugen Pässen. Das muss besser werden und Alexander Blessin erklärte, wie man das in kurzer Zeit, ohne große Trainingseinheiten, schaffen kann: „Wir haben in die Videoanalyse Szenen genommen, die uns hilfreich sein können für das Augsburg-Spiel. Da geht es um Entscheidungsfindung: Wie viel Raum und Zeit habe ich zur Verfügung? Nehme ich den ersten oder zweiten Kontakt? (…) Man muss die Ruhe und die Klarheit haben, den Raum auch sehen. Da gab es bestimmte Situationen, wo es um bestimmte Prinzipien geht, die wir haben wollen“, so der FCSP-Cheftrainer, der nicht weiter ins Detail gehen wollte, aber erklärte, dass das Offensivspiel schon viel besser geworden sei, es nun aber darum gehe, „in den letzten Momenten, mit den letzten Steckpässen noch klarer zu sein.“
Mögliche Aufstellung
Mit welcher personellen Aufstellung der FC Augsburg gegen den FC St. Pauli antreten wird, ist nicht ganz klar. Sollte Banks nach seiner Sperre direkt wieder in die Startelf zurückkehren, dann dürfte Zesiger rausrotieren (er war der Unglücksrabe im Hinspiel – war an beiden Gegentreffern direkt beteiligt). Es ist aber auch möglich, dass der angeschlagene Schlotterbeck draußen bleibt.
Zudem ist fraglich, wer gegen den FCSP ganz vorne spielen wird. Der FCA hat zuletzt mit Kade gespielt, aber Gregoritsch und Essende sind Optionen, die vermutlich etwas besser in das Profil „Zielspieler“ passen.

FCA: Dahmen – Chavez, Schlotterbeck, Banks – Fellhauer, Massengo, Rexhbecaj, Giannoulis – Rieder, Gregoritsch, Claude-Maurice
FCSP: Vasilj – Andō, Wahl, Mets – Saliakas, Sands, Smith, Pyrka – Sinani, Jones, Fujita
Bleibt die FCSP-Startelf unverändert?
Auf Seiten des FC St. Pauli können wir es kurz machen: Sollten alle Spieler gut aus dem Leipzig-Spiel herausgekommen sein, dann gibt es eigentlich keinen Grund etwas an der Aufstellung zu verändern. Somit würden Manos Saliakas und Arek Pyrka erneut die beiden Außenbahnen besetzen (Edit: anders als in der Grafik dargestellt, würde Saliakas natürlich rechts spielen) und Danel Sinani (Torschütze im Hinspiel) würde zusammen mit Joel Fujita auf der Zehn herumschwimmen, während Ricky-Jade Jones die Wege in die Tiefe antritt. Eher unwahrscheinlich ist, dass Jackson Irvine in die Startelf zurückkehrt, da er weiterhin mit Schmerzen zu kämpfen hat. Auch eine Rückkehr von Dźwigała ist unwahrscheinlich, da Andō in der Innenverteidigung überzeugen konnte.
Um zu erkennen, wie wichtig diese Partie für den FC St. Pauli ist, braucht man nur kurz einen Blick auf die Tabelle zu werfen: Nur mit einem Sieg kann Anschluss zum FCA hergestellt werden. Und das sollte möglichst gelingen, denn in dieser Saison habe ich irgendwie das Gefühl, dass es für die Augsburger nochmal so eine richtige Negativ-Dynamik geben könnte und es dann eng für sie wird mit dem Klassenerhalt. Auf der Gegenseite würde ein Erfolg des FCSP drei ungeschlagene Spiele in Serie bedeuten, was neben wichtigen Punkten ganz sicher endlich einen äußerst positiven und dringend benötigten Push geben könnte.
Forza!
// Tim
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