Wo drückt der Schuh, FC St. Pauli?

Wo drückt der Schuh, FC St. Pauli?

In der Winterpause wird sich womöglich einiges in Sachen Transfers beim FC St. Pauli bewegen. Wir schauen mal, wo genau Bedarf ist und wo eventuell Personen den Club verlassen könnten.
(Titelbild: Peter Böhmer)

Vorweg: Wir werden die Winterpause nutzen, um alles in Feinheiten zu betrachten und versuchen die ganzen Steine umzudrehen. Dazu gehört auch, dass wir die einzelnen Spieler (und auch Trainer) und einzelne Positionen detailliert betrachten. Das folgt alles in den nächsten Wochen.

Alles muss ständig hinterfragt werden

Natürlich kann in einer Transferperiode alles passieren. Vielleicht besonders in dieser, da sie so lang ist. Sollte irgendwie plötzlich eine Option für den FCSP auftauchen, die das Team besser machen würde, dann muss sie immer genutzt werden (sofern die Rahmendaten passen). Das bedeutet dann auch, dass auf Positionen etwas passieren kann, auf denen der Schuh aktuell gar nicht so sehr drückt.

Denn wenn man den Grundsatz des „Immer-besser-werdens“ beachtet, dann ist es quasi die Pflicht von sportlich Verantwortlichen immer alles zu hinterfragen, immer überall besser werden zu wollen. Ich möchte aber gerne den Blick auf die Positionen werfen, die nach meinem Empfinden im Liga-Vergleich nicht ganz so gut besetzt sind und auf denen es dem FCSP gut tun würde, sich zu verstärken. Dabei arbeiten wir uns von vorne nach hinten durch.

Zwei fehlende Skills

Der eine ist einfach, klar. Dem FC St. Pauli fehlt ein Angreifer mit Kopfballstärke. Allein aufgrund der vielen, vielen Flanken, die das Team schlägt: Nur der HSV und der KSC schlagen mehr, aber der FCSP hat mit 40.6% die beste Quote an erfolgreichen Flanken. Zwar verfügen drei der fünf Angreifer schon über eine gewisse Präsenz in der Luft (Johannes Eggestein und Etienne Amenyido werden hier ausgeklammert), aber bei Lukas Daschner, David Otto und Igor Matanović zählt dieser Skill nicht zu den Stärken, sondern ist durchschnittlich.

Hamburg, Deutschland, 08.11.2022 - David Otto und Johannes Eggestein (FC St. Pauli) konnten beim Spiel gegen Holstein Kiel nicht überzeugen - Copyright: Peter Boehmer
David Otto und Johannes Eggestein haben zwar beide bereits ein Kopfballtor erzielt, sind aber beide keine „Kopfballungeheuer“
(c) Peter Boehmer

Schwächen in der Luft

Das durchschnittliche Kopfballspiel zu betonen ist wichtig. Klar haben Otto und Daschner ein gutes Kopfballspiel. Aber das vor allem im Vergleich zu ihren Team-Kollegen. Schauen wir dazu mal genauer in die Zahlen: Die meisten Kopfballduelle aller FCSP-Angreifer führt David Otto mit 7.9 pro 90 Minuten. Er liegt damit auf Platz 23 unter allen Zweitliga-Stürmern (von 55). Es folgen Igor Matanović und Johannes Eggestein (je 6.4 pro 90, Platz 28 und 29). Lukas Daschner liegt mit 4.2 Duellen auf Platz 42, Etienne Amenyido auf Platz 47 mit 3.1 Kopfballduellen pro 90 Minuten.

Natürlich ist die Erfolgsquote wichtiger. Also schauen wir da mal rein: Lukas Daschner gewinnt 42.4% seiner Duelle (Platz 18 von 55), David Otto 38.1% (Platz 25), Igor Matanović liegt auf Platz 33 (34.8%), Johannes Eggestein auf Platz 49 (26.2%) und Etienne Amenyido auf Platz 54 (17.9%).
Es ist ganz deutlich: Für ein flankenlastiges Spiel, welches ja unter Umständen (also mit dem richtigen Stürmer vorne drin) noch ausgebaut werden kann, fehlen dem FCSP die Skills im Angriff. Das ist nicht neu, aber jetzt auch nochmal statistisch klar ersichtlich.

Tempo-Defizit

Klar, Etienne Amenyido kann nicht alles können. Denn zwar ist er nicht kopfballstark, aber dafür zumindest der einzige FCSP-Spieler, den ich als schnell bezeichnen würde. Nun kann man natürlich zu der physischen Geschwindigkeit auch die im Kopf dazuziehen. Das sollte der FC St. Pauli aber auch tun, um nicht peinlich berührt nach der folgenden Statistik im Boden zu versinken:

Etienne Amenyido ist der schnellste Angreifer des FCSP mit einer Geschwindigkeit von 34.5 km/h. Damit liegt er auf Platz 36 in der Liga. Nur Fortuna Düsseldorf hat da keinen Spieler vor dem FCSP platziert (ist ja aber mit Rouwen Hennings eher schnell im Kopf). Der nächste FCSP-Angreifer in der Liste von etwas über 400 Spielern (Torhüter inkl.) ist? Igor Matanović, auf Platz 184… Lukas Daschner liegt auf Platz 201, David Otto auf 263 und Johannes Eggestein auf 342 (Nikola Vasilj liegt übrigens auf Platz 387).

Aber der Blick in die Maximalgeschwidigkeiten der 2. Bundesliga ist nur grob, weil eben die maximale Geschwindgkeit alleine etwas weniger aussagekräftig ist als z.B. die Beschleunigung auf den ersten Metern (und ja, die Kopf-Geschwindigkeit fehlt). Trotzdem geben die Zahlen besonders im Fall des FCSP deutlichste Hinweise. darauf, dass es dem Team in der Offensive an Geschwindigkeit fehlt.

Hamburg, Deutschland, 05.11.2022 - Etienne Amenyido (FC St. Pauli) im Zweikampf mit Jorrit Hendrix (Fortuna Düsseldorf) - Copyright: Peter Boehmer
Etienne Amenyido ist der einzige Offensivspieler im Kader, der dringend benötigte Geschwindigkeit mitbringt. Das dürfte auch ein Grund sein, warum er zum Ende der Hinrunde (vor seinen Adduktorenproblemen) gesetzt war.
(c) Peter Boehmer

Doppelter Bedarf?

Diese fehlenden Skills waren schon vor Saisonbeginn bekannt. Mit Daniel-Kofi Kyereh und Maximilian Dittgen (beide letzten Saison unter den Top100 in Sachen Geschwindigkeit) und Simon Makienok (sechstmeiste Kopfballduelle, viertbeste Erfolgsquote in 21/22) hat der FCSP einfach Fähigkeiten verloren, die durch die Neuverpflichtungen nicht ansatzweise abgedeckt wurden. So ist die „Baustelle Angriff“ beim FC St. Pauli also schon deutlich genug, ohne überhaupt das Thema „Abschlussqualität“ angesprochen zu haben. Hier muss dringend nachjustiert werden.

Im Zentrum fehlt die Tiefe?

„Höh!? Was soll das denn hier?“, mag die eine oder der andere nun denken. Denn qualitativ ist der Bedarf im Mittelfeld eigentlich nicht vorhanden. Mit Marcel Hartel, Jackson Irvine und Afeez Aremu haben sich drei Spieler mit Leistung hervorgetan und diese Position somit nicht zu einem Sorgenkind werden lassen. Was aber Sorgen macht ist die Tiefe im Kader, die schlicht nicht (mehr) vorhanden ist.

Abwanderung ein Problem

Denn durch die „Abwanderungen“ von Lukas Daschner (Angriff) und Eric Smith (Innenverteidigung) fehlen dem Team schlicht die Spieler im Mittelfeld. Mit Connor Metcalfe gibt es aktuell eigentlich nur einen Spieler auf der Bank, der bewiesen hat, dass er eine ernsthafte Alternative ist. Carlo Boukhalfa hat das in der Hinrunde leider nicht geschafft und Franz Roggow ist auch aufgrund einer Verletzung bisher keine Alternative.

Sollte der FC St. Pauli also weiterhin mit Smith hinten und Daschner vorne planen, dann wäre eventuell eine weitere Verstärkung im zentral-offensiven Mittelfeld eine ganz gute Idee, die dann auch auf Irvine und Hartel noch mehr Druck macht.

Hamburg, Deutschland, 14.10.2022 - Jackson Irvine (FC St. Pauli) im Zweikampf mit Jonas Meffert (Hambiurger SV) - Copyright: Peter Boehmer
Zweifelsohne bringt Jackson Irvine ins Spiel des FCSP Qualitäten ein, die ins obere Regal der zweiten Liga gehören. Aber wie sieht es aus, wenn er mal ausfällt?
(c) Peter Boehmer

Jüngstes Sorgenkind: Innenverteidigung

Das 4:4 beim Karlsruher SC sorgte in jedem Fall dafür, dass vielen bewusst wurde, welche Qualität das Duo Daschner/Eggestein haben kann und sorgte damit auch dafür, dass ich das Thema „Abschlussqualität“ etwas hinten anstellen möchte. Was das Spiel aber auch schmerzhaft gezeigt hat: Ohne David Nemeth und Jakov Medić ist die Innenverteidigung ein Sorgenkind. Leider haben Adam Dźwigała, Marcel Beifus und auch Betim Fazliji (wird zum Rückrundenstart noch gesperrt fehlen) diese Ausfälle nicht auffangen können.

Und da bei Medić und Nemeth aktuell davon ausgegangen werden muss, dass sie zum Start in die Rückrunde nicht einsatzbereit sein werden, ist der Bedarf auf dieser Position vorhanden. Besonders Nemeth bereitet Sorgen, da eine Schambeinentzündung (wenn es sich denn zu einer entwickelt hat) halt auch mal richtig, richtig lange andauern kann.

Kader in der Abwehr voll

Auf dieser Position ist eine Entscheidung schwieriger als zum Beispiel vorne im Angriff. Denn der FC St. Pauli ist mit sechs nominellen Innenverteidigern (+ Smith) eigentlich ausreichend besetzt auf dieser Position. Im Angriff wurden nach den Abgängen von Kyereh, Dittgen, Burgstaller und Makienok nur Eggestein und Otto dazugeholt, weshalb die Personaldecke dort besonders dünn ist und der Kader Neuzugänge auch ohne Abgänge vertragen könnte. Das ist in der Innenverteidigung eher nicht der Fall, was Tür und Tor für Leihgeschäfte öffnet und eventuell sogar auch Abgänge notwendig macht.

Braucht der FCSP einen neuen Torhüter?

Vor ein paar Wochen haben ich einen Artikel geschrieben, der sich mit der Save Rate von den Torhütern des FC St. Pauli befasst. Dazu gehört natürlich, dass die Anzahl von damals nur 20 Torschüssen ziemlich gering ist. Nun, nach 42 Torschüssen, die Nikola Vasilj auf sein Tor zukommen sah, schauen wir erneut drauf:

Seine Save Rate und auch die „prevented goals“ haben sich teils deutlich verbessert. Er ist damit immerhin ins untere Mittelfeld der Liga aufgestiegen (Platz 19 von 24 bei der Save Rate, 15 von 24 bei den prevented goals). Es gibt eine Statistik, die diese Werte sogar noch etwas besser beschreiben und welche die Leistungen von Nikola Vasilj vermutlich noch etwas besser werden lassen: die „expected Goals on Target (xGOT)“ – die bewerten nämlich auch die Qualität der Torschüsse. Ein Beispiel: Gegen den KSC hat Vasilj von den ersten fünf Torschüssen gleich vier ins Tor passieren lassen müssen – macht ne Save Rate von 20% und die xG-Werte (insgesamt 1.45) machen es nur bedingt besser. Die xGOT-Werte liegen aber deutlich höher, laut Fotmob bei 2.98, was aus meiner Sicht auch der Abschlussqualität der einzelen KSC-Treffer entspricht. Denn haltbar waren die Gegentreffer für Vasilj allesamt nicht.

Karlsruhe. Deutschland, 12.11.2022 - Die Mannschaft des FC St. Pauli - Copyright: Peter Boehmer
Nikola Vasilj schwört die Mannschaft des FC St. Pauli ein. Oder er faltet sie gerade nach einem Gegentor in Karlsruhe mächtig zusammen, beides möglich…
(c) Peter Boehmer

Wir werden die Leistungen der Torhüter noch einmal in einem separaten Artikel unter die Lupe nehmen. Nur so viel schon einmal vorweg: Ein neuer Torhüter stünde auf der Prioritäten-Liste ziemlich weit unten. Und trotzdem ist davon auszugehen, dass es im Winter Veränderungen auf dieser Position geben wird. Denn es wäre sehr verwunderlich, wenn Dennis Smarsch auch noch im Februar beim FCSP unter Vertrag steht.

Veränderungen rund um den Kader?

Wenn man wirklich alles dem Leistungsgedanken unterordnet (was aufgrund der dann wegbrechenden emotionalen Komponente vielleicht auch in Gänze nicht sinnvoll ist), dann zählen da natürlich auch die Trainer und der Sportchef (inkl. Scouting-Abteilung) dazu. Eine Bewertung ihrer Arbeit ist aber etwas schwieriger, weil sie so schwer von den individuellen Leistungen der Spieler auf dem Platz zu trennen ist. Taktische Fehler sind dem Trainer-Team zum Beispiel beim 4:4 in Karlsruhe nicht vorzuwerfen. Meist war es sogar eher so, dass taktische Konzepte in der Hinrunde ziemlich gut aufgingen.

Gegen den KSC machte die Abwehr einfach krasse Fehler. Aber ist das Trainer-Team dafür vielleicht auch (mit)verantwortlich, weil es die Aufgabe hat die Spieler besser zu machen und das teilweise nicht geschafft hat? Oder ist es schlicht eine Frage der Qualität und dann etwas, was eher in Richtung Sportchef so formuliert werden muss, der dann auch hinterfragt werden muss? Ihr merkt sicher, die Bewertung der Arbeit von Trainer-Team und Sportchef ist enorm schwer.

Hamburg. Deutschland, 29.10.2022 - Timo Schultz (FC St. Pauli) beim Spiel gegen den SV Darmstadt 98 - Copyright: Peter Boehmer
Timo Schultz im Winter zu entlassen wäre schon ziemlich gewagt.
(c) Peter Boehmer

Es ist nicht auszuschließen, dass auf der Trainer-Position etwas passieren wird. Offensichtliche Argumente dafür sind von außen aber nicht ersichtlich. Über den Großteil der Hinrunde waren es individuelle Probleme des Kaders, die zu schlechten Ergebnissen führten. Ein Trainerwechsel wäre verwunderlich.

Zudem, wenn man es mal ganz nüchtern betrachtet, wäre es taktisch nicht so klug den Trainer jetzt zu entlassen (wenn das denn wirklich ernsthaft in Erwägung gezogen wird). Ich stelle mir die Möglichkeiten im Winter wie eine geladene Pistole vor mit der man auf ein weit entferntes Ziel schießt. Noch bevor man sehen kann, ob man getroffen hat, schon alle Patronen rauszuballern, wäre nicht ratsam. Nun hat man aber nur im Winter die Patronen „Transfers“. Wenn diese nicht treffen, dann ist doof. Dann hätte man aber immer noch die Patrone „Trainerwechsel“. Wartet man mit dieser ab, bis man sieht, ob man mit den anderen getroffen hat (also in die Rückrunde hinein) oder sollte man die auch gleich im Winter raushauen?

Andi, Arbeit!

So ist die Liste an Bedarfen im Winter dann doch relativ lang: Zwei neue Offensivspieler, einer im zentralen Mittelfeld, ein Innenverteidiger. Das war sicher so nicht geplant zu Saisonbeginn. Zudem ist hier nicht berücksichtigt, dass es auch zu ungeplanten Abgängen kommen könnte. Spieler mit wenig Spielzeit könnten auf Veränderungen drängen, im schlimmsten Fall möchten Leistungsträger den Verein verlassen. Man darf gespannt sein, wie der Kader Ende Januar zum Rückrunden-Auftakt aussehen wird.

// Tim

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11 thoughts on “Wo drückt der Schuh, FC St. Pauli?

  1. Wahnsinn, dass ihr euch immer wieder aufraffen könnt und so analytisch, ruhig über den Magischen FC zu schreiben. Mir fielen so viele emotionale Ausdrücke ein, die ich vermutlich schnell bedauern würde 🙂

    Aber zum Thema: Leider muss man inzwischen feststellen, dass es ein Fehler war, Spieler wie Dittgen, Makienok, Benatelli, Lawrence oder Ziereis abzuserviere, äh gehen zu lassen. Genau hier haben wir aktuellen Bedarf.

    1. Deinen ersten Absatz teile ich absolut.

      Bei all der z.T. berechtigten Kritik an AB, gehe ich aber mit den Abgängen größtenteils d’accord.
      Ein Maxi Dittgen laboriert seit letzter Saison (Union Berlin Spiel) immer wieder an einer Oberschenkelverletzung. Bereits in der Vorbereitung in Ingolstadt hatte er wieder ohne Fremdeinwirkungen im selbigen Probleme. In der gesamten Hinrunde hat er in 17 Spielen keine Sekunde auf dem Feld und im Kader gestanden. Auch eine baldige Rückkehr in der Rückrunde ist noch ungewiss.
      Seit gestern zeigt sich auch wieder, dass Lawrence keine stabile Saison spielen wird. Er hat einen Innenband- und Innenmeniskus-Riss im Knie und ist somit neuer Langzeitverletzter beim Club.
      AB hat in seinem Interviewstatement genau das durchklingen lassen, nämlich dass manche Spieler unabhängig von ihren Qualitäten, nicht ansatzweise auf eine durchschnittliche Einsatzzeit in einer Saison kommen. Stand heute sind Dittgen, James und Buchti verletzt und so überraschend ist das leider wirklich nicht. Zwei davon schon ehe die Saison losging.

      Benatelli hat im neuen Verein eine Startelfeinsatzquote von 13 Prozent (nicht überraschend) und Makienok in 10 Spielen kein Tor geschossen. Einzig allein ein Ziereis hätte qualitativ etwas im Kader bewirken können, nachdem David und Jakov ( da konnte man wirklich nicht damit rechnen) verletzt ausgefallen sind.

      1. Stimmt, da war ich ein bisschen zu verallgemeinernd.
        Dittgen war ja auch bei uns schon sehr verletzungsanfällig und bei Lawrence habe ich mich vermutlich durch persönliche Vorlieben 🙂 leiten lassen.
        Allerdings wären ein Benatelli mit seiner Ruhe und Umsicht und Makienok mit seiner Unberechenbarkeit (für eigene und die Gegenspieler) sicherlich heute Verstärkungen.
        Letztendlich ist es aber auch wurscht, diese Spieler werden nicht zurückkommen, also schauen wir nach vorne. Aber da sehe ich wenig adäquaten Ersatz als Neuzugang. Besonders das Stürmerangebot ist überschaubar, eine Leihe böte sich am ehesten an. Wenn ein Lasogga als Neuzugang ins Spiel gebracht werden muss/kann, dann spricht das schon Bände…….

        Bei Matanovic kann man zu AB´s Ehrenrettung o schreiben, dass sich auch FFM mehr von ihm versprach. Da haben wir doch alle gehofft, er macht seine 10- 12 Tore diese Saison.

  2. Ein Punkt, den man bei der Analyse nicht vergessen sollte, sind Bornemanns Transfers im Sommer. Im Großen und Ganzen kann ich mit der Abgangsliste nach wie vor leben – anders als in früheren Transferperioden muss man aber konstantieren, dass die Neuzugänge insgesamt nicht den Erwartungen entsprochen haben, die man mit Blick auf eine Top6-Position in der Liga hätte haben müssen.
    Saliakas ist natürlich eine Verstärkung, Nemeth wohl auch (nur leider selten einsetzbar). Bei Metcalfe kann man sagen, dass er als „Wundertüte“ sicherlich nicht enttäuscht hat. Aber sowohl von Eggestein als auch von Otto als auch von Boukhalfa und Fazliji hätte mehr kommen müssen. So haben schließlich diejenigen Recht behalten, die sich über die Qualität der Neuzugänge gewundert haben. „Was wollt ihr denn mit dem Spieler“ war ein Kommentar, den man häufiger von Fans der abgebenden Vereine lesen konnte. Nun wissen wir auch, warum.
    Dass fast nur Hoffnungsvolle statt Leistungsträger verpflichtet worden sind, muss sich Bornemann schon ankreiden lassen. Gerade angesichts der Transfereinnahmen und weil es im Sturm quasi mit Ansage nicht funktioniert hat, nur Spieler „mit ersten Erfahrungen, aber noch Steigerungspotential“ zu verpflichten. Es fehlen tatsächlich die Erfahrenen, die Leader, die verlässlich ihre Leistung abrufen: In der IV, die auch mit Nemeth & Medic (vor allem) nicht konstant war, insbesondere aber in der Offensive. Fazit: Zu viel Hoffnung, zu wenig Qualität & Erfahrung. In einer so engen Liga wird das bitter bestraft.

  3. Moin guter Text wie immer. ABER ich möchte hier mal für Eggestein ein flammendes Plädoyer halten. Der ist gar nicht so schlecht, wie es manchmal aussehen mag. Besonders natürlich im Gesamtblick auf den Sturm Schau ich mir an, wie viele Minuten er pro Tor benötigt, sind nicht viele in der 2. Liga besser. Rechne ich das hoch, kann er auf 17 Tore in der Saison kommen.(Da ist doch unser 15 Tore Stürmer 😉 ) Glatzel kommt auf 22. Derzeit benötigt er 175 min/Tor. Burgi hat in der letzten Saison 150 benötigt in der davor 160. Ja er lässt auch noch einiges an Chancen liegen, ich bin mir ziemlich sicher, wenn er das Vertrauen vom Trainerteam bekommt, wird er uns noch viel Freude bereiten. Gerade im Zusammenspiel mit Daschner.

  4. Danke Tim, für den Teaser und auch für die Ankündigung, sportliche Leitung samt Trainer-Team unter die Lupe nehmen zu wollen.
    Mich würde interessieren, wie du das In-Game-Coaching, insbesondere die taktischen Anpassungen und die Auswechslungen während der Spiele beurteilst.
    Hier könnte man einen unabhängigen Vergleich zu Trainern anderer Vereine ziehen, was Häufigkeit und Wirksamkeit betrifft.

    Mein Eindruck ist, dass Schulle sich mit Umstellungen eher schwer tut und grundsätzlich ungern etwas ändert. Mir ist das besonders aufgefallen, als du beschrieben hast, wie Christian Eichner von Raute auf ein flaches 4-4-2 und dann auf 3-5-2 umgestellt hat, ohne dies jemals vorher gespielt zu haben. Da hab ich mich gefragt, warum wir das die komplette Rückrunde 21/22 lang nicht geschafft haben?

    Mir ist nicht daran gelegen, etwas Schlechtes über Schulle zu finden und mir ist bewusst, dass du ein Stück weit von einem guten Verhältnis zu ihm abhängig bist, um an wertvolle Informationen für deine Arbeit zu kommen.
    Trotzdem: Eine faire und konstruktive, aber auch journalistisch kritische Auseinandersetzung mit dem Thema würde ich mir von dir wünschen.
    Ich wage die Prognose: Das kannst du nicht! 😉

    1. Ja, das stimmt. Was Umstellungen angeht ist Timo Schultz wirklich eher auf der konservativen Schiene unterwegs und brauchte lange, bis das sich nun Stück für Stück entwickelt hat. Ich würde mal vermuten, dass das mit seinem ersten halben Jahr zu tun hatte, als er viel umstellte (auch während der Spiele) und alles nichts half, dann aber die Mittelfeldraute kam und alles stabil wurde. Er sagte dann im Sommer was zur „Sicherheit des einens Systems“.
      Einen Artikel zur Wirksamkeit von Formationen bzw. wie Trainer umstellen halte ich nicht für möglich. Denn ich kenne das Ergebnis: Trainer, die wenig umstellen sind erfolgreicher. Das dürfte daran liegen, dass sie seltener zu Umstellungen gezwungen werden (sei es durch Verletzungen oder sportlichen Misserfolg). Beispiel Lukas Kwasniok hat letzte Saison mindestens sechs verschiedene Grundformationen ausprobiert, in dieser Saison stellt er fast gar nicht mehr um. War das nun gut oder schlecht letzte Saison? Das finde ich ganz schwer zu bewerten. Also: Ja, das kann ich nicht 😉

  5. Man könnte auch zusammenfassen, dass wir auf allen Positionen, außer den AV Handlungsbedarf im Winter haben. Das ist ein unterirdisches Zeugnis für die letzte Transferperiode. Da haben sich Bornemann und Schultz einfach massiv vertan. Und da nehme ich keinen von beiden raus. Denn entweder sie haben das zusammen geplant, oder nicht. Und beide Optionen wären gleichermaßen bescheiden.
    Vor allem die Zahlen im Sturm sind der blanke Horror. Es fehlt da mannschaftlich gesehen an quasi allen wichtigen Skills. Deswegen mischt Schultz da vorne 17. Spieltage lang fröhlich herum und macht in jedem Spiel in der 60. Minute dann tabula rasa, allein es ist nicht wirkungsvoll, weil fehlende Skills durch fehlende Skills ersetzt werden. Und sorry, aber wenn Schultz nach dem Kielspiel in der Konferenz wörtlich sagt, dass David Otto „sehr sehr kopfballstark“ sei, dann wundern mich die offensichtlichen Fehleinschätzungen aus dem Sommer plötzlich gar nicht mehr.
    Und deswegen halte ich auf den Trainer bezogen folgendes Szenario gegen: Was passiert, wenn wir trotz aller Maßnahmen um Ostern herum weiterhin im tiefsten Abstiegskampf stecken? Dann hätte wir Monate verschenkt, und müssen schnell schnell einen Feuerwehrmann verpflichten, da unsere Co-Trainer ja keine Alternative sind. Und die lange Winterpause käme auch auf der Position was die Vorbereitung und Kaderzusammenstellung angeht sehr gelegen. So oder so. Keine leichte Entscheidung.

    1. Du hattest ja jetzt schon mehrfach geschrieben, dass Du gerne einen Trainerwechsel hättest. Dann schreibe eben auch ich zum wiederholten Mal, dass das Quatsch wäre.

      Zu den Abgängen: allein bei Makienok habe ich nicht verstanden, weshalb der keinen neuen Vertrag bekommen hat. Ich hatte ganz klar erwartet, dass da ein vergleichbarer Ersatz schon quasi verpflichtet sein muss. Matanovic hat zwar ungefähr die Länge, nicht aber das Durchsetzungsvermögen und den nötigen Biss. Und vor allem ist bei ihm keine Weiterentwicklung zu sehen.

      Außerdem hatte ich befürchtet, rein zahlenmäßig, dass es im offensiven Mittelfeld/Sturm eng werden könnte. Den Abgängen von Kyereh, Buchtmann, Becker, Benatelli und Dittgen stehen Metcalfe und Bukalfa als Neuzugänge gegenüber. Klar, der Kader war zu groß und Kyereh, Burgstaller und Becker wollten weg, doch das waren mir einige Abgänge zu viel. Auch mit Blick auf Viet, den ich nicht ganz so kampflos hätte gehen lassen.

      Aber wir stecken nicht drin und wissen nicht, mit wem Bornemann möglicherweise bis zum Schluss verhandelt hat. Wollen kann man schließlich viel, doch wenn die andere Seite sich dann und womöglich kurzfristig anders entscheidet, steht man blöde da.

      Zu den Skills: klar würde uns ein schneller Angriffsspieler gut tun, doch Schulles Spielstil ist nun mal anders. Er bevorzugt den geordneten Spielaufbau von hinten raus. Das habe zumindest ich zwei Halbserien lang sehr genossen und ich mag das noch immer. Auch wenn ich mir manchmal den langen Hafer wünschen würde, wenn es hinten zu sehr brennt. Das ist für mich eher ein Kritikpunkt, dass fast schon zwanghaft spielerische Lösungen gesucht werden und sich die Gegner inzwischen sehr darauf eingestellt haben. Die müssen nicht nach hinten absichern und können mit zusätzlichem Personal vorne das Feld eng machen.

      Wie dem auch sei. Wer die hinzu gewonnene, taktische Flexibilität nicht sieht oder nicht sehen will, hat offensichtlich andere Erwartungen als ich.

  6. Moin Tim,
    ich bin (wie wohl alle hier) wieder einmal begeistert über die unglaublich sachliche Art und Weise der Analyse und gehe nahezu 100%ig mit Dir mit. Von daher hoffen wir mal auf die Winterpause, in der wir ja alle Pause haben!! (Außer Irvine) https://www.boycott-qatar.de/

    Grund meines Kommentars ist aber eigentlich der Hinweis das mittlerweile wohl auch der NDR beim Millernton mitliest: https://www.ndr.de/sport/fussball/Vom-Herbstmeister-zum-Abstiegskandidat-St-Paulis-absehbarer-Niedergang,pauli7198.html Aber auch die gehen quasi 1 zu 1 mit Dir mit!!

    Respect!

    1. Moin Rainer,

      danke für den Hinweis. Ich bin nicht sicher, die Ausführungen beim NDR könnten ja auch selbst hergeleitet sein. In jedem Fall ist es gut zu wissen, dass so ein Qualitätsmedium auch auf die gleichen Ideen und Ansätze kommt 😉

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