RaBa! Teutonia! Und das Millerntor!

RaBa! Teutonia! Und das Millerntor!

Der FC St. Pauli entscheidet, dass das Millerntor nicht für ein Pokalspiel zweier Traditionsmann Fußballclubs zur Verfügung steht. Dazu ein Kommentar von Maik.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Ja, schon wieder Murmeltiertag. Gestern fand nun also das lang ersehnte (*Tüddelchen in die Luft mal*) Spiel zwischen dem armen, kleinen Amateurverein Teutonia Ottensen und dem stets hilfsbereiten Wunderverein aus Leipzig statt, der es nur mit Willen und Spucke in ungefähr zweieinhalb Monaten aus der 23. Liga in die Champions League geschafft hat. Hab ich irgendwas vergessen? Ach ja, ich wiederhole mich:

  • Teutonia bekommt im DFB-Pokal „das große Los“, den Titelverteidiger aus Leipzig
  • der eigene Platz an der Kreuzkirche reicht nicht mal für die Regionalliga
  • das in der Regionalliga genutzte Stadion an der Hoheluft reicht (wegen Kunstrasen) nicht für den Pokal
  • Teutonia fragt verschiedene Stadien an, u.a. auch das Millerntor
  • Der FCSP antwortet mit einer nicht-öffentlichen Absage inkl. Begründung, diese leitet Teutonia prompt an das Abendblatt weiter, welches diese (verständlicherweise) gerne veröffentlicht.
  • Deutschlandweiter(?) Shitstorm (zumindest rund um RaBa) gegen den pösen FCSP, der das arme Teutonia gängelt – ungeachtet der Problematik Teutonia selbst, welches nun mal auch kein klassischer, armer Hamburger Amateurverein ist.
  • Offenbar sagen auch die anderen angefragten Stadien ab (ohne dass Teutonia diese e-Mails auch veröffentlicht) und man entscheidet sich für die Austragung in Dessau.
  • Krokodilstränen bei den angeblichen 78.000 Teutonia-Allesfahrer*innen, die nun den weiten Weg auf sich nehmen müssen.
  • Der Rasen in Dessau wird sabotiert, RaBa bietet selbstlos das eigene Stadion zur Austragung an.
  • Der DFB erteilt eine Ausnahmegenehmigung.

Der Spin in leider den meisten Medien, der seit Wochen genauso in immer wieder der gleichen Schleife läuft, ist hingegen in aller Regel ein anderer:

  • armer, mittelloser Verein bekommt die Chance des Lebens
  • streckt hilfesuchend die Hand aus
  • wird vom bösen FCSP lachend in den Dreck geschubst
  • krabbelt hilfesuchend auf den Knien durchs Land, Dessau gewährt Obdach
  • Schergen zerstören das neue Heim
  • der edle weiße Ritter „RaBa der Unverstandene“ reicht ein Seidentuch und bittet Teutonia in sein Schloss

Vielleicht wäre es für einige Medien dann doch sinnvoll gewesen, die Stellungnahme des FC St. Pauli wenigstens zur Kenntnis zu nehmen. Dann wären der Öffentlichkeit zumindest die abstrusesten Interpretationen erspart geblieben. Beispielsweise dieser Kommentar in der Süddeutschen Zeitung, der (Achtung!) immerhin nur zwei Minuten Lebenszeit stiehlt.

Wie viele Leute tatsächlich der Meinung sind, man hätte mit dieser Nicht-Vermietung des eigenen Wohnzimmers den Leipzigern schaden wollen und würde jetzt ja ganz schön doof dastehen – erstaunlich. Dies zeigt nur mal wieder, wie selten Haltung im Profifußball geworden ist. Warum hingegen niemand hinterfragt, was denn die Gründe für eine Ablehnung aller anderen angefragten Stadien zwischen Hamburg und Dessau sind – tja, keine Ahnung. Da hat der sonst so mitteilsame Präsident des armen, kleinen Amateurvereins dann ja anscheinend auch lieber zu geschwiegen statt aus internen E-Mails zu zitieren.

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Um den Heimvorteil gemeinerweise beraubt, unterlag Teutonia übrigens mit 0:8. Im Hexenkessel Millerntor vor 5.000 Fans wäre das natürlich andersrum ausgegangen. Die Auslosung der 2. Runde findet am kommenden Sonntag um 17.10h in der ZDF-Sportstudio Reportage statt. Anfragen für die Nutzung des Millerntor-Stadions dürften im Anschluss nahezu ausgeschlossen sein.

// Maik

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23 thoughts on “RaBa! Teutonia! Und das Millerntor!

  1. Spaßfakt2: Bitte dann kurzfristig wieder absagen, da man einem Verein, der es nur durch russisches Ölgeld in die Regionalliga geschafft hat, keine Bühne bieten will!

  2. Ich bin absolut fassungslos, wie schlecht bei der ganzen Geschichte der FC St. Pauli dargestellt wird. Das entbehrt jeder Logik und ist alles andere als objektiv. Aber wir werden uns wohl noch wundern, wenn Teutonia uns mit ihrem brandneuen Stadion und mega Trainingsgelände sowie ihren 120.000 Fans rechts überholt hat… 😉

  3. Einfach die SZ via feedback-button darauf aufmerksam machen, dass der Artikel inhaltlich falsch ist und als Quelle das Statement von FCSP vom 24.08.2022 verlinken.

  4. Vorweg: Jeder Verein hat das Recht, Spiele im vereinseigenen Stadion zuzulassen oder abzulehnen.
    Die Stellungnahme unseres Vereins vom 24.08. ist aber einfach nur schwach und von der Begründung her (viele Heimspiele, Rasenschonung etc.) unbefriedigend!
    Das letzte Spiel der U23 im Millerntor Stadion war nach meiner Erinnerung das Derby gegen den HSV II im Jahre 2013! Durften die Frauen jemals dort antreten 😳?
    Bis zur Winterpause werden 8 Heimspiele in 4,5 Monaten ausgetragen!

    1. Der Kommentar ist etwas wirr, Volker. Gerade weil U23 und Frauen nicht am Millerntor spielen, wäre es äußerst fragwürdig das Stadion einem fremden Verein zu Verfügung zu stellen. Genau das stand auch so in der Stellungnahme, ich zitiere nochmal die entsprechende Stelle:

      „Weiterhin haben wir im Verein Teams, die zunächst an der Reihe sind, im Stadion spielen zu dürfen, falls der Zustand des Rasens dies zulässt: unsere U23 sowie das 1. Frauen-Team des FC St. Pauli. So ist es wohl kaum vermittelbar, dass unsere U23 die Spiele außerhalb Hamburgs – nämlich in Norderstedt – austrägt, Teutonia gegen Leipzig aber am Millerntor antreten soll.“

      Es erschließt sich mir null, was daran „schwach und von der Begründung her unbefriedigend“ sein soll.

  5. Der FC St.Pauli und seine moralischen überlegenen Fans sind so armselig und lächerlich gleichzeitig. Eure Toleranz ist so riesig, aber leider nur für Menschen die so denken wie Ihr.

  6. Bin mega enttäuscht von einem sooo möchtegern toleranten Verein wie es St.Pauli sein möchte. Ein einmaliges Spiel in der Vereinsgeschichte des kleinen Nachbarn im Millerntor mit solchen Begründungen so zu verhindern ist einfach nur traurig.
    Natürlich wären deutlich weniger Zuschauer ins Stadion gekommen. Und auch ich bin kein Fan von RB.
    ABER denkt mal über folgendes nach….
    Teutonia hat über Jahrzehnte unglaubliche Jugend- und Integrationsarbeit geleistet. Hunderte Kinder in der Zeit von der Straße geholt und dafür Preise vom HFV erhalten. Fast 40 Jugend Mannschaften hat der Verein zur Zeit von der G bis zur A-Jugend.
    Wenigstens für diese mindestens 500 Kinder wäre es ein unglaubliches Erlebnis gewesen IHRE 05er in Hamburg anzufeuern.
    Vielleicht schafft ihr es ja mal euch darüber mal Gedanken zu machen?! Und ja…ich bin auch 05er und grundsätzlich auch Sympathisant von Pauli.
    #Dankefürnix

    1. Moin Nils,
      Nur mal angenommen, man würde das Gebaren von Teutonia rund um die Herrenmannschaft ausblenden und die Jugendarbeit als Maßstab nehmen – was genau hat denn den Umzug in den Volkspark, nach Norderstedt oder Lübeck verhindert? Hätten die 500 Kinder sich dort nicht wohl gefühlt? Und wo waren die denn alle, als Teutonia im Pokalfinale gegen Altona gespielt hat?
      Warum musste es als Austragungsort dann Dessau sein? Es scheint zumindest so, als hätten auch die anderen Vereine gute Gründe gehabt, Teutonia nicht willkommen zu heißen – und vielleicht sollte der Verein sich mal Gedanken darüber machen, warum das so ist.

      1. Wenn ich die Pressemitteilung von Pauli richtig verstanden habe, war Teutonia nie der Grund für die Absage.
        Ging es da nicht um RB und/oder den hoch strapazierten Rasen?!
        Ein Pokalfinal gegen Altona ist ja schon etwas anderes als ein DFB Pokal Spiel. Das Finale gegen AFC fiel auch in die Pfingstferien. Etwas unglücklich um viele Kids dahin zu lotsen.

  7. Ich als Fan habe im ersten Moment auch gedacht: „Meine Güte FCSP, muss das sein? Es hätte uns gut zu Gesicht gestanden, auch im Falle RB Toleranz zu beweisen, denn es ist keine Straftat oder moralische Verwerfung, erfolgreich Fußball zu spielen, ohne dass der Verein nicht mind. 100 Jahre existieren muss. (Wir können hier in DE – wer weiß, wie lange noch – froh über die 50+1 Regel sein. Wenn die fällt, schickt man besser ein Bewerbungsschreiben mit Herzchen an einen global gesehen regionalen Brausehersteller, bevor der Oligarch, Scheich oder Multi-Investor – der seinen Reichtum ebenso totalitär eingetrieben hat, wie das Regime in seinem Land – vor der Stadiontür steht und zugreift.)
    Dann hab ich aber doch mal tiefer geschaut und die Stellungnahme gelesen, die ich, zwar nicht zu 100%, aber dann doch irgendwie verstehen kann. Die Vereinsführung müsste ja nun mal eine Entscheidung treffen.
    Dass die öffentlichen Beurteilungen in den weiteren Medien dann verkürzt und undifferenziert wiedergegeben werden, passt leider nur allzu gut (oder besser gesagt allzu schlecht) zum momentanen Zeitgeist.
    Es wäre doch für alle (die dies noch nicht tun) ein guter Denkanstoß, die Entrüstung über das Presse-Echo zu diesem zugegeben nicht wirklich staatstragenden Thema, zum Anlass zu nehmen, einmal grundsätzlich über oberflächliche Berichterstattung nachzudenken und darüber, ob es nicht grundsätzlich sinnvoll und meinungsbereichernd ist, sich immer mal wieder tiefere Informationen zu einem Thema zu holen – auch und vor allem, wenn diese nichts mit Fußball zu tun haben, sondern vielleicht sogar noch wichtiger sind.
    Nur mal so ein Gedanke.

    1. Genau das ist das Problem in den sozialen Medien. Teutonia spielt eine nicht für Dritte gedachte Absage des FCSP an das Abendblatt und dann entsteht ein shitstorm in den sozialen Medien, weil die Masse nur von einer Absage weiß da sich nicht weiter informiert wird. Jede/r hätte leicht herausbekommen können, wer noch so abgesagt hat (zumindest einige Vereine sind bekannt).
      Wieso hat der Verein nicht die anderen Absagen an die Presse geleitet? Wieso stellt sich ein Herr Mazzagatti vor die Presse und pusht den shitstorm erneut an? Die Fragen kann er vermutlich selber nicht beantworten. Das gleiche Ding zieht er doch mehr oder weniger auch mit Altona 93 ab und lässt immer wieder verlauten, dass die aus unverständlichen Gründen kein gemeinsames Stadion wollen. Ok, ich kenne die Gründe von Altona auch nicht im Detail. Allerdings will Teutonia eher ein drittligataugliches Stadion und das benötigt Altona nun mal nicht … auch wenn ich es dem Verein wünschen würde.
      Mir stellt sich die Frage, ob man Teutonia bei einer möglichen weiteren Anfrage generell absagen sollte.

  8. Daß es in Hamburg neben den Stadien der beiden (Zweit-)Bundesligisten
    kein mittelgroßes Naturrasen-Flutlicht-Stadion gibt, das auch DFB-Pokal-tauglich
    ist, dürfte eigentlich eher ein Armutszeugnis für diese reiche Pfeffersäcke-Stadt sein.
    In Berlin gäbe es neben den beiden Stadien der (Erst-)Bundesligisten z.B. u.a. noch
    das Poststadion (Moabit) und den Jahnsportpark (Prenzlauer Berg) für solche Zwecke.
    Außerhalb von Hamburg haben wohl viele darüber den Kopf geschüttelt, daß ein
    Hamburger Regionalligist für sein Erstrundenspiel im DFB-Pokal nach Sachsen-Anhalt
    (Dessau) ausweichen muß.

    1. Mit Norderstedt gibt es ja zumindest noch ein Stadion im Bereich des Hamburger Fußballverbandes – und zwischen HH (bzw um HH herum) und Dessau wären auch noch zig Möglichkeiten gewesen.
      Warum teutonia die nicht wahrnahm oder wahrnehmen durfte… tja.

        1. Millerntor, Volkspark, Norderstedt.
          Drei Stadien mit Naturrasen.

          Vielleicht sollte der DFB dann mal seine Kriterien überdenken. Warum ist denn zum Beispiel nicht möglich, an der Hoheluft auf einem Kunstrasen zu spielen?
          Aber ich bin hier auch nicht auf missionarischer Tour, wenn Du das alles anders siehst, sei Dir das natürlich gegönnt.

      1. Die Ansicht bleibt Dir unbenommen, aber deshalb stimmt es noch lange nicht:

        Der AFC wird – leider – die AJK verlassen. Für das neue Gelände wird – bei Amateurclubs zwischen 4. und 6. Liga ja sonst die Ausnahme – vom AFC mit viel Augenmaß und Realitätssinn geplant: Ein Stadion für 15.000 braucht der AFC schlicht und einfach nicht, obwohl der Verein auch als Verbandsligist (aka Oberliga Hamburg) zuschauermäßig noch immer die Nummer 3 in Hamburg ist.

        Das neue AFC Gelände versucht Teutonia mit absurden Ideen gerade zu kapern (aka „sich ins gemachte Nest setzen“). Ich kann da jeden Widerstand des AFC total nachvollziehen.

    1. Gedankenanstoß:
      Haltung ist ein (noch) positiv besetztes Synonym für Prinzip. Wer früher „Prinzipien hatte“ oder „prinzipientreu war“, konnte sich eines gewissen Ansehens ob seiner/ihrer meinungsfesten Standhaftigkeit sicher sein. Bis man erkannte, dass es auch schlechte Prinzipien gibt. Inzwischen wurde erkannt, dass wer auf Prinzipien pocht, den offenen Blick auf andere Einflüsse/Meinungen/Sichtweisen vermissen lässt.
      Nun wurden „Prinzipien“ in „Haltung“ umgetauft.
      Das (Denk-)Prinzip ist dasselbe.

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