„Wir können das nur als Kollektiv schaffen“

„Wir können das nur als Kollektiv schaffen“

Vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart schwor Cheftrainer Alexander Blessin den FC St. Pauli mit eindringlichen Worten auf den Rest der Saison ein.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Viele Gründe für Optimismus gibt es beim FC St. Pauli aktuell nicht. In der Tabelle beträgt der Abstand zum Relegationsrang vier, zu Platz 15 bereits fünf Punkte. Es ist völlig klar, dass nun zeitnah unbedingt Punkte geholt werden müssen, um den Anschluss ans rettende Ufer nicht komplett zu verlieren. Doch genau in dieser nun wirklich kritischen Phase der Saison fehlen dem FCSP wichtige Spieler, die Ausfallliste ist länger geworden – und damit scheint das Ziel Klassenerhalt in noch weitere Ferne gerückt zu sein.

„Wenn ich diese Positivität nicht bringe, wer dann?“

Wie also optimistisch bleiben? Diese Frage haben leider viele, die es mit dem FC St. Pauli halten, bereits mit „Gar nicht!“ für sich beantwortet. Die Stimmung ist, gelinde gesagt, bedrückt. Sarkasmus und Resignation ploppt an vielen Stellen auf. In diesem Umfeld weiter daran zu arbeiten, mit dem FCSP das Saisonziel zu erreichen, dürfte belastend sein.
Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart wurde Alexander Blessin gefragt, wie er die Stimmung im Team, aber auch bei sich selbst hochhalte, woher er den Optimismus nehme, den es braucht, um das Ziel zu erreichen. Der FCSP-Cheftrainer setzte zum zweieinhalb-minütigen Monolog an:„Grundsätzlich ist bei mir das Glas halb voll und ich bin jetzt kein Miesepeter, der rumstänkert und schlechte Laune verbreitet. Wir haben Phasen gehabt, die sehr sehr gut waren. Wir haben Phasen gehabt, wo es nicht so gelaufen ist und dann haben wir aber immer wieder das Positive gesehen. Wenn ich diese Positivität nicht bringe, wer soll sie dann haben?“

Blessin erklärte zudem, man habe bereits damit rechnen können, dass diese Saison besonders schwer werden würde, gab dabei aber auch den Weg vor, wie man es trotz anderer Möglichkeiten trotzdem schaffen könne: „Es geht darum weiterzuarbeiten. Vieles war absehbar, dass andere Mannschaften andere Möglichkeiten haben und wir es im Kollektiv regeln müssen. Da bringt es nichts, auf Einzelnen reinzuschlagen, sondern wir können das nur als Kollektiv schaffen. Dazu brauchen wir auch eine positive Grundstimmung. Das fängt bei mir an. Wir haben jedes Mal die Möglichkeit, den Bock umzustoßen und Punkte zu holen. Es ist jetzt keine Situation, wo wir gar keine Chancen haben. Die Situation ist schwierig, dessen sind wir uns auch bewusst. Deswegen könnt ihr mir glauben, werde ich nicht jedes Mal hier Witze machen. Es geht mir um eine gewisse Grundhaltung, ich bin von den Jungs weiterhin überzeugt. Das haben wir immer wieder gezeigt, aber wenn dann ein, zwei Spielsituationen spielentscheidend sind, müssen wir versuchen, das abzustellen.“

„Müssen uns weiterhin dagegen wehren“

Wie es gehen kann mit dem Klassenerhalt, hat der FC St. Pauli in der Vorsaison eindrucksvoll gezeigt. Da gelang es dem Team, im Kollektiv stärker zu sein als die Summe seiner Einzelteile. Nur so wird es auch dieses Jahr überhaupt möglich sein. Blessin: „Ich kann immer wieder auf letztes Jahr verweisen. Da haben wir es hingekriegt. Dieses Jahr haben wir es noch nicht so abgestellt. Und wenn wir halt mal keine Tore schießen, dann müssen wir mehr gucken, dass wir die Tore verhindern und die Null steht. Dass wir Tore zugelassen haben, ist ein Punkt, der mich total ärgert, aber ich glaube, es ist ein Ansatz, den wir auf jeden Fall beibehalten müssen.“

Dieser Ansatz hat in der Vorsaison funktioniert. In dieser Spielzeit auch, aber nur ganz selten über 90 Minuten. Immer wieder führten kurze Aussetzer und Unsauberkeiten dazu, dass der FC St. Pauli nach Abpfiff mit leeren Händen dastand. Blessin ist sich dessen bewusst, doch er wehrt sich dagegen zu resignieren: „Es bringt nichts, wenn ich zum wiederholten Male sage, wie viele tolle Phasen wir jetzt hatten und dass man doch mehr verdient hätte. Letzten Endes sind wir bestraft worden und so hart ist der Fußball und so hoch ist die Qualität dann halt in der Bundesliga. Wir müssen uns trotzdem weiterhin dagegen wehren. Es gibt für mich kein Aufgeben oder sonst irgendwas. Da bin ich weit von entfernt.“

„Es sind jetzt 14 Endspiele“

Nun geht es also nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in die entscheidende Phase der Bundesliga hinein. Klar, richtig kribbelig wird es eigentlich erst, wenn man die Anzahl an Spieltagen an einer Hand abzählen kann. Aber der FC St. Pauli befindet sich in einer Situation, in der bereits jetzt gepunktet werden muss. Um zur Crunchtime der Saison nicht bereits abgeschlagen zu sein. Blessin: „Man sagt ja immer, es sind noch genügend Spiele. Aber es sind 14 Endspiele, die wir jetzt haben. Das müssen wir auch so ausrufen. Wir können dann sicherlich nicht immer darauf verweisen, dass wir Teile gut gespielt haben, irgendwann muss es in Punkte umgemünzt werden. Natürlich wollen wir alles tun, um diesen Run (Der FCSP hat die letzten drei Heimspiele nicht verloren, A.d.R.) jetzt daheim fortzuführen, das ist ganz klar. Irgendwo müssen wir anfangen, egal ob das jetzt daheim oder auswärts ist. Daheim ist natürlich schöner, denn wir wissen um die Situation. Das Leipzig-Spiel, das war eine Atmosphäre, die war einfach unglaublich und die war schön mit anzusehen. Dass es mehr oder weniger ein Geben und ein Nehmen war – die Mannschaft hat geleistet, die Fans haben absolut performt und uns unterstützt – das war toll zu sehen und das hoffen wir natürlich auch wieder am Samstag zu erreichen.“

// Tim

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2 thoughts on “„Wir können das nur als Kollektiv schaffen“

  1. Ich bin froh, dass der Trainer sich so äusserst. Ja, das ist sein Job. Aber mir gefällt das Standing, die Klarheit und der Wille, noch den 15. Platz zu erreichen.
    Genau das braucht das Team jetzt. Von allen Seiten. Was soll das auch für ein Signal sein, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken.

  2. Wenn ich den Kopf in den Sand steckte, hätte ich beim Supporten den Mund voller Sand. Keine Alternative. Daher gilt für morgen: Zeigen wir dem Team, dass auch wir an sie und den Klassenerhalt glauben und unseren Teil dazu beitragen wollen. Lasst uns laut sein, vor dem Spiel, während des Spiels und nach dem Spiel. Alle zusammen!

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