„Es war ein Spiel der verpassten Chancen“

„Es war ein Spiel der verpassten Chancen“

Der FC St. Pauli konnte auch beim FC Augsburg keine Punke holen, bei einem xG-Wert von über drei kaum vorstellbar. Dieser Meinung ist auch das Team. Die Stimmen und Statistiken zum Spiel.
Titelfoto: Sebastian Widmann/Getty Images via OneFootball

Der FC St. Pauli konnte am Samstagnachmittag das Auswärtsspiel gegen Augsburg trotz Führung (Sinani, 32. Minute) nicht für sich entscheiden. Ex-Kiezkicker Michael Gregoritsch drehte das Spiel mit einem Doppelpack (41. & 59.) und sorgte so dafür, dass die St. Paulianer weiterhin auf einen Sieg warten müssen. Der Torschütze von Augsburg war ganz klar nicht der einzige Grund, warum es nicht gereicht hat, vielmehr hat sich St. Pauli mit seiner Chancenverwertung selber ein Bein gestellt.

Trainerstimmen

Manuel Baum: „Die Leistung ist nicht das, was wir uns vorstellen.“

Trotz des schönen Ergebnisses für die Augsburger zeigte Cheftrainer Manuel Baum sich nach dem Spiel nicht allzu glücklich: „Ich würde jetzt mit zwei positiven Sachen anfangen. Das eine ist das Ergebnis, dass wir heute erzielt haben. Das zweite ist, dass wir den Rückstand aufgeholt haben. Aber wir sind mit der Leistung überhaupt nicht zufrieden.“ Er kritisierte vor allem die Abläufe der ersten Halbzeit: sie hätten es nicht geschafft, durchzuschieben.

Er fügte hinzu: „Das hat natürlich nicht nur was mit uns zu tun, sondern man muss St. Pauli da echt ein großes Kompliment machen. Was die für richtig gut getimte Abläufe haben, die man zwar kennt, die aber trotzdem echt schwierig zu verteidigen sind.“
Seine eigene Mannschaft lobte er eher in der zweiten Halbzeit: „Hatten ein paar wache Minuten, wo dann das Tor auch fällt.“ Doch auch mit der Endphase schien er nicht zufrieden gewesen zu sein: „Am Schluss waren wir hauptsächlich damit beschäftigt, dass wir verteidigt haben. Mit dem einzigen Ziel, kein Tor mehr zu kriegen.“

Alexander Blessin: „Sehr, sehr bitter, weil ich glaube, dass da mehr drin war.“

Ebenfalls unzufrieden zeigte sich Cheftrainer des FC St. Pauli, Alexander Blessin. Er bezeichnete das Spiel als „sehr sehr bitter, weil ich glaube, dass da mehr drin war“. Besonders nachdem die Erwartungen nach der Begegnung mit Leipzig so hoch waren, ist das Ergebnis natürlich bescheiden. Am Dienstag wurde der Kampfgeist gelobt, gestern fehlte in den entscheidenden Situationen der Fokus, auch Blessin kritisierte dies: „Zwei entscheidende Punkte, die veranlasst haben, das Spiel zu verlieren: zum einen die Chancenauswertung von unserer Seite und das zweite, dass wir ein bisschen schlafmützig waren.“

Mehrfach erwähnte er zudem, dass man „überhaupt nicht in die Positionen gekommen“ sei. Bei beiden Toren bemängelte er die Verteidigung oder wie beim Ausgleich die schon vorher entstandene Situation. Beim 2:1 meinte Blessin, dass die Position des Schiedsrichters „unglücklich“ war: „Wenn er ein bisschen weiter weg steht, hat unser Sechser eine gute Möglichkeit, raus zu verteidigen, Druck auszuüben und den Pass zu verhindern.“
Selbsterständlich war das alleine nicht das Problem, sondern vielmehr, dass sie „in der Kette hinten geschlafen“ haben. Über die Chancenverwertung äußerte der Trainer sich auf Nachfrage: „Für mich ist immer wichtig, wie wir die Chancen haben und sie hergestellt haben, und die waren gut und die müssen wir einfach machen. Das ist de facto, was wir nicht wegdiskutieren können.“

Statistiken

FC AugsburgFC St. Pauli
12 (5)Torschüsse (auf das Tor)15 (3)
15Fouls13
42,76%Ballbesitz57,24%
403 (325)Pässe (erfolgreich)517 (433)
39 (25)… davon ins letzte Drittel (erfolgreich)74 (52)
45 (25)… davon lange Pässe (erfolgreich)50 (27)
18Ballkontakte gegn. Strafraum28
49 (28)Defensiv Duelle (erfolgreich)60 (43)
58 (32)Kopfballduelle (erfolgreich)58 (24)
13,31PPDA9,3
118,39 kmLaufdistanz119,52 km

Expected Goals

FC AugsburgFC St. Pauli
(1,72 / 1,43 /1,13)
= 1,43
(Wyscout / DFL / FotMob)
Expected Goals
(2,64 / 3,29 / 2,46)
= 2,86
0,62xG herausgespielt1,54
0,51xG Standards0,13
2,27xGOT1,67

xG-Rekord?

So langsam könnte ich in die Artikel einen eigenen Rekord-Teil einbauen, denn der FC St. Pauli schaffte es schon wieder, seine anderen Spiele zu toppen. In der bisherigen Bundesligasaison hatten sie noch keinen xG-Wert von 2,86 oder mehr. Das HSV-Hinspiel mit 2,35 xG kommt am nächsten dran. Dazu zunächst Glückwunsch an die Mannschaft! Sich diese Chancen zu erspielen, soll auch erst mal was heißen.

Wie Trainer Alexander Blessin schon betonte, es ist zunächst wichtig, wie diese Möglichkeiten entstehen. Natürlich ist es bei einem so hohen xG-Wert noch härter, sich am Ende nicht zu belohen. Durschnittlich hat der FC St. Pauli übrigens einen Expected-Goals-Wert von 1,13. Dass dieses Spiel somit zumindest hier positiv herausstach, muss ich sicherlich niemandem erklären.

Spielerstimmen

„Wir sind alle müde, immer wieder zu sagen, dass wir gut gespielt haben.“

„Es war ein Spiel der verpassten Chancen“, äußerte sich Jackson Irvine nach der Niederlage „Es ist natürlich frustrierend. Wir waren das bessere Team mit den besseren Chancen, schaffen es aber nicht, heute etwas mitzunehmen.“ Dennoch hob er hervor, dass es viele gute Momente gab und die Mannschaft kreativ gespielt habe.

Michael Gregoritsch erzielt per Kopf das 1:1 für den FC Augsburg gegen den FC St. Pauli. // (c) Sebastian Widmann/Getty Images via OneFootball
And then it all went wrong… // (c) Sebastian Widmann/Getty Images via OneFootball

Auch die Teamkollegen Nikolaj Vasilj und Martijn Kaars zeigten sich enttäuscht: „Diese Niederlage ist sehr schmerzhaft. Gerade angesichts der Chancen die wir uns herausgespielt haben, tut es weh, hier zu verlieren“, erklärte der Keeper des FC St. Pauli. Desweiteren sagte er: „Wir sind alle müde, immer wieder zu sagen, dass wir gut gespielt haben. Wir brauchen Punkte, sonst kommen wir aus dieser Situation nicht raus“.
Dem stimmt auch Kapitän Irvine zu, denn wie schon so oft reichte die gute Leistung schlicht und einfach nicht: „Wir geben Woche für Woche alles, um aus dieser Situation herauszukommen“, erklärte er. Umso bitterer ist es, dass die Mannschaft sich erneut nicht belohnt hat, betonte Martijn Kaars in seinem Statement.

DFB-Pokal hat seine eigenen Regeln

„Wir müssen die Niederlage akzeptieren und weitermachen“ erklärte Nikolaj Vasilj. Weitermachen heißt jetzt, vorbereiten auf das Pokalspiel gegen Leverkusen. Wenn wir uns zurückerinnen, lief es auch rund um die Pokalspiele gegen Hoffenheim und Gladbach im Herbst und Winter nicht gerade gut. Was in der Bundesliga also nicht klappt, scheint im Pokal besser zu laufen. „Es geht um keine Punkte, es geht um die nächste Runde und das ist einfach mal fernab. Das hat uns in der letzten Zeit gutgetan, wenn man die letzten Pokalspiele Revue passieren lässt. Da haben wir uns ablenken können und haben dann dementsprechend die Performance mit den Leistungen und den Ergebnissen kombiniert“, betonte Cheftrainer Blessin. Mit der zweiten englischen Woche und dem Tabellensechsten als Gegner, erwartet die Mannschaft sicherlich ein schweres Spiel. Doch besonders mit den zwei anderen Pokalspielen im Rücken sagte Blessin: „Warum soll es nicht auch in Leverkusen gelingen?“ Es ginge jetzt darum, das Spiel als willkomene Abwechslung zu nehmen und sich dabei das Selbstvertrauen zurückzuholen. „Die Schwere ist klar, aber auch das ist nicht unmöglich“, betonte der Trainer.

Wie war das nochmal? Wir spielen doch besser gegen Bessere, oder?
// Nike

Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.

Unsere Kommentare sind nur per Registrierung zugänglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.

MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube

One thought on “„Es war ein Spiel der verpassten Chancen“

Schreibe einen Kommentar