Der FC St. Pauli verliert am Millerntor hoch gegen den FC Bayern München, die Zahlen untermauern die schwache Leistung. Die Stimmen und Statistiken zum Spiel.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Samstagabend und ein 0:5 am Millerntor. Klingt hart? War es auch. Schon nach acht Minuten machte Jamal Musiala das 0:1 per Kopf. Danach kam der FC St. Pauli ein wenig besser ins Spiel und hatte eine gute Phase mit einigen Abschlüssen, die allerdings zu wenig wirklich gefährlichen Situationen führten. Mit Treffer Nummer zwei (53.) besiegelte der FC Bayern München den neuen Torrekord in einer Saison. Torschütze: Leon Goretzka. Eine Minute später verlor der FCSP den Ball in der eigenen Hälfte und Michael Olise nahm das Geschenk an und versenkte den Ball aus 18 Metern erneut im Netz. Das 0:4 (65.) entstand aus einem erneuten Fehler der Gastgeber, Nicolas Jackson nutze diese Situation, um ins rechte Eck einzuschieben. Raphaël Guerreiro machte in der 89. Minute endgültig den Deckel drauf und erzielte das 0:5. In der vierten Minute der Nachspielzeit wollten die Bayern doch noch einen draufsetzen und machten das vermeintliche 0:6. Dieses wurde von Schiedsrichter Tobias Stieler nach VAR-Eingriff zurückgenommen und mit dieser Ansage erklärte er über Lautsprecher das Spiel für beendet.
Trainerstimmen
Vincent Kompany: „Das, was wir heute gemacht haben, ist nicht selbstverständlich“
Aufgrund des engen Zeitplans, eröffnete der Trainer der Gäste, Vincent Kompany, die Pressekonferenz nicht wie üblich mit einem Statement. Es ging stattdessen direkt zu den Fragen über, weshalb sich der gerade 40- jährige nur zu spezifischen Fragen, nicht allgemein zum Spiel äußerte. Dafür betonte er mehrfach das besondere Erlebnis am Millerntor: „Ich glaube, dass die Fußballkultur und Fankultur hier einzigartig ist.“ Er fügte dem hinzu, es sei „immer anders als egal wo anders.“ Ebenfalls erklärte Kompany: „St. Pauli verteidigt normalerweise sehr, sehr gut immer, bekommt ganz wenig Gegentore (…). Das, was wir hier heute gemacht haben, ist nicht selbstverständlich.“ Mit dem 0:2 von Leon Goretzka schrieb der FCB Fußballgeschichte und brach einen 54 Jahre alten Rekord. In der Saison 1971/72 erzielten die Bayern 101 Tore in einer Saison – mit dem Auftritt von Kompanys Mannschaft am Samstag liegt der FC Bayern München nun mit 105 Toren erneut an der Spitze. Kompany: „Es ist unheimlich schwer, egal welchen Rekord zu erzielen bei Bayern München. Also es ist fast unmöglich, es ist Wahnsinn!“ Doch Rekord hin oder her: „Wir haben jetzt noch fünf Spiele und ab jetzt ist dieser Rekord vorbei und wir versuchen einfach wieder (…) Vollgas bis Ende der Saison.“ erklärte Kompany abschließend.
Blessin: „0:5, das tut dann einfach weh“
„Schon das 0:1 nach acht Minuten schmeckt richtig richtig fad“, erklärte der Trainer des FC St. Pauli, Alexander Blessin. Obwohl man das Gegentor besser hätte verteidigen können, sagte er: „Ich finde aber trotzdem, wir haben das in der ersten Halbzeit gut gemacht.“ Das Ziel wäre gewesen, so lange es geht dieses 0:1 zu halten und zu schauen, dass vielleicht mal einer reinflutscht. Über die weiteren Gegentreffer in der zweiten Hälfte sagte Blessin: „Das erste, da waren wir ein bisschen unaufmerksam, das passiert mal. Aber die anderen waren aus einem Ballverlust, wo wir lethargisch gewirkt haben. Das, finde ich, war so noch nie zu sehen seitdem ich da bin und das schmerzt dann halt in dem Moment.“ Gegen einen anderen Gegner wäre man vielleicht nicht so bestraft worden, allerdings erklärte der Cheftrainer „(…) das tut dann einfach weh, weil’s nicht nötig war, in so einer Situation Bälle zu verlieren und Geschenke zu verteilen und deswegen, wenn man dann 0:2 verliert ist das ok, Mund abwischen, aber 0:5, das tut dann einfach weh.“ Die schwache Leistung seines Teams in den zweiten 45 Minuten konnte auch er nicht ganz erklären, doch betonte, dass egal was passiere und ob ein zweites Tor fällt oder nicht, man klar in der Birne bleiben müsse. Des weiteren erklärte er, dass man die Niederlage jedoch direkt zur Seite schieben sollte, weil am Freitag ein Spiel gegen einen direkten Konkurrenten ansteht. „Da geht’s drum. Das ist dann wirklich die harte Crunchtime“, betonte Alexander Blessin.
Kernstatistiken
| FC St. Pauli | FC Bayern München | |
| 6 (3) | Torschüsse (auf das Tor) | 17 (8) |
| 9 | Fouls | 7 |
| 22,66 | Ballbesitz | 77,34 |
| 278 (212) | Pässe (erfolgreich) | 931 (870) |
| 28 (17) | … davon ins letzte Dritte (erfolgreich) | 106 (93) |
| 40 (17) | … davon lange Pässe (erfolgreich) | 42 (28) |
| 8 | Ballkontakte im gegn. Strafraum | 43 |
| 75 (46) | Defensivduelle (erfolgreich) | 39 (26) |
| 15 (4) | Kopfballduelle (erfolgreich) | 15 (8) |
| 39,33 | PPDA | 7,29 |
| 119,84 km | Laufleistung | 119,64 km |
Negativ-Rekorde – ja, Mehrzahl!
Während sich der FC Bayern München den Tor-Rekord schnappte, gab es für den FC St. Pauli auf der anderen Seite einige Negativ-Rekorde. Angefangen damit, dass das Team von Alexander Blessin über 90 Minuten nur 22,66% des Ballbesitz hatte. Das ist der niedrigste Wert in dieser Saison, nur ein anderer kommt ganz nah dran: beim Hinspiel gegen die Bayern lag St. Paulis Anteil am Ballbesitz bei 22,82%. Auch der PPDA-Wert war bisher noch nie so hoch. Durchschnittlich 39,33 Pässe wurden pro Defensivaktion zugelassen. Schon letzte Woche gegen Union ging es im Statistik-Artikel um den selten hohen Wert, allerdings um aus jetziger Sicht schon fast läppische 26,42 erlaubte Pässe.
Auch bei den Pass-Statistiken sieht das Spiel des FC St. Pauli gegen den FC Bayern München alles andere als gut aus. In den ersten 45 Minuten spielte der FCSP insgesamt nur 170 Pässe. Bayern spielte währenddessen allein in der gegnerischen Hälfte 207 Pässe. St. Pauli spielte insgesamt, über beide Halbzeiten, nur 49 Pässe in der gegnerischen Hälfte. Puuh! Dementsprechend kam er auch nur zu acht Ballberührungen in Neuers Strafraum, Bayern hingegen zu starken 43. Bei den Pässen ins letzte Drittel sieht es nicht besser aus, mit 28 (17 erfolgreich) stellte die Mannschaft von Blessin den zweitniedrigsten Wert diese Saison auf. Noch weniger Pässe ins letzte Drittel wurden nur im Hinspiel gegen Bayern München gespielt, damals waren es 24 (14 erfolgreich).
Expected Goals
| FC St. Pauli | FC Bayern München | |
| (0,56 / 0,68 / 0,49) = 0,58 | (Wyscout / DFL / FotMob) Expected Goals | (2,75 / 3,13 / 3,37) = 3,08 |
| 0,43 | xG herausgespielt | 2,86 |
| 0,06 | xG Standards | 0,51 |
| 0,27 | xGOT | 3,26 |
Acht Schüsse aufs Tor und fünf davon saßen. Wenn man bedenkt, dass der xG-Wert der Bayern „nur“ 3,08 beträgt, muss man an dieser Stelle ganz einfach von gnadenloser Effizienz sprechen. Ganz im Gegensatz dazu zeigte der FC St. Pauli mal wieder seine offensive Harmlosigkeit. Der Abschluss von Mathias Pereira Lage in der 30. Minute war mit 0,29 xG der gefährlichste Torschuss. Auch bei den drei Ecken konnte die Mannschaft nicht zielgenau vors Tor kommen und kreierte somit insgesamt zu wenig Chancen.
Spielerstimmen
“We tried our best, we fought till the end and today the result is very bitter for us.”
“It’s frustrating because we were good in the first half I think (…). At the end we loose a lot of easy balls and we got punished immediately. It’s about quality and not loosing balls in the last 30 meters and we got a lot of goals today and it’s not good for the end of the season”, erklärte Mathias Pereira Lage nach dem Spiel. Besonders die zweite Hälfte lief nicht nach Plan, wozu er sich ebenfalls äußerte: „(…) in the end, even if the score is high and the quality of the opponent is very different, we just have to continue to play like how we are with our identity, being compact being aggressive and today second half was not like this.“
Hauke Wahl, der Kapitän gegen den FC Bayern München, erklärte, sie hätten “die Tore zwei und drei bekommen und dann ist so ein Spiel entschieden.” Besonders hob er die Tatsache hervor, dass man gegen so eine Mannschaft nicht viele Chancen bekomme „und wenn man sie bekommt, dann muss man sie nutzen und dann wird es halt ein offenes Spiel und das ist uns heute leider nicht gelungen. Deswegen macht es das dann auch etwas schwerer.“ Auch Keeper Nikolaj Vasilj war der Meinung, dass das zweite Tor entscheidend war: „(…) cause after that it was just going in one direction.“ Umso bitterer ist es, wenn man bedenkt, dass das Team die anderen Male gegen Bayern nah dran war und das heute gar nicht so gewesen sei, erklärte Vasilj.
Die eine Sache, die alle noch einmal hervor hoben, war der Support der Fans. Karol Mets erklärte: „The fans are always amazing, they’ve been always behind us through tough times and they stood behind us today as well. So I’m very thankful for them, I’m very grateful for them. We go together on Friday in a big game for us.” Hauke Wahl fügte dem hinzu: “Worauf wir uns auf jeden Fall verlassen können in den letzten fünf Spielen ist, dass die Fans immer da sind und uns mit 100 Prozent unterstützen und eine Art zwölfter Mann für uns sind. ”
„Ich weiß jetzt schon, dass Freitag die Hütte brennen wird“
„Manchmal muss man einfach Spiele abhaken. Bayern war heute besser als wir, Bayern hat mehr Qualität. Natürlich ist das Ergebnis aus unserer Sicht zu hoch, weil wir einfach zu viele Fehler gemacht haben, aber tja, manchmal muss man das einfach anerkennen“, erklärte Kapitän Hauke Wahl. Mit dem 0:5 gegen den FC Bayern München steht der FC St. Pauli weiterhin auf Tabellenplatz 16. Weiterhin ist nach unten hin ein Abstand von vier Punkten auf Wolfsburg vorhanden, allerdings mittlerweile mit nur noch einem Tor Vorsprung. Nächste Woche Freitag geht es gegen einen direkten Konkurrenten, den 1. FC Köln. Mathias Pereira Lage betonte: „We just have to look forward, stay compact as a team and be focused from the first minute till the end. (…) with this atmosphere, we just have to not let them breathe in this game.“ Wahl machte noch einmal deutlich: “Ich weiß jetzt schon, dass Freitag die Hütte brennen wird.” Dementsprechend, volle Kraft voraus, Forza FC St. Pauli!
// Nike
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Muss man dann auch einfach neidlos anerkennen wenn du die Bayern so einlädst, sie das dann auch Eiskalt nutzen. Ich glaube diese Saison (Chapeu!) kann die Bayern nur ein sehr schlechter Tag stoppen. (Augsburg).
Jetzt wird weiter angegriffen das Spiel abhaken und immer weiter! Wir haben es selbst in der Hand! Immernoch!
Forza 🤎🤍