FC St. Pauli – SV Darmstadt 98 1:1 – Fußballfest

FC St. Pauli – SV Darmstadt 98 1:1 – Fußballfest

Der FC St. Pauli und der SV Darmstadt 98 trennen sich Unentschieden. Einige taktische Umstellungen sowie steter Offensivdrang beider Teams sorgten für ein fantastisches Fußballspiel. Die Analyse.
(Titelbild: Stefan Groenveld)

Es gibt so Spiele, auf die freut man sich schon im Vorwege besonders. Klar, Samstagabend, Flutlicht, der Spitzenreiter zu Gast – das ist sowieso alles einladend. Was beide (Trainer-)Teams dann aber über die 90 Minuten zeigten, war schlicht großartig und hat den Namen „Fußballfest“ verdient. Das tut der 2. Bundesliga enorm gut, die sonst auch so „Perlen“ wie das 0:0 zwischen Kaiserslautern und Nürnberg bereithält (welches ich am Mittag beruflich schaute).

Der FC St. Pauli und Darmstadt 98 lieferten sich also ein in allen Belangen intensives und hochklassiges Duell auf dem Rasen. Ich muss zugeben, dass ich ziemlich beseelt bin während ich diese Zeilen abtippe. Schöner Fußball bei diesen Rahmenbedingungen ist einfach großartig. Und nun möchte ich mal versuchen die ganzen Ebenen und taktischen Kniffe des Spiels auseinanderzufrickeln:

Die Aufstellung

Keine Veränderungen gab es beim FC St. Pauli im Vergleich zum Spiel zuletzt in Bielefeld. Das war auch (zu Spielbeginn) in Sachen Formation der Fall. Das Team bildete wieder ein 5-3-2 auf dem Platz mit der Doppelspitze Amenyido/Daschner.

Auf Seiten von Darmstadt 98 gab es eine Veränderung im Vergleich zur Startelf gegen Holstein Kiel (1:1): Frank Ronstadt startete anstelle von Emir Karic, ein nicht positionsgetreuer Wechsel. Sehr viel mehr Veränderungen gab es in der Formation der Lilien, die gleich mehrere Besonderheiten aufwies.

Das 5-3-2 des FC St. Pauli und das Darmstädter Verschiebeverhalten nachdem Patric Pfeiffer wieder in die Abwehrkette gerückt ist.

Zielspieler Pfeiffer

Zu Spielbeginn ordnete sich Patric Pfeiffer, gelernter und bisher Stamm-Innenverteidiger, vorne neben Angreifer Phillip Tietz ein. Das war durchaus besonders, ergab aber Sinn. Pfeiffer ist der kopfballstärkste Spieler der 2. Bundesliga, gewann bisher weit über 80% seiner Duelle in der Luft. Die ersten fünf Minuten hatte der FCSP also klare Nachteile gegen Darmstadt in letzter Reihe. Eigentlich eine recht gute Idee, aber der SVD machte daraus sehr wenig, spielte fast gar keine hohen Bälle vorne rein. Nach wenigen Minuten erfolgte die Umstellung und Pfeiffer rückte hinten in die Kette.

Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht erklärte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, dass sie vor der Partie etwas gesehen haben „was dem FC St. Pauli weh tun kann“ und dass sie „Masse vorne drin haben“ wollten. Diese Variante habe das Team noch am Samstag in zwei Meetings ausgearbeitet. Er sagte aber auch, dass es „gar nicht so gut gelungen“ sei.

FCSP-Co-Trainer Loïc Favé zeigte sich nach der Partie überrascht von der Darmstädter Anfangsformation, betonte aber, dass die Auswirkungen dieser Aktion eher wenig Einfluss auf die eigene Defensivarbeit hatte: „Mit Pfeiffer vorne haben wir nicht gerechnet, aber wir wussten so oder so, dass viel Kopfballstärke da ist und es darum geht die Tiefe zu sichern. Deswegen hat es auch nicht so einen großen Unterschied gemacht.“

Interessant war dann aber, wo sich Patric Pfeiffer in die Kette einsortierte. Der SV Darmstadt spielte nämlich einige Zeit mit einer ungewöhnlichen Viererkette. Pfeiffer agierte dabei als Rechtsverteidiger, Müller und Zimmermann bildeten das Zentrum und Fabian Holland war auf der linken Seite. Eigentlich gehört Matthias Bader noch mit in die Kette, aber der orientierte sich fast dauerhaft sehr stark an Leart Paqarada. Dadurch stand er auch bei Ballbesitz des FCSP recht hoch und die Lilien bildeten eine fast klassische Viererkette, nur eben mit einem untypischen Rechtsverteidiger.

Hamburg, Deutschland, 29.10.2022 - Etienne Amenyido (FC St. Pauli) setzt gegen den SV Darmstadt 98 zum Torschuss an - Copyright: Stefan Groenveld
Eine von vielen, vielen Chancen für den FC St. Pauli.
(c) Stefan Groenveld

Fünferkette aufgelöst

Wenn jemand beim FC St Pauli Schwachstellen in den gegnerischen Ketten erschnüffeln kann, dann ist es Marcel Hartel. Der orientierte sich in den Anfangsminuten zielsicher im Rücken von Bader und der FCSP konnte genau in diesen Situationen in den Anfangsminuten gefährlich werden, spielte immer wieder tiefe Pässe auf die linke Seite. Die Lilien wurden dadurch mehr oder weniger zu einer Umstellung gezwungen. Lieberknecht sagte dazu im Anschluss an die Partie:

„Wenn Du ein System spiegeln musst, was bei zwei Mannschaften die in einem 3-5-2 spielen der Fall ist, dann ist es oft so, dass die Außenverteidiger direkt aufeinandertreffen. Deshalb hat Matthias Bader bis an den gegnerischen 16er hochgeschoben. Das war phasenweise gut. Nicht gut war es aber, wenn wir uns im Sturmbereich nicht einig waren, ob wir mit Aremu mitgehen und aufgelöst wurde auf die Sechserposition. Deshalb haben wir auf ein 4-2-3-1 umgestellt.“

Torsten Lieberknecht erklärt die Umstellung auf ein 4-2-3-1.

So stellte Darmstadt noch ein weiteres Mal um in den Anfangsminuten: Etwa ab Spielminute 20 formierte sich eine Viererkette mit Bader und Holland auf den Außenpositionen, Müller schob vor ins defensive Mittelfeld und bildete mit Kempe die Doppelsechs. Bis zur Halbzeit agierten die Lilien mit dieser Formation etwas unrund, es wirkte noch nicht ganz so gut abgestimmt, wie zu Beginn der zweiten 45 Minuten. Das lag auch daran, dass sich der FC St. Pauli offensiv in guter Form präsentierte.

Amenyido weicht aus

Das 5-3-2 des FC St. Pauli hatte in den drei Spielen zuvor vor allem defensiv meist gut funktioniert (wenn wir die zweite Halbzeit gegen Bielefeld mal ausklammern). Hier mussten aber bisher Abstriche in der Offensive in Kauf genommen werden. Timo Schultz meinte auf der PK vor dem Spiel, dass er vor allem in Umschaltmomenten noch Potenzial sieht bei dieser Formation, sich dies aber nun Stück für Stück entwickeln könne. Gegen Darmstadt hat das Team nun sicher einen großen Schritt im eigenen Offensivspiel mit einem 5-3-2 gemacht.

Entscheidend waren nicht nur die Bewegungen von Hartel, der stets versuchte hinter den linken Schienenspieler der Lilien zu kommen, sondern vor allem die ausweichenden Bewegungen von Etienne Amenyido. Der war zwar offiziell als zweite Spitze neben Daschner auf dem Platz, agierte aber meist entweder auf den Außenbahnen oder im Zehnerraum. Nach dem Spiel erklärte er, dass er seine „Stärken gegen die Innenverteidiger gut ausspielen“ konnte, die er eben nicht in der Luft, sondern beim eigenen Tempo gesehen hat.

Die Bewegungen der FCSP-Spieler bei eigenem Ballbesitz:
Irvine und Hartel rückten vor, Amenyido verließ die zentrale Angriffsposition.

Durch die Ausweichbewegungen fehlte dem FC St. Pauli aber eigentlich ein weiterer Spieler in der Spitze, der dann auch die Hereingaben verwerten konnte. Hier kam wieder Hartel und auch Achter-Kollege Jackson Irvine ins Spiel, die immer wieder in den gegnerischen Strafraum einliefen und so für eine gute Besetzung dort sorgten.
So erspielte sich der FCSP allein in der ersten Halbzeit zahlreiche Torchancen und erneut musste man sich zur Halbzeit fragen, warum das Team nicht schon führt. Die Chancenverwertung bleibt auch nach diesem Spiel ein großes Thema.

Darmstadt passt erneut an – dieses Mal mit Erfolg

Personell unverändert ging es in die zweite Halbzeit. Aber an den Kräfteverhältnissen hatte sich ein bisschen was verändert. Die Lilien wurden sehr viel druckvoller. Das gelang ihnen, weil sie das 4-2-3-1 etwas verändert spielten. Braydon Manu und Frank Ronstadt agierten nun sehr viel eher als offensive Außen, schoben bei eigenem Ballbesitz sehr weit auf die Außenbahn. In den ersten 45 Minuten agierten beide noch wie zwei abkippende Spitzen neben Tietz. Nun besetzten sie sehr viel mehr die Breite, worauf der FC St. Pauli reagieren musste. Die Folge: Die Lilien konnten beim Nachschieben im Zentrum mehr Druck auf den FCSP erzeugen.

Timo Schultz erklärte im Anschluss an die Partie in Bezug auf die Schwierigkeiten zu Beginn der zweiten Hälfte: „Wir haben bereits vor dem Gegentreffer überlegt umzustellen, da wir Probleme mit den vielen langen Bällen der Darmstädter hatten und besonders auch die zweiten Bälle in der Phase nicht bekommen haben.“

Hamburg, Deutschland, 29.10.2022 - Enttäuschung bei den Spielern des FC St. Pauli nach dem Rückstand im Spiel gegen den SV Darmstadt 98 - Copyright: Peter Böhmer
Der Moment kurz nach dem Gegentor – schon wieder, so schien es, belohnte sich der FC St. Pauli nicht für eine gute Leistung.
(c) Peter Böhmer

So saß ich dann Mitte der zweiten Halbzeit fluchend und frustriert auf der Pressetribüne, kurz nachdem Ronstadt die Lilien in Führung gebracht hatte. Tolles Tor, keine Frage. Sowas kannst Du nur schwer verteidigen. Schon wieder hat sich der FCSP für eine gute erste Hälfte nicht belohnt! Schon wieder macht der Gegner stattdessen das Tor! Schon wieder alles Scheiße! Aber nein, auch der FCSP hatte taktisch und personell noch etwas draufzupacken:

Back to the Roots a.k.a. Raute

Mit der Einwechslung von Otto, Eggestein und Metcalfe in der 68. Minute stellte der FC St. Pauli seine Formation um: Aus der Fünfer- wurde eine Viererkette (Fazliji ging raus), Irvine rückte auf die Sechs (Aremu ging raus), Daschner auf die Zehn, Eggestein und Otto bildeten fortan das Sturm-Duo. Zum ersten Mal seit längerer Zeit spielte der FC St. Pauli wieder mit einer Mittelfeldraute. Und sie machte sich fast sofort bezahlt: Eggestein erlief einen Ball auf links, Metcalfe besetzte das Zentrum und legte klug, nein, sehr klug, nein, überragend für Daschner ab, der aus dem Zehnerraum in den Strafraum einlief. Der Ausgleich war sowas von verdient!

Die Umstellung auf die Mittelfeldraute erklärte Loïc Favé später in der Mixed-Zone: „Nach dem Gegentor wollten wir nochmal offensiver sein, auch den Raum hinter den Spitzen nochmal besetzen und einfach mehr Personal vorne drin zu haben.“
Timo Schultz ergänzte auf der Pressekonferenz, dass sie mit der Umstellung „wieder mehr Ebenen ins Spiel“ und allgemein wieder „mehr Frische auf dem Platz“ bekommen wollten. Es hat funktioniert und die Joker haben Eindruck bei Schultz hinterlassen: „Die Einwechselspieler haben es richtig gut umgesetzt, konnten mehr für Entlastung sorgen und Chancen herausspielen. Von denen die reingekommen sind, war es ein richtig gutes Ausrufezeichen.“

Hamburg, Deutschland, 29.10.2022 - Timo Schultz gibt Etienne Amenyido Anweisungen - Copyright: Stefan Groenveld
Timo Schultz stellte sein Team während der Partie erfolgreich um und reagierte dabei auch auf die Darmstädter Umstellungen.
(c) Stefan Groenveld

Fußballfest mit Makel

Nach dem Ausgleich übernahm der FC St. Pauli wieder vollständig die Spielkontrolle. Auf die taktische Umstellung des FCSP konnte Lieberknecht mit seinem Team nicht mehr richtig reagieren, auch weil ihnen das Personal dafür fehlte. So erspielte sich der FCSP noch einige Chancen, von denen aber keine mehr den Weg ins Tornetz fand. Wie bereits geschrieben, die Chancenverwertung bleibt ein Problem. Am Ende lautet die xGoals-Statistik von Bundesliga.de 2.98 – 1.30 für den FC St. Pauli. Ein deutlicher Ausdruck der offensiven Dominanz des FCSP, welcher aber zeigt, dass das Unentschieden zu wenig ist für die gezeigte Leistung.

Erfreulich ist, dass der FC St. Pauli nun taktisch flexibler ist und die Umstellung auf eine Mittelfeldraute fast reibungslos klappte und Erfolg brachte. Diese Flexibilität dürfte auch in den kommenden Spielen von großer Bedeutung sein.
Ein Mutmacher ist die Partie gegen die bisher so starken Lilien allemal. Zwar holte der FCSP die dringend benötigten drei Punkte nicht, aber zeigte mal wieder, dass es dem Team gegen spielstarke Gegner etwas leichter fällt offensiv in Erscheinung zu treten. Mit Blick auf die Partien gegen Düsseldorf, Kiel und Karlsruhe, die allesamt ebenfalls offensivfreudig agieren, macht dieses Spiel Mut, dass bis zur Winterpause doch noch einige Punkte zusammenkommen könnten.

Immer weiter vor!
// Tim

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14 thoughts on “FC St. Pauli – SV Darmstadt 98 1:1 – Fußballfest

  1. Angesichts der offenkundigen Kopfballstärke von Pfeiffer war ich doch sehr überrascht, dass Aremu ihm bei Ecken direkt zugeordnet war. Das ist mindestens einmal fast schief gegangen.

  2. Ja, es war ein intensives und gutes Fußballspiel, trotzdem kippe ich Wasser in den Wein.

    1. Das Gegentor war absolut zu verteidigen, denn Rotstadt war schon von zwei Spielern gestellt. Und du darfst da alles, ihn aber nicht nach Innen lassen, war mit zwei Spielern völlig problemlos sein sollte. Wir stellen uns da einfach richtig schlecht an. Und das völlig unabhängig von dem Ballverlust vorher im MF und davon, dass die Aktion am Ende natürlich überragend gemacht war.

    2. Schultz reagiert nach dem Gegentor viel zu spät. Es vergingen 8 lange Minuten zwischen dem Gegentor und dem Dreifachwechsel. In der Zeit fuhr Darmstadt mehrere gefährliche Angriffe, die sie dem Himmel sei dank nicht gut hintenraus ausspielen. Fällt da das 0:2, sprechen wir von „vercoacht“.

    3. Wir haben uns durch die reihenweise „großartigen“ Auswärtsauftritte in die Situation gebracht, dass wir unbedingt dreifach punkten müssen. Egel wer da kommt. Da war gestern auch absolut machbar. Wir haben auch wieder mal gute Statistiken, was nützt es aber, wenn vorne fast nichts bei rumkommt. Wir haben eine absolute qualitative Unterbesetzung im Sturm. Es fehlt ein Zielspieler. Deswegen haben wir 15 Punkte und sind in akuter Abstiegsgefahr. Dann immer mantraartig zu hoffen „Jetzt platzt aber bald der Knoten“ hat schon einige Vereine in die dritte Liga gebracht. Denn dazu kommt:

    4. Der Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsauftritten ist derartig kolossal, dass ich mittelreeile von einem Mentalitätsproblem sprechen würde. Dieses zu beheben fällt in den Aufgabenbereich des Trainers.

    Zusammengefasst: Wir spielen auswärts zumeist katastrophal und verlieren egal wo Spiel um Spiel. zu Hause treten wir ganz anders auf, spielen aber wegen der Fehlplanung im Sturm meist nur Unentschieden. Insgesamt haben wir ganze 3/14 Ligaspielen gewonnen. Das alles zusammen bedeutet Abstiegskampf.

    1. Ich stimme nahezu vollständig zu. Saliakas muss viel kontrollierter in die Situation gehen und verhindern, dass Ronstadt nach Innen zieht (zumal bekannt sein sollte, dass er Rechtsfuß ist). Schultz hat das im Interview nach dem Spiel genau so beschrieben.

      Zur Mentalität: Wir haben an verschiedenen Meilensteinen nicht die notwendigen Ergebnisse erzielt. Gewinnen wir bspw. in Hannover (Daschner muss das 2:0 machen, den Strafstoß bewerte ich im Nachhinein als absichtliche Fehlentscheidung) gehen wir mit 6 Punkten in die nächsten Spiele und haben auswärts die Serie durchbrochen. Weitere Punkte waren die vergebenen Strafstöße etc.
      Diese Serie hinterlässt im sozialen Gefüge eines Teams Spuren und der mentale Weg daraus kann langwierig sein. Hoffnung macht mir dabei, dass die Trainer es bereits einmal geschafft haben und die Situation kennen.

    2. Manche Dinge werden auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer. Sorry.

      Der geforderte schnelle Wechsel nach dem 0:1. Ich bin kein Freund von Aktionismus und fand die acht Minuten bis zum Dreifachwechsel nicht zu lange, zumal die Zeit genutzt wurde, um mit dem Dreifachwechsel auch die Taktik umzustellen. Wie zu sehen war, mit Erfolg.

      Vor allem aber: Ich sehe bei Auswärtsspielen eine positive Tendenz. Ich war in Freiburg im Stadion und sah ein starkes Spiel unserer Mannschaft. Dass anschließend Bielefeld in die Hose geht, dürfte maßgeblich etwas mit 120 Minuten am Limit gegen einen Bundesligisten zu tun haben, während Bielefeld schon zur Pause in Stuttgart auf Trainingsmodus umstellen konnte und sich zudem zu Hause vorbereiten konnte.
      Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang, dass insbesondere in der Abwehr, aber auch im Mittelfeld, wegen zahlreicher Verletzungen kaum Alternativen zur Verfügung standen. Obwohl die Jungs in Freiburg am Ende völlig platt waren, konnte kaum rotiert werden.

      Dass es zuvor in Braunschweig nicht klappte, laste ich zu erheblichen Teilen Herrn Stegemann an. Schon beim üblen Foul an Jackson, der verletzt raus musste, wäre eine Rote Karte gerechtfertigt gewesen. Stattdessen darf Benkovic, der noch nicht einmal gelb sah, weiter holzen. Für das noch üblere Foul an Ritzka gab es lediglich gelb. Dass Braunschweig am Ende mit elf Spielern auf dem Feld stand, da fehlten mir die Worte ….
      Ähnlich in Regensburg wo das Elend mit einem lächerlichen Elfer gegen uns den Anfang nahm, Dank Zwayer, der uns schon in Hannover verpfiffen hatte …

      Klar fehlen auswärts die Punkte, die Leistungen als „meist katastrophal“ einzustufen kann ich aber nicht nachvollziehen. Ein Metalitätsproblem sehe ich schon gar nicht.
      Richtig enttäuschend war vor allem Rostock, keine Frage, und eben Kaiserslautern mit seinem Schuster-Ball.

      Und natürlich tritt die Mannschaft zu Hause anders auf. Könnte das womöglich etwas mit 27.000 eigenen Fans im Stadion zu tun haben?

      Beim Darmstädter Treffer sehe ich übrigens eher Dzwigale mit in der Verlosung, der gleich nach dem Pass mit nach außen hätte gehen können. Stattdessen müssen Irvine und Saliakas (der vom gegnerischen Strafraum aus zurückrannte) extrem weite Wege gehen und dummerweise steht Saliakas ganz am Ende Jackson auch noch im Weg und macht so den Weg frei für Ronstadt.

      1. Wir haben 7 Auswärtsspiele gehabt und haben in jenen 2 ganze Punkte geholt. Selbstverständlich kann man jetzt für jedes zweite die Schiedsrichter verantwortlich machen, oder gar die Spielweise des Gegners, aber so kommen wir definitiv nicht zusammen. Außer dem Spiel in Hannover und einer passablen Halbzeit in Bielefeld (mit einer riesigen und einer halben Torchance) ist das meilenweit davon entfernt gewesen, was wir am Millerntor spielen. Wenn du das nicht so siehst, dass es einen erheblichen Unterschied im Auftreten gibt, dann kommen wir auch hier nicht zusammen. Und das mit den schlechten Leistungen der Unparteiischen zu erklären ist dann aus meiner Sicht auch mehr als dürftig.
        Tim hat die Auswärtsschwäche hier sogar mal als „notorisch“ bezeichnet und nicht nur auf diese Saison bezogen. Wenn man jetzt noch die Heimfans als wichtigen Faktor aufführt, dann wäre das gleichbedeutend damit, dass es nicht zu ändern sei und wir uns auf ewig damit abfinden müssten. Das sehe ich absolut nicht so.

        Wenn du Schultz nach dem zugehört hast, dann sagt er wörtlich, dass er die Umstellung auf die Raute sogar schon vor dem 0:1 plante, weil der Zugriff fehlte. Dann stellt sich ja erst recht die Frage, wieso es dann nach dem 0:1 noch so lange dauerte und ein Angriff nach dem nächsten auf das Tor rollen konnte.

        Auch beim Gegentor sehe ich nach wie vor den Fehler (nach dem Rausrücken von Fazilij im MF), in letzter Konsequenz darin, dass zwei Spieler einen nicht stellen können. Sah Schultz auch so. Du nicht ganz, ok.

        Fazit für mich: Mit Anspruch auf „Wahrheit“ ist das so eine Sache. Aus meiner persönlichen Sicht machst du es dir sehr einfach, und wir haben daher offenbar eine grundverschiedene Auffassung.

    3. Auch wenn wir zu Hause nach Punkten (und sicherlich auch spielerisch):gut aussehen, bleibt aber das wir gegen katastrophale Magdeburger gewonnen haben und gegen Sandhausen nur unentschieden. Alle anderen Teams waren (derzeit) im Regal über uns. Haben i.d.R also auch irgendwie mitgespielt. Während wir Auswärts die tendenziell schwächeren Teams hatten und dort zwar oft OK aussahen aber am Ende trotzdem nicht gewinnen konnten, weil wir nicht in der Lage sind dieses Übergewicht zu nutzen. Das kann mal in einem Spiel passieren aber nicht dauerhaft. Und da sind halt nicht nur Stürmer gefragt. Da kann das Mittelfeld auch mal aus der zweiten Reihe abziehen. Leider passiert dies viel zündelten. Dann kommen wir evtl. doch zum Thema Mentalität /Blockade. Und nebenbei, derzeit befindet sich wohl kein Spieler in irgendwelchen vertraglichen Unsicherheiten trotzdem läuft es nicht rund.

  3. Ich möchte mich an der Stelle mal Torsten Lieberknechts Lob auf der PK anschließen hinsichtlich deiner Fragen und Berichterstattung! Hab ich so vor dem Entdecken des millerntons auch noch nicht gesehen.

    Würde mich auch sehr freuen wenn sein Gesprächsangebot ernst gemeint war und es da vielleicht mal ein kleines Interview mit ihm gibt 🙂

  4. (1) Erstklassige Analyse. Tim is sowohl von Lieberknecht als auch von Schulle fuer seine Analysefaehigkeiten geadelt worden („solch eine gute Frage wurde mir noch nie gestellt“). Glueckwuensch Tim! Wenn der FCSP schlau waere, sollte er Dich „nebenberuflich“ als Gegner-Taktikanalyst verpflichten, als „zweite Meinung“ zusaetzlich zu der Analyse des Trainerteams (bevor das ein anderer Verein tut). Oder ihr baut den Millernton zu einem „Kompetenzzentrum“ Taktikanalyse aus
    Wenn ihr dazu brainstormen wollt, koennt ihr mich gerne kontaktieren.

    (2) Schulle und das TrainerTeam hat es geschafft dem Team taktische Flexibilitaet beizubringen–i.e. zwischen Systemen waherend eines Spiels wechseln zu koennen und dadurch Spielkontrolle zurueckzugewinnen. Glueckwunsch Schulle! Das is ein exterm wichtiger Entwicklungsschritt. Fuer mich hat Schulle damit die Qualitaet eines Erstliga-Trainer demonstriert.

    (3) Ich sehe diese Entwicklung als Wendepunkt. Wenn wir in der Winterpause noch einen Knipser verpflichten, erwarte ich eine gute bis sehr gute Rueckrunde und eine Chance auf einen Aufstieg 2023/2024.

    Forza FCSP, Forza Friedensbewegung
    Zet

    1. Das wollte ich auch loswerden. Was habe ich mich darüber aufgeregt, dass wir stoisch an der Raute festgehalten, egal wie ein spiel gelaufen ist. Das wir jetzt zwischen Raute, Drei-Kette und flachem 4-4-2 variieren können, ist schön mit anzusehen.

      Deutlich rausgehört hat man bei Torsten auch noch, dass die Spieler durchaus in die Taktikdiskussion mit einbezogen werden. Deshalb ist aus meiner Sicht auch Darmstadt das flexibelste Team in der 2. Liga und generiert daraus einen Vorteil. Mitdenkende Spieler haben wir ja eigentlich auch. Wäre schön, wenn wir diesen Entwicklungsschritt auch in der Rückrunde sehen.

  5. unterm strich bin ich enttoischt, weil weitaus mehr drin war. trotzdem ein recht gutes spiel gegen den spitzenreiter. darauf läßt sich aufbauen, wiedermal.
    irgendwie bin ich mir nun nich mehr sicher, ob ich unserm sturm wünschen soll, daß sie noch vor der langen pause den schalter endlich umgelegt bekommen. gerade weil dann eben diese laaange pause kommt. vielleicht sollten sie erst in der rückrunde anfangen zu knipsen, dann aber regelmäßig und kontinuierlich… aber ich hab natürlich nix dagegen, wenn der eine und andere in den verbleibenden spielen noch zuschlägt…
    übrigens, tim: nette komplimente von herrn lieberknecht in der pk nach dem spiel. wie ich finde, vollkommen zurecht… denn deine fachkompetenz kann hier jedermann und jedefrau nachlesen… weiter so!

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