Marion und Michael vom FC St. Pauli-Fanklub Weiß-Braune Kaffeetrinker*innen sowie Klaus Schmäing von Fritz-Kola berichten vom alkoholfreien Getränkestand in der Haupttribüne – und vieles mehr.
Titelfoto: Stefan Groenveld
In der neuen Episode unserer Monatssendung beschäftigen wir uns ausführlich mit dem Fanklub des FC St. Pauli, welcher sich als „Fangemeinschaft, Selbsthilfegruppe und suchtpolitische Initiative“ versteht, den Weiss-Braunen Kaffeetrinker*innen.
Die haben seit 2019 zunächst lange und gegen einige Windmühlen daran gearbeitet, dass mit dem „Trockendock“ zunächst ein alkoholfreier Getränkestand auf der Gegengeraden eröffnet wurde und nun vor kurzem mit der „Kiezklappe“ ein weiterer auf der Haupttribüne hinzu kam.
Letzteres auch mit Unterstützung von Fritz-Kola, wo Klaus Schmäing seit acht Monaten Marketing-Chef ist und uns Einblicke in die Gedanken einer Firma zu Sportsponsoring allgemein und der „Wertegemeinschaft“ im Speziellen gewährt, die der FC St. Pauli mit seinen Partnern jeweils anstrebt.
Am Ende greifen wir dann auch noch die Kritik an „Pfand gehört daneben“ auf, die letzte Woche in den Kommentaren der „Lage“ geäußert wurde.
1h26m, die Euch hoffentlich gut in die Sommerpause begleiten.
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Forza St. Pauli!
// Maik
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Warum sitzt eigentlich der Reklame-Fritz(e) bei euch im Podcast? So ganz habe ich es nicht kapiert …
Und weiteres dazu bleibt mMn diffus: Warum lässt sich das mit dem „kreativen“ Namen des Kiosks nicht eindeutlich erklären und lösen?
Wer hat entschieden auch mittels des anderen Namens das Projekt den WBK „wegzunehmen“? (So fühlt es sich für mich an)
Mal wieder einer dieser unseriösen Marketing-Moves im FCSP-Konzern.
Kleiner Einschub: Auch auf der Gegengerade gibt es mittlerweile diese TK-Franzbrötchen vom Sponsor. Das kann also nicht der Grund sein.
Und was mich persönlich zunehmend nervt: diese „lustigen“ Werbebanden „Sprüche“ von Fritz. War es am Anfang bei mir nur Fremdscham, so ist es mittlerweile mehr zu Ärger geworden. Ich finde, „lustige Sprüche“ auf Kosten des gegnerischen Teams zu machen, die immer öfters auch abwertend daherkommen, sind einfach nicht cool.
Und wenn man es mal sehr genau mit unseren FCSP-Werten nimmt, dann ist es damit eigentlich auch nicht wirklich vereinbar.
Schade das ihr da nicht mehr drauf gegangen seit.
Mich nervt auch dass im laufe der letzten Saison immer mehr Sponsoren auf dieses Reklame-Pferd mit aufgesprungen sind und man sich nun gegenseitig überbieten muss/will. Da dürfte gerne mal unsere tolle Marketing-Abteilung entsprechende Hinweise bei den Sponsoren platzieren.
Vielleicht/hoffentlich ist dieser „Trend“ in der nächsten Saison vorbei …
Kurz noch zum ersten Thema Pfand-Erhöhung: Auch wenn nicht beabsichtig, habt ihr den Reklame-Fritz(e) da kurz wirklich inhaltlich gestellt, denn da wurde klar dass Fritz das nur nicht macht weil es erstmal zu viel Geld kostet. Und da sind wir dann auch schon am Ende der Geschichte und damit ist auch alles klar und gesagt.
Moin Alex, erstmal danke für Dein offenes Feedback. Alles deutet darauf hin, dass wir im Sommer 2025 einen neuen Höchststand beim Littering erleben werden. Immer häufiger bleiben auch unsere Flaschen achtlos zurück – in Parks, auf Festivals, am Elbstrand. Die Folgen: Scherben auf Radwegen, Verletzungsrisiken, verärgerte Kommunen. Ein wesentlicher Grund: Der Pfandwert wurde seit seiner Einführung nie angepasst und steht heute in keinem Verhältnis mehr zu den tatsächlichen ökologischen und ökonomischen Aufwendungen eines funktionierenden Mehrwegsystems. Die realen Kosten für Herstellung, Logistik, Reinigung und Rückführung einer Mehrwegflasche werden durch das bestehende Pfand längst nicht mehr gedeckt. Gleichzeitig fehlt der Anreiz für Verbraucher, Flaschen konsequent zurückzugeben – mit Folgen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.
Wir wollen dieser Entwicklung nicht zusehen – wir wollen sie aktiv mitgestalten. Ein zentrales Hindernis ist der zu niedrige Pfandwert, der der tatsächlichen ökologischen und ökonomischen Bedeutung von Mehrweg nicht gerecht wird sowie das Fehlen flächendeckender Pfandsysteme in vielen EU-Mitgliedstaaten. Wir fordern, deshalb eine Pfandhöhe auf Mehrwegflaschen, die spürbare Rückgabereize schafft und Littering reduziert. Ein funktionierender Glasmehrwegpool lebt zudem von der gemeinsamen Nutzung und kurzen Transportwegen. Deshalb wollen wir lieber gemeinsam mit Verbänden für sinnvolle Veränderungen im System sorgen, statt teure und weniger nachhaltige Insellösungen zu verfolgen. So können wir einfach mehr erreichen.
Welche Slogans meinst Du konkret, die nicht mit den Werten des Vereins vereinbar sind?
seit dieser „entgleisung“ bin ich kein fritz-freund mehr:
https://www.facebook.com/photo/?fbid=10154044275277460&set=a.10150389438867460
Moin, danke für deinen Beitrag – und schade, dass wir dich da damals verloren haben. Umso wichtiger, dass wir heute ins Gespräch kommen!
Wir verstehen deinen Unmut. Gerade als Marke, die sich gerne mit Humor zu polarisierenden Themen äußert, wissen wir: Was früher als lustig galt, wirkt heute oft ausgrenzend – und fällt bei uns inzwischen zurecht früh durchs Raster. Gleichzeitig machen wir Kommunikation nicht der Provokation wegen – sondern, weil wir an gesellschaftliche Wirkung glauben. Uns ist wichtig: Wir stehen zu unserer Geschichte, aber noch mehr zu dem, was wir daraus lernen. In unserer Kommunikation geht es darum, Haltung zu zeigen – aber nicht auf Kosten anderer.
Kritik wie deine nehmen wir ernst! Genau sowas hat uns damals auch geholfen, noch etwas genauer hinzuschauen!
Ich kannte die alte Werbung nicht, nicht lustig. Aber von 2016. In 9 Jahren lernt man oft dazu.
Ich fand es gut, dass der Mensch von Fritz dabei war. Eine weitere Perspektive auf Möglichkeiten für die Kaffeetrinker:innen im Stadion, weil er beispielsweise Zahlen kennt. Damit kann man das Argument der fehlenden Wirtschaftlichkeit dann ausbremsen.
Ansonsten scheint der Verein sich ja immer wieder maximal schäbig zu verhalten. Da fühle ich noch mehr Fremdscham als bei der sexistischen Werbung von vor 10 Jahren. Denn die Lernkurve bei Fritz war scheinbar in manchen Bereichen deutlich steiler als beim FC
Moinsen lieber Millernton,
ich würde hier auch gerne mal was Kritik äußern. Ihr nehmt die Folge in der Loge von Fritz Kola auf, habt Werbung der Firma hier auf der Seite und habt dann einen Marketing-Menschen im Podcast. Das wirkt halt schon etwas seltsam, da ihr ja kein offizieller Teil des FCSP e.V. seid, wo man denken könnte, dass es Teil eines Werbevertrages sein könnte, was man als Fan dann einfach zur Kenntnis nimmt oder ignoriert und fertig.
Der Marketingler redet halt wieder es im Marketing üblich ist. Muss man nicht mögen, aber auch nicht verteufeln.
Mir ist schon klar, dass der Millernton seine großartige Arbeit auch mit Werbung finanziert, gegen die ich nichts auszusetzen habe, vor allem auch, weil ihr cool damit umgeht und nicht pauschal unkontrolliert Werbung extern reinlasst. Ihr wart ja auch schon öfters in der Loge/ Séparée von Levis oder habt Bier-Tastings mit Kehrwieder gemacht. Bei ersterem habt ihr einfach den Raum genutzt und der Ort wurde am Anfang kurz genannt, bei den Tastings wissen Leute ja auch, dass sie sich auf Bier ausprobieren mit Infos zum Brauen einlassen.
Hier verstehe ich aber nicht so wirklich den Sinn, jemanden von Fritz im Podcast dabei zu haben, der natürlich aus Unternehmensperspektive spricht. Das ist ja auch sein Job, sollte aber vielleicht nicht in einem Podcast für Fußballfanthemen so viel Raum bekommen. Wie oben schon gesagt, es geht mir vor allem um die Wirkung und den Geschmack, der dabei entsteht. Eine Folge mit den Weiß-Brauen-Kaffeetrinker*innen alleine wäre auch total super. Ich gehe mal davon aus, dass die Idee war noch eine Art „offizielle“ Stimme, die mehr Einsicht in Verkaufszahlen oder ähnliches hat, hinzuzunehmen. Vielleicht kann man das ja auch anders lösen.
Moin Philipp, danke dir für dein ehrliches Feedback – das wissen wir sehr zu schätzen.
Wichtig ist uns in dem Zusammenhang: Unsere Partnerschaft mit dem FC St. Pauli ist mehr als klassisches Sponsoring. Sie lebt von gemeinsamen Werten und einem gemeinsamen Engagement. Wenn es dafür konkrete Anlässe gibt, möchten wir transparent machen, was uns antreibt – und auch mal Einblicke hinter die Kulissen geben.
Klar ist auch: Fußballthemen sollten den Kern der meisten Folgen ausmachen. Gleichzeitig steht der FCSP eben auch für mehr als nur Fußball – und genau da sehen wir unseren Platz im Dialog.
Moin,
wir machen alle Kompromisse im Leben, mit manchen davon sind wir innerlich auch länger als nur im Moment unzufrieden. Ich liebe den Millernton, auch für kritische Nachfragen jenseits der Böswilligkeit. Wo bleibt diese kritische Nachfrage wenn es sich in dieser spannenden Folge reibt zwischen WBK und Fritzeteer? Wenn auf die Ausgestaltung des Konzepts einer wegweisenden Fangruppe gegenüber der Marketing-Interessen eines Brauseherstellers beharrt wird? Hat Euch als Millernton da das eigene Sponsoring durch Fritz in Eurer Fähigkeit zur kritischen Nachfrage minimal eingeschränkt? Aber vor allem, und fundamental dogmatisch @fritzpr: Entspricht es den Werten unseres FCSP, das eine Million Menschen finanziell in diesem Land darauf angewiesen sind, Dosen und im „Idealfall“ auch Flaschen aus oder vor dem Müll zu klauben? Umwelttechnisch top, aber vielleicht nicht so gut für die Würde der Menschen? Trotzdem eine spannende und erkenntnisreiche Folge! Mehr als ein „Jeföhl“ und ein alter Schal im Umzugkarton: Unser Magischer FC.
Moin, da sind wir ganz bei dir: Es ist absolut traurig, dass Menschen auf Pfand angewiesen sind. Leider ist es traurige Realität und Beileidsbekundungen bringen uns nicht weiter. Deshalb verfolgen wir im Wesentlichen drei Prinzipien mit Pfand gehört daneben:
1. Aufmerksamkeit schaffen und die Symptome sozialer Armut durch das Danebenstellen zu bekämpfen, indem zumindest niemand im Müll wühlen muss.
2. Studien und Daten: Wir wollen mit den Menschen sprechen und nicht über sie, bzw. mit Vorurteilen aufräumen. Deshalb machen wir unsere Pfandstudien und haben in den letzten Jahren erstmals überhaupt Daten erhoben. Zuvor wusste niemand, wie viele Menschen überhaupt Pfand sammeln. Das wollen wir ändern mit Grundlagen für gesellschaftliche Diskussionen.
3. Langfristige Veränderungen für soziale Armut: Wir unterstützen und generieren mit unseren Aktionen Spendengelder für den „Housing-First Ansatz“ und insbesondere für den Bundesverband Housing First. Dieser Ansatz der Obdachlosenhilfe ist einer der wenige Ansätze, der wirklich etwas verändert und dafür sorgt, dass Menschen nicht mehr auf der Straße leben müssen. Wir haben auch selbst Wohnprojekte durchgeführt wie #hotelsforhomeless.
Im besten Fall gibt es „Pfand gehört daneben“ in zehn Jahren nicht mehr, also mach gerne mit und verändere etwas! Wir freuen uns immer über neue Mitstreiter.
Zum Blick über den Zaun, wie es woanders läuft: Eine Freundin hat neulich in Norwegen ihr minderjähriges Kind auf ein Konzert begleitet und bekam dort am Eingang ein Armband umgebunden. Mit diesem Armband bekam sie dann keinen Alkohol ausgeschenkt. Hatte sie nicht mit gerechnet. 🙂
Ist natürlich eine andere Motivation als das Trockendock und die Kiezklappe. Finde ich jedoch eine interessante Variante rund um „Alkoholfreies Leben“ fördern.