FCSP vs. SCP – Zahlen und Einzelkritik

FCSP vs. SCP – Zahlen und Einzelkritik

Trotz des Last-Minute-Ausgleichs darf sich der FC St. Pauli ärgern, dass er beim Spiel gegen den SC Paderborn nicht über ein Unentschieden hinauskam. Die Zahlen und Einzelkritiken zum Spiel.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Bereits am Sonntag haben wir eine ausführliche Spielanalyse veröffentlicht („Unentschieden halt“). Auch in unserem Spieltagsartikel finden sich einige Worte zum Spiel. In diesem Artikel nehmen wir die Leistungen der einzelnen Spieler genauer unter die Lupe.

Statistik

Für vermutlich die meisten war ziemlich klar, wer am Samstag das dominantere Team gewesen ist: Der FC St. Pauli hatte mehr vom Spiel. Das sah auch SCP-Trainer Lukas Kwasniok so, der im Anschluss an die Partie mit der Leistung seines Teams haderte. Die Statistiken zeigen ebenfalls die Überlegenheit des FCSP. Aber sie deuten auch darauf hin, dass es an entscheidender Stelle fehlte:

FC St. PauliSC Paderborn
2.1 / 2.0 / 1.7expected Goals
(Wyscout / DFL / 538)
1.6 / 1.3 / 1.3
18 (5)Torschüsse (auf’s Tor)11 (5)
8Fouls9
52.2%Ballbesitz47.8%
505 (81.2%)Pässe (erfolgreich)366 (76.5%)
50 (60%)…ins letzte Drittel (erfolgreich)35 (40%)
9.9% (56%)… davon lange Pässe (erfolgreich)18.3% (46.3%)
44 (41.9%)Offensivduelle (erfolgreich)47 (40.4%)
47 (59.6%)Defensivduelle (erfolgreich)44 (59.1%)
44 (45.5%)Kopfballduelle (erfolgreich)44 (38.6%)
11.9PPDA15.1
6.59 / 6.77whoscored / sofascore (Durchschnitt)6.70 / 6.81

Mehr als die 18 Torschüsse, die der FCSP gegen Paderborn zustande brachte, gab es diese Saison bisher noch nicht. Allerdings müssen wir hier wohl etwas den Rotstift ansetzen, wenn es um die Qualität der Torschüsse geht. Denn nur fünf Torschüsse gingen auf das Paderborner Tor. Gegen Magdeburg waren es acht, auch wenn es insgesamt weniger Abschlüsse waren.

Grundsätzlich ist der Unterschied in den xG-Werten nicht sonderlich groß zwischen beiden Teams. Das erklärt sich anhand der Güte der Chancen. Der SC Paderborn ist bei seinen beiden Toren sehr frei zum Abschluss gekommen, hatte zudem eine Dreifachchance in der 52. Minute, bei der Leipertz aus kurzer Distanz zweimal an Smarsch scheiterte. So klare Chancen gab es für den FC St. Pauli nicht. Einzig der Elfmeter-Fehlschuss von Paqarada ist da nennenswert heraus zu heben. Elfmeter haben einen xG-Wert von 0.76. Zieht man diesen Wert ab, dann hat Paderborn sogar einen höheren xG-Wert als der FCSP.

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Somit wird allein anhand dieser Statistiken deutlich, was bereits seit Saisonbeginn klar ist: Der FC St. Pauli hat Probleme sich klare Torchancen zu erspielen. Ob ein weiterer Neuzugang im Angriff, jemand der das Profil eines Zielspielers erfüllt, helfen würde dieses Problem zu beheben? Zumindest scheint die Zeit für einen Versuch reif, das hat die bisherige Saison eigentlich in jedem Spiel gezeigt.

Einzelkritik

Dennis Smarsch – unorthodox
(whoscored: 6.9, sofascore: 6.4)

Ich schreibe hier jedes Mal, dass ich Probleme habe Leistungen von Torhütern einzuschätzen. Daher habe ich mir für die folgenden Zeilen kompetente Hilfe geholt und mal wieder bei Sascha Felter angefragt. Denn mir ist aufgefallen, dass Dennis Smarsch irgendwie unorthodox agiert hat bei den letzten Gegentoren. Schaut euch mal das 0:1 gegen Paderborn (hier ab Minute 0:50) und das Abseitstor von Conteh (gleiches Video, ab Minute 3:08) an. Gleiches gilt für das erste Gegentor gegen Hansa (hier ab Minute 0:25).

Mir ist aufgefallen, dass Dennis Smarsch versucht die Bälle mit den Händen zu halten und nicht mit den Füßen. Viele Torhüter versuchen solche Situationen mit den Füßen zu lösen und stellen einen „kleinen“ bzw. „großen Block“. Und damit hätte er nach Einschätzung von Sascha Felter in den entsprechenden Situationen größere Chancen zur Torvereitelung gehabt.

Technik nicht optimal?

Smarsch versuchte aber die Bälle mit den Händen abzuwehren. Eine Handabwehr in diesen Situation ist deshalb schwierig, weil der Körper (bzw. die Hände) nicht immer rechtzeitig in Position gebracht werden kann. Denn die Füße sind bereits am Boden, die Hände müssen da aber erst hinkommen. Es ist also Schnelligkeit gefragt. Technisch ist es daher aufwendiger und so wie Smarsch es umgesetzt hat, ist es laut Felter nicht optimal. Als gelungenes Beispiel dient Marc Flekken, der am vergangenen Freitag beim Spiel gegen Bochum für Freiburg eine solche Parade gezeigt hat (hier ab Minute 0:35 zu sehen). Er zieht sein eckennahes Bein einfach weg, setzt es nicht auf, bevor er mit dem Körper zur Seite geht und kann dadurch den Körper schneller nach unten bringen.

In der zweiten Halbzeit zeigte sich Smarsch stark mit einer Dreifach-Parade, wobei ich beim ersten Schuss geneigt bin zu schreiben, dass er den auch einfach hätte festhalten oder wegfausten können. Grundsätzlich bleibt die Torhüter-Position beim FC St. Pauli ein Teil der aktuellen Sorgenkinder.

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Ist Smarsch zu spät unten? Das ist die Frage, die ich mir seit Samstag stelle.
(c) Stefan Groenveld

Leart Paqarada – Rekord mit Makel
(whoscored: 6.3, sofascore: 6.7)

Es ist schon gängige Praxis, dass Leart Paqarada die meisten Ballaktionen bei Spielen des FC St. Pauli hat. Das war natürlich auch gegen den SC Paderborn der Fall (105 Ballaktionen laut whoscored). Wie üblich sind viele davon sehr gut und Paqarada hat sogar selbst für seine Verhältnisse übermäßig erfolgreich Pässe ins Angriffsdrittel und allgemein nach vorne gespielt.

Etwas weniger erfolgreich als sonst war er in seinen Defensivaktionen (nur vier von neun Duellen gewonnen) und auch die Anzahl der Ballverluste war mit 22 eher hoch. Ebenfalls sehr hoch war die Anzahl an Torschüssen, die er in diesem Spiel abgab: Ganze siebenmal versuchte er sein Glück. Das ist für ihn ein persönlicher Rekord, denn noch nie hat er es in einem Spiel in der zweiten Liga häufiger versucht. Allerdings fand keiner dieser Versuche den Weg ins Tor – auch sein Elfmeter nicht. Darüber ärgerte er sich besonders und suchte den Fehler bei sich: „Ich schaue nicht hoch und bemerke nicht, dass der Torhüter schon in die Ecke unterwegs ist.“, erzählte er selbstkritisch nach dem Spiel in der Mixed-Zone.

Jakov Medić – paradox
(whoscored: 6.6, sofascore: 6.6)

Jakov Medić macht mich echt fertig. Denn ich könnte eigentlich jede Woche das gleiche in dieser Einzelkritik schreiben: Meist spielt er 89 Minuten auf richtig hohem Niveau und hat sowohl in der Defensive, als auch im Passspiel überdurchschnittliche Werte vorzuweisen. Dann kommt aber eine Minute, in der er falsche Entscheidungen trifft. Ich habe noch nicht erkennen können, ob er häufiger falsche Entscheidungen trifft oder aber, ob aktuell fast jede dieser Situationen zu Gegentoren führt. Ich hoffe auf Letzteres.

So war es auch wieder gegen den SC Paderborn: Medić lieferte defensiv richtig stark ab (u.a. neun von zwölf Duellen gewonnen) und setzte wichtige Impulse in die Offensive (mehr als ein Drittel seiner Pässe ging nach vorne). Dann kamen aber zwei Situationen mit dem pfeilschnellen Sirlord Conteh, in denen er falsche Entscheidungen traf und zweimal bedeutete das ein Gegentor, von denen aber nur eines zählte. Beim Abseits-Tor muss einer der beiden Innenverteidiger die Tiefe absichern. Da Nemeth näher zum Ball stand und ins Kopfballduell ging, wäre das Absichern die Aufgabe von Medić gewesen. Und auch beim Gegentor zum 1:2 können beide, trotz der hohen Geschwindikeit Contehs, nicht von jeglicher Schuld freigesprochen werden.

David Nemeth – gut zu tun
(whoscored: 7.9, sofascore: 7.7)

Richtig viel Arbeit hatte David Nemeth gegen Paderborn zu verrichten: Insgesamt 14 direkte Duelle hatte er zu führen. Er gewann starke zehn davon, fing zudem fünf gegnerische Pässe ab. Im Passspiel bleibt er weiterhin eher abwartend, überlässt die Offensivaktionen seinem IV-Kollegen Medić (nur 15 von 70 Pässen gingen nach vorne). Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er im Aufbauspiel keine Wucht entwickeln kann (wer Lust und FCSP TV hat, kann sich mal seinen klasse Pass auf Eggestein bei Minute 21:40 anschauen).

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Ich schrieb bereits bei der Einzelkritik von Medić, dass auch Nemeth nicht ganz freigesprochen werden kann bei der Situation zum zweiten Gegentor. Hier muss die Abstimmung zwischen den Innenverteidigern besser werden. Da es erst das dritte gemeinsame Spiel war, dürfte das mit der Abstimmung zukünftig aber besser werden. Umso schöner war, dass Nemeth kurze Zeit später den Ausgleich köpfte. Das Spiel zeigte ganz deutlich: Die Leistung von David Nemeth war nicht nur aufgrund des Tores stark ansteigend.

Nach meinem Empfinden wird hier gleich jemand gefoult. Der starke Manos Saliakas nämlich.
(c) Stefan Groenveld

Manolis Saliakas – immer besser
(whoscored: 7.3, sofascore: 7.5)

Ebenfalls stark ansteigend war das, was Manolis Saliakas im FCSP-Trikot am Samstag zeigte. Im Vergleich zu seinen bisherigen Auftritten in Braun-Weiß möchte ich gar von seiner bisher besten Leistung sprechen. Defensiv gewann er alle seine Duelle, fing zudem fünf Pässe ab. Offensiv trat er auch massiv in Erscheinung, aber mit ganz anderen Aktionen als üblich.

Denn seine so hochwertigen Flanken konnten wir gegen Paderborn nur ein einziges Mal sehen (welche auch noch abgeblockt wurde). Stattdessen tauchte Saliakas mehrfach im gegnerischen Strafraum auf, hatte gleich fünf Ballaktionen dort. Dabei schoss er zweimal auf das Tor (wurde aus meiner Sicht bei einem dieser Schüsse gefoult) und holte einen Elfmeter heraus.

Mit Blick auf die interne Konkurrenz ist so eine präsente Leistung aber anscheinend auch wichtig, denn nach seiner Auswechslung rief Luca Zander seinen Namen massiv ins Gedächtnis vieler Umgebenden zurück. Nicht nur seine Torvorlage, sondern allgemein seine Dynamik gaben dem FCSP-Spiel noch einmal mächtig Auftrieb. Das zeigt: Aus der einstigen Problem-Position Rechtsverteidigung ist inzwischen ein Prunkstück geworden.

Eric Smith – offensiv muss mehr kommen
(whoscored: 6.3, sofascore: 6.7)

Ach, Eric! Irgendwie werden die Statistiken nicht mehr deine Freunde. Immerhin hast Du mal eine positive Bilanz bei den Zweikämpfen vorzuweisen (sechs von neun Defensivduellen gewonnen), aber gemessen an den Passquoten ist das eher nicht so berauschend.
Und trotzdem ist Eric Smith aus meiner Sicht ein so wichtiges Element im Spiel des FC St. Pauli. Er sorgt für viel Gleichgewicht, läuft Räume zu und sorgt damit dafür, dass viele gegnerische Aktionen gar nicht erst gefährlich werden können. Das lässt sich aber nicht anhand der gängigen Statistiken messen. Daher halte ich es mit Weltklasse-Sechser Xabi Alonso, der einst sagte: „Wenn ich einen Zweikampf führen muss, dann habe ich vorher was falsch gemacht.“.

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Was aber besser werden muss, sind seine Offensivaktionen. Damit meine ich gar nicht die Anzahl, sondern die Güte: Nur 16 Pässe gingen nach vorne und davon kamen nur die Hälfte beim Mitspieler an (2/7 ins letzte Drittel). Die Quote ist alles andere als berauschend und da Smith in Einzelaktionen immer wieder zeigt, was für überragende Pässe er in die Spitze spielen kann, muss man hier zukünftig mehr erwarten. Allein schon deshalb, da dadurch die Statistiken besser aussehen, Eric!

Eric Smith nimmt genau Maß, zeigte sich aber gegen den SC Paderborn im Passspiel zu unpräzise.
(c) Peter Böhmer

Marcel Hartel – offensiv muss mehr (an)kommen
(whoscored: 7.4, sofascore: 7.7)

Für Marcel Hartel war es irgendwie ein komisches Spiel. Denn defensiv konnte er gar nicht so gut seine Stärken ausspielen, da er auf seiner Position meist überspielt wurde und trotzdem seine Aufgaben im Pressing gut erfüllte. Vier Pässe hat er insgesamt abgefangen.

Offensiv brachte er sich aber umso mehr ein. Nicht nur sein Assist zum 2:2, sondern auch seine vier Torschüsse (damit liegt er auf Rang zwei hinter Paqarada) sind hervorzuheben, wenngleich alle diese Schüsse nicht auf das Tor gingen. Insgesamt vier Torschussvorlagen zeugen aber davon, dass er da ordentlich was geleistet hat. Allerdings ist nur einer von sechs Pässen im Strafraum angekommen. Da darf zukünftig also mehr beim Ziel, egal ob Mitspieler oder gegnerisches Tor, ankommen.

Jackson Irvine – altes Level
(whoscored: 6.6, sofascore: 6.9)

Letzte Woche habe ich mich sehr erschrocken, da Irvine nur insgesamt sechs Defensivduelle führte und einfach nicht in die Zweikämpfe kam. Gegen den SC Paderborn konnte Irvine aber wieder auf sein angestammtes Level zurückkehren, führte insgesamt 18 Duelle von denen er (etwas unterdurchschnittliche) zehn gewann.

Bemerkenswert ist, wie offensiv Irvine denkt. Knapp 40% seiner Pässe gingen nach vorne. So eine Quote erreichen die meisten anderen Spieler nicht. Und wenn Jackson Irvine zum dritten Mal in dieser Saison ein Kopfballtreffer gelingt (nach Eckball in der 71. Minute hatte er da die Möglichkeit), dann wäre ich sogar bereit seinen Namen in Jackson Airvine zu ändern, wie es im Studio1910 bereits passiert ist.

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Lukas Daschner – schwierig
(whoscored: 6.1, sofascore: 6.2)

Mmmh, ich hatte bereits letzte Woche geschrieben, dass Lukas Daschner seine bisher schwächste Saisonleistung zeigte. Das muss ich diese Woche wieder tun. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es das Anlaufverhalten von Daschner und seine hohe Intensität waren, die Paderborn massive Probleme im Spielaufbau bereiteten. Vielleicht hat er da auch einfach viele Körner gelassen?

Jedenfalls ist der offensive Arbeitsnachweis ernüchternd: Ein Torschuss, keine Torschussvorlage. Kein Dribbling erfolgreich (0/3) und nur eines von sieben Duellen gewonnen. Sechs Ballkontakte im gegnerischen Strafraum sind zwar viele, aber leider war der Ball danach auch meist weg. Nach starkem Saisonbeginn hat Daschner zuletzt leider ein wenig abgebaut.

David Otto – Chance genutzt? I (bis 58. Minute)
(whoscored: 5.8, sofascore: 6.3)

Tja, da war sie endlich, die Startelfchance für David Otto. Hat er sie genutzt um auch zukünftig in der Startelf zu sein? Nur zwei von zwölf gewonnenen Duellen sprechen dagegen. Kein Torschuss, keine Torschussvorlage, nur ein Ballkontakt im gegnerischen Strafraum – das ist alles nicht wirklich überzeugend. Das Potenzial ist sicher vorhanden, aber da ist noch viel Luft nach oben.

Igor Matanović – Chance genutzt? II (ab 58. Minute)
(whoscored: 5.9, sofascore: 6.3)

Für David Otto wurde Igor Matanović nach einer knappen Stunde eingewechselt. Mit acht von 24 erfolgreichen Aktionen (Otto: neun von 37) hat er sich nun auch nicht unbedingt mit Nachdruck ins Gewissen gerufen, aber ich würde subjektiv schon davon sprechen, dass Matanović offensiv etwas präsenter war als Otto, was aber auch am Spiel bzw. Spielverlauf gelegen haben könnte.

Grundsätzlich bleibt aber das Bild seit Wochen identisch: Auf der Position des zentralen Angreifers ist noch Raum für Verbesserungen. Ob da nun Otto oder Matanović noch einen Entwicklungssprung machen werden, sich bis Donnerstag, 18:00Uhr, noch ein neuer Stürmer im Kader einfindet oder wir uns auf eine Saison mit einer Problemposition einstellen müssen – keine Ahnung. Es würde dem Spiel des FC St. Pauli aber ganz sicher sehr weiterhelfen, wenn sich auf dieser Position noch etwas verändert.

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Johannes Eggestein – blass (bis 58. Minute)
(whoscored: 5.9, sofascore: 6.3)

Insgesamt war die komplette Offensive des FC St. Pauli eher nicht so wirkungsvoll gegen den SC Paderborn (zumindest nicht offensiv, das Pressing hat mit ihnen gut geklappt). Das gilt auch für Johannes Eggestein, der zum ersten Mal in Braun-Weiß ohne eigenen Torschuss blieb. Zudem gewann er kein Offensivduell, kein Dribbling und gab auch keine Torschussvorlage. Ein schwaches Spiel also?

Naja, zumindest ist Eggestein (wie auch Daschner) immer dann da, wenn es irgendwo im Strafraum der Gegner brennt. Fünf Ballkontakte in diesem sprechen eine deutliche Sprache und zeigen, welch guten „Riecher“ er in der gegnerischen Box hat. Das ist üblicherweise etwas, was man nur schwer trainieren kann. Entsprechend wertvoll dürfte Eggestein in dieser Saison noch sein, vor allem dann, wenn sein Sturmpartner, wer auch immer das ist, in Form kommt. Denn aktuell können sich die Abwehrreihen auf ihn konzentrieren, was die Sache für ihn sicher nicht leichter macht.

Etienne Amenyido und Igor Matanović kamen nach rund einer Stunde ins Spiel. Wirklich auf sich aufmerksam machen konnten sie nicht.
(c) Peter Böhmer

Etienne Amenyido – eingereiht, aber erfolgreich (ab 58. Minute)
(whoscored: 6.8, sofascore: 6.9)

Ich schreib es mal aus meiner subjektiven Sicht: Hätte Etienne Amenyido nicht zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen, ich hätte glatt vergessen, dass er in der 58. Minute eingewechselt wurde. Wirklich. Amenyido trat nämlich eigentlich überhaupt nicht in Erscheinung, spielte nur sechs Pässe und hatte abgesehen vom Treffer nur vereinzelt erfolgreiche Offensivaktionen.

Klar, es gibt viele wichtige Elemente, die einen Stürmer wertvoll für ihr Team machen. Aber Tore sind halt auch weiterhin das höchste Gut für Angreifer. Mit seinem Tor hat Amenyido also sicher ein gewichtiges Argument auf seiner Seite, auch zukünftig mehr Spielzeit zu ergattern. Hoffen wir mal, dass da nicht wieder eine Verletzung dazwischenkommt, denn ich würde gerne mal sehen, wie gut ein voll integrierter und fitter Etienne Amenyido sein kann.

Fazit

Der FC St. Pauli holt gegen den SC Paderborn also einen Punkt. Das ist ehrlich gesagt einer mehr als ich vor der Partie und zu vielen Zeitpunkten während der Partie erwartet hatte. Umso erfreulicher war das Spiel dann auch, denn der FCSP dominierte und fand die richtige Antwort auf die bisher so begeisternde Offensive der Gäste.

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Trotz dieser Dominanz hat das Spiel auch wieder zwei der aktuellen Schwachstellen des FC St. Pauli offengelegt. Zum einen schafft es das Team nicht, konstant auf hohem Niveau gegen den Ball zu arbeiten. Das ist insofern verwunderlich, weil es eben größtenteils gelingt, dann aber immer wieder aufgrund von teils haarsträubenden Fehlern eingerissen wird. Allerdings: Der SC Paderborn wird sämtliche Gegner vor große Probleme stellen. Es wäre vermessen vom FCSP zu erwarten, dass sie defensiv gegen dieses Team nichts anbrennen lassen.

Viel eher muss sich der Blick gen Offensive richten. Denn nicht zum ersten Mal in dieser Saison gelang es dem Team nicht aus der Dominanz heraus auch zu zwingenden Torchancen zu kommen. Sicher ist der Ertrag gemessen am Aufwand ziemlich gering. Ich denke das Wort „Durchschlagskraft“ passt hier ganz gut. Aber wie bekommt man diese? Einfach einen weiteren Spieler verpflichten und alles wird gut? Ganz so einfach ist das natürlich nicht, denn es ist nicht nur die Qualität der Offensive, die aktuell nicht mit der aus der Vorsaison mithalten kann. Es ist auch die Qualität des Aufbauspiels, welches noch stabiler und zielgerichteter werden kann. Das hätte den positiven Nebeneffekt, dass es zu weniger Ballverlusten in gefährlichen Zonen kommt und die Innenverteidigung damit seltener vor schwierige Entscheidungen gestellt wird.

Klar, wieder zwei Gegentore und weiterhin fehlt ein wenig die Durchschlagskraft. Trotzdem macht dieser Auftritt Mut für den Rest der Saison. Denn zweimal ist das Team nach einem Rückstand wieder rangekommen und das erste Tor war schlicht fantastisch herausgespielt (21 Pässe in Serie). Zudem hat das Team trotz zweier Gegentore gezeigt, dass es Antworten auf die so ungeliebte gegnerische Dreierkette finden kann, zeigte sich insgesamt stabiler. So hat der FC St. Pauli aus meiner Sicht nicht nur einen Punkt, sondern auch einiges an Reife gewonnen.
// Tim

Sofern nicht anders markiert, stammen sämtliche Statistiken von Wyscout.

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8 thoughts on “FCSP vs. SCP – Zahlen und Einzelkritik

  1. Auch wenn ich ebenso wenig Ahnung vom Torwartspiel habe, aufgefallen ist es mir aber auch, dass Smarsch in 1:1-Situationen eigentlich nie gewinnt. Das sind keine Torwartfehler, aber er hält sie halt auch nicht. Am Wochenende gab es in beiden Ligen durchaus Beispiele, dass ein 1:1 auch mal gehalten werden kann (und wir hatten ja auch mal einen Torwart, der darin ganz gut war).

    Generell befürchte ich bei unserer nicht wirklich sehr schnellen Innenverteidigung, dass wir öfter 1:1 Situationen erleben werden. Von daher wäre es sicherlich angebracht, über den Torwart nachzudenken, sobald Vasilj wieder fit ist.

    Und ja, den Gedanken, dass Smarsch irgendwie unkonventionell spielt, hatte ich auch schon. Manchmal fast schon aufreizend lässig, manchmal irgendwie zu spät und trotzdem erfolgreich, ich glaube, ich werde mich nicht an ihn gewöhnen.

  2. Dass Smarsch in 1:1 versucht mit den Händen zu halten ist mir auch aufgefallen (besonders beim Abseitstor von Conteh, wo er mit dem linken Fuß genau da steht wo der Ball hinkommt und den dann aber wegzieht um mit der Hand zu halten, die aber zu spät unten ist) und deswegen habe ich mal ein bisschen recherchiert:

    Das war letzte Saison noch nicht so. Beispielsweise beim 2-1 von Union oder bei erfolgreichen Paraden gegen Schalke und Dortmund kann man sehen, dass er mit der typischen Torwarthaltung (ein Bein angewinkelt mit Knie am Boden um Tunnel zu verhindern und das andere ausgestreckt) in 1:1 Duelle ging. Diese Saison ist das anders. Was hat sich erändert? Der Torwarttrainer.
    Ich kann mir also vorstellen, dass diese Taktik sogar vom neuen Torwarttrainer vorgegeben ist. Vielleicht hat man dadurch Vorteile bei Lupfern oder es ist besser wenn der Stürmer ins Dribbling geht oder irgendwie sowas… wäre mal ne interessante Frage für ne PK oder so.

    Beim 1:0 von Paderborn hat er wiederum mit der Handabwehr eigentlich eine gute Chance den Ball zu halten. Er erkennt schon vor dem Schuss in welche Richtung der Schuss geht und bewegt sich in die Richtung, die Hände sind unterhalb der Knie knapp über der Grasnarbe. Ideale Voraussetzungen um den flachen Schuss zu halten. Bei der Parade winkelt er die Arme aber völlig unnötig an, sodass der Ball wieder unter seinen Händen hindurch ins Tor geht… Klar, wir reden hier von Sekundenbruchteilen, aber das sind dann letztendlich die Qualitäten, die einen guten von einem schlechten Zweitligatorwart unterscheiden.

  3. Vielen Dank für die wie immer spannenden Einblicke. Ich hatte überigens zwischendurch immer wieder den Eindruck, dass Saliakas komplett frei stand und vor sich Meilen an Raum hatte, während sich das Spiel auf der linken Seite ballte und nicht versucht wurde, eine Spielverlagerung einzuleiten. Er tat mir fast schon leid, wenn er erfolglos versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Und das ist doch sicher eine der Hoffnungen im Offensivspiel – dass wir zukünftig nicht nur über links die größte Gefahr ausstrahlen?

  4. Dass Smarsh Situationen eher unorthodox löst/zu lösen versucht, kommt mir bei fast jeder seiner Aktionen in den Sinn. Auch wirkt er grundsätzlich in seinen Aktionen sehr behäbig.

    Zu Eggestein: Mitte der ersten hälfte gab es doch eine sehr gute Kopfballmöglichkeit, die auf der Linie geklärt wurde, oder? Allgemein bewegt sich Jojo oft sehr gut und ist – wie du schon sagst – immer dort, wo es gefährlich wird. Ein echter Zielspieler an seiner Seite, der den Ball auch mal festmachen und ihm somit Platz schaffen kann, dürfte Jojo zu einem echten Leistungsträger in unserer Offensive machen.

  5. Ich finde es gut, dass du bei der Bewertung der Offensiven darauf hinweist, wie sehr sie mit Anlaufen und Pressen beschäftigt waren. Ich hatte im Stadion bisweilen schon ein bisschen Mitleid mit Daschner, Eggestein und Otto. Ich meine, das kann doch keinen Spaß machen, die ganze Zeit mit der entsprechenden Intensität Abwehrspieler und Torwart anzulaufen, ohne eine wirkliche Chance zu haben, an den Ball zu kommen. Selbst wenn dir als Stürmer bewusst ist, das das der Schlüssel dazu ist, Paderborns Aufbauspiel entscheidend zu stören, weißt du doch ganz genau, dass das eben nicht die Arbeit ist, mit der du als Stürmer glänzen kannst. Also, mich hat das beeindruckt.

    1. Vielleicht hilft es, dass es nicht nur für gelungene Offensivaktionen, sondern auch für Defensivleistungen inkl. dem Erzwingen von Abschlägen/Abspielen ins Aus von den Rängen Szenenapplaus gab.

  6. Ob ein weiterer Neuzugang im Angriff, jemand der das Profil eines Zielspielers erfüllt, helfen würde dieses Problem zu beheben? Zumindest scheint die Zeit für einen Versuch reif, das hat die bisherige Saison eigentlich in jedem Spiel gezeigt.

    Man hätte ja einfach Simon Makienok behalten können

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