Mal wieder kein Berlin

1999
NEUNZEHNHUNDERTNEUNUNDNEUNZIG!!!
Was das sein soll? Das letzte Jahr im DFB-Pokal, in dem wir die 3.Runde erreichten, wenn es nicht ausschließlich gegen B-Teams ging. In zwanzig Jahren also nur ein einziges Mal, nämlich in jener denkwürdigen Bokal-Saison nach Siegen gegen Burghausen und Bochum, ehe dann noch Berlin und Bremen besiegt wurden.

Ich habe sicherlich schon an diversen Stellen fallen lassen, dass der DFB-Pokal mein Lieblingswettbewerb ist und ich ein Pokalendspiel in Berlin als eines von zwei noch ganz großen offenen Zielen in meinem Fan-Dasein auf dem Zettel habe. Nebenbei wäre der Sieg dort im Finale dann auch der kürzeste Weg nach Europa, was das zweite Ziel gleich mit abhaken würde.
Und ich hatte mir das auch schon ganz schick ausgemalt, denn nach dem gestrigen Sieg und den Erfolgen im Achtelfinale beim SC Verl, dem Viertelfinale in Saarbrücken und dem Heimsieg im Halbfinale gegen Borussia Dortmund hätten wir im Finale dann der Hertha ihre Grenzen aufgezeigt, die Gruppenphase 2020 hätte uns nach England, Russland und Portugal geführt und… okayokay, bevor die Männer mit den weißen Jacken mit den langen Ärmeln kommen, höre ich hier lieber auf.
Apropos aufhören: Wer tiefschürfende taktische Analysen erwartet, den muss ich leider enttäuschen, im ausführlichen Radaktionsplan der englischen Woche hat sich Tim für den Leckerbissen am Samstag gegen den KSC entschieden. Ich soll Euch aber schon mal sagen, dass Ihr beim Wettanbieter Eurer Wahl auf ein Gegentor nach Ecke durch Philipp Hofmann wetten könnt, sichere Sache. Nebenbei ist damit ja auch klar, dass mehr als zwei Tore fallen, weil gewinnen tun wir ja eh. Legt das Geld dann gleich für die Europapokaltour 2021 zur Seite. Gern geschehen.

Der gestrige Abend begann dann mit einer handfesten Überraschung um Punkt 19.45h, als sich viele noch in den schier endlosen Schlangen (oder besser: Pulks) am Eingang befanden – die allerdings auch deutlich schneller abgearbeitet wurden, als noch beim Derby.
Denn zu exakt dieser Zeit bimmelte oder vibrierte zeitgleich bei vielen das mobile Endgerät, auf dem der Verein per WhatsApp die Aufstellung mitteilte. Nachdem ich diese vorgelesen hatte, sagte Christoph zu mir: „Das war jetzt die Ersatzbank, ließ doch die Aufstellung vor, bitte.
Gut, ganz so drastisch war es nicht, aber nachdem schon die Aufstellung in Heidenheim die ein oder andere Überraschung bereit hielt, wurde dies mit der Torwartposition nochmal getoppt. Korbinian Müller kam zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz in unserer ersten Mannschaft, Robin Himmelmann saß nur auf der Bank.
Erster Gedanke: Das letzte Mal, als es beim FCSP einen ähnlich überraschenden (und einmaligen) Wechsel im Tor gab, holten wir mit Pliquett einen 1:0 Auswärtssieg beim Nachbarn.
Und auch Johannes Flum kam zu seinem ersten Startelfeinsatz seit April.
Um es vorweg zu nehmen: An beiden lag es nicht, dass wir ausgeschieden sind. Bei Flum könnte man sogar noch ein „im Gegenteil“ hinzu fügen, denn er spielte den Part im Mittelfeld sehr gut.
Klar, hätte beispielsweise Finn-Ole Becker auch genauso gut gekonnt, vielleicht etwas besser, vielleicht etwas schlechter, aber insbesondere im ersten richtigen Jahr im Herrenbereich den Spielern auch mal eine Pause zu gönnen finde ich sinnvoll – auch wenn der Betroffene selbst dies vielleicht anders sieht. Da muss man die Spieler vielleicht auch mal vor sich selbst schützen – siehe Christian Conteh, dazu später mehr.

Was sich trotzdem jetzt anschließen dürfte: Eine Trainerdiskussion.
Ich zitiere an dieser Stelle gerne den Teil eines Tweets aus dem Fanladen zu dieser Thematik: „An diesem Schreibtisch: #TeamLuhukay!Wie bekannt ist, bin ich als Kind durch die Bremer Rehhagel-Ära geprägt worden und Trainerwechsel bereiten mir körperliche Schmerzen. Tatsächlich haben ich bei allen Trainerwechseln beim FCSP die ich seit 1995 miterleben „durfte“, nur bei Maslo und Kauczinski einigermaßen zustimmend genickt – und selbst das nur ungern.
Bei Jos Luhukay bin ich nach wie vor überzeugt, dass er (mit seinem Team) einen Plan hat, dass er weiß was er tut. Und dieser Plan ist nicht darauf ausgelegt allen zu gefallen, das dürfte inzwischen auch klar sein.
Sind da Entscheidungen bei, die einem von außen merkwürdig vorkommen? Klar.
Sind diese automatisch richtig, weil sie von Luhukay kommen? Nein.
Sind sie wahrscheinlich sehr fundiert, begründet auf der Tatsache das sich da jemand sehr intensiv mit der Trainingsarbeit und dem Kader beschäftigt, mit viel mehr Hintergrundwissen und Detailkenntnis als wir knapp 30.000 Hobbytrainer (im Regelfall ohne Trainerschein) im Stadion und vor den TV-Geräten? Noch dazu, weil er das nicht alleine entscheidet, sondern im Team? Absolut.
Warum zur Hölle sollte jemand mit diesem Fachwissen und diesem zeitlichen Investment der täglichen Arbeit Entscheidungen treffen, die kompletter Quatsch sind? Weil wir alle so viel schlauer und cleverer sind und alles hier von unserem Schreibtisch aus viel besser beurteilen können, obwohl die meisten von uns wahrscheinlich nur 2-3 Trainingseinheiten pro Saison anschauen, wenn überhaupt?
Und ja, das gilt pauschal für nahezu alle Trainerdiskussionen, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Warum gibt es dann trotzdem immer wieder Trainerentlassungen? Weil die Vereine in diesem Business selbst auch Getriebene sind, in diesem Fall von Fans, Medien und Erfolgsdruck, und sich in ihrer Hilflosigkeit nicht anders zu helfen wissen. In diesem Sinne, nochmals: #TeamLuhukay
(Und ja, auch wenn wir sonst in vielen Dingen mit dem MagischenFC-Blog übereinstimmen und sich die in beiden Kollektiven vertretenen Personen allesamt sehr gut verstehen, haben wir dann hier wohl einen Dissens. Oder zumindest ich habe diesen. Zum Glück gibt es wichtigere Themen, bei denen wir dann wieder einer Meinung sind.)

Nebenbei: Auch Frankfurt wechselt im Vergleich zum letzten Ligaspiel fünf Mal, auch hier kommt der Ersatztorwart zum Einsatz. (Korrektur, Rönnow spielt natürlich eh, weil Trapp verletzt ist. Danke an @Holzfuss89.)

Zurück zum Pokal: Sehr schöne Choreo auf der Süd, inkl. LED-Show. Wenn dann die ein oder andere Lampe nicht ging, wirkt das alles noch viel schöner, weil es eben nicht perfekt von irgendeiner Agentur organisiert wurde, sondern von der Fankurve selbst.

„All you need’s a strong heart and a nerve of steel“
(Viva Las Vegas, Elvis Presley)

https://www.youtube.com/watch?v=ui0EgRsFVN8

Und dann hake ich auch gleich noch die Pyroaktion in Hälfte zwei mit ab:
Geil, sah super aus, vielen Dank!

Sieht im Bewegtbild mit den sich auf und ab bewegenden Sprühfackeln(?) noch deutlich besser aus.

Die Gegengerade hatte im Sitzplatzbereich eine Regenbogen-Choreo, im Stehplatzbereich gab es eine große Blockfahne die das Versenken von Frankfurt und das Erbeuten des Pokals forderte. Leider war letzteres wohl irgendwie vorher zu den Frankfurtern durchgedrungen, die daher ein paar „Schiffe versenken“-Tapeten als Antwort präsentieren konnten.

Akustisch war vom gut gefüllten Gästeblock zumindest im südlichen Bereich der Gegengerade nichts zu hören, was wahlweise am Wind oder einem eher schwächeren Auftritt der Frankfurter lag. Nach dem Spiel durften die Frankfurter sich dann auch noch mit der Hamburger Polizei rumärgern.
Wasserwerfer und Räumpanzer. WASSERWERFER UND RÄUMPANZER?!?
Sollten Vereine jemals wirklich die Einsätze der Polizei bezahlen müssen, wird hoffentlich jemand die Verhältnismäßigkeit solcher Einsätze anzweifeln und vor Gericht widerlegen. Dass dies der Steuerzahler auch jetzt schon tun sollte, ist dann nochmal ein ganz anderes Thema.
Völlig bescheuert.

Zum Spiel. Ich zitiere mich mal selbst: „Wichtig wird es sein, kein frühes Gegentor zu fangen.“ (Eintracht Podcast)
Haha… ja, klappte etwa drei Minuten lang ganz gut.
Ein etwas gewogenerer Schiedsrichter hätte den Kopfball von Bas Dost vielleicht wegen Foulspiel gegen Leo Østigård abgepfiffen, mit etwas Glück hebt der Assistent beim 0:2 wegen Abseits die Fahne – aber wenn man ehrlich ist, sind beide Tore regelkonform und wir stehen ziemlich dumm da.

An der Kulisse ist der Schock auch zu spüren, zwar ist unablässig Support da, aber die ganz große Magie kommt leider nicht mehr auf. Trotzdem arbeitet das Team weiter, glaubt an sich, versucht alles. Der Schuss von Knoll an den Innenpfosten hätte den Anschluss verdient gehabt, dieser fällt dann nach einem (berechtigten) Handelfmeter, den Viktor Gyökeres gegen Martin Hinteregger zu gesprochen bekommt und den Waldemar Sobota verwandelt.

In Hälfte zwei sind wir dann komplett feldüberlegen und Frankfurt schafft es nicht einmal in unseren Strafraum – wir umgekehrt aber leider auch viel zu selten. Die größte Chance ist ein Durchbrechen von Mats Møller Dæhli auf rechts, der in den freien und leeren Raum vor dem Tor spielt – und Gyökeres fehlen nur ein paar Zentimeter mehr am ausgestreckten Bein, um den Ausgleich zu erzielen.
Am Ende dann mit den Einwechslungen von Borys Tashchy und Christian Conteh noch der Versuch irgendwie den Ausgleich zu erzwingen – was im Fall von Conteh leider furchtbar daneben geht, der sich bei einem Sprint am linken Oberschenkel verletzt. Gute Besserung.
Anhören musste er sich dann wohl auch noch einiges, als er es zwar nochmal versuchte, sich dann aber auf dem Feld hinlegte (was durchaus okay ist, wenn man verletzt ist und den Schiedsrichter zu einer Unterbrechung bringen möchte), aber natürlich in den letzten Minuten einer Pokalpartie bei einem knappen Rückstand nicht passieren sollte. Zum Glück merkte er das dann auch selbst und humpelte die paar Meter selbstständig ins Aus.
Insgesamt hätte ich das Spiel gerne mit einem fitten und nicht gesperrten Dimitrios Diamantaktos gesehen – umso ärgerlicher seine rote Karte in Lübeck.

Was bleibt also? Geplatzte Europapokalträume und ein neuer Anlauf in der nächsten Saison.
Ich kann dann aus dem MillernTon-Kalender wenigstens die restlichen Pokaltermine entfernen, eine lieb gewonnene Tradition, die ich sonst ja meist schon im August pflege. // Maik

Links:
– Bilder bei Stefan Groenveld
– Bericht beim Magischen FC
– Bericht bei Zaphod Beebleblox
– Bericht bei Schuninio
– Bericht bei FCSP South End Scum (English)
– „Vor dem Spiel“-Gespräch von Yannick mit Basti (Eintracht Podcast)
– „Nach dem Spiel“-Gespräch von Yannick mit Marvin (Eintracht-Podcast)

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1 thought on “Mal wieder kein Berlin

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