Das war deutlich: Der FC St. Pauli verliert nach einer desolaten zweiten Hälfte in der Höhe verdient mit 0:5 gegen den FC Bayern München, weil er zu viele Geschenke verteilte.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Mehr als zehn Jahre ist der Spruch von Sebastian Prödl bereits alt, aber er gilt immer noch: „München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin. Kann ziemlich weh tun. Kann aber auch glimpflich ausgehen“, hatte der damalige Innenverteidiger von Werder Bremen vor einer Partie bei den Bayern erklärt.
Nun musste der FC St. Pauli zwar nicht zum FC Bayern München reisen. Die letzten zwei Auftritte dort gingen auch überraschend glimpflich aus, sogar so, dass man sich darüber ärgern musste, nicht etwas Zählbares mitgebracht zu haben. Aber was der FCSP in den letzten drei Partien erlebt hat, ist nicht die Regel für eigentlich alle Bundesligaclubs, die gegen Bayern München spielen. Am Samstag am Millerntor war es dann soweit: Der FC St. Pauli erlebte das, was bereits viele Bundesligaclubs vor ihm erleben mussten, bekam sportlich ordentlich Dresche vom Rekordmeister. Und muss sich zuschreiben, die Bayern auch dazu eingeladen zu haben.
Die Aufstellung
Drei personelle Wechsel gab es beim FC St. Pauli in der Startelf: Tomoya Andō ersetzte Adam Dźwigała in der Innenverteidigung. Auf der linken Schienenposition startete Lars Ritzka. Mathias Pereira Lage, der diese Position in Berlin innehatte, startete weiter vorne. Dort fand sich zudem auch Andréas Hountondji wieder, der Martijn Kaars auf die Bank verdrängte. Die Position neben Matti Rasmussen auf der Doppelsechs nahm erwartungsgemäß Joel Fujita ein.
Der FC Bayern München rotierte wie vermutet kräftig. Nur Kimmich, Neuer, Laimer und Olise standen nach Mittwoch erneut in der Startelf. Mit Kim, Ito, Bischof, Goretzka, Musiala, Guerreiro und Jackson standen sieben neue Spieler zu Beginn auf dem Rasen. An der 4-2-3-1-Grundformation änderte FCB-Trainer Vincent Kompany hingegen nichts. An der Positionierung in den Ballbesitzphasen hingegen schon.

FCSP: Vasilj – Pyrka, Andō, Wahl, Mets, Ritzka – Fujita, Rasmussen – Sinani, Hountondji, Pereira Lage
FCB: Neuer – Laimer, Kim, Ito, Bischof – Kimmich, Goretzka – Olise, Guerreiro, Musiala – Jackson
25 Minuten hergespielt, dann plötzlich nah dran
Der FC Bayern München zeichnet sich unter Kompany durch viele Rotationen in der Offensive aus. Davon war zu Beginn der Partie gar nicht soo viel zu sehen. Trotzdem war das Muster sehr deutlich: Bei Münchener Ballbesitz ließ sich Kimmich oft zwischen die beiden Innenverteidiger fallen. Die Außenverteidiger, Laimer und Bischof, schoben vor, allerdings nicht auf der Außenbahn, sondern in die Halbräume. Dadurch öffneten sich direkte Passwege aus der Innenverteidigung auf die offensiven Außenbahnen. Besetzt war bei FCB allerdings immer nur die rechte Seite, Olise positionierte sich dort. Auf der linken Seite war hingegen oft kein FCB-Spieler zu finden, Guerreiro und Musiala orientierten sich beide eher ins Zentrum. Bayern-Trainer Kompany erklärte nach Abpfiff zu dieser Asymmetrie im FCB-Aufbauspiel, dass es nicht unbedingt der Grundidee des Teams entspreche, dass die eine Außenbahn nicht durchgehend offensiv besetzt war. Allerdings passe die etwas zentralere Positionierung von Musiala eher zu seinem Spielerprofil, etwas, worauf man auch achten müsse, wie der sympathische FCB-Trainer erklärte.
Tiefe Struktur funktioniert beim FC St. Pauli
Dort im Zentrum war durch Musialas Bewegungen entsprechend viel Betrieb. Dadurch, dass Angreifer Jackson sich auch immer wieder etwas fallen ließ, hatte der FC St. Pauli ständig Stress, um nicht zentral vor der eigenen Kette in Unterzahl zu geraten. Das mag nun angesichts des Ergebnisses und auch des Chancenverhältnisses komisch klingen, aber wenn der FCSP geordnet im 5-4-1 stand, dann gab es nahezu keine Räume für den FC Bayern München. Gefahr für das Tor von Vasilj gab es eigentlich immer nur dann, wenn der FCSP nicht rechtzeitig in diese Struktur fand. Leider passierte das aber ganz schön oft.
Bereits nach neun Minuten ging der Rekordmeister in Führung. Und das durch eine Szene, deren Gefährlichkeit Alexander Blessin vor dem Spiel explizit betont hatte. Der FCSP-Chefcoach hatte vor den Flanken der Bayern gewarnt. Nun segelte in der 8. Minute eine von Laimer an den zweiten Pfosten, wo Musiala nicht einmal richtig hochspringen musste, um den Ball in das Tor zu köpfen. Der Abstand zwischen Pyrka und Andō war in dieser Situation zu groß, erklärte Blessin nach Abpfiff: „Da haben wir geschlafen und das tut, gerade nach acht Minuten, extrem weh.“ Tatsächlich hatte Pyrka erst sehr spät erkannt, dass der Abstand zu seinem Mitspieler in der Kette zu groß ist und Musiala in diesen Raum eingelaufen war. Übrigens hatten Fujita und Rasmussen kurz nach dem Gegentreffer massiven Redebedarf, unterhielten sich unangenehm offensiv miteinander auf dem Platz. Beide Spieler hatten in der Situation vor dem 0:1 jeweils die Möglichkeit, den Ball zu gewinnen, ein direkter Fehler von einem der beiden ist nicht auszumachen (und ich habe schlicht vergessen Blessin zu fragen, was da los gewesen ist).
Rekordmeister hätte bereits früh das Spiel entscheiden können
Für den gesamten Matchplan des FC St. Pauli ist dieser frühe Gegentreffer natürlich Gift gewesen. Blessin betonte vor Anpfiff, dass man versuchen müsse, die Partie so lange wie möglich offen zu halten. Nach neun Minuten wankte dieses Vorhaben bereits gewaltig. Und es hätte sich niemand beschweren dürfen, wenn der FCB bereits innerhalb der ersten 25 Minuten für klare Verhältnisse gesorgt hätte. Chancen dafür gab es genug, entweder aus Umschaltmomenten (wie beim Abschluss von Jackson, den Wahl noch so abfälschte, dass der Ball an die Latte prallte) oder Ballverlusten im eigenen Drittel (wie beim Pfostenschuss von Musiala, als Vasiljs eröffnender Pass fürchterlich misslang). Auch Olise hatte in der Anfangsphase eine gute Torgelegenheit, schob den Ball aber knapp am linken Pfosten vorbei.
Pereira Lage verpasst Ausgleich
Der FC St. Pauli überstand diese Anfangsphase mit „nur“ einem Gegentreffer – und plötzlich übernahm er kurzzeitig sogar das Spiel. Nach einer tollen Kombination über die eigene rechte Seite mit Pyrka und Sinani fand Rasmussen mit seinem Pass von der Grundlinie Pereira Lage im Rückraum. Der 29-jährige machte dann vieles richtig, versuchte den Ball gegen die Laufrichtung im FCB-Tor unterzubringen. Allerdings hatte FCB-Innenverteidiger Kim etwas dagegen, klärte den Ball zur Ecke. Doch auch der Standard war gefährlich: Die Flanke von Sinani bimmelte ein wenig im Fünfmeterraum des Rekordmeisters umher und kam dann zu Ritzka nach links, der auf den zweiten Pfosten flankte, wo Andō dem Ball per Kopf aber nicht genug Richtung und Tempo mitgeben konnte. Völlig klar: Wenn man gegen den FC Bayern München etwas Zählbares holen möchte, dann muss so eine Phase zu einem eigenen Treffer genutzt werden. Das passierte aber leider nicht.
Nach dieser guten Phase des FC St. Pauli rund um die 30. Minute verflachte die Partie bis zur Pause. Dem FCSP gelang es nun, kompakt im 5-4-1 gegen das Bayern-Aufbauspiel zu stehen. Der FCB suchte zwar nicht mit Nachdruck die Lücke im kompakten braun-weißen Verbund, aber das Heimteam bot den Bayern außer dem Ball in ungefährlichen Zonen eben auch nichts an. So ging es mit einem Ergebnis in die Pause, bei dem aus FCSP-Sicht durchaus noch Hoffnung für die zweiten 45 Minuten bestand.

// (c) Stefan Groenveld
Zerfall in zweiter Hälfte
Und in diese zweite Halbzeit startete der FC St. Pauli auch gut, sie sollte dann aber richtig schwach werden. Hountondji hatte in der 47. Minute nach einer Umschaltsituation eine gute Abschlussgelegenheit, brachte aber nicht genug Druck auf den Ball, sodass Neuer keine Probleme hatte, diesen zu halten. Wenige Minuten später folgte eine Szene, die in jeder Hinsicht ärgerlich ist: Fujita legte sich mit Olise an, stieg gleich mehrfach völlig übermotiviert in den Zweikampf ein und holte sich dadurch eine hochverdiente Gelbe Karte ab. Es ist seine fünfte, er wird gegen Köln nicht dabei sein können.
Die Sperre ist an sich eigentlich schon Strafe genug und Blessin erklärte nach Abpfiff auch, dass man darüber noch reden werde. Sich mit bereits vier Gelben Karten auf dem Konto im Spiel gegen den FC Bayern München eine Verwarnung abzuholen, die aufgrund der Situation völlig unnötig ist und damit für das so wichtige Spiel gegen Köln zu fehlen, ist ein Bärendienst für ein Team, das personell sowieso schon auf dem letzten Loch pfeift. Das Sahnehäubchen dieser Aktion gab es dann noch direkt im Anschluss an die Verwarnung. Denn zu allem Überfluss nutzte der FC Bayern München die Standardsituation, um mit 2:0 in Führung zu gehen. Die Flanke verlängerte Ritzka unfreiwillig, sodass Goretzka den Ball aus rund sechs Metern gnadenlos volley ins Tor ballerte.
Michael Olise & die Gegengerade
Dieser zweite Gegentreffer war ganz offensichtlich ein Wirkungstreffer. Jedenfalls verlor Mets nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff den Ball. Und der FC Bayern München ist einfach gut genug, um solche Geschenke auch einfach anzunehmen: Olise erzielte also nur Sekunden nach dem 0:2 das 0:3.
Es ist natürlich ätzend, dass er danach, Gelb-vorbelastet, vor der Gegengerade jubelt. Muss er nicht, kann er vielleicht sogar noch bestraft werden für, hat die Stimmung dann natürlich noch weiter angeheizt. Ein Fußballprofi sollte sich in hitzigen Stadien besser beherrschen, meine viele. Aber bitte bedenkt bei all dem Frust, dass Olise 25 Jahre alt ist, zum Zeitpunkt des Treffers bereits eine Halbzeit lang vor allem von der Gegengerade ausgepfiffen wurde (ein intensiver Zweikampf mit Mets war der Ursprung der Pfiffe). Zu erwarten, dass Olise völlig eiskalt auf sowas reagiert, dass ihm die Pfiffe egal wären, halte ich für vermessen – und es wäre doch auch total schade.
Denn vielmehr ist es doch so: Wir konnten wieder beobachten, dass man von den Rängen auf viele Arten Einfluss auf ein Spiel nehmen kann. Gegenspieler konsequent auspfeifen gehört eher nicht zu den liebsten, aber es ist sicher eine der effektivsten. Das ist mit Olise geschehen – und wenn das Stadion ihn 45 Minuten lang aus voller Inbrunst auspfeift, dann sollte das Stadion es auch aushalten, wenn er bei Torjubel und Auswechslung mit großer Wonne eigene Provokationen zurückschießt. Am Millerntor Gegenspielern auch mal verbal die Hölle heiß machen, that’s part of the game. Oft ist es schon gelungen, die Spieler derart zu entnerven, dass sich das negativ auf ihre Leistung auswirkte. Dieses Mal hat in Person von Olise aber der Spieler gewonnen, das müssen wir uns ehrlich eingestehen – und es auch sportlich fair so annehmen. Statt sich also über seine Provokationen aufzuregen, könnte man auch sagen: „Ok, wir haben von den Rängen alles gegeben, um dich zu entnerven, um negativen Einfluss auf dein Spiel zu nehmen, aber das hat nicht geklappt. Well played, Michael Olise!“ Ich wäre jedenfalls sehr traurig, wenn solche Elemente und Dynamiken in Fußballspielen fehlen (da schließe ich explizit das Werfen von Gegenständen aus). Sich also über das Verhalten von Olise aufregen? Ja, habe ich in dem Moment natürlich auch gemacht. Mit etwas Ruhe und Abstand zum Spiel bin ich aber der Ansicht, dass ich mich sehr freuen, würde Michael Olise wieder am Millerntor „freundlich“ begrüßen zu dürfen – und das Spiel damit in eine neue Runde gehen zu lassen.
Unnötiger Ballverlust vor 0:3, 0:4 & 0:5
War nach dem 0:2 bereits klar, dass der FC St. Pauli diese Partie verlieren würde, so drohte sie nach dem schnellen 0:3 eine äußerst beschissene Dynamik anzunehmen. Denn der FCB schien sich nicht in einen Schongang begeben zu wollen, sondern entdeckte die Lust am Toreschießen. Und der FCSP lud den Rekordmeister dazu ein. Es war wirklich völlig ungewohnt, aber sowohl dem dritten als auch dem vierten und dem fünften Gegentreffer gingen jeweils haarsträubende individuelle Fehler voraus. Mets spielte vor dem 0:3 einen schlimmen Fehlpass. Zehn Minuten später verdaddelte Fujita den Ball am eigenen Strafraum gegen den eingewechselten Stanišić, Jackson erzielte Momente später den vierten Treffer. Kurz vor Schluss vertändelte Wahl den Ball am Strafraumeck, Guerreiro nutzte die Szene zum fünften FCB-Treffer. Und das waren nur die Szenen, in denen Ballverluste direkt bestraft wurden. Insgesamt 27 mal verlor der FC St. Pauli den Ball in der eigenen Hälfte, ein irre hoher Wert. Aber auch keiner, der gegen den FC Bayern München überrascht. Denn das Team von Kompany legt es mit seiner mannorientierten Spielweise auch genau darauf an – und ist damit gegen den FCSP erfolgreich gewesen. Wie auch in vielen anderen Spielen in dieser Saison. Wie auch in Madrid, in Paris, gegen Dortmund und gegen etliche weitere Teams. Und damit zur Einordnung dieser Niederlage:
Es wurde nicht nur das Spiel verloren, sondern auch das kleine Polster im Torverhältnis im Vergleich zu Wolfsburg ist jetzt weg. Fühlt sich scheiße an. Das 0:5 am Samstag ist die höchste Heim-Niederlage seit dem 1:8 gegen den FCB am letzten Spieltag der Saison 10/11. Fühlt sich scheiße an. Ich bin fast schon froh, dass wir keinen Treffer mehr erzielt haben. Das fand ich 2011 extrem unangenehm, wie das damals gefeiert wurde und als Schiedsrichter Stieler am Samstag kurz vor Schlusspfiff das 0:6 zurücknahm (es war Abseits), brandete ein Jubel auf, der mich auf unangenehme Art und Weise an das 1:8 erinnerte. Nein, so bitte nicht. Hoch verlieren ist bereits scheiße, wenn Hohn dabei ist, ist es aber noch viel schlimmer.
Scheiße, ja. Aber…
Nun zur nüchternen Sicht der Dinge: Wir haben jetzt dreimal in Folge nur knapp verloren gegen den Rekordmeister. Das allein ist schon super. Dass es dieses Mal kräftig in unserem Tor geklingelt hat, war auch einfach eine Frage der Zeit. Auf 105 Tore in 29 Spielen kommt der FCB bisher in dieser Bundesligasaison, 3,6 pro Partie. Fünf Gegentreffer sind da überdurchschnittlich, aber sie sind nicht einmal ein statistischer Ausreißer. Oder anders: Was haben der VfB Stuttgart, die TSG Hoffenheim, Atalanta Bergamo, der HSV, Pafos FC, der SC Freiburg und Leipzig mit dem FC St. Pauli gemeinsam? Richtig, sie alle haben in dieser Saison in einem Spiel fünf oder mehr Gegentreffer vom FCB gefressen, Leipzig sogar zweimal. In fast der Hälfte der Bundesligaspiele hat der FC Bayern München vier oder mehr Treffer erzielt. Ein 0:5 fühlt sich scheiße an und vom FC St. Pauli sind wir in den letzten Jahren diese Art des Auseinanderfallens nicht gewohnt. Aber entspannen wir uns etwas, setzen wir es ins richtige Bild: Gegen Bayern kann man mal verlieren, auch hoch.
Der FC St. Pauli bekam an diesem Samstag klar die Grenzen aufgezeigt. Der FC Bayern München ist aktuell leistungsmäßig ziemlich weit weg – und das liegt nicht nur daran, dass sie so viel besser als der Rest der Liga sind, sondern der FCSP ist eben auch eines der schwächsten Teams der Bundesliga. Isso, hätte uns der FCB nicht in Form eines 0:5 vor Augen führen müssen. Bis 24 Stunden nach der Partie können wir noch Frust schieben. Ab dann sollte der volle Fokus dem kommenden Freitag gelten, wenn der 1. FC Köln ans Millerntor kommt.
Immer weiter vor!
// Tim
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Mega Tim, Lob von Kompany. Mehr geht nicht.
Und noch etwas: Tim, deine Einordnungen zu Olise sprechen mir aus dem Herzen. Und der „Scheiße, Ja. Aber“-Teil baut mich auf.
Danke, so geht konstruktiver Journalismus.
💯
Vorneweg, damit es an mir später nicht hängen bleibt: Werfen von Gegenständen ist Scheiße.
Die Olisegeschichte sehe ich allerdings grundsätzlich etwas anders. Mir ist ehrlich gesagt egal, ob Olise ein Weltstar ist, oder nicht. Er hat sich den Unmut der Zuschauer zugezogen, und das nicht ohne eigenes Zutun. Damit muss er der Herr Weltstar klarkommen. Wenn er meint, dass das Klarkommen darin besteht, das Publikum weiter und weiter zu provozieren, dann ist die Mentalität leider nicht auf dem Niveau der Beine. Er hätte zwingend, so wie Schlotterbeck beispielsweise letzte Woche in Stuttgart die gelbe Karte dafür sehen müssen. Dann würde vielleicht die Reflexion einsetzen. Genauso schlecht übrigens waren seine Reaktion auf Fujitas Foul und sein regelwidriger Abgang, bei dem er nicht den kürzesten Weg nahm, so wie es vorgeschrieben ist, sondern es sich nicht nehmen ließ den langen Weg auffällig langsam mit einem zusätzlichen Applaus (und nee, der ging nicht an die Bayernkurve) zu garnieren. Aber da Weltstars einen Bonus haben, ist das dann eben hinzunehmen.
Mir persönlich ging die Geschichte aus einem anderen Grund etwas nahe. Ein Spieler mit dem Verhalten von Olise hätte vor 20-25 Jahren hier keine einfache Zeit auf dem Platz gehabt. Das war doch auch das, was einst ein Teil des im Museum zu findenden Roar gewesen ist. Vielleicht bin ich ja aber endgültig aus der Zeit gefallen, das ist dann mein Anteil an einem Reflexionsprozess. Allerdings passt die Reaktion der Mannschaft darauf absolut zur Performance in der zweiten Halbzeit. Es gab einfach keine. Ich sah da in der zweiten Halbzeit auch keine Mannschaft. Mir ist auch ehrlich gesagt egal, wer wie viele Tore gegen Bayern kassiert hat, ich hätte mich auch mit 8 sogar besser abgefunden, wenn ich bloß ein Team bis zum Schluss gespürt hätte… Auch wenns Bayern waren, das Geschehen auf dem Platz hat mich durchaus irritiert und stutzig gemacht. Wenn ich am Ende der Saison einen Rückblick wage, dann komme ich nochmal zu dieser zweiten Halbzeit zurück.
Und weil ich auch etwas Sportliches fallen lassen möchte: Bei den Bayern geht beinahe jeder gefährliche Angriff über Kimmich. Das ist keine besonders neue und schlaue Erkenntnis. So viel Platz allerdings, wie er hier ohne jeglichen Druck hatte, konnte er wahrscheinlich selbst nicht fassen.
Aber gut. Vorbei und vergessen. Ich freue mich auf Freitag, weil ich da endlich auf sehr viele Fragen, die mich in dieser Saison bewegen, Antworten bekommen werde.
was viele vielleicht nicht bemerkt hatten: Nach dem ersten Zweikampf mit Metz an der Seitenlinie bekam Olise einen Bierbecher ab. Erst danach begann das Pfeifkonzert. Er hatte bis dahin weder schlimm gefoult noch sonst etwas getan, was derartigen Zorn rechtfertigte. (Natürlich rechtfertigt nichts das Bewerfen von Personen mit irgendwelchen Gegenständen).
Ja, seine Reaktion war unprofessionell aber menschlich.
Dass das viele nicht bemerkt haben, mag daran liegen, dass es so nicht passiert ist. Ja, da ist ein Becher geflogen, was mich total aufgeregt hat (Wie bescheuert kann man sein?). Aber dass jemand getroffen worden wäre, war zumindest von meinem Platz (Gegengerade, genau auf der Höhe, aber ziemlich weit oben) nicht zu sehen.
Was die Aktion nicht besser macht.
Das möchte ich unterstützen. Es flog ein Becher (saublöd genug), der Olise aber nicht getroffen hat. Wir stehen genau an der Ecke in der Nord und hatten beste Sicht. Der Zweikampf mit Mets war hart und eigentlich hätte Olise da bereits gelb verdient gehabt. Meinetwegen dann für beide. Aber hinterher die gereichte Hand von Mets ausschlagen, ist keine feine Art. Und ob das spucken auf den Boden dann noch Mets galt oder Zufall war, kann man so oder so interpretieren.
Auch wenn Olise zumindest nicht die Fallsucht eines Vini Jr hat – ein feiner Sportsmann ist er trotzdem nicht. Und da haben die Pfiffe gerade erst begonnen, das ist also hier keine Ausrede für ihn. Und diese Wahrnehmung war zumindest für mein Umfeld in der Nord der Hauptgrund für die Pfiffe. Alles danach hat es dann noch verstärkt.
Ja, ich hätte schreiben sollen, „nach ihm“ oder „in seine Richtung“ geworfen.
Letztendlich ist es, wie du sagst. Es macht kaum einen Unterschied. Ich denke auch, er muss als Profi da ruhiger bleiben. Naja abhaken! Nach vorn schauen!
Welchen Anteil hatte Olise denn an dem permanenten Pfeifen? Er hatte einen Zweikampf mit Mets, beide geben sich da nichts (Ich habe da eher Mets nicht verstanden, wie er Olise da angegangen ist). Und danach, als Stieler die beiden zu sich geholt hat, fing das Pfeifen an. Falls ich da aus der Nord nichts übersehen habe, fand ich es total üebrzogen. Dass er sich dann hat provozieren lassen, andere Sache.
Und am Ende der GG dann quasi den Mittelfinger zeigen, nicht schön, aber das sehe ich wie Tim.
Ja, war Scheiße. Hilft aber nicht, am Freitag müssen wir wieder alle da sein und alles geben.
Da ich Jackson für die gelb-rote Karte kritisiert habe, muss ich Fujita nun auch kritisieren. Emotionskontrolle muss er eindeutig noch lernen. Mich nervt, dass er eh einen Hang zu maximaler „Diskussionsbereitschaft“ mit dem Schiri hat, aber sich gestern so die Sperre für Freitag abgeholt zu haben, ist einfach nur dumm. Teamplay geht anders…
War gestern ausnahmsweise nicht auf der GG und habe die Pfiffe gegen Olise erst nach dessen Torjubel wahrgenommen – das ganze Stadion und so. Dementsprechend hab ich mich so richtig aufgeregt, dass ein so guter Spieler solch ein Verhalten nötig hat. So unterschiedlich kann Wahrnehmung sein.
Sonnigen Sonntag noch!
In welcher Tabelle steht der FCSP nach Punkten bequem auf Platz 12?
In der Tabelle der ersten Halbzeiten. Dafür war das Spiel gestern exemplarisch. Wenn es darum geht, eine knappe Führung oder einen Punkt zu verteidigen, habe ich vom Team zumindest kämpferisch auch starke zweite Halbzeiten gesehen. Ansonsten frage ich mich, was hinter der wiederholten Beobachtung, die Mannschaft verteile „Geschenke“, eigentlich inhaltlich steht. In der Abwägung, eine vermeintlich eingespielte Startelf in der zweiten Hälfte weiterspielen zu lassen oder zur Pause frische Kräfte zu bringen, spricht die Statistik inzwischen dafür, letzteres zu versuchen. Zumindest sehe ich nicht, was der FCSP bei Rückstand zu verlieren hätte.
Aber ehrlicherweise muss man auch sehen, dass Fujita (evtl noch Pyrka) der Einzige ist, der körperlich, mental und eben auch verbal dagegen hält (gruselig, wie sich Hountondji in aussichtsreicher Position einfach von Kim wegchecken lässt!).
Und genau das ist meine Forderung an die Mannschaft, die absolut keine Resilienz hat (Rückstand=Niederlage). Einstellung, Taktik, Aufstellung am Anfang des Spiels sind fast immer in Ordnung, aber dann…
Da wir also über keine echten Mentalitätsspieler verfügen, muss das vermisste Element wieder einmal von den Fans kommen, und so wird es auch kommen. Mal sehen, was die Mannschaft daraus macht.
P.S.: Fujita hätte mit seiner Spielweise sowieso noch in einem von den nächsten Spielen gefehlt, die wirkliche Endspiele sind. Vielleicht hätte er sich die gelbe Karte schon für das Bayernspiel holen sollen.
Diesen Ausgang habe ich vor dem Spiel getippt, das wars leider auch mit den positiven Dingen dieses Abends. Dieses Spiel war von Anfang an nie eingespeist als Punktespender, da brauchen wir uns nicht anzulügen, daher habe ich da nicht allzu negative Gefühle zur gestrigen Niederlage. Verstimmen tun mich eher die miserablen Auftritte der vergangenen Wochen (Warum hoch und weit gegen Union und gegen Bayern soll plötzlich der Ball rauszirkuliert werden?!). Puh, vor uns könnten ganz ganz bittere Wochen bevorstehen: Köln, Heidenheim, Mainz.
Im beschissensten Fall überholt Heidenheim uns und WOB und das wäre ehrlich gesagt verdient.
Das ist in der Tat auch sehr gut als Plot, wenn man aus sportlicher Sicht draufschauen will: Wann hatten wir gestern die beste Phase im Spiel? In der ersten Halbzeit, als wir versuchten schnell und lang zu spielen. Damit haben wir dann in der zweiten Halbzeit aufgehört und versucht gegen Bayern mit Kurzpässen rauszukommen, und haben nach dem 0:5 wieder lang gespielt. Es kam uns sicher in der ersten Halbzeit auch zu Gute, dass Bayern etwas zurückzogen, nur gilt der Spruch „man spielt so gut, wie der Gegner es erlaubt“ ja nicht nur in einer Richtung.
Ich bin da ganz bei JohnnyJonas…habe das Geschehen nur im TV gesehen, im Zweikampf, gaben sich Olise und Mets nichts, aber die Empörungsschwelle ist live immer extrem niedrig. Lange Pfeifkonzerte sind nur durch vorangehende üble Attacken zu rechtfertigen, das war hier nicht der Fall. Gefallen hat mir etwas anderes: „Sie hören einfach nicht auf! Das ist eine sehr klare Haltung (ö.ä.)“ kommentierte mein Lieblingskommentator Wolf Fuß die permanente Anfeuerung unser Mannschaft durch das Stadion, dazu sah man einen Pauli Fan mit einem Pappschild eingeblendet, auf dem Stand: „Viel Glück für Mittwoch!“
Wir müssen die nächsten beiden Spiele gewinnen, nur dann können wir uns von Köln absetzen, die ihr Spiel gegen Leverkusen aller Voraussicht nach verlieren werden. Es wird ernst.
Boff, das tat weh.
Keine Frage, verlieren ist kein Problem – aber es war aus meiner Sicht mehr als nur ein Klassenunterschied.
Und Bitte, was war in der zweiten Halbzeit auf unserer linken Seite los ? Das waren einfachste „unforced errors“.
Ich hatte mich sehr auf das Spiel gefreut, weil ich hoffte, dass wir auch spielen würden – anders als gegen Union oder Mainz. Spass am Fussball haben und als Team dagegenhalten, zeigen, dass man auch etwas kann. Dazu dann ein Gedanke, den ich in dieser Saison ab und zu habe: Bei Hürzeler fand ich prägend, dass er Entscheider auf dem Platz haben wollte – er hat den einzelnen gestärkt, ohne die Mannschaft zu vergessen. Bei Blessin sehe ich die Mannschaft über allem, aber ich befürchte, dass sich die Spieler zu sehr unterordnen müssen und dann ihre Individualität zu wenig heraussticht. Den Spass am Fussball habe ich gestern bei uns kaum gesehen, aber auch keine geschlossene Mannschaftsleistung.
Bei den Bayern habe ich dagegen in der zweiten Halbzeit für so zwanzig bis dreissig Minuten eine Mannschaft gesehen, die das Gleichgewicht aus Individualität und Mannschaftsleistung nahezu perfekt gespielt hat.
Das schönste Kompliment von Kompany am Abend zu St. Pauli: „Immer anders, als egal wo anders.“.
Ich fand allerdings, wir haben es uns als Zuschauer und Mannschaft diesmal nicht wirklich verdient – und das tut mir am meisten weh.
Puh – auf den ersten Blick hat sich an der Ausgangslage zur letzten Woche nichts geändert. Mit Punkt(en) konnte Mensch realistisch nicht rechnen und auch 5 Tore von München kassieren ist in dieser Saison nicht ungewöhnliches. Aber trotzdem war das Spiel (aus meiner Sicht) ein Schlag in die Magengrube. Nichts zu verlieren, aber weder frei aufgespielt noch richtig gekämpft. Das Team hätte für sich und den ganzen Verein so richtig Energie freisetzen können (auch mit einer Niederlage) für die Spiele gegen Köln und Heidenheim. Diese Chance hat es verpasst. Ich hoffe, dass sich meine Stimmung, aber vor allen die des Teams bis Freitag 20:30h ins positive ändert und der Turnaround geschafft wird. Es zählt nur noch alles reinwerfen und egal wie dreckig die Punkte holen.
Noch eine vielleicht letzte Anmerkung zum Thema Olise:
Nach dem Zweikampf mit anschließendem Gerangel samt Schiri-Ansprache hat Mets Olise die Hand zum Handschlag hingehalten. Hat er ignoriert und ist weggegangen.
Das gleiche Spiel später nach dem Foul von Fujita. Auch hier hat er Fujita den Handschlag verweigert.
Das waren zwei Dinge, die mich an ihm extrem gestört haben.
Und auch sonst gab es unsportliches Verhalten von ihm. Er macht aus jeder strittigen Szene deutlich mehr, als nötig wäre. Siehe das mit Gelb geahndete Foul von Fujita, das ja keineswegs brutal war.
Ich mag solche Typen nicht. Dabei hatte ich bis Freitag noch geschwärmt von diesem hochbegabten Fußballer.