Pokalsiegerinnen! Union Tornesch – FC St. Pauli 1:6

Pokalsiegerinnen! Union Tornesch – FC St. Pauli 1:6

Die 1. Frauen des FC St. Pauli gewinnt erstmals den Hamburger Pokal und zieht damit in den DFB-Pokal ein. Schön war’s!

Es war der perfekte Abschluss eines wohl in sehr vielen Facetten recht einmaligen Fußballwochenendes.

Mit einem souveränen 6:1 (2:0) Erfolg gegen das Oberliga-Team von Union Tornesch gewann das Team an der sehr gut besuchten Hoheluft. Die 3.882 zahlenden Zuschauer*innen schufen nicht nur eine beeindruckende Atmosphäre, sondern bedeuten auch einen Rekord für Hamburger Pokalfinals der Frauen. Durchaus wahrscheinlich, dass die Zahl auch höher ist als beim noch anstehenden Finale der Herren am kommenden Samstag zwischen Sasel und Teutonia.

Marsch, Busfahrt, Blockeinteilung

Dabei war es ein eher holpriger Start in den Finaltag. Denn das mit dem Bus der Profis angereiste Team stand im Stau. Genauer gesagt hinter dem Fanmarsch von (geschätzt) etwa 1.500 St. Pauli Fans. Diese hatten sich um 13.30h an der Hoheluftbrücke getroffen. Im Stadion dürften es dann etwa 3.000 St. Paulianer*innen gewesen sein.

Als der Bus dann mit Hilfe einer Polizeieskorte endlich angekommen war, musste man sich „nur“ noch durch die Massen an den Eingängen hindurchschlängeln und „schon“ konnte es losgehen. Während die historische Sitzplatztribüne etwa zu gleichen Teilen von Fans beider Vereine gefüllt war, hatte man Tornesch den Stehplatzblock direkt daneben zugewiesen. Die restlichen Blöcke waren Braun-Weiß.
USP hatte sich mit den Fanclubs hinterm Tor versammelt, aber auch die Gegengerade wurde regelmäßig in den Support einbezogen.

Am Ende war das Stadion nicht ganz ausverkauft. Wenn man denn Kritik äußern möchte, dann wäre dies der Punkt. Denn die Kommunikation mit dem Online-Verkauf, wo es zum Ende letzter Woche mehrfach ausverkauft erschien, dürfte doch die ein oder andere zusätzliche Person noch abgehalten haben.
Aber: Jammern auf hohem Niveau. Alle Beteiligten beider Vereine waren sich auch nach dem Spiel einig, dass dies ein Festtag für den Fußball der Frauen in Hamburg war.

Psychologisch wichtige Zeitpunkte

Zum Spiel: Der FCSP war natürlich klarer Favorit. Als Vierter der Oberliga hatte Tornesch in der Liga zwar zweimal gegen FCSP II verloren, andererseits aber auch beim Halbfinale gegen Oberliga-Meister HSV II einen 0:3-Rückstand aufgeholt.

Doch es ging sehr gut los. Eine Hereingabe von Janice Hauschild konnte Tabea Schütt in der 5. Minute zur frühen Führung verwandeln. Die gleiche Kombination sorgte in der 44. Minute auch für das 2:0. Nur, dass Schütt dieses Mal nicht mehr an den Ball kam, Torhüterin Alicia Bautz aber so irritierte, dass der Ball unberührt über die Linie ging. Jan-Philipp Kalla sagte später, dass diese beiden Zeitpunkte natürlich ideal gewesen seien. Dazwischen war St. Pauli zwar feldüberlegen und zeigte den klar besseren Spielaufbau. Außer einem Lattentreffer von Schütt in der 20. Minute kam aber nichts Zählbares mehr heraus. 6:0 Ecken zur Pause deuten ebenfalls von der Überlegenheit.

Als Julia Hechtenberg erneut nach Vorgabe von Hauschild in der 50. Minute auf 3:0 stellte und erstmals vor der St. Pauli-Kurve jubeln durfte, schien die Sache entschieden. Doch quasi im Gegenzug gelang der ohnehin sehr auffälligen Josefine Lutz ein Traumtor per Volley aus gut 20 Metern.
Schütt schoss auch noch einen Strafstoß an den Pfosten und vergab so das 4:1. Ganz dunkel im Hinterkopf kam vielleicht bei der ein oder anderen Spielerin der Gedanke an das aufgeholte 3:3 von Tornesch im Halbfinale auf.

In der 59. Minute wurde Nina Philipp ausgewechselt. Sie hatte 2013 mit der jetzigen Trainerin Kim Koschmieder beim FCSP in der Oberliga begonnen und beendete jetzt zehn Jahre später ihre Karriere. Nach zwei verlorenen Pokalfinals ein gelungener Abschied.

Es sollte dann bis zur 79. Minute dauern, ehe Janice Hauschild ihre überragende Leistung an diesem Tag mit dem zweiten Treffer und ihrer vierten Torbeteiligung krönte. Eine Flanke von Verena Mannes aus kurzer Distanz musste sie nur noch einnicken. Jetzt war der Wille bei Tornesch wohl gebrochen, Annie Kingman erzielte in der 83. das 5:1.

Auch Ilijana Kljajic machte heute ihr letztes Spiel für das Team, wurde in der 86. Minute eingewechselt und traf nur eine Minute später zum 6:1-Endstand. Geschichten, die nur der Fußball schreibt und so…

Die Feierlichkeiten

Auch Union Tornesch feierte mit den zahlreich angereisten Fans ausgiebig und hatte dazu als Oberligist in diesem Finale auch jeden Grund. Trainer Artur Wilk gab in der Pressekonferenz zu Protokoll, dass der Sieg für seinen Geschmack vielleicht ein-zwei Tore zu hoch ausfiel aber natürlich vollkommen verdient war – die Atmosphäre aber auch für sein Team einmalig und unvergesslich war.

Das Team des FCSP feierte ausgelassen in den vorbereiteten Pokalsiegerinnen-Shirts und mehrfach mit allen Tribünen. Auch eine zweigeteilte „Ihr seid einzigartig #FCSP1FrnFans – Danke für euren Support!“ Tapete war vorbereitet worden und wurde präsentiert.

Auf die Frage, wen man sich denn für die 1. Runde im DFB-Pokal wünsche, antworteten Kim Koschmieder und Jan-Philipp Kalla noch verhalten, denn die „ganz großen“ Lose der prominenten Erstligisten sind da eh noch nicht dabei. Ein Heimspiel wäre natürlich schön, andererseits kenne man Hamburg ja und vielleicht hätte auch eine „richtige“ Auswärtsfahrt mit Übernachtung ihren Reiz. „Wir nehmen es, wie es kommt.“ hatte Kim Koschmieder das Schlusswort auf der Pressekonferenz.

Vanessa Zawada hingegen hat sich das schon genauer ausgemalt: „Ein Auswärtsspiel bei anderen Gewinnerinnen eines Regionalpokals, eine schöne Wochenend-Tour. Da sollten wir dann natürlich im besten Falle weiterkommen und dann in Runde 2 einen Gegner im Millerntor begrüßen dürfen.“
Klingt gut und überzeugend, so machen wir das. Allerdings wird es in der 1. Runde auch noch „regionale“ Töpfe geben. So richtig weit weg wird es also auch auswärts wohl eher noch nicht gehen.

Angesetzt ist die 1. Runde jedenfalls für das Wochenende um den 12. August 2023.
// Maik

Weitere Links:
– Spielbericht und Fotos: fcstpauli.com

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