Der FC St. Pauli beendet mit einem 1:0 gegen den VfL Wolfsburg seine Sieglos-Serie und sorgt für große Freude und Erleichterung.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Am 28. Februar dieses Jahres gewann der FC St. Pauli bei der TSG Hoffenheim mit 1:0. Durch den Siegtreffer von Mathias Pereira Lage sprang der FCSP auf Platz 15 und hatte noch alle Chancen auf den Klassenerhalt. Doch auf diesen dreifachen Punktgewinn folgte in der Saison 25/26 kein weiterer mehr. Am Ende stieg der FC St. Pauli aus der Bundesliga ab.
Auch zum Start in die neue Saison konnte der FCSP die Sieglos-Serie erst einmal nicht beenden. In den ersten fünf Spielen wollte es nicht mit einem Dreier klappen. So wuchs die Serie auf 15 Spiele an – und auch, wenn die Verantwortlichen immer wieder betonten, dass diese Serie in den Köpfen keine Rolle spielte, so dürfte jede/r Sportler*in genau wissen: Das macht was mit Dir, wenn es einfach nicht klappen will.
Doch am Samstagabend gegen den VfL Wolfsburg, ausgerechnet gegen die bisher höchste Hürde, die es in der noch jungen Saison für den FC St. Pauli zu bezwingen galt, platzte endlich der Knoten. Joel Fujita belohnte sein Team für ein tolles und mitreißendes Spiel in der 88. Minute mit seinem Treffer zum 1:0. Die Serie, die ein immer größeres Thema und damit immer mehr zur Last wurde, sie ist endlich beendet. Das Schönste: Aufgrund der gezeigten Leistung ist das hochverdient (hier geht es zur Spielerbewertung).
„Wir haben sehr hart dafür gearbeitet.“
Entsprechend gab es viel Erleichterung zu sehen und zu hören von den Spielern nach Abpfiff. Eric Smith beantwortete die berühmte Frage, wie er sich nach diesem Sieg fühle, entsprechend euphorisch: „Es ist das beste Gefühl der Welt. Wir haben das verdient. Wir haben sehr hart dafür gearbeitet. Bereits die letzten Spiele hatten wir mehr verdient und ich habe gesagt: Es wird passieren, wenn wir weiter so trainieren und spielen.“ Auch Ben Voll hob hervor, wie hart das Team daran gearbeitet hat, dass endlich wieder ein Sieg herausspringt: „Es ist super wichtig, dass wir jetzt belohnt wurden. Dafür, dass wir die ganze Zeit dranbleiben. Dafür, dass wir in jedem Spiel Vollgas geben und 110 Prozent da sind. Das tut einfach gut.“
Auch für Marcel Rapp ist dieser Sieg das Ende einer Serie. Sein letzter Erfolg als Trainer lag sogar noch etwas weiter zurück, als der des FC St. Pauli: Im Januar hatte er mit Holstein Kiel gegen den SC Paderborn gewonnen, seitdem wartete auch der neue Cheftrainer des FCSP auf einen Sieg. Natürlich war auch ihm die Erleichterung nach Abpfiff anzumerken: „Wir freuen uns sehr, dass wir uns jetzt belohnt haben für unser Spiel. Wir hatten ordentliche Spiele, wo wir uns nicht belohnt haben. Wir hatten diese schwere Phase, weil wir keine Ergebnisse erzielt haben.“
Wie sehr diese Sieglos-Serie des FC St. Pauli ein Thema im Team gewesen ist, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Rapp betonte zwar, dass „die Jungs in jedem Spiel mit Selbstvertrauen“ agiert hätten und sagte: „Es war bei uns kein Thema in der Kabine. Es ging immer nur darum: Wie haben wir gespielt, wie war die Leistung? Wenn die Spieler Zeitung lesen, dann ist es ein Thema. Wenn sie keine Zeitung lesen, dann geht es an ihnen vorbei.“ Doch auch der FCSP-Cheftrainer weiß genau, welche negative Dynamik eine solche Serie irgendwann entwickeln kann, wenn man trotz guter Leistungen nicht gewinnt: „Logischerweise holt dich das irgendwann ein. Klar muss man das trennen, aber irgendwann interessiert es keinen mehr, wie die drei Spiele davor waren. Dann heißt es: Ihr habt fünfmal verloren. Deswegen bin ich froh, dass wir uns jetzt belohnt haben. Die Jungs arbeiten hart, der ganze Staff arbeitet hart. Deswegen freut es mich für alle.“
„Wir müssen noch besser werden.“
Was angesichts des hochemotionalen Samstagabends bemerkenswert ist: Sowohl Spieler als auch Trainer richteten wenige Minuten nach Abpfiff den Blick direkt wieder nach vorne und betonten einstimmig, dass es nun so weitergehen müsse. Rapp: „Das war jetzt ein Sieg, da müssen noch mehr kommen.“ Auch David Nemeth gab die weitere Richtung vor: “Jetzt müssen wir so weitermachen. Der Sieg ist gut, aber die Saison ist noch lang.“ Eric Smith ging sogar noch einen Schritt weiter, als er über die Defensivleistung des Teams sprach. Diese sei zwar gut gewesen, „aber wir sollten nicht denken, dass das genug ist. Wir müssen noch besser werden.“
Es ist bemerkenswert, wie besonders zu Saisonbeginn ein Sieg die Stimmung und die Aussichten drehen kann. Vor Anpfiff lag der FC St. Pauli in der Tabelle auf Platz 17. Ihr könnt euch sicher ausmalen, wie tief das Loch gewesen wäre, in das man sich mental eingebuddelt hätte, wenn, ja wenn das Team gegen Wolfsburg verloren hätte. Nun sieht das ganz anders aus: Sechs Punkte, vorerst Tabellenplatz acht. Was für das Team, aber auch für Fans noch wichtiger sein dürfte: Dass die erneut gute Leistung nun auch endlich belohnt wurde. Der FCSP hat sich diese drei Punkte gegen Wolfsburg nicht erschummelt, zusammengestümpert oder glücklich geholt. Im Gegenteil: Er hat diese Partie verdient gewonnen. Leistung und Ergebnis passen endlich zusammen. Und deshalb könnte dieser Erfolg gegen den VfL Wolfsburg nicht nur das Ende einer Serie sein, sondern auch noch ganz wichtige Signale senden. Weil er Vertrauen in die eigene Stärke und Spielidee schafft, was die Leistungsfähigkeit sogar noch erhöhen könnte. Deshalb sind Siege eben durch nichts zu ersetzen.
// Tim
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Jaaaa! Sehr ordentliche Mannschaftsleistung und mit etwas verdientem Glück (Voll!) der erste Sieg. Am meisten gefällt mir Smith: „ aber wir sollten nicht denken, dass das genug ist. Wir müssen noch besser werden.“ Das ist die Einstellung die wir brauchen!
Wolfsburg by the way : unterirdisch und die „du hast dich sportlich verbessert“-Chöre Waren Millerntor as its best! Thx
Moin,
Was für ein wunderschöner Abend – trotz Dauernieselregen (Hamburger Wetter). Das Millerntor explodierte richtig und welche Freude – endlich. Völlig verdienter Sieg und eine geschlossene Mannschaftsleistung mit viel Einsatz, Laufbereitschaft und spielerischen Akzenten. Für mich bisher die beste Saisonleistung. Die Hereinnahme von Ritzka und Metcalfe und Fujita und die Umstellungen haben richtig gezündet. Ich hoffe, Leistung und Sieg machen die Köpfe frei und es geht erfolgreich weiter in den nächsten Wochen.
Die Leistung der Defensive insbesondere in der zweiten Halbzeit war eine 1+*! Wenn man hinten gut steht, kann vorne immer mal ne Kirsche rein fallen. Mir hat auch insgesamt die Intensität sehr gut gefallen. Auch mal ein dreckiges Foul machen. Den Gegner nerven. Das hat gut gepasst gestern. Weiter so!
Und wenn Ando und Mathisen wieder einsatzbereit sind? Ich beneide den Trainer nicht um diese Startelfentscheidung. Bin gespannt, was Tim dazu schreibt…
Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaasassaaaaaaaaaaaa!!!!!!!!!!!
Können wir dann jetzt endlich mit dem verschissenem Krisen-Gequatsche aufhören?!
Wir können es relativieren, aber halt demütig bleiben. Du hast ja selbst festgestellt, dass es Absteigern schwerfällt, Fuß zu fassen, dem stimme ich zu. Es war gestern eine astreine Leistung vor allem der Defensive, aber jetzt geht es darum, die Energie aus dem Sieg mitzunehmen und die Leistung zu bestätigen, bzw. Lösungen in der Offensive zu finden, die gestern – vermutlich aufgrund der Qualität der Wolfsburger – in der zweiten Halbzeit etwas verlustig gegangen sind.
Die Verletztensituation ist weiterhin alarmierend. Es tut mir Leid, aber ich bleibe weiterhin überzeugt, dass das exorbitant viel ist und vor allem viel zu leicht passiert. Aber egal, ich will mir und anderen die Freude nicht vermiesen, Sieg ist Sieg und Siegen macht glücklich 🙂
Ich freue mich schon sehr auf die Redax mit einem glücklichen Gesicht von Nina, weil Fujita getroffen hat 🤗
Was für ein Abend!
Mit am besten gefallen hat mir, wie Arek sich nicht von Reese hat einschüchtern lassen. Der hat es ja direkt 2x mit heftigem Körpereinsatz versucht und bekam danach die ganze Zeit seine eigene Medizin zu schmecken. Herrlich.
Auch wenns die Umstellung ein Stückweit erzwungen war: Ich verweise auf den Hint mit einer Viererkette zu spielen, damit Platz für Smith UND Fujita auf dem Feld geschaffen wird. Ja, sie war variabel gespielt, weil Smith sich immer mal fallen ließ, aber mehrheitlich agierte er vor der Abwehr. Fujita wiederum machte ein gutes Spiel, gerade was die Balleroberungen anging, machte dann aber leider oft so Fujitasachen beim Passspiel. Metcalfe war eine große Überraschung – stets aktiv, anspielbar und vor allem versucht er es mal aus der Distanz – das fehlt uns oft. Niang deutet an, wofür wir ihn geholt haben, nämlich für Einszueins-Momente, aber da ist noch Luft nach oben. Insgesamt war es ein verdienter Sieg. Wasser im Wein: Wir sind nach wie vor zu langsam in Umschaltmomenten. Bekommen wir mehr Tempo hin, kriegen wir noch mehr Chancen.
Bin gespannt auf die Aufstellung nächste Woche, wenn Spieler wiederkommen. Denn so selbstverständlich ist deren Einsatz nach heute nicht.
Genau, Viererkette komplett durchgezogen. Also sowie mit und ohne Ball in diesem System geblieben. Das war sehr spannend zu sehen. Ob das jetzt den entscheidenden Unterschied gemacht hat, hab ich keine Ahnung. Die Änderungen in der Startelf haben so gut funktioniert, mal schauen was MR macht, wenn die alle wieder fit sind.
Ich muss nach diesem Spiel Abbitte leisten. Das war wirklich verdient und zeigt, was dieser Kader und wohl auch der Trainer leisten können. Am Ende fällt das Tor glücklich und so ein Spiel kann auch 0:0 oder mit Pech sogar verloren gehen. Aber wenn die Jungs Hundert Prozent geben – und dafür ist Pyrka das Vorbild -, dann können wir solche Spiele auf unsere Seite ziehen. Das Potential ist da. Ich hoffe, sie nutzen es.
Mit dem Sieg war dann auch der Ärger über einige Schiedsrichterentscheidungen verflogen. 😊