„I think it was a very professional win.“

„I think it was a very professional win.“

Eine starke erste Halbzeit und ein bisschen Matchglück führten zum 2:0-Erfolg des FC St. Pauli gegen den Karlsruher SC. Die Stimmen und Statistiken zum Spiel.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Nicht unverdient, aber etwas glücklich gewann der FC St Pauli gegen den Karlsruher SC am siebten Spieltag der zweiten Liga. Anfangs stiegen beide Mannschaften offensiv aktiv ein, dann wurde der FCSP von Minute zu Minute besser, doch der KSC ließ den Ball zuerst im Netz zappeln. Das vermeintliche Tor von KSC-Innenverteidiger Kobald wurde dann jedoch aufgrund eines Fouls im Vorfeld zurückgenommen (eine Entscheidung, die mich als KSC-Fan fuchsteufelswild gemacht hätte). Glück für den FC St. Pauli also und wenig später belohnten sich die Gastgeber für die ansonsten starke erste Halbzeit. Connor Metcalfe spielte einen langen Pass auf Abdoulie Ceesay, der direkt aus 14 Metern aufs Tor zielte und seine Mannschaft so in der 32. Minute in Führung brachte. Bis zur Pause hielt sich der FCSP gut und machte auch nach der Halbzeit mit einigen guten Phasen weiter. In der 51. Minute fiel dann das 2:0 durch Lars Ritzka, der beim Freistoß von Eric Smith den linken Fuß zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle hatte. Danach schaffte es die Mannschaft von Marcel Rapp nicht mehr, die nötige Ruhe ins Spiel zu bringen, wodurch der Karlsruher SC unnötig oft gefährlich wurde. Nachdem beide Teams ihre Wechsel aufgebraucht hatten, kam der KSC noch einmal nach vorne und schoss das nächste Tor. Denkste, denn auch dieses wurde von Schiedsrichter Lukas Benen zurückgenommen. Schlussendlich war es eine aufregende Partie, die den FC St. Pauli auf Tabellenplatz sieben befördert hat. 

Trainerstimmen

Senft: „Wenn’s nicht läuft, kommen solche Spiele dazu“

„Ich denke, dass beide Seiten mit viel Offensivdynamik reinstarten wollten“, berichtete Maximilian Senft, der Cheftrainer des KSC nach der bitteren Niederlage am Millerntor. Viele Worte verlor er nicht über das reguläre Spiel, bevor Senft zu dem nicht gegebenen Treffer zum 1:0 für Karlsruhe überging: „Aus meiner Sicht war das ganz klar ein korrektes Tor. Das hätte uns natürlich sehr, sehr gut getan, wenn dieses Tor dann auch zählt.“ Trotz einer wirklich guten ersten Halbzeit der Gastgeber, blieb das Lob für die Karlsruher nicht aus: „St. Pauli spielte kurz darauf ihren Konter gut aus, erzielt das 1:0, aber die Mannschaft, das hat man gesehen, hat dann trotzdem in der zweiten Halbzeit absolutes Leben in sich gehabt.“ Weiter sagt er noch: „Ich denke, da kann man den Jungs überhaupt keinen Vorwurf machen, sondern wir haben gedrückt, ziehen dann auch das 2:1 (…), das wird aber auch aberkannt.“ So musste auch Maximilian Senft die null Punkte akzeptieren: „Wir müssen heute eine Niederlage annehmen und trotzdem dem Gegner gratulieren zu einem Sieg, der schon sehr bitter ist.“ Er sagte dann noch einen Satz, mit dem ich mich als Fan des FC St. Pauli gut identifizieren konnte: „So sind Situationen im Fußball: Wenn’s nicht läuft, dann kommen solche Spiele dazu.“ Mit dem verlorenen Spiel am Sonntag steht der Karlsruher SC auf einem direkten Abstiegsplatz und konnte erneut nicht den zweiten Saisonsieg einfahren. Maximilian Senft ist sich der misslichen Lage bewusst und betonte dennoch, dass es wohl auch bei ihnen in die richtige Richtung gehe: „Aus meiner Sicht war es heute schon ein Spiel, wo man Fortschritte gesehen hat.“

Rapp: „Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind.„

„Am Anfang ging das Spiel hin und her. Ich glaube wir sind dann immer besser und besser geworden und hatten viele Ballgewinne“, so begann Marcel Rapp seine Einschätzung des Spiels. Der Cheftrainer des FCSP erklärte weiter: „Ich glaube, wir waren ab da (dem vermeintlichen Tor des KSC, Anm. d. Red.) bis zur Halbzeit klar überlegen und haben das wirklich gut gemacht. Gegen den Ball waren wir gut griffig, mit dem Ball haben wir gute Kombinationen gehabt. Ich glaube, wir gehen dann auch verdient in Führung.“ Mit den ersten 45 Minuten schien er also total zufrieden zu sein, an der zweiten Hälfte übte er dann aber doch Kritik: „In der zweiten Halbzeit legen wir relativ schnell das zweite Tor nach und dann kommt die Phase, wo ich nicht zufrieden bin. Klar wird der Gegner aktiver, verteidigt ein bisschen höher, ist mutiger, aber wir waren einfach zu passiv und total unsauber.“ Seine Erklärung dafür: Dass man „dann doch ein bisschen was zu verlieren hat und man einfach nicht mehr so mutig spielt wie in der ersten Halbzeit.“ Abschließend ging er noch auf die Entwicklung der Mannschaft nach den ersten Spielen ein und erklärte: „Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Jetzt mit dem Dreier fällts wahrscheinlich ein bisschen leichter, weil das Selbstvertrauen noch größer wird.„

Kernstatistiken

FC St. PauliKarlsruher SC
12 (8)Torschüsse (auf das Tor)12 (5)
12Fouls15
43,81 %Ballbesitz56,19 %
423 (328)Pässe (erfolgreich)487 (396)
41 (23)… davon ist letzte Drittel (erfolgreich)59 (38)
45 (21)… davon lange Pässe (erfolgreich)31 (19)
16Ballberührungen im gegn. Strafraum16
58 (32)Defensivduelle (erfolgreich)46 (18)
26 (15)Kopfballduelle (erfolgreich)26 (11)
10,35PPDA10,65
116,63 kmLaufleistung121,34 km

Stark angefangen, stark nachgelassen

Wenn ich mir die Statistiken der Partie anschaue, dann fällt es mir schwer, darin das Spiel wiederzufinden, dass ich dachte, gesehen zu haben. Zusammenbringen konnte ich die Statistiken und diesen Eindruck erst, als ich die erste Halbzeit von der zweiten trennte. In der ersten halben Stunde war der FC St. Pauli klar die spielkontrollierende Mannschaft. Das Team gab sieben Schüsse ab (vier davon aufs Tor), der KSC nur zwei (einer aufs Tor). Auch die Anzahl an gewonnenen Zweikämpfen war bei den Gastgebern höher, sowie die Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, da stand es zur Pause zehn zu zwei. Nach der Halbzeit änderte sich die Sache dann, die Karlsruher gewannen die 1-gegen-1-Duelle, gaben doppelt so viele Schüsse ab wie der FCSP und spielten mehr Pässe in der gegnerischen Hälfte als in ihrer eigenen. Ob nun die Ansprache von Maximilian Senft in der KSC-Kabine einfach so gut war oder ob sich der FCSP nach doppelter Führung zu sicher fühlte, gilt es für Marcel Rapp in der nun folgenden Trainingswoche zu ermitteln.

Expected Goals

FC St. PauliKarlsruher SC
(1,35 / 1,18 / 0,80) = 1,11(Wyscout / DFL / FotMob) = Expected Goals(1,4 / 1,24 / 1,16) = 1,27
0,68xG herausgespielt0,98
0,12xG Standard0,17
0,84xGOT1,05

Abdoulie Ceesay und Lars Ritzka mit den Treffern

Auch bei den xG-Werten ist ein klarer Unterschied zwischen den zwei Hälften zu sehen. Da der Treffer von Karlsruhe zurückgenommen wurde, hatte der FC St. Pauli in den ersten 45 Minuten die höheren Werte (0,44 – 0,14 laut FotMob). Kaum verantwortlich dafür war das Tor von Abdoulie Ceesay, das nur auf 0,04xG und 0,06xGOT kam. In der zweiten Hälfte kam dann der KSC öfter zum Zug und schoss vier Mal auf das Tor von Ben Voll, was die höheren xG-Werte erklärt (0,36 -1,02 laut FotMob). Der Treffer von Lars Ritzka ist dennoch sehr nennenswert, zwar kam der Abschluss nur auf 0,10xG, dafür war der Schuss umso besser und wurde mit 0,35xGOT bewertet.

Apropos Lars Ritzka

Eigentlich berichte ich ja nicht über die Leistung einzelner Spieler, aber Lars hat die Aufmerksamkeit (ob er sie nun will oder nicht) nach dem Spiel gegen Karlsruhe einfach mal verdient. Ritzka spielt schon seit einiger Zeit richtig gut und bekommt nach dem letzten Jahr, wo er nie 90 Minuten durchspielte, diese Saison auch endlich die notwendige Praxis über fast die volle Spielzeit. Der 28-jährige erklärte dazu: „Klar, die Rückenprobleme vor einem Jahr haben viel ausgemacht, aber man merkt es halt auch einfach, man kann im Training noch so viel trainieren und Läufe machen, aber die Spielbelastung ist einfach eine andere. Dafür musst du dann regelmäßig spielen, um eben auf die Fitness zu kommen. Ich bin froh, dass das mit dem Rücken so ganz gut funktioniert und da will ich natürlich weitermachen und fit bleiben.“ Dass er am Sonntag in der 81. Minute noch ausgewechselt wurde, lag hauptsächlich an Adam Dźwigała, der auch auf seine Minuten kommen sollte. Dennoch betonte Rapp: „Grundsätzlich erwarte ich schon irgendwann mal, dass ein Spieler auch 90 Minuten spielen kann.“

Davor lobte der Cheftraienr seinen Innenverteidiger allerdings sehr und sagte: „Lars ist ein super Spieler, der ist schon lange hier. Wenn er mal draußen ist, ist er nicht total frustriert, sondern kann mit seiner Rolle umgehen und wenn er gebraucht wird, ist er da.“ Weiter erklärte Marcel Rapp noch: „Er hat einen großen Impact auf die Mannschaft, nicht nur auf dem Feld und trotzdem ist das einfach ein guter Spieler. Wenn er spielen muss, dann spielt er. Es ist nicht selbstverständlich, dass er dann ein gutes Spiel macht.“ Ritzka selbst blieb bescheiden in seiner Rolle und schob den Fokus auf sein Team: „Grundsätzlich freut es mich natürlich immer, wenn ich der Mannschaft irgendwie helfen kann, ob das mit einem Tor ist, oder einfach mit einer soliden Leistung.“ Eine solide Leistung war das auf jeden Fall. FotMob bewertete den Innenverteidiger mit einer 8,1, eine Bewertung die Ritzka, wie ich finde, mehr als verdient ist. Nach David Nemeth war Ritzka für die zweitmeisten Defensivaktionen verantwortlich, klärte dreizehnmal den Ball, sechsmal davon per Kopf und schoss nebenbei noch ein Tor. Das Lob ist also verdient, aber der 28-jährige selbst sah hier noch Luft nach oben: „Ich glaube, man hat gesehen, dass wenn wir einen Schritt weniger machen am Ende, dann wird es auch nochmal eng und dann werden wir auch leiden müssen. Aber ich glaube, wir wissen auch alle, dass wir bereit sind, diese Meter zu machen und dass wir uns einfach auf den Nebenmann verlassen können.“

Spielerstimmen: „Ich glaube, hier hat jeder heute einmal das Tor verteidigt.“

Einer der Nebenakteure, Connor Metcalfe, der zurzeit ebenfalls in einer seiner besten Phasen ist, berichtete von seiner Wahrnehmung des Spiels: „I’d say we were on top for the first 60 minutes and then I think we lost a little bit of the momentum and shifted it towards them. That’s normal, it’s football. I think we dealt with it well and we defended well and overall I think it was a very professional win.“ David Nemeth schloss sich dem an und lobte seine Mannschaft für das Spiel: „Wir haben gute Lösungen gefunden und immer die Ruhe bewahrt. Dann haben wir immer einen freien Spieler gefunden, das Pressing gut aufgelöst und damit Chancen ausgelöst.“ Weiter erklärte er: „Wir hatten gute Konter, gute zweite Bälle und das war dann in der Summe einfach, was es ausgemacht hat, dass wir heute gewonnen haben.“ Unser Kapitän sprach ebenfalls sehr positiv über die gehaltene Null und hob sein Team dabei hervor: „Ich glaube hier hat jeder heute einmal das Tor verteidigt. (…) Das fängt vorne an und das geht bis ganz nach hinten.“ Eric Smith schloss sich dem an: „Scoring the first goal is always important for us, we know we are strong defensively.“ Eric sah allerdings auch einige gefährliche Situationen in der zweiten Halbzeit, auf die er einging: „You see what happens when we miss that last pass, they get to counter on us and then it gets a little to messy for us. We want to control the game a little more than we were in the second half. But overall it was a good performance.“

Wie die Mannschaft die Kontrolle auch in der zweiten Halbzeit behalten will, kann sie bereits nächsten Samstagabend zeigen. Nemeth: „Es geht von Spiel zu Spiel. Jetzt ist Hannover dran. Wir wissen, dass das ein sehr schwerer Gegner wird, aber da gilt es genauso wieder die Qualität auf den Platz zu bringen und mit Selbstvertrauen aufzutreten.“ Smith erklärte dazu: „I don’t think we have a single easy away game in this league, so all the games are difficult away from home. I think we have to go in with the same energy and train hard so we know how to beat them, so let’s go do that.“

Also, los geht’s Jungs, immer weiter vor!
// Nike

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