Auch wenn einer der Treffer diskutabel ist, so ist das 1:1 zwischen dem FC St. Pauli und Hannover leistungsgerecht. Weil beide Teams zu wenig aus ihren spieltaktischen Vorteilen gemacht haben.
Der FC St. Pauli holt einen Punkt in Hannover. Das ist ein Satz, auf den vor Saisonbeginn sicher mit „ist doch gut“ hätte geantwortet werden können. Und das ist es auch jetzt noch. Allerdings durchaus mit der Einschränkung, dass in dieser Partie für den FCSP mehr drin war. Er machte nämlich Hannover 96, aber auch sich selbst das Leben schwer.
Die Aufstellung
Wie erwartet gab es keine Veränderungen in der Startelf des FC St. Pauli. Lediglich auf der Bank gab es ein neues Gesicht: Anstelle von Scott Banks kehrte Innenverteidiger Tomoya Andō nach seiner abgesessenen Sperre zurück. Marcus Mathisen stand hingegen nicht im Kader. Der FCSP startete damit wie gewohnt im zuvor erfolgreich praktizierten 3-5-2, bei dem Smith erst gegen Spielende seinen zentrale Innenverteidiger-Position verließ.
Bei Hannover 96 gab es drei neue Gesichter in der Startelf. Trainer Sandro Wagner entschied sich bei seinem Heimdebüt dafür, mit Ghiță anstelle von Allgeier zu starten. Was vor Anpfiff nach einem Wechsel in der Innenverteidigung klang, sollte sich auch als eine taktische Umstellung herausstellen. Im zentralen Mittelfeld kam Taïbi anstelle von Roggow zum Einsatz (der damit die Startelf gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber verpasste). Zudem agierte Chakroun im (zu) offensiven rechten Mittelfeld, Sahiti musste dafür auf die Bank.

H96: Weinkauf – Ghiță, Tomiak, Hugonet, Neubauer – Thórdarson – Chakroun, Taïbi, Hartel, Oudenne – Källman
FCSP: Voll – Nemeth, Smith, Ritzka – Pyrka, Rasmussen, Fujita, Oppie – Metcalfe – Niang, Ceesay
Hannovers 2-2-6 und St. Paulis Verlagerungen
Hannover 96 agierte bei eigenen Aufbausituationen, die beim Torwart oder in der Innenverteidigung starteten, in einer durchaus besonderen Formation: Das Team positionierte sich in einer Art 2-2-6 – mit zwei Innenverteidigern, zwei weiter hoch und weit außen positionierten Außenverteidigern und davor dann sechs Spielern ganz vorne auf einer Linie. So eine Formation in solchen Spielsituationen habe ich noch nie gesehen. Leider wollte Sandro Wagner auf der Pressekonferenz auch nicht erklären, was er und sein Team damit bezwecken wollten. Meine Interpretation, nachdem ich mit Fachleuten darüber sprechen konnte: Das sieht vielleicht fancy aus, ist aber eigentlich ziemlich simpel (was es umso komischer macht, dass man auf die Frage dazu nicht antworten möchte). Hannover 96 positionierte sich zwar besonders, machte dann aber ziemlich gewöhnliche Dinge damit.
Denn in diesem 2-2-6 wurde der Ball zumeist aus der Innenverteidigung oder vom Torwart einfach vorne reingedroschen. Bei der Variante schien es nur darum zu gehen, möglichst viele Spieler in letzter Linie zu haben, um für zweite Bälle gut positioniert zu sein, um viele Spieler in Ballnähe zu haben. Dort sollte dann der Ball gesichert werden, um im Anschluss kreative Lösungen zu finden, Hannover wollte also „zocken“, was mit einem Spieler wie Marcel Hartel in den eigenen Reihen auch grundsätzlich keine schlechte Idee ist. Der FCSP ließ Hannover gewähren, obwohl das Heimteam mit mehr Spielern auf der eigenen letzten Linie stand als man selbst (Fünferkette vs. sechs H96-Spieler). Es wurde sich vor allem auf das Zentrum fokussiert, situative Unterzahlsituationen auf den Außenbahnen mussten durch die Doppelsechs ausgeglichen werden, wenn die Notwendigkeit vorhanden war. Trotzdem ein nicht uninteressanter Ansatz von Hannover 96, der aber ein grundsätzliches Problem mit sich brachte: Man stand ziemlich offen, unter anderem in der eigenen Hälfte konsequent in Unterzahl. Denn St. Pauli agierte mit Metcalfe auch gegen den Ball auf der Zehnerposition und der hatte dort schlicht keinen Gegenspieler. Leider ist es dem FC St. Pauli aber nicht gelungen, gut ins Umschalten zu kommen und daraus etwas zu machen.
Viele Ballgewinne, noch mehr Fehler
Das Aufbauspiel von Hannover 96 bestand also aus vielen langen Bällen. Erst im weiteren Verlauf der ersten Hälfte ergaben sich einige Muster, die für den FC St. Pauli wesentlich problematischer hätten werden können als die Sechserkette und die langen Bälle. Die Folge dieses Aufbauspiels von Hannover: Viel Unruhe und Chaos auf dem Platz. Kopfballduelle, Kampf um zweite Bälle, Unordnung, Gegenpressing. Ich bin nicht sicher, ob Wagner das genau so haben wollte, aber schön anzusehen war das alles nicht. Dem FC St. Pauli gelang es zwar weitgehend, diese Szenen so zu verteidigen, dass kaum oder keine Torgefahr entstand. Doch er konnte die Ballgewinne nicht für sich nutzen. Entweder, weil man nach Ballgewinnen zu ungenau spielte oder aber, weil Hannover 96 gut im Gegenpressing agierte (Hannover hatte nach Ballverlusten auf jeden Fall viele Spieler in Ballnähe). Beides war auf jeden Fall ein Faktor dafür, dass das Umschaltspiel des FCSP nicht gut war, aber die eigenen Ungenauigkeiten waren nach meinem Empfinden das viel größere Problem. Dem Team gelang es in diesen Situation nur ganz selten, sich sauber heraus zu spielen. So konnte die offene Stellung von Hannover 96 vom FC St. Pauli leider nicht wirklich genutzt werden. Das Umschaltspiel, die große Stärke des FCSP in den letzten Partien, war dieses Mal nicht relevant.
Stattdessen gab es vom FC St. Pauli nun auch wieder, vor allem im zweiten Abschnitt, längere Ballbesitzpassagen zu sehen. Damit hatte ich vor der Partie ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich war sicher, dass Hannover 96 unter Wagner versucht, viel dominanter aufzutreten. Aber entweder konnten oder wollten sie nicht (ich vermute Ersteres), jedenfalls wurde der FCSP in vielen Phasen sehr balldominant und sämtliche Feldspieler befanden sich in der Hälfte von Hannover 96. In diesen Situationen, und auch sonst in Ballbesitz-Szenen des FC St. Pauli, entstand meist dann Gefahr, wenn es gelang, schnell über die Außenbahnen zu spielen. Das ergab sich schon aus der Formation, mit der Hannover gegen den Ball agierte. Das Team versuchte das Zentrum zu schließen, die Kreise von Smith zu stören. Dafür wurde stark in Richtung Ballnähe verschoben und insgesamt agierte Hannover in seinem flachen 4-4-2 (oder 4-2-2-2, je nachdem wo man Chakroun und Oudenne positioniert) schon sehr zentrumsfokussiert. Auffällig war dabei, dass Hannovers Chakroun sich irgendwie in eine Zwischenwelt begab, in der er weder Zugriff auf Fujita noch Ritzka und vor allem nicht auf Oppie hatte. Gerade Oppie hatte extrem viel Raum im Rücken von Chakroun und weit weg von Ghiță. Was dazu führte, dass der Großteil der Torgefahr in dieser Partie von seiner Seite aus ging (wo aber noch viel mehr möglich gewesen wäre).
Raum ist da, aber FCSP sucht Oppie zu selten
So zum Beispiel in der sechsten Minute, als der FC St. Pauli schnell über die linke Seite spielte und so Oppie frei durch war und vor der Grundlinie den Ball punktgenau in den Rückraum zum völlig freien Metcalfe spielte. Doch Metcalfe traf den Ball nicht richtig, schoss sich ans eigene Bein, sodass der Ball letztlich viel zu ungefährlich für das H96-Tor war. Doch die Situation zeigte eigentlich sehr schön auf, wie der FCSP Hannover 96 vor Probleme stellen kann. Nämlich immer dann, wenn schnell gespielt oder verlagert wird, am ehesten auf die eigene linke Seite. Auf der rechten Seite gelang es auch einige Male, sich per Dreieck auf der Außenbahn gen Grundlinie vorzuspielen. Links war es eigentlich immer Oppie, der frei in Flankenposition auftauchte.
Das passierte aber insgesamt zu selten. Vor allem nachdem der defensiv wackelige Chakroun, der eigentlich meist als Linksaußen spielt und nun aber gegen den Ball irgendwie in die Rechtsverteidiger-Position gezwungen wurde (mit dieser aber völlig überfordert war), sehr früh die Gelbe Karte gesehen hatte, schien für mich klar, dass der FC St. Pauli nun noch aggressiver Verlagerungen gen Oppie spielen würde. Das passierte aber nicht, vielleicht, weil das Team diese Situation auf dem Rasen nicht immer als Option erkannte. Marcel Rapp erklärte nach der Partie, dass er in der ersten Hälfte seinem Team von außen den Hinweis gegeben habe, dass Verlagerungen gegen diese Formation von Hannover durchaus vielversprechend sein können. Je länger die erste Hälfte andauerte, umso öfter wurde das dann auch versucht (für meinen Geschmack immer noch viel zu selten). Aber generell war das Aufbauspiel des FC St. Pauli insgesamt zu oft zu langsam, um Hannover zuverlässig in Verlegenheit zu bringen.
Hannover hat eine Lösung, aber nutzt sie nicht
Nach der Chance von Metcalfe war es Hannover 96, das den ersten Treffer erzielte. So entschied es zumindest das Schiedsrichter-Gespann auf dem Rasen. In der Situation hatte das Heimteam sich über links durchspielen können, sodass Källman fast frei durch war. Ritzka grätschte diesen aber überragend ab, doch leider ging der Ball direkt vor die Füße von Chakroun, der vermeintlich das 1:0 erzielte. Doch beim Abspiel gen Källman stand dieser knapp im Abseits, der Treffer wurde zurückgenommen.
Zudem kam Hannover noch bei einem Eckball zu einem Kopfball, der aus kürzester Distanz an die Latte ging (nachdem das Team eine simple Variante mit einer Flanke auf den zweiten Pfosten spielte). Das war es dann aber auch schon mit den wirklich gefährlichen Offensivmomenten von Hannover 96 im ersten Abschnitt. Vom in dieser Saison bisher so offensivstarken Team (zweithöchster xG-Wert der Liga) war nicht viel zu sehen.
Das ist besonders bemerkenswert, weil es eigentlich eine recht offensichtliche Schwachstelle in der Formation des FC St. Pauli gegen jene von Hannover gab: Sobald Hannover 96 mit zwei Spielern auf der offensiven Außenbahn auftauchte, hatte das Team dort eine Überzahl, die der FCSP gar nicht so leicht ausgleichen konnte oder dafür einen hohen Preis bezahlen musste. Denn oft musste einer der Sechser die Position im defensiven Mittelfeld verlassen, der Raum vor der Abwehr wurde dadurch sehr groß (vor allem wenn Metcalfe noch weiter vorne klebte). Das wurde insbesondere dann kritisch, wenn Hannover 96 mal keinen langen Ball schlug, sondern über seine Außenverteidiger aufbaute. Denn die hatten ähnlich viel Raum wie Oppie, weil die FCSP-Außenverteidiger tief gebunden wurden. Wenn Hannover flach auf seine Außenverteidiger eröffnete, dann brauchte es oft einen Sechser und einen äußeren Innenverteidiger, die den Außenverteidiger des FCSP unterstützen mussten. Wohlgemerkt, alles im Rahmen dieser 2-2-6-Formation, also im Rahmen einer ohnehin schon angespannten Personaldecke in der Defensive (weil so viele Gegenspieler vor Ort waren). Doch trotz dieser offensichtlichen Vorteile eröffnete Hannover 96 sein Spiel nur selten flach über die Außenbahnen (vor allem zwischen Minute 20 und 40 taten sie es aber so oft, dass mir auffiel, wie vielversprechend das ist und wie groß die Probleme sind, die der FC St. Pauli damit hätte bekommen können).
Leider war auch wenig von dem Hannover 96 mit dem zweithöchsten gegnerischen xG zu sehen. Dem FC St. Pauli gelang es zu selten, Hannover 96 in Verlegenheit zu bringen. Über Umschaltmomente lief insgesamt so gut wie gar nichts. Und der vorgezeichnete Weg über die Außenbahnen wurde zu selten genutzt. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit konnte sich der FC St. Pauli zuverlässig in der Hälfte von Hannover festsetzen und spielte auch endlich wieder über Oppie. In der Nachspielzeit war es eine schöne Verlagerung von Smith auf die linke Seite, die das Spiel öffnete. Oppie hatte Raum und Zeit zur Flanke und fand mit dieser den bis dahin blassen Ceesay (es war Oppies erste Torvorlage im Trikot des FCSP). Der Angreifer geriet beim Kopfball zwar in Rücklage, brachte aber trotzdem genug Druck hinter den Ball und platzierte ihn auch perfekt ins Eck. Ein wirklich schöner Kopfballtreffer, der dafür sorgte, dass der FC St. Pauli in einem schwierigen Spiel kurz vor der Pause in Führung ging. Zu einem psychologisch sehr günstigen Zeitpunkt.

Links: Hannover 96 positionierte sich immer wieder in einer 2-2-6-Formation, spielte dann lange Bälle auf die Außenpositionen und wollte dort situativ Überzahlsituationen ausnutzen.
Rechts: Der FC St. Pauli hatte gegen das (vor allem durch Chakroun) offensiv interpretierte flache 4-4-2 auf den Außenpositionen Platz, aber es gelang dem Team zu selten, diese auch über schnelle Verlagerungen ins Spiel zu bringen.
„Faires“ Gegentor und Dominanz mit wenig Torgefahr
So ging es mit dem Wissen in die Halbzeit, dass Hannover 96 sich dringend etwas einfallen lassen muss, um in der zweiten Hälfte mehr Torgefahr zu erzeugen. Leider traf das Team von Wagner dann zu einem psychologisch ebenfalls günstigen Zeitpunkt, kurz nach der Pause nämlich.
Die Szene ist mehr oder weniger identisch zu jener in der letzten Woche: Källman wird im Zentrum angespielt, versucht den Ball zu kontrollieren, doch Ritzka ist gut im Zweikampf und erwischt den Ball. Dieser gerät aber genau in die Füße von Chakroun, der in der Situation deutlich im Abseits stand. Chakroun erzielte den Ausgleich, der Jubel bei Hannover war erneut groß. Doch es gab Diskussionen, denn Ritzka spielte den Ball aus meiner Sicht klar unbeabsichtigt. Und auch wesentlich unkontrollierter als Smith letzte Woche gegen den KSC. Wenn also eine der beiden Szenen kein Treffer sein sollte, dann die in Hannover. Ärgerlich also für den FC St. Pauli und so gesehen ist es ausgleichende Gerechtigkeit. Aber die kurze Abfolge dieser beiden Szenen und die unterschiedliche Interpretation zeigt sehr schön auf, wie abhängig solche wichtigen Entscheidungen von der Interpretation der Schiedsrichter*innen sind – und wie unterschiedlich diese ausfallen können.
Viel Ballbesitz, wenig Ertrag
In diesem Moment hätte die Partie insgesamt kippen können, erklärte Rapp nach Abpfiff. Das tat sie aber nicht. Im Gegenteil. Der FC St. Pauli schien sich vom Ausgleich nicht beirren zu lassen. Stattdessen nahm das Team das Spiel nun komplett in die Hand. Hannover wurde eingeschnürt in der eigenen Hälfte. Der FCSP hatte zwar einige Gelegenheiten, gemessen am spielerischen Aufwand, den das Team betrieb, war das aber insgesamt zu wenig, was man sich aus dieser Dominanz erspielte. Rapp betonte, dass in dieser Spielphase oft der letzte Pass gefehlt habe. So gelang es dem FC St. Pauli leider nicht, sich für eine dominante zweite Hälfte auch in Form von eigenen Treffern zu belohnen.
Mir persönlich fehlte vor allem das Tempo in den Offensivaktionen. Denn auch wenn Wagner auf der Pressekonferenz betonte, dass man zur zweiten Halbzeit taktisch etwas angepasst habe, um dem FC St. Pauli weniger Raum auf den Außenbahnen zu geben, der Raum dort war auch weiterhin sperrangelweit offen. Besonders Oppie hatte auf der linken Seite immer noch oft richtig viel Platz. Schaut Euch als Beispiel mal die Ballbesitzsequenz ab Minute 50:15 an und achtet nur darauf, wie frei Oppie ist (und dann auch per Diagonalpass angespielt wird von Smith) und wie verloren Chakroun da im Raum steht. Aber dem FCSP gelang es nicht, diesen Raum zu nutzen. Weil er entweder zu langsam war oder gar nicht die Verlagerung suchte. Das ist nicht unbedingt ein großer Fehler, schließlich, so erklärte es Smith nach Abpfiff, musste das Team auch immer aufpassen, nicht ausgekontert zu werden (was bei Ballverlusten in der Verlagerungsbewegung besonders gefährlich gewesen wäre). Trotzdem hätte es dem FCSP wohl gut getan, etwas mutiger die defensiven Unzulänglichkeiten von Hannover 96 offenzulegen.
Ungewohnte Zweikampfschwäche
Erst mit der Einwechslung von Pichler, einem zweiten Mittelstürmer, konnte Hannover 96 seine Defensive etwas besser in den Griff bekommen. Aufgrund eines zweiten Angreifers war die Zuordnung viel klarer, das Anlaufverhalten gegen die drei Innenverteidiger des FC St. Pauli wurde effektiver. Somit blieb aus diesen Positionen weniger Zeit, um kontrollierte Bälle nach vorne (vertikal oder diagonal) zu spielen, das Offensivspiel des FCSP wurde besser in Schach gehalten. Nun war es nicht mehr die Schnelligkeit oder Diagonalität, die primär für Torgefahr sorgte, es war das Verhalten in engen Räumen. Hier tat sich Fujita hervor, der unter anderem den Pfosten-Kopfball von Ceesay in der 73. Minute vorbereitete und sich in den kompakten Reihen von Hannover genau so flexibel und kreativ zeigte, wie es notwendig ist, um einen Gegner zu knacken. Und zweikampfstark war er auch, was an diesem Abend leider viel zu wenige Offensivakteure des FC St. Pauli waren (nur gegen Bielfeld gewann der FCSP in dieser Saison seltener Offensivduelle). Ceesay gewann zwei von sechs Offensivzweikämpfen, Metcalfe einen von neun, Jones, Kaars und Niang gewannen zusammen keinen einzigen Zweikampf.
Erst zum Spielende hin wurde Hannover wieder etwas druckvoller. Zwischen der 48. und 80. Minute kam die Wagner-Elf zu keinem einzigen Abschluss (bis zur 85. waren es dann aber deren fünf). Da betone ich gerne nochmal, dass das Team bisher auf einen durchschnittlichen xG-Wert von etwa 2,5 gekommen ist und diesen Eindruck so gut wie gar nicht bestätigen konnte. Aber leider gelang es dem FC St. Pauli auch nicht, aufzuzeigen, dass Hannover ein in der Defensive anfälliges Team ist.
So bleibt am Ende ein gerechtes Unentschieden auf einem insgesamt eher überschaubaren Niveau. Weil beiden Teams anzumerken war, dass ihnen Lösungen fehlten oder sie diese, aus welchen Gründen auch immer, nicht für sich nutzen konnten.
Der FC St. Pauli bleibt damit auch im vierten Auswärtsspiel in dieser Saison ungeschlagen – oder sieglos, je nachdem, ob das Glas als halbvoll oder halbleer betrachtet wird. Für die Spieler war nach Abpfiff das Glas auf jeden Fall halbleer. Sie waren in der Mixed Zone allesamt enttäuscht, dass es nur zum Unentschieden reichte und das Team es nicht besser hinbekommen hat gegen ein schlagbares Hannover. Aber allein die Tatsache, dass Hannover 96 selbst für einen nicht in Top-Form befindlichen FC St. Pauli schlagbar ist, zeigt, wie hoch das Level in diesem Team ist. Und dass nach einem Unentschieden bei einem der individuell am besten besetzten Clubs der Liga die Enttäuschung überwiegt, ist ein schöner und angenehmer Ausdruck des Anspruchsdenkens beim FCSP. Daher: Ein Punkt in Hannover ist ok, aber mehr als das bitte auch nicht. Kommende Woche in Darmstadt soll die Ungeschlagen-Serie halten, vor allem soll aber der erste Auswärtssieg der Saison eingefahren werden.
Immer weiter vor!
// Tim
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Der Wagner hat auf deine Frage zu seiner „6er-Kette“ in der PK so schroff reagiert weil er sich ertappt gefühlt hat glaube ich. Mal schauen ob er das nicht nächste Woche wieder so spielen lässt. 😉
Seitdem die Ergebnisse einigermaßen und die Leistungen fast immer stimmen, ist es auffällig ruhig im Kommentarbereich geworden. Fast vermisse ich die Bornemann Hater und Göttlich Kritiker, die jetzt kommt Liga 3 und Cessay Fehleinkauf Analysten ein wenig. Habt sogar ihr inzwischen Frieden mit dem Team gefunden?
Och, vielleicht ist vieles auch einfacher einer gewissen Lustlosigkeit sich mit genau solchen Beiträgen auseinanderzusetzen gewichen. Aber ich schreibe dennoch mal in Kurzform: Da ist noch sehr viel Sand im Getriebe.
Genauer, ebenfalls in Kurzform: Das Umschaltspiel ist zu langsam und zu fehlerbehaftet, wir machen zu wenig aus den sich ergebenden Momenten. Wir sind anfällig bei Standards. Wir laufen 4km pro Spiel unter dem Ligaschnitt – dies gilt ebenso für Sprints und intensive Läufe. Auch deswegen ist das von Rapp gewollte Pressing größtenteils wirkungslos. Niang gehört in der derzeitigen Verfassung maximal auf die Bank. Niemand im zentralen MF hat nennenswerten Impact auf das Spiel, es gibt im Team keinen Unterschiedsspieler (eventuell kann Ceesay in die Rolle schlüpfen, im MF wird es wohl niemand mehr tun). Wir spielen also unter unseren Möglichkeiten und deswegen auch so oft Unentschieden. So reicht das maximal für einen Platz in oberen MF der Liga. Klar, noch ist Zeit das Spiel zu optimieren. Demnächst bekommt aber die Tabelle mehr Aussagekraft. Dann schauen wir mal genauer darauf, ob wir finanziell gesehen ein Underperformer sind, oder nicht.
Godis Gedanken
Lieber FC St. Pauli,
1:1 in Hannover.
St. Pauli hatte den Ball. Hannover hatte ein Tor. Am Ende hatten beide einen Punkt. So ungerecht kann Fußball sein. Oder so einfach.
Ceesay trifft. Wir jubeln. Wir träumen. Dann trifft Hannover. Und plötzlich ist die Liebe wieder kompliziert.
Danach Pässe. Kombinationen. Ballbesitz. Hannover darf zuschauen. Eintritt frei. Tore leider auch.
Der MillernTon nennt es „zahnlose Dominanz“. Ich nenne es: Wir klopfen 90 Minuten an die Tür, erklären dem Gegner ausführlich unsere Spielidee – und vergessen, ihn zu überholen.
Wir spielen uns Chancen heraus, als gäbe es dafür Bonuspunkte. Wir sammeln Ballbesitz wie andere Leute Payback-Punkte. Und am Ende stehen wir an der Kasse und erfahren, dass wir damit leider nicht bezahlen können.
Ballbesitz ist wie ein Liebesbrief. Schön geschrieben. Mit viel Gefühl. Aber wenn man ihn nie abschickt, wird daraus keine Beziehung.
Wir haben fünf Spiele nicht verloren. Das ist gut. Wirklich gut.
Aber irgendwann muss aus schönem Ballbesitzphasen auch mal ein hässliches Tor fallen. Ein dreckiger Sieg. Ein Tor, das vom Knie ins Netz kullert und für das sich hinterher niemand entschuldigt.
Wir brauchen keine Schönheitspreise. Wir brauchen Tore.
Euer Godi
@PaulK:
Wie kann man denn 8 Schwächen aufzählen und darunter schreiben „wir spielen unter unseren Möglichkeiten…funny ! 🙂 Wenn du Recht hast, spielen wir mit Fug Recht schlecht…spielen wir aber nicht.
Die Führung war zu dem Zeitpunkt glücklich, Hannover hatte bis dahin mehr Spielanteile, am Ende alles gut. Es war eines von den mühsamen Spielen, aber die Mannschaft geht ihren Weg. Immer gewinnen schaffen aber selbst die Bayern nur Phasenweise.
Checke nicht was du meinst und was ach so „funny“ sein soll. Ich weiß auch gar nicht, was diese bescheuerten Bayern München Vergleiche immer sollen. Das ist so eine Nebelkerze, wenn sonst nicht viel kommt.
Die Mannschaft ist nominell besser besetzt, als sie spielt und dem entsprechend auch Ergebnisse erzielt. Wenn gegen eine völlig verunsicherte Mannschaft wie Hannover derart wenig, gerade in der ersten Halbzeit herumkommt, und die Führung schmeichelhaft ist (das sehe ist genauso wie du), dann kann ich sagen a) die Mannschaft geht ihren Weg, oder aber b) das Spiel ist fehlerbehaftet und optimierungsbedürftig.
Wenn du Lust hast auf die Punkte einzugehen, die ich genannt habe, dann haben wir einen Austausch, ansonsten können wir uns das schenken.