„It was bound to happen“

„It was bound to happen“

Der FC St. Pauli gewinnt gegen den VfL Wolfsburg mit 1:0 am Millerntor und feiert damit seinen ersten Saisonsieg. Die Statistiken zeigen, wie verdient dieser Erfolg war.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Der FC St. Pauli konnte am fünften Spieltag der 2. Bundesliga den ersten Saisonsieg feiern. Die Partie gegen den VfL Wolfsburg war von Beginn an schnell und intensiv. Nach 15 Minuten gab es schon zwei gelbe Karten und jede Menge Chancen beider Teams. Das Tor wollte zunächst jedoch nicht fallen. Auch nach der Pause blieb das Spiel spannend, der FCSP agierte weiterhin leidenschaftlich und willensstark und mit mehr defensiver Stabilität als im ersten Abschnitt. Als bereits vieles auf ein Unentschieden hindeutete, fiel in der 88. Minute doch noch der entscheidende Treffer: Joel Fujita brachte seine Farben mit 1:0 in Führung. Damit feierte St. Pauli nicht nur verdient den ersten Saisonsieg, sondern beendete auch eine lange Sieglos-Serie.

Trainerstimmen

Strobl: „Das Motto heute ist, dass wir einfach einen Fehler zu viel gemacht haben“

Wolfsburg-Trainer Tobias Strobl erklärte nach der Niederlage am Millerntor, dass man etwas angepasst habe im Vergleich zur Vorwoche: „Wir wollten mehr Kontrolle über den Ballbesitz (…) deswegen haben wir uns auch über eine andere Anordnung Gedanken gemacht. Ich finde, dass wir sehr gut und oft in die Zwischenräume gekommen sind.“ Weiter ging er darauf ein, was bei diesem Vorhaben nicht so ganz geklappt hat: „Der letzte Pass in die Tiefe, der war nicht so, wie wir uns das gewünscht haben.“ Kurz nach der Partie konnte Strobl bereits die ein oder andere Aktion für den Ausgang des Spiels verantwortlich machen: „Mit Verlauf des Spiels ist es offener geworden, aber auch dem geschuldet, dass wir zu viele einfache Ballverluste hatten. Dadurch war es dann kein komplett kontrolliertes Spiel mehr.“ Was der FC St. Pauli, besonders in der zweiten Halbzeit gut machte, nämlich die Zwischenräume eng zu halten, machte den Wolfsburgern einen großen Strich durch die Rechnung: „Da haben wir dann nicht mehr das gefunden, was wir wollten.“ Letztendlich erklärte er: „Das Motto heute ist, dass wir einfach einen Fehler zu viel gemacht haben. Den hat der Gegner dann ausgenutzt und am Ende des Tages war es dann auch kein unverdienter Sieg für (SANKT!, A.d.R.) Pauli.“

Rapp: „Waren mit einer guten Energie auf dem Feld“

„Ich habe in der ersten Halbzeit zwei ordentliche Chancen von uns gesehen, vom Gegner auch zwei Chancen, also ein ausgeglichenes Spiel“, so der Eindruck von FCSP-Cheftrainer Marcel Rapp der ersten 45 Minuten und ergänzte: „Trotzdem haben wir ein paar Aktionen gehabt, wo die Zwischenräume einfach frei waren.“ Im zweiten Abschnitt sei das seinem Team aber besser gelungen, so Rapp : „Wir haben das dann besser in den Griff bekommen und wir waren da mit einer guten Energie auf dem Feld. Wir hatten dann auch ein paar Chancen. Dann war es ein enges Spiel und zum Schluss haben wir mit ein bisschen glücklich ein Tor gemacht.“ Mit dem Tor von Fujita wurde nicht nur das erste Spiel gewonnen, sondern es wurde auch erstmals in dieser Saison die Null gehalten. Warum es in der Arbeit gegen den Ball am Samstagabend besonders gut klappte, erklärte Rapp so: „Die Jungs mussten viel laufen, mussten viele Entscheidungen treffen und haben viele gute Entscheidungen getroffen.“ Zum Schluss lobte er seine Mannschaft und auch die Fans noch einmal: „Ich glaube, die (Jungs, A.d.R.) haben alles auf dem Platz gelassen mit der Unterstützung der Zuschauer und von dem her glaube ich, haben wir dann in der Summe auch nicht unverdient gewonnen.“

Kernstatistiken

FC St. Pauli VfL Wolfsburg
16 (4)Torschüsse (auf das Tor)8 (2)
12Fouls8
37,65%Ballbesitz62,35%
342 (272)Pässe (erfolgreich)520 (444)
39 (23)… davon ins letzte Drittel (erfolgreich)50 (37)
32 (18)… davon lange Pässe (erfolgreich)42 (24)
14Ballberührungen im gegn. Strafraum19
43 (25)Defensivduelle (erfolgreich)56 (34)
23 (13)Kopfballduelle (erfolgreich)23 (10)
11,21PPDA11
110,14 kmLaufleistung114,21 km

Besser gegen den Favoriten

Der FC St. Pauli zeigte beim 1:0-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg eine starke und kämpferische Leistung. Besonders auffällig war, dass St. Pauli trotz weniger Ballbesitz offensiv immer wieder gefährlich wurde. Mit 16 Torschüssen, davon vier auf das Tor, gab die Mannschaft deutlich mehr Schüsse ab als Wolfsburg (8). Auch 6:1 Ecken sprechen für mehr offensive Präsenz des FC St. Pauli. Bei Wolfsburg ist übrigens spannend, dass sie mit nur acht eigenen Abschlüssen einen neuen Negativ-Rekord für diese Saison für sich aufgestellt haben. Auch gingen nur 25 Prozent der Schüsse auf das Tor, womit sie dabei ebenfalls ein „All-time low“ in dieser Saison erreicht haben.  

Expected Goals

FC St. Pauli VfL Wolfsburg
(1,58 / 2,06 / 0,93) = 1,52(Wyscout / DFL / FotMob) = Expected Goals(0,85 / 0,56 / 0,54) = 0,65
0,37xG herausgespielt0,28
0,56xG Standard0,25
0,50xGOT0,32

Endlich wieder Fujita

Ich weiß ja nicht, wie es euch ging, aber ich habe an das Tor von Fujita eigentlich nicht mehr geglaubt. Ich hatte mich schon darüber aufgeregt, dass er so lange brauchte, um zum Abschluss zu kommen, bevor ich dann lautstark meine Freude mit einem „JAAAA“ bekannt gab. Tatsächlich ist das Tor auch in den Expected-Goals-Werten nicht so weit oben. Es kommt nur auf 0,05 xG und der Abschluss war eigentlich nicht so gut, wie der xGOT von 0,01 zeigt. Umso besser ist es, dass dieser Schuss dann einfach mal reingegangen ist. Die besten Abschlüsse nach xGOT (Achtung, nicht xG!) kamen von Connor Metcalfe in der zehnten (0,26) und Abdoulie Ceesay in der zwölften Minute (0,20).

Interessant ist, wie sich die xG-Werte der Chancen des FC St. Pauli zusammensetzen. Denn die meisten hatten eine Torwahrscheinlichkeit von unter 10 Prozent. Die nach xG-Werten drei größten Chancen des FCSP und einzigen mit mehr als zehn Prozent Torwahrscheinlichkeit sind der bereits erwähnte Abschluss von Ceesay (xG: 0,15) in der zwölften Minute und dann noch zwei weitere Eckball-Situationen, die aber neben das Tor gingen (Niang, 13. Minute, xG: 0,12; Ritzka, 34. Minute, xG: 0,17). Dass es sich dabei jeweils um von Connor Metcalfe getretene Eckbälle handelte, zeigt ganz gut, wie viel Gefahr der Startelf-Debütant in diesen Szenen erzeugte.

Spielerstimmen

I think today we showed that we have what it takes to get three points“

„Es ist jetzt nicht so, als ob es das erste gute Spiel in dieser Saison gewesen ist, aber dass wir jetzt endlich das Glück auf unsere Seite ziehen konnten. Es ist einfach super wichtig, dass wir da jetzt belohnt werden, dafür, dass wir die ganze Zeit dranbleiben, die ganze Zeit in jedem Spiel Vollgas und 110 % da waren. Das tut einfach gut“, erklärte Ben Voll nach dem Sieg. Auch Eric Smith schloss sich dieser Meinung an: „It is the best feeling in the world. I think we deserve this, it was bound to happen. We have been working really hard for this.“ Weiter ergänzte er: „I said it will come eventually when we keep training and keep performing like this.“

Der FC St. Pauli hat nicht nur den ersten Saisonsieg eingefahren, sondern zusätzlich auch noch die Null gehalten. Eric Smith, der sich in diesem Spiel mal auf der Sechs und mal in der Innenverteidigung befand, erklärte: „I think, against a team like this with the individual quality they have, to be able to put up a performance like this defensively is something we should be proud of.“ Teamkollege Connor Metcalfe, der am Samstag eines seiner besten Spiele im Trikot des FC St. Pauli zeigte, betonte nach dem Sieg: „I think today we showed that we have what it takes to get three points. We just need a lot of team spirit to get it.“

Der Teamspirit soll den FCSP auch kommende Woche weiterbringen. Denn gegen den Gegner, der gegen VfL Wolfsburg einen 0:3-Rückstand aufholte, muss sich der FC St. Pauli am kommenden Sonntag bewähren: Um 13:30 Uhr geht es auswärts gegen Energie Cottbus. Was für die nächste Trainingswoche und das darauffolgende Spiel wichtig sei, fasste Ben Voll noch einmal zusammen: „Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Cottbus. Das haben wir jetzt lange vermisst, dieses gute Gefühl mitzunehmen aus der Woche davor. Nichtsdestotrotz müssen wir die Trainingswoche genauso angehen wie die letzte und auch da Vollgas geben.“

// Nike

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