„Wir hatten ein gutes Spiel mit einem schlechten Ergebnis.“

„Wir hatten ein gutes Spiel mit einem schlechten Ergebnis.“

Der FC St. Pauli verliert am Millerntor mit 1:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern, zeigte dabei eigentlich kein schlechtes Spiel, holte aber dennoch null Punkte. Die Stimmen und Statistiken zur Niederlage.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Der FC St. Pauli startete deutlich besser in die Partie und kontrollierte in den ersten 15 Minuten das Spiel. Danach machte sich auch Kaiserlautern bemerkbar und kam ein paar Mal gefährlich nahe an den Strafraum. So auch in der 29. Minute, als Erencan Yardimci zum 0:1 traf. Der Rest der ersten Halbzeit fand ohne Druck und Elan statt. Keine Minute nach Wiederanpfiff erhöhten die Gäste durch Thierry Tazameta auf 0:2 und steigerten danach den Druck erheblich. In der 56. Minute dann endlich der Anschlusstreffer des FC St. Pauli, Torschütze, mit der Nummer 9, Abdoulie Ceesay! Danach hatte der FCSP nochmal eine gute Phase, mit viel Energie. Letztlich reichte es aber nicht und die Mannschaft verlor am Millerntor, was den Fehlstart perfekt machte.

Trainerstimmen

Torsten Lieberknecht: „Haben den Gegner zurück ins Spiel gebracht.“

„Ich glaube man hat zwei verschiedene Halbzeiten gesehen, insbesondere was den Beginn angeht.“ erklärte der Cheftrainer der Roten Teufel. Er berichtete in der Pressekonferenz nach dem Spiel über das 0:1 und wirkte dabei selbst etwas überrascht von dem Tor: „Ich glaube zu dem Zeitpunkt hat auch keiner damit gerechnet.“ Natürlich beschrieb Torsten Lieberknecht auch wie sensationell der FCK in die zweite Halbzeit reingestartet ist und seine Spieler „das Spiel dann aus meiner Sicht komplett im Griff hatten und dann haben wir den Gegner ja wieder ins Spiel zurückgebracht.“ Zum Rest des Spiels sagte er: „Dann war es einfach eine totale Abwehrschlacht und da sind wir momentan gut in Form.“ Zusammenfassend lief das Spiel natürlich gut für den FCK, so beschrieb es auch Lieberknecht: „So sind wi, denke ich, ein Sieger, der glücklich ist über den Erfolg. Nicht mit einem perfekten Spiel, aber mit einem Spiel was eben diesen Ausgang hatte: Ein Sieg für uns, deswegen sind wir froh.

Rapp: „Fußball ist auch manchmal Glück und Pech.“

„Ich habe meine Mannschaft so gesehen, dass die ersten 30 Minuten bis zum Gegentor sehr, sehr gut waren“, erklärte Marcel Rapp nach dem Spiel. Weiter beschrieb er, dass die Leistung eigentlich stimme und sie vieles auch richtig gemacht haben: „Wir waren griffig in den Zweikämpfen, wir haben strukturiert nach vorne gespielt, wir haben gut verteidigt, da war alles drin.“ Der Cheftrainer des FC St. Pauli erklärte zum Rest der ersten Halbzeit: „Ich glaube, wir hatten nicht diese Riesenchancen, aber wir waren die ganze Zeit brandgefährlich und dann starten wir natürlich sehr, sehr bitter in die zweite Halbzeit.“ Die fünf bis sieben Minuten danach beschreibt er als die schlechtesten, doch „dann haben die Jungs wieder das Spiel in den Griff bekommen, haben nach vorne gespielt. So wie Kaiserslautern verteidigt, ist es nicht so einfach (sich Chancen zu erspielen). Sie kommen dann nochmal ran und ich glaube über die 90 Minuten haben die Jungs alles gegeben“, erklärte Rapp, der zusammenfasste: „Fußball ist auch manchmal Glück und Pech“ und „Wir hatten ein gutes Spiel mit einem schlechten Ergebnis“.

Kernstatistiken

FC St. Pauli1. FC Kaiserslautern
20 (7)Schüsse (auf das Tor)10 (4)
9Fouls13
59,42 %Ballbesitz40,58 %
520 (423)Pässe (erfolgreich)358 (274)
76 (54)… Davon ins letzte Drittel (erfolgreich)40 (27)
63 (33)… Davon lange Pässe (erfolgreich)40 (19)
24Ballkontakte im gegn. Strafraum15
60 (36)Defensivduelle (erfolgreich)71 (33)
37 (18)Kopfballduelle (erfolgreich)37 (19)
10,32PPDA14,62
113,57 kmLaufleistung113,41 km

Was bereits beide Trainer berichteten, dass die erste halbe Stunde bis zum 0:1 besonders gut für den FC St. Pauli lief, bestätigen auch die Zahlen. In diesen 30 Minuten kam der FCSP bereits zu sieben Abschlüssen (zwei davon aufs Tor). Kaiserslautern hatte in dieser Zeit drei, das Tor mit einberechnet. Tatsächlich hatte der FCSP in der Phase nach dem Rückstand den höchsten Ballbesitzanteil, von Minute 31 bis 45 fielen die Kaiserslauterer auf 32,36 % zurück und St. Pauli übernahm mit 67,64 %.

Auch interessant zu beobachten: Dass der FCSP trotz Rückstand in der ersten Halbzeit in fast in allen Statistikkategorien besser war. Mehr Abschlüsse, mehr Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, mehr Pässe ins letzte Drittel. Von den Offensivduellen gewann das Team von Marcel Rapp fast 50 Prozent, der 1. FCK kommt nur auf etwa 30 Prozent. Bei beiden Mannschaften ließ die Flankengenauigkeit zu wünschen übrig, beim FC St. Pauli waren fünf von achtzehn erfolgreich, bei Kaiserslautern zwei von neun. Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Auch nicht ganz unwichtig: Der 1. FC Kaiserslautern foulte über 90 Minuten 13 mal. Davon kamen nur zwei aus der ersten Halbzeit und stolze elf aus den zweiten 45 Minuten. Der Durchschnitt an Fouls beim FCK liegt zwar bei 12,44, allerdings sind diese normalerweise 50/50 auf beide Halbzeiten aufgeteilt. Gegen den FCSP schien es so, als haben die Roten Teufel ganz bewusst versucht mit Fouls den Rhythmus des FC St. Pauli zu brechen.

Expected Goals

FC St. Pauli1. FC Kaiserslautern
(1,6 / 1,64 / 1,34) =1,53(Wyscout / DFL / FotMob) =
Expected Goals
(0,83 / 1,44 / 0,71) = 0,98
0,91xG herausgespielt0,51
0,43xG Standard0,20
1,40xGOT1,95

Die Tore müssen her

Puhh, sich die xG-Werte anzuschauen, ist nach dem Spiel echt frustrierend. Das erste Tor von Kaiserslautern kam nur auf 0,19xG, dafür liegt der xGOT-Wert mit 0,89 sehr hoch. Das zweite Tor, als Tazameta aus spitzem Winkel traf, ist noch unwahrscheinlicher: 0,09xG und 0,11 xGOT. Der FC St. Pauli kommt insgesamt auf einen mittleren xG-Wert von 1,53, der FCK auf 0,98 – das Team, das keine zwei Tore geschossen hat, war an diesen also tatsächlich näher dran. Neben dem Tor von Abdoulie Ceesay (0,67xG) gab es zwar keinen anderen großen Abschluss des FC St. Pauli mit krassen xG-Werten, doch sie waren die ganze Zeit „brandgefährlich“, wie Marcel Rapp erklärte. Dennoch, aus zwanzig Schüssen, sieben davon aufs Tor, muss man einfach mehr machen.

Spielerstimmen

„It feels weird to say, but I think over 90 minutes we had one of the best games this season, we were pushing them back the whole game, we had control of the game, maybe we need to play one or two more really good chances, but overall I think this is the right direction“, erklärte Eric Smith nach Abpfiff. Ob braun-weiße Fanbrille oder nicht, Fakt ist, nach den Zahlen hat der FC St. Pauli das bessere Spiel gemacht. Umso seltsamer ist es, dass das Team mit dieser Leistung die erste Liganiederlage einstecken musste. So ähnlich sah es auch Ben Voll: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht, wir waren gut drin von der ersten Minute an und killen uns mit den zwei Gegentoren dann einfach selber und das ist brutal ärgerlich gerade.“ Teamkollege Louis Oppie erklärte noch einmal, wie der FCSP eigentlich am Drücker war: „Es ist sehr unglücklich. Vor allem am Millerntor. In der zweiten Halbzeit haben wir den Schwung nochmal mitgenommen. Nach dem Anschlusstreffer hat es sich für mich so angefühlt, als ob wir am Drücker waren und dann hat irgendwie das letzte Quäntchen Glück, die letzte Aktion leider gefehlt heute.“

Tatsächlich waren sich fast alle einig, dass der FC St. Pauli gegen Kaiserslautern eine gute Leistung auf den Platz gebracht hat und das man so weiter machen müsse, dann würde die Ergebnisse schon kommen. Marcus Mathisen zum Beispiel sagte:„I think we tried and I think we played a quite good game. I think if we play on like this the points will come.“ David Nemeth schloss sich diesem an: „Wir entscheiden jetzt, wie es weiter geht, ob wir den Kopf hängen lassen oder ob wir genauso weiter machen. Wir wissen, dass wir es gut machen (…) und wir sind auf einem guten Weg.“ Eric Smith hob noch einmal sein Vertrauen in das Team hervor: „I am fully confident in this group and I am fully confident that we will have a very good season.

„Wir müssen weiter so Gas geben wie letzte Woche“

Bereits am Freitag geht es auswärts gegen Arminia Bielefeld. Ben Voll erklärte noch einmal, was für die kommende Woche wichtig sei: „Wir müssen weiter so Gas geben wie letzte Woche. Wir müssen die gleiche Leistung auf den Platz bringen wie heute und dann das Spiel gewinnen.“ Nun heißt es wieder Fokus auf die nächste Aufgabe, auch um das Selbstvertrauen zurückbekommen. Alles „scheiße“ finden wird uns auch nicht weiterbringen. Also: Weiter geht’s Magischer FC!

// Nike

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One thought on “„Wir hatten ein gutes Spiel mit einem schlechten Ergebnis.“

  1. Dieses Narrativ (gutes Spiel von uns, unverdientes Ergebnis) weiter zu füttern, passt genau zu der Einstellung, die uns schon den Abstieg beschert hat. Arrogant, nicht kritikfähig, keine Demut, nicht bereit, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen. Das sind nicht gerade alte St-Pauli-Tugenden. Aufwachen!

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