eSports beim FCSP: Interview mit Erol

eSports beim FCSP: Interview mit Erol

eSports nimmt auch in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr Raum ein, die Spiele der Virtual Bundesliga (VBL) der abgelaufenen Saison wurden neben der Übertragung in den Online-Kanälen (Twitch) auch bei ProSieben Maxx im Fernsehen übertragen. Da wir dies in der „Lage“ ja auch eng begleitet haben, Zeit also auch mal mit einem der Protagonisten zu sprechen. Ich verabredete mich also mit Erol (Erol_96x) per Discord zu einem Gespräch.

Moin Erol, Du bist jetzt seit dieser Saison beim FC St.Pauli im eSports Team. Erzähl doch mal kurz Deinen Weg bis hierher.
Ich bin in Hamburg-Eimsbüttel aufgewachsen und habe hier auch beim ETV selbst Fußball gespielt, auch höherklassig in der Jugend. Nach einer Verletzung habe ich dann neben dem Job mehr und mehr Spaß an eSports gefunden und dann bei Hannover 96 unterschrieben. Die 96 in meinem Nickname kommt aber vom Geburtsjahr, nicht vom Verein.
Für Hannover habe ich zwei Jahre in der Virtual Bundesliga (VBL) gespielt und bin dann, auch dank meines jetzigen Mitspielers Tom Köst, zum FC St.Pauli gewechselt. Durch die Pandemie ist das jetzt notgedrungen aktuell auch mein Hauptberuf.

Musstest Du denn für Deine Zeit bei 96 auch nach Hannover umziehen?
Ich durfte in Hamburg bleiben. Es gibt zwar Teams, bei denen man auch zum jeweiligen Ort ziehen muss, das ist aber jeweils die Entscheidung des Koordinators und das war bei mir und Hannover nicht der Fall.

Wie kam denn Dein Einstieg in die VBL zustande?
Ich war da bereits ein guter Spieler, aber die VBL war ja noch in den Anfängen und es gab keine Spieleragenturen oder ähnliches. Da gab es noch verstärkt Qualifikationsturniere und darüber ist Hannover dann auf mich aufmerksam geworden. Das war dann ja auch die erste VBL Saison mit der Club Championship.

Und gab es da schon die Aussicht, eSports zu Deinem Beruf zu machen?
Im ersten Jahr bei Hannover bekam ich noch kein Geld vom Verein, das lief dann eher über Prämien von Sponsoren. Im zweiten Jahr hatte ich dann schon einen Vertrag, ich hab da aber auch immer noch nebenbei gearbeitet.
Zu dieser Saison bin ich dann ja zu St.Pauli gewechselt – nicht unbedingt zu besseren Konditionen, aber ich kenne diesen Verein halt auch schon mein ganzes Leben und wohne im Viertel, diese Nähe zum Verein wollte ich dann auch für mich haben.

Hast Du denn als Kind auch schon in St.Pauli Bettwäsche geschlafen oder war es die von unserem Nachbarn?
Weder noch, da muss ich ehrlich sein. Seit ich Fußball bewusst wahrnehme, also seit meinem fünften Lebensjahr, bin ich Fan des FC Bayern München. Aber natürlich sind viele meiner Freunde St.Pauli-Fans und wenn man hier wohnt, bekommt man diesen Verein ja auch ständig mit. Aber seit ich für St.Pauli spiele schaue ich mir auch jedes Spiel des Teams an.

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Nun teilst Du ja das Schicksal vieler Spieler des aktuellen Kaders, seit Deinem Wechsel noch nie ein volles Millerntor erlebt zu haben, außer eben an der Konsole. Warst Du denn früher schon mal dort?
Ja, insbesondere am „alten“ Millerntor war ich häufiger und hab da auch nur positive Erinnerungen.

Wie ist das mit den anderen Spielern im Team? Sind die Fans des FCSP oder in erster Linie eSportler und eher zufällig bei uns?
Musti hat ja in seiner Jugend acht Jahre für St.Pauli gespielt, der ist totaler Fan. Bei Bennet hat der Opa für St.Pauli gespielt, aber er kommt halt aus Kiel, da weiß ich es jetzt gar nicht genau. Aber wir gucken ja alle Spiele und werden da ja auch auf unseren Social Media Kanälen fast schon erschlagen während der Spiele, da entwickelt sich das ja fast zwangsläufig.

(c) alle Fotos: FC St.Pauli

E Sports

Kommen wir zum eSports: Du spielst ja Deine Matches im Einzel auf der PlayStation. Im Doppel müsst Ihr ja Konsolenübergreifend fit sein, jeweils der Heimverein darf die Konsole hierfür bestimmen. Welche grundlegenden Unterschiede gibt es denn da und würdest Du auf der Xbox auch so gut sein?
Ich muss schon zugeben, dass ich auf der PS4 besser bin. Hauptgrund für mich ist der Controller, der liegt mir einfach besser bzw. liegt für mich besser in der Hand.
Aber auch das Gameplay ist ein bisschen anders. Ob es an den Servern von EA und Microsoft oder etwas anderem liegt, weiß ich nicht genau, aber auf der Xbox ist gefühlt alles etwas langsamer. Die Bewegungen sind langsamer, die Pässe kommen nicht so genau – zumindest ist das mein Gefühl.
Tom und Musti spielen ja bei uns auf der Xbox und die beiden sagen glaube ich auch gar nicht, dass die Konsole besser ist. Musti wechselte irgendwann, weil wir für die VBL halt beide Konsolen bespielen müssen. Aber wahrscheinlich stören die beiden die Unterschiede halt nicht so sehr, wie es bei mir der Fall ist.

Schauen wir auf die Wahrnehmung von eSports. Wie siehst Du die Diskussion darüber, ob eSports nun Sport ist oder nicht?
Grundsätzlich eine schwierige Frage. Ich kann sagen, dass es für mich auf jeden Fall Sport ist, insbesondere auf unserem Level. Ich bin nach jedem kompetitiven Game außer Atem und muss mein T-Shirt wechseln. Es ist für den Körper und für den Kopf anstrengend. Ein Spiel dauert bei uns ja etwa 15-16 Minuten und da hast du keine fünf Sekunden zum Durchschnaufen. Inklusive Vorbereitung und Halbzeit sind es über 20 Minuten und da ist es einfach purer Stress.

Würdest Du denn auch zwischen eSport von realen Sportarten und anderen Formaten wie zum Beispiel LoL (League of Legends) unterscheiden und habt Ihr da vereinsintern auch einen Austausch?
Ich kenne viele CS GO (Anm.: Counter-Strike: Global Offensive) und WoW (Anm.: World of Warcraft) Spieler und Spieler aus anderen Bereichen und das stelle ich schon gleich. Natürlich verstehe ich, wenn Fußballvereine erst mal sich auf FIFA konzentrieren, aber auch die anderen Spiele ernsthaft zu spielen ist vom Aufwand her Sport, insbesondere auf hohem Niveau.
Zum LoL-Team beim FC St.Pauli haben wir aber bisher noch keinen Kontakt.

Zur Virtual Bundesliga: Ihr seid ja eher Einzelspieler, lediglich für das Doppel spielt Ihr dann zu zweit. Die Vereine betreiben es in der VBL ja aber logischerweise als Teamsport und kopieren damit den Fußball von draußen. Nächster logischer Schritt ist die Nationalmannschaft, wie sieht es da aus?
Die gibt es schon, die setzt sich zusammen aus denen, die national und international am erfolgreichsten spielen, also VBL und die großen Ultimate Team Turniere, zumindest sollte es so sein. „DullenMike“ hat beispielsweise letztes Jahr viel gewonnen und ist dann darüber als Newcomer reingerutscht. Dieses Jahr hat Musti bei den vier großen Events drei mal die Top3 erreicht und ein Mal sogar gewonnen, der nächste logische Schritt wäre also seine Nominierung.

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Das klingt ja aber so, als wenn Du fast davon ausgehst, dass die Nominierung nicht kommt. Wer ist denn dafür verantwortlich? Laut DFB-Homepage wäre das nächste Turnier die eEURO2021, für die aktuell die Qualifikation läuft.
Momentan sind da noch Spieler im Kader, die null von vier Platzierungen in den Events haben, Musti hat drei von vier. Wenn er da nicht rein kommt, wäre das schwer nachvollziehbar. Es gibt da zwei Ex-Spieler, die inzwischen als Coaches für das Nationalteam fungieren, aber wie da nominiert wird und wer da mitspielt, wissen wir alle nicht.

Zurück zur Sportfrage: Wie hältst Du Dich denn fit?
Vor der Pandemie bin ich regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen – und ich muss schon sagen, dass zu einer perfekten körperlichen Vorbereitung auch ein ausgearbeiteter, individueller Trainingsplan gehört um komplett fit zu sein. Ob da das Hauptaugenmerk auf körperliche Fitness oder geistige Fitness und Konzentration gelegt wird, kann auch je nach Person unterschiedlich sein.
Bei uns wäre das die Aufgabe von unserem Coach Nico Meyer, durch Corona ist das aber natürlich alles sehr schwierig für ihn, dadurch dass wir uns nicht einfach ständig zum Trainieren treffen können. Jeder kann individuell laufen, aber da wollte er jetzt keine allgemeinen Vorgaben machen. Er hat aber schon angekündigt, dass das nächste Saison (hoffentlich ohne Pandemie) anders laufen wird und ich erhoffe mir auch davon den nächsten Schritt nach vorne für uns.

Kannst Du da denn einen Vergleich zur Situation bei Hannover 96 ziehen?
Die ersten zwei Jahre der VBL bei Hannover waren ja für alle komplette Lehrjahre, da wurde zu den Spieltagen Pizza bestellt. Da hat sich auch bei denen natürlich seitdem viel getan und verbessert.
Bei St.Pauli haben wir ja durch das congstar-Separée einen festen Ort für unsere Spieltage, alles wird natürlich immer professioneller.

Wie viel Zeitaufwand hast Du denn da in etwa?
Die Saison hat ja verschiedene Phasen. Wenn im September die neue FIFA-Version erscheint, spiele ich in den ersten drei bis vier Wochen zehn bis zwölf Stunden, pro Tag. Gerade dieses Jahr, wo durch Corona klar war, dass das meine einzige Aktivität ist. Danach geht es runter auf zwei bis drei Stunden pro Tag, da geht es dann darum, die Automatismen abzurufen, damit alle Aktionen auch wirklich sitzen.
Die Liga begann dann am 10.November. Da hatten wir dann in einer normalen Woche am Sonntag Training als Team, inklusive Analysen von uns und dem Gegner, am Montag hab ich zunächst für mich trainiert und dann zusätzlich noch als Team das Doppeltraining, Dienstag war Spieltag.
Von Mittwoch bis Samstag hab ich dann den 90er-Modus gegrindet und zusätzlich die Weekend League gespielt und am Sonntag begann es von vorn.

Schauen wir mal auf diesen Release-Zeitraum im September. Wie startet das für Dich, spielst Du dann in den ersten Wochen nur im „Ultimate Team“ Modus?
Ja, absolut. Am Anfang spiele ich da 300-400 Spiele nur Draft, damit ich das Maximum aus meinem Geld oder meinen Coins machen und alles in die besten Spieler umwandeln kann.
Etwa drei Wochen nach Release startet die erste Weekend League und in die willst Du natürlich mit einem guten Team rein. Da investiert man noch nicht alles, aber will natürlich schon ein gutes Ergebnis erzielen. Da gibt es schon einen Plan, der in etwa auch jedes Jahr gleich ist.

Wer schon mal Ultimate Team gespielt hat wird wahrscheinlich auch die Weekend League kennen. Da muss man 30 Spiele spielen und trifft im Verlauf der Spiele immer auf Gegner mit einer ähnlichen Siegquote. Ich komme an guten Wochenenden so auf meine 14 Siege – Du wirst da wahrscheinlich alles mit weniger als 25 Spielen schon für Dich als furchtbar schlecht ansehen?
Bei allem mit weniger als 27 Siegen fühle ich mich schlecht. Das ist diese Saison aber zum Glück auch nur einmal passiert. Als guter eSportler solltest du schon jede Woche in die Top100 kommen.

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Spielst Du denn auch privat etwas anderes als FIFA?
Die letzten Jahre hab ich an der Konsole auch NBA gespielt, aktuell spiele ich dann doch lieber am PC, aber dann eben frei und ohne Druck, einfach zum entspannen.

Mein Sohn hat mir mit auf den Weg gegeben, Dich nach den wichtigsten Tricks zu fragen. „Ballrolle“ und „Drag Back“ hat er mal vorausgesetzt, welche empfiehlst Du noch, auch für den Gelegenheitsspieler?
Da kann ich Euch auf jeden Fall was mit auf den Weg geben: „Hacke zu Hacke“ und „Ball roll into scoop turn“. Und natürlich der „Elastico“, der ist ein bisschen schwieriger zu erlernen aber mit Tutorials natürlich auch nicht unmöglich. Bei dem gibt es dann auch noch den Innen und Außen-Elastico.
(Anm.: Am Ende des Textes werden wir ein paar Tutorials verlinken.)

Der FCSP hat am Anfang zur Einführung auch darauf hingewiesen, sich für Spielerinnen im eSports einzusetzen. Da wurde beispielsweise auch mal ein Interview mit Jessy veröffentlicht, davon hört und liest mal aktuell aber nichts mehr und im VBL-Team seid Ihr ohne Spielerin unterwegs. Wie ist da der Stand, auch bei anderen Vereinen?
Bei St.Pauli gibt es ja auch noch das ProClub Team (elf Spieler:innen) und da sind meines Wissens aktuell drei Spielerinnen dabei. Außerdem ist es in Planung, dass wir auch im Einzelspielerbereich / FUT Bereich zur neuen Saison eine Spielerin dazu bekommen, da kenne ich aber den letzten Stand noch nicht.
Bei den anderen Teams gibt es bei Leipzig und Leverkusen jeweils eine Spielerin im Team.

Virtual Bundesliga (VBL)

Schauen wir auf die abgelaufene Saison: Am Ende stand nicht nur die PlayOff-Teilnahme, sondern Ihr seid ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gekommen. Das war so nicht zu erwarten, ich nehme an vor der Saison hättest Du die Vizemeisterschaft begeistert akzeptiert, jetzt überwiegt eher die Enttäuschung?
Auf jeden Fall, sowohl als auch. Das Saisonziel waren die PlayOffs und die Top 6 in unserer Staffel war so das geheime Ziel. Nach der Hinrunde haben wir dann aber schon gemerkt, dass da mehr möglich ist, gerade auch weil wir mit Musti einen überragenden Spieler dabei haben, was uns andere natürlich auch alle angespornt und besser gemacht hat. In der Rückrunde haben wir kein Spiel mehr verloren und eigentlich war es schon komplett unnötig, dass wir noch in das „Final Chance“-Spiel gegen Hertha BSC mussten. In dem Spiel haben wir das Doppel gewonnen und kassieren dann in beiden Einzeln jeweils ein Gegentor in der 90.Minute, einmal zum Ausgleich und im anderen Spiel zur Niederlage. Wenn nur eines dieser Tore nicht gefallen wäre, hätte es kein 4.Spiel mit Golden Goal geben müssen – und wenn wir da dann verloren hätten, das wäre so unnötig gewesen, dass hätte uns furchtbar geärgert.

Das „Golden Goal“-Spiel gegen Hertha habe ich live gesehen, da fiel das Tor für Euch ja auch erst in der 2.Halbzeit.
Ja, das war schon ein Nervenkrimi. Wir waren eigentlich in allen Disziplinen besser als Hertha, aber nach den beiden späten Gegentreffern auch komplett am Boden. Es gab die eine Situation, wo der Berliner versucht mit dem roten Time-Finishing das Tor zu erzielen, wo einige sagen, wenn er ganz normal abschließt ist das Ding auch drin. Weiß man nicht, ich hab dann ja auf der Linie klären können, aber da war sicher auch ein bisschen Glück für uns dabei. Aber unterm Strich war unser Sieg da schon verdient.

Dann konntet Ihr etwas durchatmen und Euch auf das Finalturnier vorbereiten, seid dort gut durch die Gruppenphase gekommen. Im Halbfinale musstet Ihr dann gegen Leipzig ran, die vor dem Wochenende als Favorit auf den Titel galten – und die habt Ihr dann auch im 4.Spiel mit Golden Goal besiegt.
Ja, das war fantastisch. Die haben ihre Division wirklich dominiert und Umut, der letzte Saison noch für den HSV gespielt hat, war die komplette Saison über ungeschlagen geblieben. Ein Spiel kannst du im Kopf also schon fast abhaken. Aber wir haben ein Einzel gewonnen, eins verloren und im Doppel ein Unentschieden geholt und dann im „Golden Goal“ – ja, da sind wir schon komplett eskaliert, das konnte man in der Übertragung wahrscheinlich auch sehen. Es war einfach toll zu sehen, dass sich die ganze harte Arbeit der Wochen und Monate zuvor da jetzt auszahlte.
Schade, dass es dann gegen Heidenheim im Finale nicht auch noch klappte.

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Gegen die Ihr ja am Tag zuvor in der Gruppenphase noch gewinnen konntet. Täuscht es, oder sind das auf dem Niveau noch mehr 50:50-Spiele als im realen Fußball?
Ich würde hier zwei Arten oder Level von eSportlern benennen: Im Fachjargon sprechen wir von Spielern, die „verschwitzt“ sind. Das ist nichts Negatives, im Gegenteil, das bedeutet eher sowas wie „abgezockt“, die sind halt schon länger dabei und man weiß, das wird eine enge Partie.
Und dann gibt es die Neulinge, die in der VBL ihre erste Saison haben, wo man vielleicht schon über die Erfahrung einen Vorteil hat.
Aber für die Finals gilt natürlich, dass alle gegen alle gewinnen können. Jeder der es mit seinem Team in diese Runde geschafft hat, hat es auch verdient, da kann wirklich jeder jeden schlagen.

Wie sieht denn überhaupt so eine Gegnervorbereitung für Euch aus? Analysiert man da auch die Taktik des Gegners?
Das ist die Aufgabe von Nico, der sich meist die letzten drei Spieltag aller Spieler anschaut und uns dann vorab Listen schickt, damit wir uns damit befassen und selber Ideen entwickeln, wie wir das angehen wollen. Die werden dann Sonntag abgeglichen und besprochen, da waren wir in dieser Saison wirklich immer gut vorbereitet, das hat man auch gemerkt.

Was steht denn auf so einer Liste? Der spielt über Links, der schießt aus der zweiten Reihe oder sowas?
„Nach Balleroberung gegen ihn im ersten Drittel rennt er mit AV direkt rauf“, also muss ich den Ball schnell zurück und dann über den Flügel spielen, weil er da offen ist. Oder „Wenn er mit dem Stürmer den Ball verliert, wechselt er auf den 10er.“, also muss ich Dreiecke mit den ZMs bilden, um dem Pressing schnell aus dem Weg zu gehen.
Jeder schaut sich den Gegner an, mein Grundspiel ist auch immer gleich – aber diese Detail-Analysen sind absolut sinnvoll, diese kleinen Faktoren machen dann den Unterschied.

Ihr spielt mit den 90er-Teams, also alle Spieler, egal ob von Bayern oder dem FCSP, haben den Gesamtstärkewert 90, aber ja weiterhin individuelle Fähigkeiten. Ich hab zum Beispiel sehr viele Tore von Luis Coordes bemerkt. Habt Ihr vier im Team alle die gleiche Aufstellung?
Musti und ich haben die gleiche Aufstellung, weil wir uns da auch im Doppel sehr wohl mit gefühlt haben und das dann für die Einzel übernommen haben. Tom und Bennet haben beispielsweise Makienok im Sturm, Musti und ich halt Coordes. Alle Spieler haben zwar die 90er-Stärke, aber fünf Zentimeter Körpergröße machen doch auch einen großen Unterschied in den ganzen Bewegungsabläufen. Wir hatten da zunächst Kevin Lankford, aber durch seine Leihe nach Wiesbaden wurde uns da unser bester Spieler weggenommen. Lankford ist LM, wie Coordes auch, die hatten auch den selben Pace-Wert, aber Lankford ist 7cm größer und sein Körperbau ist „stämmig“ und nicht „schmal“ – da kann man mit einem schnellen Stürmer auch mal den Körper rein stellen. Das kann ich mit Coordes eher nicht, dafür kann man sich mit Coordes besser drehen.

Siehst Du denn den realen Fußball heute anders als noch vor ein paar Jahren und vergleichst Du das mit Deinem Spiel und Deinen Taktiken?
Ersteres auf jeden Fall. Das Spiel wird immer schneller und athletischer. Innenverteidiger waren früher eher erfahren als schnell, heute werden Spielertypen wie Upamecano immer wertvoller, die jetzt mal übertragen auf FIFA einen 80er Pace Wert haben.
In FIFA ist das ja schon seit Jahren so, dass Tempo über alles geht.

Der FC St.Pauli als Verein

Schauen wir nochmal auf unseren Verein: Fühlst Du Dich denn hier willkommen und eingebunden? Gerade aus Fankreisen wird das eSport-Thema ja immer noch sehr kritisch beäugt. Sei es, dass man die „Sport / kein Sport“ Diskussion führt oder das man die gesamte Sparte beim FCSP als Marketing-Gag abtut, weil wir congstar als Hauptsponsor haben. Nun musst Du hier nicht die Strategie des Vereins beurteilen, aber wie kommen diese Themen bei Dir an?
Das hat sich zuletzt wirklich sehr zum Positiven gewandelt, vielleicht auch aufgrund des Erfolgs. Inzwischen ist von 100 Nachrichten die ich bekomme nur noch eine negativ, das war anfangs anders. Bei der Vorstellung unseres Trikots sollte ich beispielsweise fokussiert und konzentriert gucken und ein Kommentar auf Social Media zu dem Foto war dann „Der sieht aus als wolle er sich umbringen!“. Da fragt man sich dann schon, was mit den Leuten nicht stimmt. Wohlgemerkt bei einem Verein, der nach außen wie kein anderer für Toleranz steht. Und was ja auch im krassen Gegensatz zu meiner Wahrnehmung im Stadtteil ist, wo man für solche Statements oder irgendwelchen rechten Schwachsinn sofort eine Ansage bekommen würde, mindestens.
Aber was sich jetzt gerade rund um die Finals auch auf den Social Media Kanälen von uns oder vom Verein abgespielt hat, das war großartig, da haben wir schon gespürt, dass wir angekommen sind.

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Merkt man das denn auch im Vergleich zu anderen Vereinen? Hat der FCSP da mehr Strahlkraft als beispielsweise Heidenheim?
Naja, als Heidenheim sicher schon, ja, aber zu Werder, die ja nun zwei Mal Deutscher Meister waren, haben wir sicher auch noch Luft. Aber St.Pauli ist da im Aufschwung und nächste Saison werden wir hoffentlich noch mehr Menschen haben, die uns auf den verschiedenen Kanälen zuschauen, denn eSport kommt halt immer mehr in der Öffentlichkeit an.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Lizenzmannschaft?
Aufgrund der Pandemie findet da leider (und verständlicherweise) nichts statt, aber das wird sich hoffentlich ja auch mal wieder ändern und dann wird es da sicher noch mehr gemeinsame Aktionen geben können. Bei dieser Sofa-Challenge, als eSportler und Profifußballer letztes Jahr in der Bundesliga-Pause im Frühjahr gemeinsam an der Konsole spielten, war ich noch in Hannover.

Wenn man sich für eSport und speziell für FIFA interessiert – kannst Du das als Job empfehlen? Bist Du aktuell happy mit dem was Du da tust und siehst da auch eine Zukunft?
In der aktuellen Situation bin ich natürlich glücklich, dass ich diesen Job jetzt in der Pandemie habe. Auf lange Sicht muss man sich aber immer klar machen, was das von einem verlangt und was das auch psychisch mit einem macht, wie anstrengend das für den Kopf ist und wie viel Zeit man da investieren muss.

Wenn man denn seine Leistungen in FIFA erst mal grundsätzlich verbessern will, wie geht man da ran?
Tatsächlich würde ich empfehlen, Streams von guten Spielern anzuschauen und Tutorials zu gucken. Ich hatte diese Gelegenheit früher nicht, ich hab mir noch fast alles selber beigebracht.
Aber heute schaut man sich die Tricks an und geht in die Trainingsarena und übt das dann. Den Kanal von Megabit kann ich zum Beispiel empfehlen, der kommentiert und erklärt wirklich sehr gut wie und warum er was macht. Andere Spieler spielen nur und sagen gar nichts dazu, das ist natürlich weniger hilfreich. 

Und wo findet man Dich?
Ich selbst habe so einen Kanal nicht. Ich hatte das zwar mal vor, habe aber schnell festgestellt, dass das nichts für mich ist und mache dann lieber privat was mit den Leuten, beispielsweise über Discord. Aber auf Twitter findet man mich und das ist auch generell eine gute Anlaufstelle für andere Spieler, von denen man mehr wissen möchte.

Erol, vielen Dank für das Gespräch und dann natürlich alles Gute für die kommende Saison!
// Maik

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Links:
FCSP Twitch Kanal //
Virtual Bundesliga //
Interview mit Nico Meyer, Vereinshomepage //
YouTube Kanal von Megabit (Werder Bremen) //
– Tutorial „Ballrolle Scoop Turn
– Tutorial „Hacke zu Hacke
– Tutorial „Elastico

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