„Wollen ein neues Kapitel aufschlagen“

„Wollen ein neues Kapitel aufschlagen“

Alexander Blessin, der neue Cheftrainer des FC St. Pauli, bat zum ersten Training der Saison und gab Einblicke in mögliche Transfers und seine Spielidee.
(Titelbild: Eibner/Imago Images/via OneFootball)

Nach dem viel umjubelten Aufstieg in die Bundesliga und der anschließenden, hochverdienten wochenlangen Pause, stand am Montag das Auftakttraining für die Spieler des FC St. Pauli an. Es war die erste Trainingseinheit mit dem neuen Cheftrainer Alexander Blessin, der im Anschluss an den noch relativ lockeren Aufgalopp einer sehr üppigen Schar von Medienvertreter*innen Rede und Antwort stand.

Einige Spieler fehlten zum Auftakt

Vom ersten Training selbst ist schnell berichtet: Gegen 11:30 Uhr betraten die Spieler und das fast komplett neue Trainerteam den Platz. Nach dem obligatorischen Foto mit allen Neuzugängen – neben Blessin fanden sich Robert Wagner, Ben Voll und der neue Torwartrainer Sven Van Der Jeugt zum gemeinsamen Foto ein – war Durchzählen angesagt. Nikola Vasilj fehlte aufgrund seiner Knieprobleme, auch Sascha Burchert und Sören Ahlers fehlten angeschlagen auf dem Trainingsplatz. Manos Saliakas plagen muskuläre Probleme, sodass er ebenfalls beim Auftakt auf dem Platz fehlte. Philipp Treu (nach Wadenbeinbruch) und Hauke Wahl (nach Erkältung) absolvierten Teile des Teamtrainings. Maurides trainierte individuell und Simon Zoller drehte nach Ende des Trainings alleine Runden.

Alexander Blessin bezeichnete diese Einheit später als „ein erstes gutes Stell-Dich-Ein.“ In den ersten Tagen gehe es darum „sich zu beschnuppern. Dass die Jungs mich kennenlernen.“ Das geschah bereits vor dem Betreten des Rasens im Auditorium und Blessin erklärte auch, dass er sich unter anderem bereits mit Jackson Irvine länger unterhalten habe. Der neue Cheftrainer möchte schnellstmöglich wissen, „wie die Jungs ticken,“ möchte schnell wieder eine Einheit formen, denn: „Es ist für uns absolut eminent wichtig, dass wir weiterhin als Team auftreten.“

Weiterer Co-Trainer könnte kommen

Dieses Team dürfte sich in den nächsten Tagen und Wochen noch verändern. Rund 90 Minuten bevor das Team zum ersten Mal den Rasen betrat, verkündete der FC St. Pauli, dass Sven Van Der Jeugt als neuer Torwarttrainer ans Millerntor kommt (hier sein Profil). Doch damit scheint das Trainerteam noch nicht vollständig besetzt zu sein. Alexander Blessin erklärte: „Es fehlt mehr oder weniger noch ein zweiter Co-Trainer. Da müssen wir sicherlich noch drüber reden.“

Auch der Spielerkader dürfte sich noch verändern. Zwar erklärte Blessin, dass er grundsätzlich mit dem Kader „sehr zufrieden“ sei. Doch es ist sowohl mit Zu- als auch mit Abgängen zu rechnen. Noch kommen soll ein zentraler Mittelfeldspieler. Blessin verwies auf die 30 Torbeteiligungen des in die USA abgewanderten Marcel Hartel, die es aufzufangen gilt: „Das müssen wir kompensieren, erstmal intern – aber auch extern.“ Hier gebe es bereits erste Ideen. Es dürfte sich also auf dieser Position noch etwas tun.

Hamburg, Deutschland, 31.10.2023, DFB-Pokal, Fussball, FC St. Pauli - FC Schalke 04 Simon Zoller (FC St. Pauli) im Duell mit Ibrahima Cisse (FC Schalke 04) Copyright: Peter Boehmer
Simon Zoller stand zum Trainingsauftakt noch nicht wieder mit dem Team auf dem Platz. // (c) Peter Boehmer

Suche nach Mittelstürmer und Hartel-Ersatz

Das gilt auch für die Position des Mittelstürmers. Alexander Blessin machte keinen Hehl daraus, dass er auf dem Platz gerne einen Stürmer mit „Gardemaß“ hat und dann ein Spiel mit zwei Spitzen präferiert. Ob dieser Spieler Maurides sein könnte, erscheint fraglich. Der 30-jährige trainierte zum Auftakt nur individuell, einem Bericht des Abendblatts (€) zufolge ist er nicht fit für den Auftakt. „Da müssen wir uns noch Gedanken machen,“ ließ Blessin in Bezug auf die weiteren Schritte der Zusammenarbeit mit Maurides verlauten. Auch in Bezug auf Simon Zoller gab sich der neue FCSP-Cheftrainer eher defensiv: „Dass er unglaubliche Qualitäten hat, auch in der Box, steht außer Frage. Aber er muss fit sein.“ Angesichts dieser Aussagen dürfte der Bedarf an externer Verstärkung sehr deutlich geworden sein.

Wer Alexander Blessin zuhört, wenn er über Fußball spricht, bekommt eine Idee davon, dass sich der Fußball des FC St. Pauli in der kommenden Saison deutlich verändern könnte. Zwar gebe es auch bestimmte Sachen, die man nicht verändern müsse, doch erklärte er: „Ich habe natürlich auch eine Ansicht, eine bestimmte Art von Prinzipien, die ich unbedingt drinhaben möchte.“ Dabei dürfte es sich um einen vermehrten Fokus auf Umschaltmomente handeln, führt der 51-jährige aus: „Es geht um Reaktionen. Wir wissen alle, dass Fußball ein Fehlerspiel ist. Es geht mir um die Reaktion danach. Man kann immer beleidigt oder sauer sein, aber die Frage ist, wie man reagiert. Letztes Jahr haben wir mehr Ballbesitz gehabt. Das müssen wir ein bisschen ändern, keine Frage.“

Taktische Umstellung steht an

Damit diese Umstellung im Spiel gelingen kann, wird nun im Rahmen der fünfwöchigen Vorbereitung Stück für Stück darauf hin gearbeitet. Zu Anfang solle „ein bisschen die Basis geschaffen“ werden. Kommende Woche wird es dann deutlich intensiver: „Dann gehen wir in die Zweikämpfe und das Vorwärtsverteidigen.“ Und dann, so Blessin, „will ich schon, dass wir schnell in taktische Varianten gehen.“ Das dürfte alles hoch intensiv werden für die Spieler des FC St. Pauli. So wie es auch später auf dem Platz aussehen soll.

Wenige Stunden später stand dann bereits die nächste Einheit für das Team an. So soll es auch in den kommenden Tagen weitergehen, damit die Spieler die wichtige Grundlage für den Klassenerhalt in der Bundesliga legen können. Die Zeit des Ausruhens und Feierns ist vorerst vorbei, Alexander Blessin gibt die Richtung vor: „Es war eine sehr erfolgreiche Saison. Aber es gibt nichts Schlimmeres, als in der Vergangenheit zu leben. Wir wollen ein neues Kapitel aufschlagen – und das beginnt mit dem heutigen Tag.“

// Tim

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6 thoughts on “„Wollen ein neues Kapitel aufschlagen“

    1. Die Stimmung im Team schien gestern sehr gut zu sein. Zumindest wurde vor Beginn des Trainings beim Aufwärmspiel (fand im Gebäude statt) ziemlich viel gelacht und gejohlt. Gleiches wiederholte sich bei der Nachmittagseinheit.
      Alexander Blessin macht einen sehr offenen und sehr selbstsicheren Eindruck. Er wirkt seeeeehr motiviert und ich hoffe, dass er und seine Ideen zünden.

  1. Irgendwie vermisse ich den Wintermantel und die Handschuhe des Vorgängers bei unter 30 Grad….

    Werde die Umstellung schon noch schaffen. Aber gleich kurze Hose ist auch ein Statement.

    1. Gänseblümchen gepflückt! 😬

      Wir haben ja mit Ben Voll auch noch einen neuen Torwart. Und laut Bericht auf der Vereinshomepage waren gestern mit Kevin Jendrzej und Ronny Seibt auch zwei Torwarte aus der U23 im Training der ersten Mannschaft dabei.

  2. Bin sehr optimistisch, aber jede Änderung am Spielsystem, Hierarchie und Stammpersonal ist ein Risiko in dieser Situation.

    Ich denke weiterhin, Saad und Dapo sind echte Unterschiedspieler in Liga 1, wenn sie ins Dribbling gehen und in der Mitte ein Knipser steht.

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