Der FC St. Pauli hat mit Mathias Rasmussen einen zentralen Mittelfeldspieler verpflichtet, der dem Team als Verbindungsspieler defensiv wie offensiv sofort weiterhelfen könnte.
(Titelfoto: FC St. Pauli)
Das für viele total enttäuschende Derby war noch nicht richtig verdaut, da richtete der FC St. Pauli den Blick bereits wieder nach vorne, indem er einen neuen Spieler im Kader begrüßte. Mathias Rasmussen ist aus Belgien gekommen, ist für Alexander Blessin kein Unbekannter und könnte tatsächlich direkt eine Schlüsselrolle im Spiel des FC St. Pauli übernehmen.
The Story So Far
Im November 2025 feierte Mathias Rasmussen seinen 28. Geburtstag. Der 1,80 Meter große Mittelfeldspieler ist 1997 in Lyngdal geboren, einer Stadt im Süden Norwegens mit gut 10.000 Einwohnenden. Wer sich aus Fußballquiz-Gründen mit Geburtsorten norwegischer Fußballer*innen auskennt, wird dabei natürlich sofort an Dortmunds Julian Ryerson denken – der ist dort ebenfalls 1997 geboren worden und zufällig auch noch Rasmussens Cousin.
Lyngdal IL ist der norwegische Amateurverein, bei dem Rasmussen dann das Kicken lernte, ehe er mit 15 Jahren zum Erstligisten IK Start ins benachbarte Kristiansand wechselte und dort zunächst in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam. Im April 2014 feierte er mit gerade einmal 16 Jahren sein Profidebüt in der ersten Mannschaft. Die 2015er-Saison brachte ihn näher an den Kader und es gab erste Startelfeinsätze. Der Durchbruch im Herrenbereich gelang ihm mit 18 Jahren in der 2016er-Saison (er wurde Stammspieler bei IK Start), in der er dann auch schon im Sommer nach Dänemark zum FC Nordsjaelland wechselte.
Norwegen – Dänemark – Norwegen – Belgien
Dort kam er in vier Jahren zwar zu 105 Einsätzen, konnte sich aber beim dänischen Erstligisten nie so richtig durchsetzen. 2020 geht es für ihn zurück nach Norwegen, zum SK Brann, mitten in der Corona-Pandemie. Drei Jahre blieb er in Norwegen, mit Brann ging er sogar in die zweite Liga Norwegens. Dort entwickelte er sich zum Stammspieler und Leistungsträger, kam in 88 Einsätzen auf starke 39 Torbeteiligungen.
Diese Leistungen blieben nicht unbemerkt. Im Sommer 2023 folgte dann der Wechsel, der indirekt auch einen großen Anteil an seinem jetzigen Transfer haben dürfte. Für Rasmussen ging es zu Royal Union Saint-Gilloise, damals trainiert von Alexander Blessin. In der Saison unter Blessin kam er auf 53(!) Einsätze in den verschiedenen Wettbewerben, unter anderem auch in der Europa- und Conference League, wo in der Zwischenrunde Eintracht Frankfurt ausgeschaltet wurde, auch dank eines Tores und Assists von Rasmussen im Hinspiel beim 2:2.
Ab Sommer 2024, ohne Blessin an der Seitenlinie, sank der Beitrag von Mathias Rasmussen auf dem Platz, Startelfeinsätze wurden deutlich seltener. 24/25 stand er nur noch 16 mal in der Anfangsformation. Auch in der aktuellen Saison kam er zwar immer noch auf 24 Einsätze, allerdings nur noch die Hälfte davon von Beginn an. Spieler wie Adam Khalaili und Adem Zorgane haben ihm in dieser Saison den Rang abgelaufen. Nun kam diesen Winter mit Besfort Zeneli ein weiterer Konkurrent für das zentrale Mittelfeld hinzu. Rasmussen erhielt die Freigabe, den Club zu wechseln – und kehrt nun zu einem Trainer zurück, unter dem er Stammspieler war.

// (c) Alexander Hassenstein / Getty Images via OneFootball
Nationalteams
Mathias Rasmussen hat insgesamt 16 Länderspiele für verschiedene Jugend-Nationalmannschaften Norwegens absolviert (U17 bis U21). Sein letzter Einsatz im Nationaltrikot ist aber schon einige Zeit her, 2017 war das. Für ein Spiel in der A-Nationalmannschaft hat es (noch) nicht gereicht.
Social Media
Insgesamt 37 Beiträge und knapp 4100 Follower*innen zeugen nicht gerade davon, dass Mathias Rasmussen Instagram sonderlich viel Bedeutung beimisst. Die Auswahl der Fotos lässt aber erahnen, dass er den Account selbst bespielt und dies nicht an seine Agentur ausgelagert hat, was ja schon mal sympathisch ist. Vielleicht ist dies auch inhaltlich ganz gut so, denn jene Agentur hat heute die eiserne FCSP-Regel gebrochen, Vertragslaufzeiten nicht mehr zu kommunizieren. Der inzwischen editierte Beitrag von „Nordic Scouting“ berichtete von einem bis 2029 gültigem Papier.
Das sagen die Statistiken
Die Diskussion, was Daten anzeigen und was nicht, ist ungefähr so alt wie deren Erhebung. Sicher ist, dass sie nie ohne Kontext betrachtet werden sollten, aber eben auch die Stärke haben, den subjektiven Eindruck ins rechte Licht rücken zu können. Im Fall von Mathias Rasmussen zeichnen die Statistiken das Bild eines ziemlich starken zentralen Mittelfeldspielers. Basierend auf den Zahlen aus der bisherigen Saison in der belgischen Liga muss man sogar sagen: Aus Daten-Sicht ist Mathias Rasmussen einer der besten, wenn nicht sogar der beste zentrale Mittelfelder der Liga. Schaut mal:

(Erklärung: Die Länge des dunkel gefärbten Teils des Pizzastücks zeigt, wie viele Prozent der anderen Spieler auf dieser Position schlechtere Werte oder oder maximal den gleichen Wert haben. Komplett dunkel heißt: Keiner ist besser. Zudem sind die Absolutwerte in Zahlen angegeben.)
Wie ihr sicher bereits richtig vermutet habt, gibt es ein „aber“ beim Betrachten der Zahlen. Wie groß dieses „aber“ ist, überlasse ich jeder/m Leser*in höchstselbst. Wichtig sind bei der generellen Einordnung aber drei Dinge:
1. Die Zahlen von Mathias Rasmussen, der seit drei Jahren in Belgien spielt, sind erst seit dieser Saison so dermaßen stark. Sie waren vorher nicht schlecht, aber nicht auf diesem Niveau.
2. Die 811 Spielminuten von Rasmussen sind eher wenig. Das beeinflusst natürlich die Zahlen, einzelne starke (aber natürlich auch schwache) Phasen haben einen höheren Einfluss auf die Zahlen, als wenn jemand schon 1.500 Spielminuten und mehr in einer Saison auf dem Buckel hat. Zudem wurde Rasmussen oft eingewechselt, traf entsprechend auf müdere Beine, was die Zahlen auch stark beeinflussen kann.
Ein kompletter Spieler
Die Statistiken von Mathias Rasmussen der Saison 25/26 sind beeindruckend. Verglichen mit allen zentralen Mittelfeldspielern der Liga, also auch den Hardcore-Sechsern und den offensiven Achtern, kann er in allen Bereichen mithalten, ist teilweise sogar (mit)führend. Kein anderer Spieler im zentralen Mittelfeld hat eine bessere Quote bei Defensivzweikämpfen. Bei den abgefangenen gegnerischen Pässen zählt er zu den Top 3.
Zudem ist er auch im Passspiel gut dabei. Rasmussen spielte überdurchschnittlich viele progressive und lange Pässe, jeweils mit absolut überzeugenden Erfolgsquoten. Er ist von seiner Position aus auch einigermaßen gefährlich in der Offensive, erzielte in dieser Saison zwei Treffer und spielt vor allem viele Schnittstellenpässe.
Warum lässt Saint-Gilloise ihn ziehen?
Klar, angesichts der Zahlen drängt sich eine Frage auf: Wie kann jemand, der solche Zahlen produziert, keine Rolle mehr bei seinem Club spielen? Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich diese Frage nicht beantworten kann. Aber vielleicht ist das ein Ansatz: Alle Konkurrenten von Rasmussen bei Saint-Gilloise sind jünger als er (inwiefern sie besser sind, keine Ahnung). Da ein Club wie Saint-Gilloise (geführt von Tony Bloom, der auch bei Brighton die Fäden zieht) auch sehr genau darauf schaut, wie sich Marktwerte entwickeln können, weil Fußball eben auch ein sich lohnendes Geschäft ist, fällt da ein 28-jähriger vielleicht etwas eher durch das Raster, als es bei anderen Clubs der Fall ist. Allerdings: Royal Union Saint-Gilloise ist ein Club, der viel mit Daten arbeitet. Entsprechend ist es schon verwunderlich, warum ausgerechnet Mathias Rasmussen den Club verlässt. wo die Zahlen eigentlich eine eindeutige Sprache sprechen.
Was auffällig ist beim Blick auf die Zahlen, egal aus welcher Saison in Belgien: Mathias Rasmussen scheint der Inbegriff dessen zu sein, was man als „kompletten Fußballer“ bezeichnet. Zwar ist er nicht in jedem Teilbereich des Spiels führend, aber es gibt keinen einzigen Bereich, in dem er unterdurchschnittlich ist. Es gibt aber Bereiche auf dem Spielfeld, in denen er nur selten präsent ist, was ihn auch gleich in eine Rolle schiebt, die zu ihm passen sollte: Sowohl im eigenen, als auch im gegnerischen Strafraum hat Mathias Rasmussen unterdurchschnittlich viele Ballkontakte. Die Zahlen zeigen aber, dass er zwischen diesen beiden Spielfeldbereichen nahezu alles macht und das meiste davon gut kann. Er ist damit ein ganz klassicher „box-to-box-Player“.
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Das sagt der visuelle Eindruck
Guter linker Fuß, kopfballstark, proaktiv
Mathias Rasmussen ist Linksfuß. Das ist wichtig zu wissen, besonders für das Aufbauspiel des FC St. Pauli. Diesen linken Fuß weiß er ganz gut einzusetzen. Sein erster Kontakt ist gut, technisch ragt er aber nicht heraus. Er ist kein versierter Dribbler, hat aber aufgrund seiner Körpergröße einen eher tiefen Körperschwerpunkt, was ihm in den direkten Duellen und in Sachen Agilität einen kleinen Vorteil verschafft. Er zeichnete bei Saint-Gilloise auch immer wieder für die Ausführung von Standards verantwortlich, es ist aber nicht so, dass ich das als eine ganz besondere Stärke von ihm bezeichnen würde. Aber er hat ja auch bereits den ein oder anderen ansehnlichen Treffer erzielt. Nun ist es sicher nicht so, dass wir von Rasmussen in der Bundesliga-Rückrunde noch ein halbes Dutzend Tore erwarten können. Aber verglichen mit dem, was das zentrale Mittelfeld des FC St. Pauli bisher in dieser Saison an Treffern erzielt hat, dürfte die Torgefahr von ihm schon auch relevant sein.
Ganz grundsätzlich würde ich Mathias Rasmussen als Arbeiter auf dem Platz bezeichnen. Er ist zwar kein Sprinter und Hoch-Intensitäts-Spieler, aber er ist viel unterwegs auf dem Platz, immer in der Nähe des Geschehens, immer auf der Suche nach der besten Positionierung für die Spielsituationen. Dieses proaktive ‚Off ball movement‘ schätze ich als eine der Sachen ein, die Rasmussen und sein Spiel besonders auszeichnen. Weil er dadurch für Mitspieler oft anspielbar ist, nach Ballverlusten recht schnell in die Zweikämpfe kommen kann (gelingt das, ist er für Gegenspieler richtig unangenehm) und ganz allgemein Verbindungen schafft.
Sehr reife Spielanlage
Dieses konstante Schaffen von Verbindungen, besonders von hinten nach vorne, fehlt dem FC St. Pauli in dieser Saison ganz eklatant. Möglich, dass Rasmussen also sehr gut hineinpasst und diese Lücke schließen kann. Die Zahlen zeigen ja auch, dass sein Passspiel dafür grundsätzlich ganz gut passen sollte. Er ist mit dem Ball auch ziemlich mutig, dreht gerne auf, scheut keine Diagonalbälle und Steckpässe, ist nicht die oft vorhandene „Wand“ auf der Sechs, mit der die Innenverteidiger Pingpong spielen, die einen als Team aber keinen Meter weiter vorwärts bringt. Hier sei allerdings auch erwähnt, dass gerade das progressive Passspiel von Rasmussen durchaus auch fehleranfällig ist und einige seiner Pässe einfach zu vorhersehbar sind, um beim Mitspieler anzukommen. Trotzdem: Beim Beobachten der Spielweise von Mathias Rasmussen bekommt man den Eindruck, dass er sehr genau weiß, was er kann und, das ist ja auch alles andere als unwichtig, was nicht. Er wirkt sehr reif in seiner Spielanlage, kommt mit Drucksituationen klar und strahlt Ruhe auf dem Platz aus.
Auffällig ist, dass Mathias Rasmussen trotz einer für Fußballprofis eher unterdurchschnittlichen Körpergröße von 1,80m ziemlich gut im Kopfballspiel ist. Das hängt primär mit guter Sprungkraft und Timing in Luftduellen zusammen. Zudem zeigt sich das kluge Zweikampfverhalten von Rasmussen auch in Luftduellen, zum Beispiel bei der Kontaktaufnahme mit dem Gegenspieler vor dem Sprung nach oben.
Sowieso habe ich beim Anblick der Zweikämpfe von Rasmussen den Eindruck, dass die in Belgien irgendwie anders trainiert werden. Denn Mathias Rasmussen hat eine ähnliche Fähigkeit wie der ebenfalls aus Belgien zum FC St. Pauli gewechselte Joel Fujita – beide schaffen es bei Duellen um freie Bälle oft, zuerst am Ball zu sein und ich fragte mich schon bei Fujita immer, wie er das macht, aber nun ist mit Rasmussen noch so ein Spieler beim FCSP.
Welche Rolle wird Rasmussen übernehmen?
Auch bei der Frage, ob Mathias Rasmussen eine Soforthilfe für den FC St. Pauli sein wird, lohnt sich der Blick auf Joel Fujita. Ein Wechsel aus Belgien in die Bundesliga bedeutet zwar einen Schritt „nach oben“ in Sachen Leistung. Aber er ist nicht ganz so so groß, wie er zum Beispiel ist, wenn ein Spieler aus der zweiten Bundesliga kommt. Die belgische Liga wird weltweit als siebtstärkste Liga eingeschätzt und am Beispiel von Fujita hat sich gezeigt: Spieler, die aus dieser Liga in die Bundesliga wechseln, können auch dort sofort eine wichtige Rolle einnehmen.
Aber welche Rolle ist für Mathias Rasmussen vorgesehen im Kader des FC St. Pauli? Es wäre sehr verwunderlich, wenn ein 28-jähriger, der einen Vertrag bis 2029 unterschreibt, nicht klare Aussichten auf signifikant viel Spielzeit hat. Sollte es ihm gelingen, seine Leistungen aus Belgien auch beim FC St. Pauli zu bestätigen, dann dürfte er über kurz oder lang Stammspieler sein. Fragt sich nur auf welcher Position. Aktuell gibt es, je nachdem, ob man Fujita in seiner aktuellen Rolle dazuzählt, zwei oder drei Positionen im zentralen Mittelfeld, für die Rasmussen infrage kommt. Nur gibt es da eben auch eine ganze Menge weiterer Spieler – und die vor allem aktuell auch wieder voll mit an Bord sind. James Sands und Joel Fujita sind Dauerbrenner, Jackson Irvine ist wieder zurückgekehrt, Eric Smith hat ihn gut vertreten und je besser Tomoya Andō wird, umso geringer wird der „Smith-Bedarf“ in der Innenverteidigung. Es sind also bereits vier Spieler mit Startelf-Ambitionen für das zentrale Mittelfeld vorhanden, nun ist mit Mathias Rasmussen ein fünfter da. Und sobald sich Connor Metcalfe von seiner Knieverletzung erholt hat, gibt es sogar sechs Spieler für diese Positionen (besonders Metcalfe scheint nun in der Hierarchie noch eine Position nach hinten gefallen zu sein). Das sah vor einer Woche, als unter anderem die Länge des Irvine-Ausfalls unklar schien, noch ganz anders aus.
Es wird also sehr spannend sein, wie und vor allem wo sich Mathias Rasmussen im Kader einfügt. Das ideale Szenario wäre, dass er genau der defensivstarke Verbindungsspieler ist, der er in Belgien in dieser Saison bisher war – und der dem FC St. Pauli bisher gefehlt hat.
Herzlich Willkommen am Millerntor, Mathias Rasmussen!
// Tim
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