Die Trainingswoche des FC St. Pauli vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg nimmt Fahrt auf, es geht nochmal um die Polizei und Fanthemen sowie die Olympia-Bewerbung. Die Lage am Dienstag.
FC St. Pauli
Kollaustraße
Abdoulie Ceesay absolvierte nach seiner Risswunde am Fuß gestern zumindest wieder Teile der Trainingseinheit. Jackson Irvine und Karol Mets konnten voll mittrainieren. // MOPO
Lage der Liga
Bayer 04 Leverkusen hat einen Nachfolger für den nach dem 2. Spieltag freigestellten Erik ten Haag gefunden. Kasper Hjulmand heißt der neue Mann an der Linie, der große Teile seiner Trainerkarriere bei Dänemarks Erstligisten Nordsjaelland verbracht hat. In Deutschland kennt man ihn aus der Saison 2014/15, wo er als Nachfolger von Thomas Tuchel bis Februar bei Mainz 05 beschäftigt war, ehe er auf Rang 14 liegend entlassen wurde. International machte er sich von 2020 bis 2024 als Nationaltrainer Dänemarks einen Namen, das er bei den letzten beiden Europameisterschaften trainierte.
FC St. Pauli von 1910 e. V.
Die 1. Frauen und die verschimmelte Pizza
Okay, müder Versuch wie eine „Die Drei ???“-Folge zu klingen und ganz so mysteriös ist es wohl auch nicht. Was aber mysteriös ist, ist die zweite Niederlage im zweiten Spiel, denn von den Spielanteilen her, hätten die drei Punkte auf jeden Fall im Bus zurück nach Hamburg dabei sein müssen. Da war dann aber eben nur die erwähnte Pizza. // MillernTon
Fanszene-News
Dachverband der Fanhilfen
Nach dem kritischen Polizeikongress am Samstag, an dem bereits Vertreter*innen einiger Fanhilfen teilnahmen, fand am Sonntag dann das bundesweite Treffen der Fanhilfen in Hamburg statt. Im Anschluss an dieses Treffen veröffentlichte der Dachverband der Fanhilfen eine Pressemitteilung, in der man auch erneut klare Worte an die Politik richtete:
„Während des heutigen Treffens wurde einmal mehr deutlich, dass die Diskrepanz zwischen der Realität voller Stadien mit hunderttausenden Zuschauern an jedem Wochenende sowie beeindruckender Fankultur und durch Politik und Polizei heraufbeschworener Schreckensszenarien vermeintlich kriegsähnlicher Zustände in keinem Verhältnis mehr steht. Die jüngsten Äußerungen des Bundeskanzlers hierzu waren nur die Spitze des Eisbergs. Die anwesenden Fanhilfen waren sich heute sehr einig, dass es einer klaren Trendumkehr bedarf, bevor es zu spät ist.“
Linda Röttig, Dachverband der Fanhilfen
Zudem wurden die folgende Forderungen wurden auf dem Treffen beschlossen. Einen weiteren Bericht gibt es auch in der FAZ.net.
- Aufgabe sämtlicher Pläne des sogenannten „Sicherheitsgipfels“ aus dem vergangenen Herbst.
- IMK (Innenministerkonferenz, Anm. d. Red.) beauftragt eine jährliche unabhängige und wissenschaftliche Evaluierung der Polizeieinsätze beim Fußball.
- Die Vereine müssen ein öffentliches und unmissverständliches Zeichen gegen die Hetzjagden gegenüber ihren Fans setzen.
- Verbot von Schuss- und Sprühwaffen sowie Tasern der Polizei in den Stadien.
- Weiterbildung von Polizeieinheiten durch Aufnahme von Pflichtmodul „Fankultur & Grundrechte“ in der Polizeiausbildung. Dadurch langfristiger Kulturwandel und Abbau des „Feindbild Fan“.
Hamburger Podcast-Nacht
Kurzes Werbefenster in eigener Sache: Die „Redax“ macht ebenfalls Länderspielpause und kommt erst nächste Woche wieder zurück. Wer uns aber mal live sehen will, hat nun die Gelegenheit dazu, denn die HOOU (Hamburg Open Online University) lädt zur ersten Hamburger Podcast-Nacht und wir dürfen als einer von fünf Podcasts daran teilnehmen:
Montag, 13. Oktober, Hansa-Theater
Tickets und Infos gibt es hier, einen kleinen Werbetrailer hier:
(Falls gerade „Ausverkauft!“ ist: Es sollen nach und nach (12. & 15.9.) nochmal Tickets freigegeben werden.)
Döntjes
„Kaum einer verliert heute noch sein Herz an einen Profi“
Michael Gabriel ist Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) und hat im kicker (€) ein Interview zur Entwicklung der Fankultur gegeben, in der unter anderem auch der Satz aus der Zwischenüberschrift fiel. Gabriel erklärt diesen Satz mit der Schnelllebigkeit des Geschäfts. Eine wirkliche Identifikation mit Spielern sei für Fans von Vereinen heute deutlich schwieriger, weil der ja nach der nächsten Transferphase auch beim Erzrivalen spielen könne. Dies war früher durch eine längere Verweildauer der Spieler bei den Clubs deutlich seltener der Fall. (Als Gegenbeispiel mag man die „Generation FIFA“ anführen, die nur noch Fan von Spielern und nicht mehr von Vereinen ist. Dies war aber nicht Bestandteil des Gesprächs.)
Ansonsten ist das sehr lesenswerte Interview ein Streifzug durch die Fankultur Deutschlands seit den 90er Jahren. Von Hooligans, Fanprojekten, Ultras, Wald-und-Wiesen-Schlägereien, sozialem Engagement, dem Vertreiben von Rechtsradikalen und deren neuen Versuchen, wieder Fuß zu fassen, Gewalt, toxischer Männlichkeit und vielem mehr.
Leseempfehlung!
„In den USA sitzt ein verurteilter Sexualstraftäter im Weißen Haus, der dort einen MMA-Kampfabend veranstalten will, und der russische Präsident inszeniert sich oberkörperfrei auf einem Pferd. Diesen Kontext spüren wir auch in den Fußball-Fankulturen, die immer noch deutlich männlicher sind als der Rest der Gesellschaft. Das wird in den Kurven wieder stärker, die entsprechenden Personen, die wieder jünger werden, fühlen sich immer sicherer. Es ist in diesem Milieu aggressiver und männlicher geworden.“
Michael Gabriel, Koordinationsstelle Fanprojekte im kicker (€)
(N)Olympia
Wie das Abendblatt (€) berichtet, soll die Hamburger Bürgerschaft der Innen- und Sportbehörde von Andy Grote 2,7 Millionen Euro für 2025 und 6,1 Millionen Euro für 2026 für die Olympia-Bewerbung bewilligen. Zudem soll ein Volksentscheid im Mai 2026 weitere 7 Millionen Euro kosten.
In Summe also knapp 16 Millionen Euro – was man mit dem Geld alles sinnvoll bei Sportplätzen und Turnhallen machen könnte, ist natürlich klassischer Whataboutism, liegt als Frage aber spätestens dann eklatant auf der Hand, wenn jener Volksentscheid nicht zu einer Bewerbung führt.
Zu guter Letzt
Ein wildes Spiel gestern Abend in der WM-Quali zwischen Israel und Italien. // YouTube
(Einbetten des Videos nicht erlaubt.)
Forza St. Pauli!
// Maik
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Karol Mets betreffend, sehen das die MoPo und das Abendblatt (Paywall) irgendwie voellig anders. Waehrend es bei der MoPo heisst „voll im Training, muskuläre Probleme überwunden und ist wieder voll belastbar“, schreibt das Abendblatt „Mets musste zuletzt sogar wieder nur Individualübungen absolvieren. Er erlitt einen Rückschlag wegen muskulärer Probleme.“
Ich glaube, dass sich das nicht widerspricht, sondern nur der Artikelzeitpunkt deutlich unterscheidet.
Das Abendblatt berichtet von Statements von Blessin vom Wochenende, der dabei auf die vergangene Woche zurückblickt. Die MOPO hingegen berichtet vom gestrigen Training, nimmt dabei ja aber auch Bezug auf die muskulären Probleme der letzten Woche.
Jo, passt. Artikel vom Abendblatt ist auch von gestern fruehmorgens und der von der MoPo vom nachmittag. Man kann auch sagen, bei der MoPo ist das Glas halbvoll 😉
Natürlich erst was für die morgige Lage, aber… Metcalfe mit zwei Torvorlagen, bei der ersten hatte ich das Gefühl, dass Fujitas Vorlage einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hat 😀
Wer Mitentscheiden will sollte sich Demokratie auch leisten wollen. Dazu gehört auch Projekte zu Untersuchen gegen die man sich entscheiden kann.
Auch mit dem Geld das Wahlen kostet könnte man Alternativen finden, will glaube ich aber keiner.
Mindestens 9 Millionen von den 16 Millionen sind für die einseitige Werbekampagne pro Olympia. Für die Bewerbung eines Geschäfts mit dem korrupten IOC, die ihre Veranstaltung von konkurrierenden Städten/Regionen organisieren lassen, inkl. Vertreibung und Hochsicherheitslage (G20 war ein Wochenende, Olympia ist 6 Wochen!). Die kritische NOlympia Positionen gegen die Folgen (Vertreibung, steigende Mieten, 6 Wochen Ausnahmezustand, horrende Kosten, die woanders fehlen,…) muss die Zivilgesellschaft wieder mühsam gegen die staatlich finanzierte Kampagne organisieren. Faire demokratische Prozesse stell ich mir anders vor. Immerhin können wir alle am 31. Mai die sinnlose Geldverschwendung auf 16 Millionen begrenzen – NOlympia!