Der FC St. Pauli macht das Spiel dieser Saison und verliert dennoch mit 1:3 gegen den 1. FC Nürnberg. Die Stimmen und Statistiken zum Spiel.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Trotz neuer Rekorde bei den erwarteten Toren und einer allgemeinen sehr guten Leistung musste der FC St. Pauli eine Heimniederlage einstecken. Mit 1:3 verlor die Mannschaft von Marcel Rapp gegen den 1. FC Nürnberg unter Ex-Nationalspieler Miroslav Klose. Die Anfangsphase fing bereits mit viel Energie des FCSP an und wurde dann ärgerlicherweise von einem Gegentor unterbrochen, Torschütze: Eric Smith. Der 29-jährige versuchte zu klären, stolperte dann aber den Ball selbst ins Tor. Trotz Rückstand lief die erste Halbzeit ansonsten gut für die Gastgeber, doch der verdiente Treffer wollte nicht fallen. Nach der Pause blieb der FC St. Pauli aktiv und besser. Abdoulie Ceesay erzielte den hochverdienten Ausgleich in der 58. Minute. Die Freude über die Belohnung hielt aber nicht allzu lange an, denn Nürnberg ging eine Viertelstunde später wieder in Führung durch einen Treffer von Sigurd Haugen. Die letzte Hoffnung der FCSP-Fans wurde dann durch das Tor von Marc Kornwachs Barjuan zerstört, der in der 90. Minute zum 1:3 traf. So musste das Team von Marcel Rapp mit der zweiten Liga-Niederlage klarkommen, während der 1. FC Nürnberg mit viel Glück seine Tabellenposition festigen konnte.
Trainerstimmen
Miroslav Klose:“Ich bin glücklich, dass wir in Phasen die richtigen Lösungen gefunden haben.“
„Ich glaube, dass ich hier heute als ein ganz, ganz glücklicher Trainer sitze. Ich glaube, dass was St. Pauli heute geleistet hat, muss man anerkennen“, erklärte Nürnbergs Cheftrainer Miroslav Klose. Anschließend beschrieb er: „St. Pauli war ganz schwer zu verteidigen. Aber deswegen sitze ich hier und bin glücklich, dass wir in diesen Phasen die richtigen Lösungen gefunden haben und trotzdem Fußball gespielt haben und uns viele Sachen auch rausgespielt haben.“ Trotz des sehr positiven Ergebnisses für die Clubberer kritisierte Klose auch seine Mannschaft in einigen Punkten: „Wir mussten ein bisschen tiefer stehen und verteidigen. In dem Moment, wo wir nach vorne umschalten wollten, haben wir einen Fehlpass gemacht, dann war wieder der Konter im Konter, was im Fußball richtig gefährlich ist.“ Doch selbstverständlich lobte er seine Mannschaft ebenfalls: „Nach dem Ausgleich sind wir nochmal zurückgekommen, haben nochmal ein bisschen höher geschaltet.“ Neben dem jungen Marc Kornwachs Barjuan, der das 1:3 schoss und zum internen Man Of The Match gewählt wurde, lobte der Trainer besonders seinen Torwart: „Es gibt so Tage und heute war es unser Torwart, der einen guten Tag hatte, der uns da gerettet hat in vielen Situationen.“
Rapp: „Es war ein sehr gutes Spiel von uns und auf dem Weg müssen wir weitergehen“
Anders als Miro Klose konnte sich Marcel Rapp verständlicherweise nicht über das Ergebnis freuen, dafür aber über alles andere: „Ich sitze jetzt hier und sag: Ich glaube, das war ein Topspiel von uns von Anfang bis zum Ende.“ Weiter ergänzte er:„Wir haben das richtig gut gemacht, waren die ganze Zeit torgefährlich, hatten unzählig viele Chancen und ich glaube sinnbildlich sind die Tore so gefallen wie das Spiel heute war.“ Auch wenn die Leistung stimmt, fehlt es dem Ergebnis an Toren vom FC St. Pauli. Marcel Rapp erklärte: „Wir müssen die Chancen besser verwerten, das wissen wir, das wissen die Jungs auch und sie sind in der Lage dazu.“ Dazu beschrieb er: „Wir machen natürlich auch Fehler, das war jetzt kein perfektes Spiel. Aber ich glaube, das ist alles im Rahmen. Ich glaube, wenn man die Gesamtleistung sieht, auch das ganze Spiel über, haben sie das richtig gut gemacht.“ Insgesamt legte Rapp den Fokus auf die positiven Elemente und fasste noch einmal zusammen:„Es war ein sehr gutes Spiel von uns und auf dem Weg müssen wir weitergehen, auch wenn das sehr, sehr bitter heute ist, wie das Ergebnis zustande gekommen ist.“
Kernstatistiken
| FC St. Pauli | 1. FC Nürnberg | |
| 21 (7) | Torschüsse (auf das Tor) | 14 (6) |
| 16 | Fouls | 13 |
| 44,78 | Ballbesitz | 55,22 |
| 478 (403) | Pässe (erfolgreich) | 511 (455) |
| 48 (26) | … davon ist letzte Drittel (erfolgreich) | 42 (33) |
| 35 (18) | … davon lange Pässe (erfolgreich) | 37 (25) |
| 42 | Ballberührungen im gegn. Strafraum | 21 |
| 86 (45) | Defensivduelle (erfolgreich) | 50 (25) |
| 24 (12) | Kopfballduelle (erfolgreich) | 24 (12) |
| 10,84 | PPDA | 15,5 |
| 120,82 km | Laufleistung | 119,89 km |
Man muss die Leistung vom Ergebnis trennen
Die Zwischenüberschrift ist einer von Marcel Rapps Lieblingssätzen, den er leider auch am Sonntag wiederholen musste. Recht hat er damit natürlich und man sollte nach so einem Spiel unbedingt die Leistung bewerten. Seit längerer Zeit hat der FC St. Pauli mal wieder den höheren Wert in der Laufleistung und so kam es mir auch vor, daher wundert es mich fast ein bisschen, dass Nürnberg den höheren Ballbesitzanteil hatte. Vielleicht ist da aber auch meine Fanbrille im Spiel. Der FCSP gab stolze 21 Schüsse ab, was für die diesjährige Saison ein neuer Rekordwert ist. Zwölf davon gab es in der ersten Halbzeit. Ein weiterer Ausdruck der Überlegenheit des FC St. Pauli ist, dass die Anzahl der Ballberührungen im gegnerischen Strafraum doppelt so hoch ist wie die des 1. FC Nürnberg. In der ersten Hälfte kamen die Clubberer nur auf sechs Ballkontakte im FCSP-Strafraum, in der zweiten dafür auf 15. Daher kann man festhalten, dass die erste Halbzeit des FC St. Pauli stärker war als die zweite. Das liegt meiner Meinung nach allerdings nicht an einer schwachen zweiten Halbzeit, sondern an einer so guten ersten Hälfte.
Expected Goals
| FC St. Pauli | 1. FC Nürnberg | |
| (4,05 / 4,13 / 3,88) = 4,02 | (Wyscout / DFL / FotMob) = Expected Goals | (1,29 / 0,92 / 0,89) = 1,03 |
| 2,58 | xG herausgespielt | 0,71 |
| 1,30 | xG Standard | 0,18 |
| 3,16 | xGOT | 1,72 |
FC St. Pauli mit xG-Rekord
Was für ein Spiel, was für eine Chancengenerierung und was für ein trauriges Resultat. Mir fällt es bei solchen Spielen immer schwer, die Niederlage zu akzeptieren, denn die drei Punkte wären verdient gewesen. Die xG-Werte sehen jedenfalls so aus, als ob sie dem falschen Verein zugeordnet wurden. So würde man doch meinen, wenn man nur das Ergebnis und nicht das Spiel gesehen hätte. Auch wenn der FC St. Pauli nur ein Tor schoss, konnte er einen neuen Rekord aufstellen – und was für einen. Seit Beginn der Aufzeichnung von xG-Werten (ab Saison 15/16) gab es nur ein weiteres Ligaspiel, in dem der FCSP einen xG-Wert von mehr als 4,0 hatte: Beim Spiel gegen den Karlsruher SC in der Rückrunde 16/17 lag der xG-Wert bei 4,34. Die Partie wurde damals aber deutlich mit 5:0 gewonnen. Einen xG-Wert von mehr als 3,0 und nicht mindestens zwei eigene Treffer gab es noch nie für den FCSP.
Spielerstimmen: „Gerade tut es brutal weh, aber das muss es ja auch, wenn du so ein Spiel machst„
„Solche Spiele sind leider Fußball. Wenn man es vorne nicht macht, bekommen wir es leider hinten. Aber gut, dass wir jetzt mal Chancen kreiert haben. Das war auf jeden Fall, was wir verbessert haben gegenüber den letzten Spielen. Wir müssen unsere Stürmer noch öfter da reinbekommen, damit wir auch dann am Schluss die Tore machen. Ich bin sehr überzeugt, dass das noch kommen wird“, erklärte Kapitän David Nemeth nach dem Spiel. Ben Voll, der überraschenderweise dreimal den Ball aus dem Netz fischen musste, versuchte das Positive des Spiels zu sehen: „Gerade tut es brutal weh, aber das muss es ja auch, wenn du so ein Spiel machst. Ma wird zwei Tage sehr traurig sein, sehr verärgert drüber und dann geht es darum, weiterzumachen, darum, was wir heute Positives gemacht haben. Weil dann auch die Punkte kommen werden. Aber gerade ist es noch schwer, das so zu sehen.“ Nemeth ergänzte dazu noch: „Ich glaube, wir haben alle jetzt ein bisschen Wut in uns, sind ein bisschen sauer, enttäuscht und so. Aber genau das müssen wir mitnehmen ins Training.“ Connor Metcalfe versuchte sich auf die guten Dinge zu konzentrieren: „There’s a lot of positives that we can take from the game. I mean ball possession, we were really, really good and we created a lot more chances than we usually do. I think it’s just about staying together and capitalizing in those chances, result aside.“ Besonders die Teamleistung hob er noch einmal hervor: „It felt good out there. We were passing, moving and running for each other. I think it‘s a really positive game for us as a team and I think there are lot more positives we can take out of this game than negatives.“
„Es ist noch niemand aufgestiegen und noch niemand abgestiegen“
Dass der Frust nach so einem Spiel sehr groß ist, ist selbstverständlich und darf auch mal so sein. Das werden wir in unserer Redax sicherlich auch noch einmal aufarbeiten. Für alle, die nach dem zehnten Spieltag jetzt schon schwarzsehen, kann ich auf Ben Voll verweisen, der die richtigen Worte nach dem Spiel finden konnte: „Ich glaube, wenn man die Tabellenkonstellation allgemein sieht, dann sind alle Mannschaften brutal nah beieinander. Also, wir haben jetzt den 10. Spieltag rum, es ist noch niemand aufgestiegen und noch niemand abgestiegen.“
Also, Immer weiter vor!
// Nike
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