Der FC St. Pauli hat mit Taichi Hara einen Spieler verpflichtet, dem das Global Soccer Network sofortige Bundesligatauglichkeit attestiert.
(Titelfoto: FC St. Pauli)
Die Offensive des FC St. Pauli ist durch den langfristigen Ausfall von Andréas Hountondji ausgedünnt. Zudem fehlt dem Kader ein kopfballstarker Zielspieler. Ob Neuzugang Taichi Hara genau der Spieler ist, der diese Rolle einnehmen kann? In seinem Spielerprofil haben wir Ryo Nakagawara, Experte für japanischen Fußball, bereits danach gefragt. Nun hat das Global Soccer Network hat mit uns eine ausführliche Einschätzung des 26-jährigen geteilt.
Positionsprofil: zentraler Stürmer mit Doppelrolle
Mit 1,91 Meter Körpergröße ist Taichi Hara ab sofort der größte Offensivspieler im Kader des FC St. Pauli. Laut Global Soccer Network ist vor allem die Kombination aus Größe und Dynamik ein großer Vorteil des Neuzugangs: „Er kombiniert klassische Strafraumqualitäten mit auffällig viel Dynamik für einen 1,91m-Spieler.“ Im Spiel mit dem Ball stresse er die gegnerischen Innenverteidiger konsequent, indem er oft den Weg in die Tiefe suche. Die Daten-Expert*innen von GSN bezeichnen ihn trotz vorhandener Kopfballstärke aber weniger als klassischen Wandspieler, der mit hohen Bällen erreicht werden kann.
Gegen den Ball und in Umschaltmomenten weiche Hara gerne auf die Außenbahnen aus. Vornehmlich auf die linke Seite (dort hat er in Japan auch oft gespielt), von dort setze er oft zu diagonalen Läufen an, um mit seinem starken rechten Fuß in Abschlusspositionen zu kommen. Hara sei daher zwar jemand, der auch auf der linken Seite eingesetzt werden kann, aber kein klassischer temporeicher Dribbler, der zuverlässig viele erfolgreiche Flanken schlage. Auf zehn Torvorlagen ist er in der Vorsaison trotzdem gekommen, Alexander Blessin attestiert ihm „ein gutes Auge für seine Mitspieler.“
Grundsätzlich sei er eher ein Spieler, der aufgrund seiner Bewegungen Situationen viel Dynamik verleiht, weniger jemand, der im Kombinationsspiel Stärken einbringen kann. Andreas Bornemann erklärt, dass Taichi Hara aber die grundsätzlichen Voraussetzungen dafür besitzte: „Er kann als klassischer Zielspieler eingesetzt werden, bringt aber auch die technischen Voraussetzungen mit, um sich ins Kombinationsspiel einzuschalten.“
Stärken, Entwicklungsfelder & Spielstil
Zu den Stärken von Taichi Hara zählt das Global Soccer Network das direkte Duell in der Offensive. Er agiere dabei „überraschend mutig und direkt“, suche die Duelle aktiv und nutze Tempo- und Richtungswechsel, um sich durchzusetzen. Zudem zählt der Abschluss zu den Stärken des 26-jährigen. Er brauche wenige Kontakte, komme auch in engen Zeitfenstern und aus der Bewegung heraus zu Abschlüssen. Das liegt auch daran, dass Taichi Hara für seine Größe technisch gut sei, erklärt GSN: „Ballannahmen im Vorwärtsgang funktionieren gut, er kann Zuspiele bei Tempo kontrollieren und den Ball so mitnehmen, dass der nächste Kontakt bereits der Abschluss oder der letzte Schritt in die Box ist.“ Ihm gelinge es auch oft, in Abschlusspositionen zu kommen, weil er das Verhalten der Gegenspieler zuverlässig deuten könne und so freie Räume finde.
Viele körperliche Vorteile
Taichi Hara wird – wie auch den anderen beiden Feldspielern, die im Winter zum FC St. Pauli gekommen sind – ein gutes Kopfballspiel zugeschrieben. Der FCSP kann sich also darauf freuen, bei Hereingaben nun mehr Präsenz in der Luft zu haben. Für das Team in der Bundesliga, das die drittmeisten Flanken der Bundesliga schlägt, aber die drittschwächste Erfolgsquote hat, könnte diese Fähigkeit von Hara ein ganz wichtiger Faktor sein. Körperlich habe er laut GSN sowieso Vorteile: Sein erster Schritt sei „explosiv“ und sein Topspeed „ausreichend, um Tiefenläufe zu ziehen“, was für einen Stürmer seiner Größe genauso bemerkenswert ist, wie seine Intensität und Ausdauerfähigkeiten: „Er arbeitet konstant, läuft viele Meter in hoher Intensität, bleibt auch in späten Spielphasen aktiv und bietet weiter Tiefenläufe an.“
Die größten Entwicklungsfelder von Taichi Hara sieht das Global Soccer Network im Spiel gegen den Ball. Er habe Probleme bei der Positionsfindung im Defensivspiel, neige dazu, sich „frei zu bewegen“, was dann Pass-Optionen für den Gegner öffne. Zudem fehle es ihm in Defensivzweikämpfen an Griffigkeit und Härte. An Motivation und Einsatz mangelt es ihm jedoch nicht. Alexander Blessin erklärte, dass Taichi Hara keine Wege nach hinten scheue. Klingt so, als wenn dieser Ehrgeiz noch in die richtigen Bahnen gelenkt werden müsse.
Persönliche Anmerkung: Beim Anschauen einiger Videos von Taichi Hara habe ich den Eindruck gehabt, dass er nicht so dynamisch ist. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass er in seinen Bewegungen nur nicht sonderlich dynamisch aussieht. Er hat keine hohe Schrittfrequenz, macht dafür aber recht lange Schritte. Das sieht dann nicht so dynamisch aus, dürfte aber trotzdem nicht zu langsam sein und erklären, warum der subjektive Eindruck von der Einschätzung des GSN abweicht.
Wie gut passt Taichi Hara zum FC St. Pauli und in die Bundesliga?
Laut Global Soccer Network dürfte Taichi Hara gut zum FC St. Pauli passen. Weil er ein Spieler sei, der zeitgleich Boxpräsenz und Tiefendruck biete. Allerdings sei er nur dann am stärksten, wenn St. Pauli nicht auf einen klassischen Wandspieler angewiesen sei, der Bälle festmacht. Das Global Soccer Network bezeichnet ihn als „Zielspieler für flache Zuspiele, Cutbacks und Hereingaben – weniger für lange Ballhaltephasen im Stand.“ Das dürfte ihn zu einem Spieler machen, der eher dann seine Vorteile hat, wenn zwischen dem letzten Innenverteidiger und gegnerischem Tor recht viel grüne Wiese ist oder er sich viel im Strafraum aufhalten kann. Das GSN schätzt seine Fähigkeiten im Kombinationsspiel als nicht ganz so ausgeprägt ein.
Soforthilfe mit solidem Entwicklungsspielraum
Aufgrund seiner Kopfballstärke, seiner vielen Tiefenläufe und Abschlusspräsenz kann Taichi Hara laut Global Soccer Network dem FC St. Pauli sofort helfen. Dazu passt auch das, was Andreas Bornemann im Zuge der Verpflichtung erklärte: „Taichi verkörpert mit seinen Fähigkeiten einen Spielertyp, den wir bislang nicht in unserem Kader hatten.“ Sein aktueller GSN-Index beträgt 63,8 (Bundesliga-Durchschnitt). Sein Entwicklungsspielraum wird als „solide, aber nicht überragend“ bezeichnet, der Index kann auf 67,2 ansteigen (Bundesliga-Durchschnitt). Das Fazit des Global Soccer Network:
„Taichi Hara ist ein athletischer, beweglicher Strafraumstürmer mit klarer Knipser-DNA, der gleichzeitig mehr Umschalt- und Tiefenqualitäten mitbringt, als seine Größe vermuten lässt. Er ist gefährlich, weil er ständig in Abschlusszonen auftaucht, ist aber kein spielmachender Neuner und kein klassischer Wandspieler – sein Spiel lebt von Bewegung, Tempo und Abschluss. Für St. Pauli bedeutet dieser Transfer die Erhöhung der Abschlussfrequenz und Tiefendynamik, besonders in vertikalen Matchplänen und Umschaltphasen. Wenn Taichi Hara in ein System kommt, das seine Laufwege zuverlässig füttert, kann er auf Bundesliganiveau stabil liefern.“
// Tim
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Im Abschnitt ‚Viele körperliche Vorteile‘ endet der letzte Satz ‚Andreas Bornemann und Alexander Blessin betonen‘ ein bisschen im Nirgendwo…
Ansonsten ein Dank für die gewohnt umfangreiche und kompetente Berichterstattung in kürzester Zeit!
Oh, danke für den Hinweis. Da habe ich wohl während des Schreibens überlegt diesen Inhalt woanders zu platzieren…
Ist geändert