DFL erlaubt Kontingent von 5% für Gästefans

DFL erlaubt Kontingent von 5% für Gästefans

Die DFL hatte heute eine Mitgliederversammlung und hat dabei das ein oder andere beschlossen und wieder anderes immerhin besprochen. Zu möglichen Auswechslungen und 50+1 morgen ein paar Gedanken in der Lage, hier und jetzt aber schon mal ein paar Gedanken zum Gästekontingent.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Zunächst einmal gab es ja die Initiative des SV Darmstadt 98 in Bezug auf Gästefans. Das dort erwähnte eingereichte Konzept wurde nicht mit veröffentlicht, Details sind also zumindest der Öffentlichkeit nicht bekannt, wurden aber sicher heute dort mit diskutiert.

Beschlossen wurde, dass ab dem jeweils 3.Spieltag in beiden Ligen wieder ein Gästekontingent in Höhe von 5% der jeweils aktuell erlaubten Kapazität zugeteilt wird. Die Begründung für “erst ab dem 3.Spieltag” ist offiziell, dass allen Vereinen ein Heimspiel zum Testen der Abläufe eingeräumt wird. Für die 2.Liga dürfte hinzukommen, dass eben das erste Spiel ja schon recht nah ist und die allermeisten (wenn nicht alle) Vereine bereits mit dem Verkauf begonnen haben dürften.

Warum es 5% und nicht 10% sind? Keine Ahnung, hier wird man evtl. die Kommunikation der Vereine abwarten müssen. “Aber die dürfen ja auch nur die Hälfte der Gästekarten verkaufen!” gilt als Argument natürlich nicht, denn wenn die Hälfte des Heimbereichs zugelassen ist, wären davon 10% ja eben auch der gleiche Gästebereich wie sonst auch, nur eben auch nur zur Hälfte befüllt.
Eine Idee wäre, dass diese 5% eventuelle Sicherheitspuffer ausgleichen soll, das ist allerdings komplette Spekulation meinerseits und klingt auch nicht so richtig schlüssig, immer auf das Große/Ganze bezogen.

Diese Entscheidung ist aber natürlich grundsätzlich trotzdem zu begrüßen und erlaubt Gästefans in den Stadien somit deutlich früher als zum Beispiel ich es erwartet hätte – ich hatte das für dieses Kalenderjahr gedanklich eigentlich schon abgehakt.
Nun stellt das in einer Pandemie aber natürlich auch viele Beteiligte vor Probleme und ich zähle die Punkte die mir auf die Schnelle einfallen jetzt mal völlig wertfrei und ungeordnet hier auf. Dies tue ich ja wohlgemerkt erst jetzt, als die Entscheidung schon durch ist, sonst hätte ich mir das natürlich eher erspart.
Und: es ist natürlich immer einfacher Probleme zu finden als Lösungen zu suchen, daher bitte die Liste jetzt gleich auch nicht überbewerten:

  • Heimverein:
    • Was passiert, wenn das lokale Gesundheitsamt das Konzept für Gästefans ablehnt?
      (Keine Ahnung, ob das passiert, unmöglich erscheint der Gedanke aber nicht – auch wenn Hamburg den “Zutritt nur für Hamburger*innen”-Passus schnell wieder einkassiert hatte).
      Muss das Spiel dann stattdessen ganz ohne Fans stattfinden oder gibt es hierfür dann DFL-Ausnahmen?
    • Das Kontingent für den Heimbereich, welches evtl. eh schon zu klein ist um wenigstens die Dauerkarten zu bedienen, muss ggf. weiter verkleinert werden (s.o.)
    • Im Extremfall gibt es durch eventuelle Pufferblöcke sogar insgesamt weniger Tickets für das gesamte Stadion als es ohne Gästefans gegeben hätte.
    • Wenn die Personalisierung zur Nachverfolgung weiter Orga-Aufgabe des Heimvereins bleibt, muss hier ggf. die eigene Ticketsoftware irgendwie an den Gastverein übergeben werden. Und ich fange jetzt noch nicht mal mit Datenschutz an.
    • Wird es möglich sein, ungenutzte Gästekontingente den Heimfans wieder zugänglich zu machen?
  • Gastverein:
    • Schauen wir mal als Beispiel auf das Derby: Wenn es bei der aktuellen Regelung (8.900 Menschen am Millerntor, ohne Pufferblöcke) bleiben sollte, gehen 450 Tickets an den HSV.
      Für diese Anzahl muss nicht nur bei uns (s.o.) sondern auch beim HSV vermutlich ein immenser Aufwand betrieben werden, insbesondere, wenn der Verkauf digital stattfindet. Evtl. muss der Sitzplan in der eigenen Software abgebildet werden etc.
      Dies war in der Vergangenheit bei Auswärtsspielen nicht nötig.
      (Den zusätzlichen Sicherheitsaufwand der Polizei für die paar Leute zähle ich hier jetzt nicht als eigenen Punkt auf. Verhältnismäßigkeit und sinnvoll eingesetzte Arbeitszeit war in der Vergangenheit nie ein Argument für die Polizei, da kann sie jetzt von ihr auch nicht umgekehrt angeführt werden.)
    • Eines der Argumente für eine Zulassung von Gästetickets war, dass es ja auch oft Fans des Gastvereins in der jeweiligen Stadt gibt. Gut, fällt fürs Derby als Punkt eher weg, könnte aber bei anderen Spielen relevant sein. Will man eigene Fans in der Stadt (oder in der Nähe der Stadt) des Heimvereins bevorzugt mit Gästetickets versorgen? Haben dann auch alle Vereine die dafür nötigen Daten, um zu vermeiden, dass einfach jemand von vor Ort “behauptet” Gästefan zu sein, um wenigstens ins Stadion zu kommen?
  • Fanprojekte / Organisation der Auswärtsfahrt
    • Wenn es denn überhaupt Karten in nennenswerter Anzahl gibt: Will man eine organisierte Anreise überhaupt anbieten, mit all den auch finanziellen Risiken die eine Pandemie bzgl. kurzfristiger Absagen und Verschiebungen mit sich bringt?
    • Wie teuer werden Busfahrten, wenn man sie Corona-konform durchführt? Fährt dann überhaupt noch jemand mit?
      Beide Fragen dürften auch den Fanladen zeitnah beschäftigen.
  • Jede*r von uns
    • Setzt man sich, insbesondere solange der Impfschutz evtl. noch nicht vollständig ist, durch eine Auswärtsfahrt einem erhöhtem Risiko aus? Jetzt, so kurz bevor man nach 1 1/2 Jahren vielleicht endlich durch diese scheiß Pandemie durch ist?
    • Wenn jemandem das Risiko zu hoch ist (verständlicherweise), wie lange will man dann noch weiter drauf verzichten? Gleiches gilt ja genauso für Heimspiele und die bisherige Nachfrage nach Tickets für das Testspiel am Samstag gegen Hertha scheint ja zu zeigen, dass hier durchaus sehr vorsichtig agiert wird.
      (Und klar: “Bis alles vorbei ist.” ist eine völlig legitime Antwort, das kann ja jede*r nur für sich selbst entscheiden.)

Nochmals, bevor das falsch verstanden wird: Ich finde die Entscheidung sehr gut und habe beispielsweise auch keine Angst, dass die 5%-Regelung dadurch mittel- bis langfristig etabliert werden soll. Allein, dass man sich in dieser heiklen Lage überhaupt zu Gästefans durchringen konnte, ist aus meiner Sicht ein absolut positives Zeichen.
Es ist darüber hinaus ja auch im Beschluss festgelegt, dass bei einem Wegfall der Beschränkungen auch wieder die 10%-Regel greift.
Auch ist vermutlicher Mehraufwand für die Vereine wohl sicher bitter, weil er in der Regel Geld kostet, welches bei fast allen Clubs aktuell knapp ist – aber wenn man den Fußball wie wir ihn kennen und zurückhaben wollen auch nur annähernd wieder ermöglichen will, sollte dieser Mehraufwand es allen wert sein.

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Ausgerechnet der DFB (bzw. die unter seiner Leitung in der 3.Liga spielenden Vereine) hatte hierfür ja bereits die Vorlage gegeben, indem dort bereits ab sofort Gästefans wieder zugelassen sind – ohne 5%-Regel, allerdings vorbehaltlich lokaler Verfügungen der Gesundheitsbehörden.

Wir haben aber auch gerade eine EM erlebt, in der die starke Reisetätigkeit (zurecht) sehr kritisiert wurde und es sehr häufig (ungleich: ausschließlich!) eben auch Menschen in den Gästeblöcken waren, die Abstands- und Maskenpflicht besonders lax gehandhabt haben.
Schlagzeilen wie “X mehr Coronafälle aufgrund der EM!” sind zu lesen – sind die “Y mehr Coronafälle aufgrund von Gästefans in der Bundesliga!”-Artikel da nicht quasi schon von selbst geschrieben?
Es wäre also für die DFL sicher die bequemere und leichtere Entscheidung gewesen, hier ein “Keine Gästefans in 2021!” zu verfügen und die weitere Entwicklung abzuwarten.
Nun ist es anders gekommen und ich begrüße dies sehr – bin aber auch gespannt, inwieweit die oben aufgeführten Punkte sich wahlweise (hoffentlich) als nichtig erweisen oder eben doch noch zu Fallstricken werden können.

Das erste Spiel, bei dem wir uns beim FCSP konkret mit der Frage “Will ich da hin?” beschäftigen können, dürfte demnach das Pokalspiel in Magdeburg sein, denn auch die hatten dann ja bereits ein Heimspiel zum Ausprobieren – mal davon ab, dass es für die 3.Liga ja eh andere Regeln gibt.
In der Liga ist das Auswärtsspiel in Aue dann noch ohne Gästefans, am 4.Spieltag in Paderborn könnte der Gästeblock dann aber wieder gefüllt werden – anteilig, zumindest. Die ganze lange Zeit ohne Auswärtsfahrt – und dann geht es in dieser so fantastisch besetzten Liga ausgerechnet ins Möbelhaus.

Für uns alle dürfte es noch ein weiter Weg sein, bis der Tag der festen Spieltagsterminierung wieder herbeigesehnt wird und mit parallel geöffneten Browser-Tabs die Reise geplant werden kann – ein erster Schritt in diese Richtung wurde aber heute immerhin schon mal gemacht. Hoffen wir, dass die weitere Entwicklung der Pandemie es nicht nötig machen wird, diesen Schritt auch wieder zurücknehmen zu müssen.
Durch die Terminierung des 3.Spieltags wird das Derby dann übrigens das allererste Spiel im Bereich der DFL seit März 2019 sein, bei dem Gästefans anwesend sein dürfen – wenn denn alles so kommt, wie aktuell geplant.

Also – was denkt Ihr? Welche der oben genannten Punkte sind zu vernachlässigen?
Würdet Ihr in den nächsten Wochen und Monaten überhaupt eine Auswärtsfahrt auf Euch nehmen, oder wartet Ihr lieber noch? Sind die 5% ein guter Kompromiss, hätten es 10% sein sollen oder kommt das alles sowieso zu früh?

// Maik

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9 thoughts on “DFL erlaubt Kontingent von 5% für Gästefans

  1. Interessante Fragen. Ich befürchte allerdings, dass sich das mit den Zuschauern bis zum Derby aufgrund steigender Inzidenzzahlen bereits wieder erledigt haben dürfte. Zumindest dann, wenn die Behörden die bisher in der Vergangenheit gegoltenen Kriterien beibehält.

    Die Ticketverkäufe für die in HH am WE stattfindenden Test-/Saisoneröffnungsspiele zeigen zudem eine deutliche Zurückhaltung bei den Fans, sonst gäbe es bei 10% Auslastung keinen freien Verkauf mehr. Und, das liegt nicht an den vergleichsweise unattraktiv Gegnern und der geringen sportlichen Bedeutung.
    Wir sind leider noch weit entfernt von einer ‘Normalität’

    1. Grundsätzlich begrüsse ich die Entscheidung, Glaube jedoch nicht, dass sie Bestand haben wird. Ferner bin ich bei dir, dass der Aufwand für viele Vereine sehr hoch sein wird. Spannend wäre dann ja auch noch die Terminierung. Es gibt Vereine die bringen recht wenig Fans mit. Am Ende reserviert du 740 Plätze, die du nicht mehr los wirst. Und es sind nur 200 besetzt. Welch ein Aufwand. Der dann sicherlich auch zu Unmut bei Heimfans führt, die nicht dürfen. Auch ist es vom gesamten her natürlich weit weg von einer Auswärtsfahrt, was einige einfach davon abhalten wird, dann zu fahren.
      Trotz allem finde ich es, nur auf den Fußball geschaut einen guten ersten Schritt. Schwierig wird es natürlich, wenn Schule usw. weiterhin nicht funktionieren und der Fußball den nächsten Sonderschritt macht.
      Ich für mich persönlich habe entschieden ich würde fahren, wenn auch sonst weiterhin “Normalität” bleibt. Sobald Amateur und Jugenfußball nicht mehr dürften, wäre es für mich ein no Go.

      Ich hatte Gedanklich jedoch auch einen Fehler. Ich bin davon ausgegangen, dass wir Aufgrund der Stadiengrößen insgesamt mehr Fans “unterbringen” werden. Hab mir abet gerade einmal die Mühe gemacht das auszurechnen. Ausgehend von der angegebenen Stadoingröße 50% Auslastung und 5% Auswärtsfans, kommen wir fast genau auf +-0.

      1. Den letzten Satz hab ich nicht kapiert:
        Es sind doch dann eben die 8.900 Fans im Stadion – und davon 450 Gäste.
        (Pufferzonen nicht mitgeplant.)

  2. Hey Maik,
    Danke für den Artikel und viele gute Argumente. Ich halte den Zeitpunkt pandemiebedingt für völlig fatal. Die Zahlen gehen gerade wieder nach oben, die Zuschauer in den Stadien zeigen gerade eindrucksvoll, dass verantwortungsvoller Umgang mit den Lockerungen kaum passiert (selbst in halbbesetzten Blöcken rücken alle schön eng zusammen, von den Geschehnissen in London ganz zu schweigen), und dazu wird ein Gefühl der Normalität suggeriert, die es nun mal noch nicht gibt. Ich hätte jetzt 4-5 Spieltage abgewartet, geschaut wie es mit den Heimfans läuft (das ist doch schon was nach all der Zeit), die Zahlen bis Sommerende abgewartet und dann sukzessive die Gästefans mit dazugeholt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Ich fürchte, dass das aber so ein sehr kurzweiliges Vergnügen wird und zum Sommerende/Herbstbeginn eher alles wieder runtergefahren werden muss.

  3. Schöner Satz, keine Ahnung, ob du ihn bewusst so formuliert hast, dass die Rauten in Hamburg eh kaum Fans haben, aber ich grinse wegen “Eines der Argumente für eine Zulassung von Gästetickets war, dass es ja auch oft Fans des Gastvereins in der jeweiligen Stadt gibt. Gut, fällt fürs Derby als Punkt eher weg, könnte aber bei anderen Spielen relevant sein.” echt gerade voll in mich hinein!

    1. Ich mache von meinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch 🙂

      (Sitze aber dank postalischer Anschrift in Schleswig-Holstein auch im Glaskasten.)

  4. Ich persönlich finde die Zulassung von Gästefans in Pandemiezeiten wahnsinn. Wenn das Virus einen Wunsch frei hat, dann, dass sich jedes Wochenende 10.000de möglichst betrunken auf den weg quer durch Deutschland machen.

    In Utrecht gab es gerade ein großes Open Air Festival. Mit Hygienekonzept, wissenschaftlicher Begleitung und allem Pipapo. Und: 1.000 Neuinfektionen.

    Und ich will nicht, dass im September/Oktober die Schulen wieder dicht machen müssen, nur weil wir Erwachsenen es jetzt schon wieder versauen.

    Deswegen: Ich will null Gästefans.

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