Im Sommer soll ein Konzert auf dem Heiligengeistfeld stattfinden. Der FC St. Pauli bemüht sich, dass solche Konzerte auch bald im Millerntor-Stadion stattfinden können.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Es ist eine Nachricht, deren Zusammenhang mit dem FC St. Pauli nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar ist: Am 27. Juni 2026 soll DJ Paul Kalkbrenner auf dem Heiligengeistfeld ein Konzert geben. Der Knackpunkt: Das Bezirksamt Hamburg-Mitte erklärte gegenüber dem NDR, dass gar nicht klar sei, ob das Konzert am geplanten Ort stattfinden könne: „Ob eine Genehmigung erteilt werden kann, erscheint uns derzeit offen.“ Sicher ist aber, dass durch dieses angekündigte Konzert erneut die Frage aufkommt: Wenn solche Konzerte auf dem Heiligengeistfeld möglich sind, warum dann nicht auch im Millerntor-Stadion?
Fußballclubs verdienen mit Konzerten viel Geld
Externe Veranstaltungen im „eigenen“ (gehört ja mehrheitlich der Genossenschaft) Stadion könnten für den FC St. Pauli eine äußerst relevante Einnahme-Quelle darstellen. Dabei ginge es um jährliche Einnahmen im einstelligen Millionenbereich, die zum Beispiel der HSV (alleine durch die beiden Konzerte von Taylor Swift verdiente man fast eine Million Euro) oder der FC Schalke 04 (die Miete für Konzerte beträgt dort eine sechsstellige Summe, Catering-Einnahmen kommen oben drauf) bereits seit Jahren haben. Ob solche Summen auch für den FCSP drin wären, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel würde im Vergleich zum Volksparkstadion die Kapazität im Millerntor-Stadion nicht so hoch sein. Aber dafür ist der Standort sicher umso attraktiver.
Aktuell sind Konzerte im Millerntor-Stadion aber nicht möglich. Das Problem dabei ist nicht der Rasen. Der ist seit dieser Saison ja bekanntlich hybrid und dadurch sogar noch etwas belastbarer, würde einen Konzertsommer mit entsprechenden Maßnahmen besser überstehen als ein Naturrasen. Vielmehr ist der Lärmschutz das Problem. Anders als 1988 zum Beispiel, als niemand geringeres als Prince am Millerntor auftrat und „halb Hamburg in den Ohren lag“ (das Konzert soll damals mit, wow!, 160.000 Watt über die Bühne gegangen sein, Abendblatt (€)) Beim Thema Lärmschutz kommt nun aber wieder Paul Kalkbrenner ins Spiel…
Lärm-Emissionen sind der Knackpunkt
Denn der Veranstalter des geplanten Kalkbrenner-Konzerts auf dem Heiligengeistfeld erklärte gegenüber der MOPO, dass bei der Veranstaltung ein dezentrales Beschallungssystem mit vielen einzelnen Lautsprechern genutzt werden soll. So würden die Lärm-Emissionen unter der Grenze von 70 Dezibel gehalten werden können. 70 Dezibel entspricht ungefähr der Lautstärke einer befahrenen Straße, einem Föhn oder Staubsauger. Bemerkenswert ist, dass der Veranstalter des Kalkbrenner-Konzerts (AC2B) aus Würzburg kommt. Die etablierten Hamburger Konzertveranstalter (z.B. FKP Scorpio und Karsten Jahnke) dürften sicher nicht schlecht geguckt haben, als sie von dem Vorhaben auf dem Heiligengeistfeld hörten.
FC St. Pauli bekommt neue Lautsprecheranlage
Zurück zum Thema: Könnte der FC St. Pauli also unter Einhaltung des Lärmschutzes Konzerte am Millerntor stattfinden lassen? Die Gelegenheit könnte gar nicht mal so ungünstig sein, arbeitet der Verein aktuell doch sowieso daran, dass es bald eine neue Lautsprecheranlage am Millerntor gibt. Solche Stadion-Lautsprecheranlagen werden bei Konzerten zwar nicht alleine eingesetzt, dienen aber unterstützend. Sollte der FCSP die Aussicht haben, dass solche Veranstaltungen im Stadion in absehbarer Zeit möglich sind, so könnte das nun direkt mitgedacht werden.
„Der FC St. Pauli ist interessiert daran, Kulturveranstaltungen im Millerntor-Stadion durchzuführen und befindet sich dazu, natürlich in Abstimmung mit der Genossenschaft, im Austausch“, heißt es auf unsere Anfrage hinsichtlich der möglicherweise veränderten Rahmenbedingungen für solche Veranstaltungen. Dabei wird betont, dass es dem Verein nicht nur um die Durchführung großer Konzerte gehe (die im Fall der Fälle mit Hamburger Konzertveranstaltern auf die Beine gestellt werden sollen), sondern die komplette Palette an Kulturveranstaltungen denkbar und gewünscht ist. Das beinhalte sowohl große Konzerte, die das gesamte Stadion in Anspruch nehmen würden, aber auch Veranstaltungen auf einzelnen Tribünen.
Bedingungen für Konzerte im Millerntor-Stadion aktuell schwierig
Möglich erscheinen solche Veranstaltungen aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen identisch sind. Die aktuelle Regelung sorgt aber nicht für identische Rahmenbedingungen: Für Konzerte im Stadion gilt aktuell eine niedrigere Lärm-Emissions-Grenze als für das Heiligengeistfeld, derart niedrig, dass es nahezu unmöglich ist, sie bei Konzerten zu gewährleisten. Gibt es hier keine Anpassung, dann sind und bleiben Konzerte im Millerntor-Stadion unrealistisch, entsprechend ist der FC St. Pauli aktiv: „Wir besprechen mit dem Bezirksamt-Mitte, dass für uns die Grenze gilt, die auch auf dem Heiligengeistfeld gilt.“
Es ist also Bewegung drin beim Thema Konzerte im Millerntor-Stadion. Etwas, was seit Jahren unmöglich erscheint, obwohl Musik und der FC St. Pauli eigentlich wahnsinnig gut zusammenpassen. Denn das Viertel ist das kulturelle und vor allem musikalische Epizentrum der Stadt Hamburg. Konzerte und Veranstaltungen fast aller Skalen finden hier statt, abgesehen von ganz großen Konzerten. Was sich aber vielleicht irgendwann ändern könnte. Der FC St. Pauli arbeitet jedenfalls dran.
// Tim
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Moin, zum Thema Sound im Millerntor: mein Standort/Sitzort ist G3, also Sitz GG ziemlich mittig. Bei der vorhandenen Anlage im Stadion sind Ansagen nur schwer zu verstehen, Musik kommt eher scheppernd daher, nix Besonderes. Bass ist Mangelware. Mir fehlt die Fantasie, das jetzt mit dezentralen Soundquellen so zu gestalten, dass es leiser und besser wird. Gibt es Beispiele, wo ich mir das mal anhören kann, im Echtmassstab, nicht nur am Rechner, sondern in Stadien/ grossen Flächen? Sollen wir am Ende alle mit Kopfhörer da rumlaufen? Komische Vorstellung, aber läuft es darauf hinaus?
bringt der paul dann auch sein bundeswehr-musikkorps mit?
Warum es zwei verschiedene Lärm-Grenzwerte geben soll, erschließt sich mir juristisch überhaupt nicht. Das Millerntor-Stadion ist AUF dem Heiligengeistfeld gelegen (siehe alte Adresse). Das ganze Heiligengeistfeld ist eine Veranstaltungsfläche und dort gilt eine Nutzungsordnung, demnach sind Konzerte ausdrücklich erlaubt. Grob formuliert werden dem die Belange der Anwohnenden untergeordnet – siehe Dom, Fanfest, Schlagermove, Armin van Buuren …
Die Fläche des Heiligengeistfeldes schließt die Fläche des Stadions mit ein und dies war auch der Grund warum früher dort ohne Probleme Konzerte stattfinden konnten. Das Stadion ist zudem eine Versammlungsstätte und demnach für Veranstaltungen freigegeben. Wie man da als Bezirk Mitte hier behördliche Probleme oder Unzulässigkeit konstruieren kann, erschließt sich mir nicht.
Dies ist der gültige Plan für das HGF (aus 1955!):
„Geltendes Planrecht: BSStPauli“
https://daten-hamburg.de/infrastruktur_bauen_wohnen/bebauungsplaene/pdfs/bplan/BSStPauli.pdf
Es fällt auf dass um das HGF keine B-Pläne erstellt wurden bisher. Und dass das am nähersten liegende Gebiet ein Mischgebiet ist und kein reines Wohngebiet.
UI, ui, ui, ganz heisses Eisen, welches Du gerade anfässt. Als Anwohnender im Schulterblatt lebe ich die meisten Monate Abends und Nachts mit einer gesundheitsschädlichen Lärmkulisse von über 70 db, auch weit nach 22:00 Uhr (gemäss offiziellem Lärmgutachten). Dazu kommen dann noch die klassischen Freudethemen, wie Junggesellenabschiede, Autoposer und in den Nachbarvierteln der tolle Schlagermove und das OMR-Festival. Zumindest bei mir, wird inzwischen fast jeder Quadratmeter öffentlichem Raumes zu kommerziellen Zwecken genutzt. Wir Anwohnenden merken dann immer, dass wir nur eine kleine pittoreske Minderheit vor dem Hintergrund der vielen Besuchenden sind. Auch das 45Herz-Festival „verspricht ein buntes Programm mitten in der Schanze.“. Das alles hat mit uns Anwohnenden leider überhaupt nichts mehr zu tun. Und ich glaube sogar, dass es Anwohnende gibt, die keine Fussballfans sind und sich nicht so sehr wie ich, über das fussläufige Stadion freuen. Dann haben wir ja auch noch drei Monate im Jahr Dom. Meinst Du nicht, dass es dann auch langsam mit Grossveranstaltungen im Viertel reicht ? Der Lärm ist das eine, aber auch der ganze Rest, Müll, Gestank, all das geht auf Kosten der Anwohnenden – auch der Müll des Loco Chickens, wird von uns Mietern bezahlt weggekehrt – leider nicht der ganze Laden gleich mit.
Das Stadion als Kulturort – sofort – für viertelbezogene Anlässe, politische Begegnungen, aber für grosse Konzerte – bitte nur, wenn von innen geprägt, d.h. aus der Nachbarschaft – oder mit direktem Bezug zum FC St. Pauli und nur sehr, sehr selten.
Ich verstehe dich da total. Bin selber Anwohner. Was mich aber stört an der Causa HGF ist, dass die FHH die mit Veranstaltungen dort sehr! viel Geld verdient, gleichzeitig die Genehmigungsbehörde ist, die seit sehr langem sagt: keine Konzerte im Stadion – aus Prinzip.
Und baurechtlich ist es mit der Veranstaltungsfläche deutlich komplexer als mit dem reinen Wohngebiet „Schanze“.
Und ja, die Belastung die St. Pauli, Schanze und Karoviertel wohnen ist sehr hoch und wird immer größer. Da bin ich bei Dir.
Aber die Stadt bestimmt welche Veranstaltungen und welche Kultur dort im Großen Rahmen stattfinden soll und dazu gibt es keinerlei Alternative.
Und für die „Großen“ wie OMR, Schlagermove und Fanfest werden Sachen möglich gemacht die für alle anderen Veranstalter so weit weg vom Möglichen sind, das es maximal unfair ist.
Kleiner Nachtrag – zugelassen im „Allgemeinen Wohngebiet“ sind nach 22:00 Uhr 40 db. Oder um für meinen Wohnort zu zitieren: „An allen Immissionsorten werden die Immissionsrichtwerte der TA-Lärm in der Tageszeit um bis zu 18 dB(A) und in der Nachtzeit um bis zu 34 dB(A) überschritten.“. Es geht also vor allem um ein „Weniger“, nicht um ein „Mehr“.
Nach etwas Recherche versuche ich hier mal einen Überblick – gerne korrigieren wenn Fehler auffallen:
Bei Bundesliga-Spielen gilt:
Sportanlagenlärmschutzverordnung (18. BImSchV):
Gebiet: Tags ohne Ruhezeit: tags innerhalb Ruhezeit: nachts:
Reine Wohngebiete ca. 50 dB(A) ca. 45 dB(A) ca. 35 dB(A)
Allgemeine Wohn-/Mischgebiete ca. 55–60 dB(A) ca. 50–55 dB(A) ca. 40–45 dB(A)
Urbane/gewerbliche Gebiete ca. 60–65 dB(A) ca. 58–60 dB(A) ca. 45–50 dB(A)
Diese Werte gelten als Immissionsrichtwerte, d.h. sie sollen nicht überschritten werden, wenn keine Ausnahmen vorliegen.
Für bestimmte „seltene Veranstaltungen“ (z. B. besondere Sportevents) erlaubt die 18. BImSchV höhere Grenzwerte (z. B. bis 70 dB(A) tagsüber bzw. ~55 dB(A) nachts) während maximal einer begrenzten Anzahl von Tagen (18/J) pro Jahr.
Ausnahmeregelung für internationale oder nationale Sportveranstaltungen von herausragender Bedeutung im öffentlichen Interesse: Die Kriterien für die Anwendung dieses Ausnahmeparagrafen liegen sehr hoch, da bei diesem Ausnahmeparagrafen tatsächlich alle Immissionsrichtwerte zum Schutz der Anwohner komplett wegfallen!
Regeln für Veranstaltungen, Straßenfesten und Events:
Für Veranstaltungen im Freien existiert keine einheitliche generelle Lärmverordnung sondern es gelten die einschlägigen Regelwerke (BImSchG + TA Lärm + LAI-Orientierung).
Hier gibt es nur Richtwerte zur Zumutbarkeit; sie sind nicht automatisch gesetzliche Grenzwerte, sondern werden von Behörden bei Genehmigungen und bei Streitfällen oft herangezogen:
Zeitraum Richtwert (LAI-Orientierung)
Tags (außer Ruhezeit): ca. 70 dB(A)
Nachtruhe: ca. 55 dB(A)
Dies gilt für sogenannte seltene Ereignisse (18 pro Jahr).
Wie wird gemessen:
Bei der Prognose oder der Messung der tatsächlichen Immissionswerte wird nicht der momentane Lärmpegel verwendet, sondern es wird über eine sogenannte Beurteilungszeit gemittelt. Das führt in vielen Fällen zu einer deutlichen Reduzierung der anzusetzenden Lärmwerte.
An Werktagen gilt für Geräuscheinwirkungen:
tags außerhalb der Ruhezeiten eine Beurteilungszeit von 12 Stunden,
tags während der Ruhezeiten jeweils eine Beurteilungszeit von 2 Stunden,
nachts eine Beurteilungszeit von einer Stunde.
Gemessen wird ein halber Meter VOR dem Fenster außerhalb der Wohnung.
Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die Immissionsrichtwerte tags um nicht mehr als 30 dB(A) sowie nachts um nicht mehr als 20 dB(A) überschreiten. Die für seltene Ereignisse geltende Richtwerte dürfen von Geräuschspitzen tags um nicht mehr als 20 dB(A) und nachts um nicht mehr als 10 dB(A) überschritten werden.
Wie lange wohnt ihr denn auf St.Pauli?
Ich frage, weil mir die Leute die im Hippen Szene-Viertel wohnen wollen und sich nach bezug der Wohnung über den Lärmpegel aufregen, echt auf den Sack gehen.
Ich selbst habe fast 30 Jahre im Schanzen- und Karoviertel gewohnt und bin u.a. wegen diesem Dauerpartylärm weggezogen.
Der jüngeren Generation deshalb das Feiern zu verübeln käme mir allerdings nicht in den Sinn.
St.Pauli war und ist nun einmal ein Vergnügungsviertel, so what?
Die Einnahmen kann der Verein sicher gut gebrauchen, gerade bei diesem Thema wird die ungleiche Behandlung zum anderen Verein besonders deutlich.
Hauptsache wir haben nicht wieder Football-Markierungen auf dem Feld!
Um mal der Legendenbildung etwas entgegen zu setzen: Soo laut war Prince nun auch wieder nicht, 160 KW ist auch für heutige Open Air Veranstaltungen eher üblich.
Man sieht, es scheiden sich die Geister…
Als Pauli Fan würde ich mich über zusätzliche Einnahmen sehr freuen, als Mieter nervt mich der Lärm von „Vergnügungsveranstaltungen“, deren kultureller Wert gleich null ist (wozu auch Kalkbrenner und Co gehört), und als Berufsmusiker würde ich mir wünschen, das der Verein mit ausgesuchten Veranstaltungen einen kulturelle Akzente setzt. Leider aber stehen kultureller Wert und ökonomischer Gewinn meist (nicht immer!) in diametralem Verhältnis.
Interne Wette gewonnen, dass die Frage kommt, „Wie lange wohnst Du schon da.“ – Häufig gefolgt von „Zieh doch weg, wenn es Dir nicht gefällt.“. Ich habe da andere Werte: „Jeder Mensch hat das Recht über sein zu Hause und seine Nachbarschaft mitzubestimmen, auch wenn er erst gestern hergezogen ist.“. Ich bin froh, dass wir eine Genossenschaft haben und viele der Beteiligten an der Genossenschaft aus dem Viertel kommen. Und so, wie ich meine Nachbarn kenne, denken sie auch an die Nicht-Fussball-Fans. Die Diskussion über Grossveranstaltungen im Stadion wird aber sicherlich nicht einfach.
Glückwunsch!
Ein Konzert im Millerntor-Stadion klingt dann schätzungsweise auch so wie dieser – vermutlich – Lautsprecher-Test(?!), der am 22. April 2022 stattfand und der im kompletten Viertel ziemlich penetrant zu hören war?!