Blindenfußball: Der FC St. Pauli vor der Saison 2021

Blindenfußball: Der FC St. Pauli vor der Saison 2021

Am kommenden Wochenende startet die Blindenfußball-Bundesliga und der FC St. Pauli gehört wieder zu den Favoriten. Wir schauen kurz auf den Ablauf und sprachen zur Einstimmung auf die Saison mit Keeper Sven und Feldspieler Hippo.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Für alle, die mit Blindenfußball bisher noch nicht in Berührung kamen, kurz ein paar Quickfacts: Gespielt wird auf einem verkleinerten Fußballfeld im Fünf-gegen-Fünf mit vier Feldspielern und einem (sehenden) Torwart. Im Ball sind kleine Metallkügelchen eingearbeitet, die ihn rasseln lassen. An den Seitenlinien ist eine Bande. Der Torhüter sowie Guides an der Mittellinie und hinter dem gegnerischen Tor geben den Feldspielern akustische Hilfestellung. Wichtigste Kommunikation der Spieler untereinander, insbesondere mit den Gegnern, ich das Rufen von „Voy!“ (Spanisch, sinngemäß: „Hier komme ich“), mit dem man sich bewegt und andere warnt. Wer dies vergisst, begeht ein Foul. Da sich Zusammenstöße trotzdem nicht immer vermeiden lassen, tragen alle Spieler:innen zusätzlich zur Verdunkelungsbrille und den Eye-Pads auch einen Kopfschutz.
Wer mehr dazu lesen will, findet auf blinden-fussball.de viele Informationen oder hier meinen „Selbstversuch“ aus 2012.

Und wer mehr über das FCSP-Blindenfußballteam erfahren möchte, kann die folgenden digitalen Kanäle aufsuchen:
Instagram: @fcspblindenfussball
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Twitter @FCSP_BliFu
Website: www.fcstpauli.info

Bundesliga Saison 2021

Die diesjährige Saison geht mit acht Teams an den Start, die an fünf Terminen in einer einfachen Runde gegeneinander spielen, der erste Spieltag findet am kommenden Wochenende (Samstag & Sonntag) in Berlin statt. Es folgen Spieltage in Trier und Stuttgart, ehe am 16./17.Oktober in Hamburg gespielt wird und am 30.Oktober der finale Spieltag in Bonn stattfindet.
Im Gegensatz zu den letzten Jahren wird es keine Platzierungsspiele geben, nach dem Jeder-gegen-Jeden Modus steht der Deutsche Meister fest.
Erstmals dabei ist ein Team aus dem Ausland, der BSV 1958 Wien ist dann am Samstag auch gleich Auftaktgegner unserer Braun-Weißen.

Interview mit Sven und Hippo

Nach dem Vorbereitungsspiel gegen Hertha BSC traf ich mich mit Keeper Sven Gronau und Feldspieler Philipp „Hippo“ Versen.

MillernTon: Hallo Sven, Hallo Hippo, Erzählt doch erst einmal wie es bei Euch dazu kam, dass Ihr in der Blindenfußball-Bundesliga für den FC St. Pauli spielt.

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Sven: Bei mir war es die St.Pauliade 2010, ein Multisportturnier aller Abteilungen beim FC St. Pauli, wo ich mit den ersten Leuten aus dem Team ins Gespräch kam. Beim nächsten Neujahrsempfang sprachen mich dann Katja und Michael Löffler an, die ja Gründer*innen des Teams waren. Sie sagten, sie hätten für die Saison 2011 keinen Torwart und ob nicht bei den Handballern vielleicht jemand dabei wäre. Aber bevor ich dann rumfragte, hab ich mir gedacht ich probiere das einfach mal selbst – und das hat dann so viel Spaß gemacht, dass ich dabei blieb.

Hippo: Bei mir war es so, dass ich eigentlich ganz normal Fußball spielen wollte – ich bekam in meinem damaligen Fußballverein aber wenig bis gar keine Einsatzzeit und hab mich dort auch nicht wohl gefühlt. Ich ging damals schon hier im Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte am Borgweg mit Paul und Joni (Jonathan Tönsing) in eine Klasse und hab mitbekommen, dass sie Torleute suchten. Daraufhin war ich hier häufiger beim Training und hab auch anfangs im Tor gespielt, bis mich Serdi charmant darauf aufmerksam machte, dass ich in der Liga im Tor keine Chance hätte – und ob ich es nicht mal im Feld versuchen wollen würde.
Ich wurde dann langsam vom Tor aufs Feld verschoben, hab anfangs noch je zur Hälfte im Feld und im Tor gespielt, aber auf dem Feld wurde es dann recht schnell besser und dann spielte ich dort auch mehr und mehr.

MT: Wie alt warst Du denn, als Du hier angefangen hast? Und, wenn Du das erzählen magst, wie kam es denn zu Deiner Sehbehinderung?

Hippo: Als das hier im Tor begann, war ich etwa 14 Jahre alt, was dann auch das Mindestalter für die Bundesliga ist. Meine Sehbehinderung ist angeboren, sie verstärkt sich aber leider mit der Zeit.
Ich hatte bei der Geburt trübe Linsen, die auch entfernt werden mussten. Nach etwa acht Jahren wollte man sie wieder einpflanzen, dabei gab es eine Aderhautblutung an einem Auge, was dort die Sehkraft auch wieder schwinden ließ. Seitdem sehe ich hauptsächlich auf dem linken Auge und habe einen sehr hohen Augendruck, den ich aber über Medikamente im Griff habe.
Es gab dann auch verschiedene Operationen, aber die hatten nicht gewünschten Erfolg.

MT: Ich habe heute gelernt, dass Du mit Deiner Rest-Sehkraft hier zwar mit den zugeklebten Augen in der Bundesliga spielen darfst, gleichzeitig aber nicht spielberechtigt für die Nationalmannschaft bist, da Du dafür zu viel Sehkraft besitzt – die muss dort nämlich unter 1% liegen.
Warum gibt es diese unterschiedlichen Regelungen?
(
Nähere Erläuterungen: Wikipedia)

Sven: Das ist ja von B1 bis B4 in Kategorien unterteilt, mit verschiedenen Abstufungen in Prozent der Sehkraft auf dem stärkeren Auge – und für Länderspiele ist man eben nur mit B1 spielberechtigt. Dies ist für Spieler wie Hippo natürlich sehr schade, leider aber eben die geltende Regelung.
Für die Bundesliga ist es anders – und zwar eigentlich aus positiven Gründen, nämlich der sehr guten medizinischen Versorgung in Deutschland. Wir haben sehr viel weniger Menschen die Vollblind sind – dementsprechend würden wir wahrscheinlich gar keine Teams mehr für die Bundesliga zusammen bekommen, wenn es diese Regelung so auch hier gäbe. Dies sieht in anderen Ländern teils anders aus und da gibt es dadurch auch viel mehr potentielle Spieler*innen, die die Kriterien erfüllen.

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Startaufstellung vor dem Testspiel gegen Hertha BSC, Hippo mit der Nummer 9.

MT: Erzähl doch bitte mal, was die Teilnahme in diesem Team für Dich für ein zeitlicher Aufwand ist. Da ist es mit dem Teamtrainings ja wahrscheinlich nicht getan?

Hippo: Beruflich mache ich gerade eine Ausbildung in Vollzeit, danach kommt für mich aber schon der Blindenfußball an erster Stelle. Wir trainieren als Team dienstags zwei Stunden und freitags aktuell drei Stunden, hier am Borgweg. Zusätzlich gehe ich zweimal die Woche ins Fitnessstudio, für Kräftigungsübungen.

MT: Fühlst Du Dich im Fitnessstudio als Mensch mit Sehbehinderung wohl oder empfindest Du Dich da als Exot?

Hippo: Ich bin da sehr gut aufgenommen und kenne auch ein paar Leute, mit denen ich auch schon über Blindenfußball gesprochen habe. Ich hab aber auch noch genug Sehkraft um selbstständig Fahrrad zu fahren, komme damit auch oft genug zum Training und bin gerade bei meinen Eltern ausgezogen – ich bin da also sehr selbstständig.

MT: Wie sieht das denn mit Krafttraining generell aus – macht Ihr das auch als Team?

Hippo: So gewünscht, bekommt man da auch Unterstützung von den Trainern, aber das ist schon eher eine individuelle Sache und liegt in der Eigenverantwortung. Hier konzentrieren wir uns eher auf die Arbeit mit dem Ball oder die Taktik.

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MT: Wie ist die Zusammenarbeit von Verein und dem Blindenzentrum? Gibt es da Vernetzung und Struktur oder ist das eher Zufall, wenn da mal jemand Neues dazu kommt?

Hippo: Das läuft schon eher über Einzelkontakte. Unser Trainer Wolf macht ja die AFM-Hörplatzreportage für Blinde und Sehbehinderte im Stadion und hat dann vor Jahren mal Joni angesprochen, ob der nicht Lust hätte zum Blindenfußball zu kommen – und inzwischen ist er Nationalspieler. Bei mir war es dann ja auch eher der Kontakt zu Joni und Paul.

Sven: Wolf ist hier an der Schule ja auch seit einigen Jahren als Anleiter einer Sport AG tätig. Dort hat er auch unseren neuen Co-Trainer Jonas getroffen und konnte ihn für unser Vereinstraining begeistern.

MT: Wie war denn Dein persönlicher Bezug zu St. Pauli, ehe Du hier angefangen hast?

Hippo: Ich war allgemein Fußballfan, aber ohne konkreten Verein. In der Klasse waren es mehr St. Pauli-Fans als HSV-Fans und generell hat mir auch außerhalb des Fußballs der FC St. Pauli sehr gut gefallen. Auch die Vielzahl an Abteilungen und das man dort immer willkommen ist, dieser Einblick fehlt mir bei anderen Vereinen.
Beim HSV gibt es zwar Rollstuhlbasketball, aber beispielsweise keinen Blindenfußball. Und spätestens wenn man in einem Bundesligateam für den FCSP ausläuft, dann wird man natürlich mit der Zeit mehr und mehr auch zu einem Fan dieses Vereins, keine Frage.
Vor der Pandemie war ich in der Regel auch bei jedem Heimspiel, meist im Stehplatzbereich der Gegengerade, Richtung Süd. Ich kann das Spiel auch noch gut verfolgen, lediglich wenn der Ball in der Ecke vor Haupttribüne und Nordkurve ist, ist es etwas schwierig. Daher benötige ich auch die Sehbehinderten-Reportage nicht.

MT: Es gibt diese Saison ja eine neue Regelung für die Bundesliga, der in den letzten Jahren ausgetragene Finalspieltag fällt weg. Es spielt also, wie vorher auch, jeder gegen jeden – aber danach muss halt nicht nochmal die Platzierung gegen den Tabellennachbarn bestätigt werden. Da Euch das in der Vergangenheit mehrere Titel gekostet hat, seid Ihr wahrscheinlich sehr froh darüber?

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Hippo: Wir hatten da sicher auch viel Pech, zumal dann beim Finale teilweise die Platzverhältnisse nicht günstig für uns waren und es auch viel Verletzungspech gab, gerade letztes Jahr.
Wir dürfen uns aber natürlich auf gar keinen Fall darauf ausruhen, dass wir die Gruppenphase in den letzten Jahren immer gewonnen haben – denn das müssen wir dieses Jahr dann ja auch erst mal wieder schaffen, um Deutscher Meister zu werden. Und genau das ist unser Ziel.

MT: Es gibt erstmals ein Team aus dem Ausland in der Bundesliga, den BSV 1958 Wien. Wie kam das zustande?

Sven: Das Team gibt es seit 2016 und wir kennen sie seit etwa drei Jahren u.a. vom Turnier in Tschechien. Sie traten bisher als ÖBSV (Österreichischer Behindertensportverband) an, für die Bundesliga gibt es jetzt aber diesen Namen. Sie spielten in der Zentraleuropäischen Liga mit Brünn, Prag, Budapest, Breslau und Krakau – das war zwar räumlich besser, aber sprachlich natürlich schwierig. Vor zwei Jahren gab es dann erste Bemühungen in die Bundesliga zu wechseln – und da gilt es dann bei deutschen Verbänden und Ligen natürlich erst mal dicke Bretter zu bohren.
Ich freue mich sehr darauf. Das sind super engagierte Leute, auch da kommen die Spieler*innen ja nicht alle aus Wien sondern müssen teilweise über eine Stunde zum Training anreisen, das Team wird sicher eine Bereicherung sein.

MT: Siehst Du denn da irgendwann Kapazitätsprobleme auf die Liga zukommen? Ist mit acht Teams die Obergrenze erreicht?

Sven: Wir hatten schon mal neun Teams und ich persönlich sehe da kein Problem. Das würde dann natürlich in 1-2 Spieltagen mehr enden, aber auch ne 10er-Liga wäre in Nicht-Pandemie-Zeiten kein Problem.

MT: Saisonauftakt ist am 21.August in Berlin, Mitte Oktober findet der Spieltag in Hamburg statt und vorher habt Ihr dann auch noch die „Keep your mind wide OPEN“ in Hamburg, beides dann wieder hier am Borgweg. Warum gibt es nicht wieder einen Stadtspieltag auf dem Rathausmarkt?

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Sven: Am liebsten spielen wir natürlich am Borgweg, hier kennen wir alles und die Infrastruktur ist auch gegeben. Die Stadtspieltage organisiert aber der jeweilige Landesfußballverband und nicht die Vereine und da ist es dieses Jahr eben in Trier und Bonn. Ich glaube aber schon, dass Hamburg sich in den kommenden Jahren auch wieder darum bewerben wird.

MT: Von außen wirkt die ganze Liga, inklusive Spieler*innen, Schiedsrichter*innen, Trainerteams etc. wie eine einzige große Familie. Ist das wirklich so oder gibt es beispielsweise das Team vom BVB nur, weil Schalke auch schon eins hatte?

Sven: Ach, das kann man schon so sagen, dass wir eine wirklich große Familie sind und das da auch Freundschaften über Vereinsgrenzen hinweg existieren. An den Bundesliga-Spieltagen ist das zwar zeitlich alles gut durchgetaktet und da bleibt Zeit für freundschaftliche Kontakte etwas auf der Strecke, aber das ist dafür bei den Turnieren umso angenehmer und mehr „miteinander“.
Natürlich gibt es Spieler, die ihre Lieblingsfeinde haben, wie in anderen Sportarten auch, aber das ist alles freundschaftlich. Bei Schalke und dem BVB war es ja so, dass es da jeweils einen lokalen Verein gab, und der S04 dann den VfR Gelsenkirchen fragte, ob man nicht für Schalke spielen wollen würde – und vielleicht musste der BVB dann tatsächlich nachziehen. Die haben dann dem bestehenden Team aus  Dortmund-Kirchderne das Angebot gemacht für die Borussia zu spielen. Der Liga tut die gewonnene Aufmerksamkeit dadurch ja auch gut.

MT: Ich komme mal auf die „Lieblingsgegner“ zurück: Das Testspiel gegen Hertha war heute ja schon sehr körperlich, insbesondere auch vom Gegner – da mag Dir Dein Krafttraining sicher helfen, aber die körperlichen Voraussetzungen haben ja auch nicht alle im Team.

Hippo: Das ist sicher so, aber das soll auch gar nicht unser Thema sein. Wir wollen gar nicht so körperlich spielen, sondern den Ball laufen lassen und dadurch die Spiele gewinnen.
Das klappt vielleicht nicht immer und in jeder Situation, hat aber ja zumindest heute auch ausreichend gut funktioniert. (Anmerkung: Das Spiel wurde 8:0 gewonnen.)

MT: Im Fußball gibt es, gerade auch beim FC St. Pauli, die Diskussion darüber, dass Frauen-Fußball als Begriff abwertend ist, weil es nach einer eigener Sportart klingt (verkürzt). Gibt es bei Euch eine ähnliche Diskussion oder ist „Blindenfußball“ als Begriff akzeptiert, weil es eben eine eigene Sportart ist?

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Sven: Wie Du an unserem Zögern merkst, hat uns das bisher noch niemand gefragt und ich glaube auch, dass es diese Überlegung überhaupt nicht gibt. Anderes Spielfeld, Regeln die an Futsal angelehnt sind, anderer Ball – da ist der Begriff für eine modifizierte Form des Fußballs dann auch okay.
Bei den Paralympics heißt es aber beispielsweise auch Five-a-side-Football, von daher wäre die Überlegung schon okay. Aber mit Blindenfußball wissen halt zumindest schon mal sehr viel mehr Menschen als früher etwas anzufangen.

Hippo: Ja, das sehe ich auch so. Selbst Menschen die den Begriff erstmals hören, haben so zumindest schon mal eine grobe Idee, selbst wenn sie mit großem Erstaunen verbunden ist. Wenn man dies neutraler formulieren würde und die Bezeichnung „blind“ nicht mehr dabei wäre, wäre das wahrscheinlich eher nicht hilfreich.

MT: Habt Ihr denn das Gefühl, dass die Sportart an sich bekannter wird? Hat es da über die Jahre auch eine Entwicklung gegeben?

Sven: Im St. Pauli Kosmos ganz sicher, da haben wir inzwischen wohl schon über die Jahre sehr viele Menschen erreicht. Aber da sind wir sicher auch ein bisschen verwöhnt, das merkt man immer dann, wenn man diese „Hood“ denn mal verlässt. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass man prozentual bei Hertha, Schalke oder dem BVB im Stadion die gleichen „Ja, hab ich schon mal von gehört“-Werte bekommen würde wie am Millerntor.

MT: Jetzt redet Ihr hier ja auch viel über Taktik, Eure verschiedenen Aufstellungen sind mit Buchstaben gekennzeichnet. Schaust Du Fußball am Millerntor denn jetzt auch anders als vorher, weil Dir Dein taktisches Verständnis vom Blindenfußball hilft?

Hippo: Eigentlich nicht. Ich bin da aber auch nicht so sehr in den taktischen Details drin, wie ich es beim Blindenfußball bin. Und da sind wir dann eben auch wieder bei verschiedenen Sportarten und wir reden über elf statt fünf Leute pro Team.

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Sven: Andererseits gibt es natürlich im Detail dann auch Dinge, die man sich schon für uns abschauen kann. Pressing, Anlaufen und vieles mehr, da entwickelt sich der Blindenfußball natürlich auch immer weiter. Steilpässe hinter die Kette funktionieren im Fußball, warum soll das im Blindenfußball nicht auch funktionieren? Es ist halt sehr trainingsintensiv, aber für solche Themen gibt es auch weitere Beispiele.

MT: Gibt es denn noch Dinge, die Ihr Euch vom Verein zusätzlich wünschen würdet?

Hippo: Es gibt natürlich immer kleine Details, die besser laufen könnten, aber grundsätzlich sind wir schon sehr zufrieden. Ärgerlich war der Vorfall nach unserer Deutschen Meisterschaft, als wir eine Ehrenrunde im Stadion drehen sollten und uns dann die Rabauken vorgezogen wurden.
Aber ansonsten wird uns sehr gut geholfen, insbesondere durch unseren Sponsor, die DKB und durch die AFM.

Sven: Ja, das mit der Ehrenrunde war ärgerlich, aber davon ab können wir uns wirklich nicht beschweren. Es ist alles sehr wertschätzend und gerade im Vergleich mit anderen Vereinen bekommen wir hier viel Unterstützung.
Den Platz hier können wir dank der Schule gratis nutzen, aber wenn wir hier die Ausstattung für uns verbessern, neue Tore, Tornetze oder Trainingsmaterialien anschaffen, dann ist das Sponsoring und die Unterstützung schon sehr hilfreich. Wir haben hier natürlich einen ganz anderen Organisationsaufwand im Hintergrund, als andere Teams der Herrenfußballabteilung, zu denen wir als Sparte ja offiziell gehören.
Aber Reise- und Übernachtungskosten mussten wir Spieler zum Glück hier im Verein noch nie selbst bezahlen und über das Sponsoring krieg ich jetzt dann halt auch mal die Torwarthandschuhe bezahlt oder es ist auf einem Auswärtswochenende auch ein Essen fürs Team drin.
Und die AFM hilft natürlich auch sehr bei der Basisgruppe.

MT: Erzählt das doch gerne nochmal im Detail, die kennen ja sicher viele nicht.

Hippo: Ja, das ist eine Trainingsgruppe für Jüngere und Anfänger*innen, die sich dem Sport nähern wollen, momentan in der Regel geleitet von Rasmus, Jonas und Wolf. Da kann man immer dienstags niedrigschwellig teilnehmen und beispielsweise Thoya ist dann aus dieser Gruppe auch schon in unser Bundesliga-Team gewechselt.

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MT: Wie ist denn generell die Nachwuchs-Situation für den Blindenfußball in Deutschland?

Sven: Das ist ein sehr großes Problem. An vielen der Blindenfußball-Bundesliga Standorte wird natürlich gute Nachwuchsarbeit geleistet, zusätzlich gibt es beispielsweise Möglichkeiten in Bremen und Düsseldorf. Aber wünschenswert wäre natürlich, wenn man es mehr in die Schulen integrieren könnte, wenn jedes sehbehinderte Kind diesen Sport zumindest einmal ausprobieren könnte. Viele sehbehinderte Kinder gehen ja auch auf Regelschulen und da hat der/die Sportlehrer*in dann vielleicht noch nie davon gehört und dann macht das Kind vielleicht gar nicht mit – statt ihm die Gelegenheit zu geben, diesen Sport auszuprobieren oder sogar selbst mal die Person zu sein, die anderen zeigt wie es geht.
Wenn man das irgendwie hin bekäme, wäre das schon ein großer Schritt nach vorne – aber dann bräuchte es eben auch mehr Standorte, mehr Trainer*innen, eine professionellere Struktur. Ehrenamtlich ist das nicht zu schaffen, es ist halt was anderes als sich als Elternteil mal in der F-Jugend für ein Jahr zu verpflichten.

MT: Vielen Dank für Eure Zeit und natürlich dann viel Erfolg für die neue Saison!
// Maik

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