Wir haben doch alle gar keine Ahnung!

VfL Osnabrück – FC St. Pauli 1:1

Die Bremer Brücke. Dort, wo der Affenfelsen eine andere Bedeutung hat, als im Tierpark Hagenbeck. Die Osnabrücker werfen nämlich nicht gelegentlich mit Scheisse nach Besuchern. Bis auf ein bisschen lächerliches Rumprollen war bei dieser Fahrt nur die Polizei für den unangenehmen Teil verantwortlich. 

Der Spätsommer schlägt zu und schafft direkt Probleme bei der Klamottenwahl. Morgens um 7.00 Uhr sind es 6 Grad. In Osnabrück um 16.00 Uhr 26. Die Beine von vielen müden Gesichtern am Bahnsteig bekleidete dementsprechend nur eine kurze Hose. Die erste große Gruppe ist bereits eine Stunde früher mit der Bahn los. Wir gingen es entspannter an. Dank günstigem Niedersachsenticket, konnten wir bei einem Umsteigehalt in Bremen noch einigen Rauten ins Gesicht grinsen. Ein paar Bier und schlechte Wortwitze später (siehe unten, gestern war’s noch witzig!), lachte uns die Sonne in Niedersachsen an. Dank „No colours“ konnten wir uns an der Polizeisperre vorbeimogeln und einen fünfzehnminütigen Fußmarsch zum Stadion statt Shuttle in Angriff nehmen. Für andere war die Tour zu diesem Zeitpunkt bereits mit viel Frust verbunden, weil die Polizei alle offensichtlichen St.Pauli-Fans nur einzelnd nach ewiger Warterei zu den Bussen schickte.

Von der Osnabrücker Seite kommend, wurden wir aufgrund von Bierdosenbesitz nicht zum Gästeblock gelassen. „Dosenverbotszone“ – wieder was gelernt. Die Uniformierte hat das Wort selbst kaum ohne zu Lachen hervorgebracht. Immerhin wurden wir dadurch, in der Sonne sitzend, Zeugen des „Fanmarsches“ einiger Heimfans, welcher sich lautstark unter einer Brücke ankündigte, das „Scheiss St. Pauli“ dann unter freiem Himmel verpuffen ließ und den „Marsch“ auf dem Bürgersteig fortführte. Wir Dösbaddel dachten doch bis dahin tatsächlich, dass die Dosenverbotszone der Lacher des Tages war. Trotzdem; vermutlich wäre ohne Polizei genauso wenig passiert, wie mit. Recht entspannte Stimmung auf beiden Seiten. Vielleicht renne ich aber auch blind durch die Welt. Der massive Poizeiaufmarsch erschien mir allerdings völlig überzogen.
Dazu noch viele Zivilpolizisten, die versuchten so auszusehen wie Hooligans in den 90ern und dabei aussahen wie Zivilpolizisten, die versuchen so auszusehen wie Hooligans in den 90ern.

Die Bremer Brücke erinnert an ein Zweitligastadion aus vergangenen Zeiten. Etwas eng, aber mit viel Charme. Mitten in der Stadt. Doch der Zahn der Zeit nagt daran und wenn es nach der DFL geht, wird am besten direkt neugebaut mit ausreichend Parkplätzen, Beton und außerhalb der Stadt. Der Protest zum Erhalt der Bremer Brücke war auf der Heimseite mittels mehrerer Banner sichtbar.

Der Stadionsprecher gab alles, um ein „Nord-Derby“ herbei zu fabulieren. Doch weder der Blick auf die Landkarte, noch die 3,5 Stunden Anreise lassen Derby-Stimmung aufkommen. Auf dem Hinweg wurden wir allerdings noch Zeugen einer interessanten These dazu, warum St. Pauli auch ohne Derby-Rivalität unbeliebt ist. Bei den beiden Osnabrückern hinter uns sind wir nämlich unbeliebt, weil bei uns auch Leute in der Kurve stehen, die keine Ahnung von einer Abseitsfalle haben, sondern zum FCSP gehen, weil sie links und alternativ sind. Eine bodenlose Frechheit! Schließlich bin ich auch noch grünversifft und weiß genau was eine Abseitsfalle ist. Nämlich diese Fankneipe bei Union Berlin.

Insgesamt ist es eher eine maue Performance des Blocks. Vergeblich wird nach dem Funken des vergangenen Spiels gesucht. So lässt sich auch die Startviertelstunde der Derbysieger-Startelf (nur Conteh fehlt und wurde von Penney ersetzt) beschreiben. Das 1-0 ist die logische Folge. Wir haben sogar noch Glück, dass der Pfosten uns vor einem höheren Rückstand bewahrt. Massive Zuordnungsprobleme, insbesondere in der Mitte, ließen uns nicht gut aussehen. Ein logisches Problem, wenn man bedenkt, wie lange Buballa, Lawrence, Östigard und Ohlsson zusammen spielen. Dann endlich wachte unser Spiel auf. Die zweiten Bälle landen bei uns und teilweise zeigt sich ein funktionierendes Angriffspressing in dem Diamantakos und Møller Dæhli Gold wert sind.  Diamantakos fehlte nach seiner Auswechslung in Halbzeit zwei merklich, auch wenn da schon längst kein vernünftiges Pressing mehr zustande kam. Schade eigentlich. Seine Vorbereitung zum 1-1 war unglaublich.  Es machte Bock auf mehr davon und kurz danach war dann auch der einzige Moment des Tages an dem die Stimmung siedete. Leider zeigte sich der gute Kombinationsfussball nur kurzfristig und vereinzelt bis zur Halbzeit. Wir gingen zufrieden mit dem Ergebnis in die Pause.

Bei der lustigen Halbzeitshow drehten sich ein Mann und eine Frau mehrfach um eine Tonne um dann aufs Tor zu schießen. Der Stadionsprecher entwarnte die Dame direkt: „Keine Sorge; dabei gehen die Fingernägel nicht kaputt.
Puh! Na dann bin ich ja froh. Schließlich weiß ich als linksalternativer Ahnungsloser nicht, wie das beim Fußball so läuft.

In der zweiten Halbzeit hat die Heimmannschaft deutlich mehr vom Spiel. Den Kopfball von Diamantakos hätten wir trotzdem gerne drin gesehen, und träumen davon noch auf der Rückfahrt. Auch die Einwechslung vom riesigen Tashchy brachte nicht den erhofften Effekt, ihn als Wandspieler nach hohen Bällen zu nutzen. Erst nachdem Diarra seinen eigenen Fehler mit einem Foul ausbürstete und folgerichtig seine zweite Gelbe abholte, hatten wir unsere beste Druckphase im Spiel. Mehr als ein Punkt ist heute aber nicht drin. Sowohl die Osnabrücker als auch wir, sind einfach nicht in der Lage Angriffe vernünftig abzuschließen.

Wer aus dem Block kam und nun zum Bahnhof wollte, hatte keine Chance den Shuttle-Bussen zu entgehen. Das Polizeikonzept ist schlicht und einfach.
Und kacke.
Alle St. Pauli-Fans werden direkt an den Bahnsteig gekarrt und müssen auf diesem 55 Minuten warten, bis die Bahn kommt. Getränke und überteuerte Snacks gab es an einem Automaten; samt mächtiger Schlange. Zu dem Automaten gelangte man natürlich nur als Einzelne/r. Frustrierend, wenn man sich nicht vor dem Betreten der Busse verpflegt hat oder verpflegen konnte. Die Bahn fuhr dann nämlich noch über eine Stunde nach Bremen. Ausgehungert und mit mächtig Durst schlugen wir beim Zwischenhalt in Bremen am Imbiss auf, bevor der Metronom uns in Richtung Hamburg schickte. 

Ein Dreier wäre drin gewesen. Mit Blick auf die letzten Ergebnisse ist meine neue Theorie aber folgende: Nur noch Heimsiege und auswärts Unentschieden. Scheint schließlich im Trend zu sein. Deal, FC St. Pauli?!

//flippa

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