Gegen das simple und körperliche Spiel von Union Berlin findet der FC St. Pauli Lösungen, verliert diese dann aber wieder und muss so mit einem Remis leben.
(Titelfoto: Ronny Hartmann/Getty Images/via OneFootball)
Es hatte sich angesichts der bisher gezeigten Leistungen in dieser Saison angekündigt und am Sonntag wurde das Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem FC St. Pauli den Erwartungen voll gerecht. Auf der einen Seite ein Team, das viel versucht, aber in der Offensive zu wenig riskiert und auch einfach qualitativ nicht gut genug ist. Auf der anderen Seite ein Team, das sich am Kombinationsspiel noch nicht einmal versucht, sondern fast jeden Ball komplett stumpf nach vorne pöhlt. Basierend auf diesen Voraussetzungen ist es schon bemerkenswert, dass überhaupt zwei Treffer gefallen sind. Passenderweise aber auch jeweils nach einer Standardsituation, die den jeweiligen Fähigkeiten der Teams entsprechend ausgeführt wurde. Das Remis ist dementsprechend auch das gerechte Ergebnis eines schwachen Fußballspiels, hilft aber vor allem dem FC St. Pauli nur bedingt weiter.
Die Aufstellung
Drei personelle Wechsel gab es in der Startelf des FC St. Pauli. Eric Smith und Tomoya Andō fehlten verletzungsbedingt. Für sie kamen Adam Dźwigała und Karol Mets ins Team. Etwas überraschend fehlte ein nomineller Linksverteidiger in der Startelf. Lars Ritzka und Louis Oppie standen zwar im Kader, aber in der Anfangsformation nahm Mathias Pereira Lage diese Position ein, die er vor einigen Jahren in Frankreich auch schon ein paar Mal spielte. Diese Umstellung sorgte für einen freien Platz im Angriff, den Martijn Kaars einnahm.
Der 1. FC Union Berlin änderte seine Startelf auf gleich fünf Positionen: Leite, Schäfer, Burke, Jeong und Ilić ersetzten Nsoki, Trimmel, Kemlein, Skarke und Burcu. Somit hatte der FCU seine komplette Offensivreihe neu besetzt – und allein durch die Tatsache, dass mit Burke und Ilić zwei körperlich sehr starke Offensivspieler auf dem Platz standen war klar, mit welcher Marschroute die Berliner an diesem Tag das Spiel angehen wollten: lange Bälle.
Langer Ball als Allheilmittel
Das Offensivspiel des 1. FC Union Berlin ist extrem simpel: Es werden lange Bälle auf einen präsenten Mittelstürmer (Ilić) gebolzt, um den sich dann schnelle Mitspieler wie Burke positionieren. Der Fokus liegt klar auf den zweiten Bällen, auf dem Chaos, das erzeugt wird. Union möchte dieses Chaos nutzen, so Torgefahr erzeugen und sorgt nebenbei so auch dafür, dass das Team nicht ins letzte Risiko gehen muss, weil man hinten nicht komplett offen steht. Diese Spielweise ist brutal unattraktiv und mag simpel sein, aber sie hat oft genug Erfolg, weil das Team diesen Plan konsequent umsetzt. Gegen den FC St. Pauli war jeder fünfte(!!!) Pass der Berliner ein langer Ball. Und nur weil das Konzept recht simpel ist, das Spiel nicht hübsch anzuschauen ist, bedeutet es nicht, dass man mit dieser nicht punkten kann. Der Erfolg gibt dem Team sowieso Recht: Der 1. FC Union Berlin hat sieben Zähler mehr als der FC St. Pauli und wird voraussichtlich auch kommende Saison in der Bundesliga spielen.
Dieses simple Aufbauspiel von Union Berlin funktionierte vor allem auf der nächsten Ebene: Zwar gelang es dem Heimteam nur ganz selten, aus den vielen langen Bällen direkt Kapital zu schlagen, also zu Torgelegenheiten zu kommen. Doch Union bekam dadurch viele Einwürfe und Ecken in der Hälfte des FC St. Pauli, auch viele Freistöße wurden ihnen zugesprochen. Bei diesen Standardsituationen zeigte sich: Der FC St. Pauli kann körperlich in der Luft nicht mithalten, Union gewann zwei Drittel aller Kopfballduelle und kam zu Spielbeginn auch direkt zu einigen gefährlichen Situationen vor dem FCSP-Tor. Da diese Gefahr vom FCSP nie so richtig gebannt werden konnte, war FCU-Trainer Steffen Baumgart mit der Leistung seines Teams zufrieden, erklärte: „Unsere Jungs haben ein gutes und klares Spiel gemacht, so wie wir uns unseren Fußball vorstellen.“
Fokus auf Standards
Der FC St. Pauli konnte hingegen nur mit Teilen seines Spiels zufrieden sein. Gegen den Ball spiegelte man die Aufbauformation von Union, auf den Außenbahnen allerdings nur ballnah, sodass man in der letzten Kette in Überzahl blieb, um genügend Druck auf zweite Bälle zu erzeugen. Genug Druck gab es auch eigentlich ganz vorne: Das Team von Alexander Blessin lief die Union-Innenverteidigung recht hoch an, wollte so dafür sorgen, dass es möglichst schwierig war, kontrollierte lange Bälle zu spielen. Union tat es trotzdem, der Erfolg blieb aber insgesamt überschaubar, wenn man die Gefahr aus Standardsituationen vernachlässigt. Allerdings muss es gegen Union Berlin eben auch ein Ziel sein, Standardsituationen möglichst zu vermeiden, was nicht immer gelang. Wie wichtig Standards waren, auf beiden Seiten, zeigt diese Statistik: Der Abschluss von Burke in der 40. Minute war der neunte der Partie, aber der erste, der nicht aus einer Standardsituation resultierte.
Dass Union Berlin so viele Standards hatte, lag unter anderem daran, dass Schiedsrichter Tobias Welz dem FCU oft genug den Gefallen tat, die Fallsucht von Spielern zu belohnen. Viele haben sich im Spiel vor der Länderspielpause über die lange Leine von Florian Badstübner aufgeregt, der viele Szenen weiterlaufen ließ. Gerade am Sonntag hätte jemand wie Badstübner dem Spiel total gutgetan – und dem FCSP sicher auch geholfen. Allerdings gehört zur Wahrheit eben auch dazu, dass einige Spieler in vielen Szenen schlicht zu unbedacht zu Werke gingen. Besonders mit dem Wissen, dass es der 1. FC Union Berlin auf Standardsituationen abgesehen hat, muss in Zweikämpfen genau darauf geachtet werden, dem Gegner genau diesen Gefallen nicht zu tun. Das geschah aber leider zu oft. Alleine viermal pfiff Welz ein Vergehen von Adam Dźwigała – und man mag sich darüber aufregen, dass Welz in vergleichbaren Szenen auf der anderen Seite des Spielfeldes nicht gepfiffen hat. Aber spätestens nach dem zweiten Vergehen muss in solchen Szenen smarter agiert werden. Letztlich war es ja aber keine Freistoß-Situation, die zum Union-Treffer führte, aber der Eckball zum 1:1 resultierte aus eben so einer Freistoß-Situation. Genervt hat sowieso alles, die Fallsucht des FCU, das ständige darauf Reinfallen des Schiedsrichters und aber auch die fehlende Cleverness auf Seiten des FC St. Pauli.
Der FC St. Pauli hat die Lösung …
Als eine Stunde vor Anpfiff die Startaufstellung bekannt gegeben wurde, war aufgrund des Fehlens eines nominellen Linksverteidigers etwas Rätseln angesagt. Ich hoffte darauf, dass sich der FC St. Pauli für das Spiel gegen Union für eine Änderung der Formation entschieden hatte. Ich hoffte, dass der FCSP aus einem 4-2-3-1 heraus in der Offensive agieren würde. Denn in dieser Saison hatte der FCU in bereits einer ganzen Reihe von Spielen gezeigt, dass er in der ersten Pressinglinie Probleme bekommt, wenn der Gegner hinten mit einer Viererkette aufbaut. Union agiert nämlich in einem 5-2-3, vor der Fünferkette agiert ein zentrumslastiger Block. Wenn ein Gegner im Aufbau sehr breit zieht, was bei einer Viererkette der Fall ist, dann muss Union darauf reagieren, muss sein Spiel anpassen. Tut er das nicht, dann kann der Gegner von den Außenpositionen andribbeln, tief in die Hälfte von Union eindringen. Die Anpassung wäre ein Fallen in ein tiefes 5-4-1, eine Formation aus der man, das wissen wir beim FC St. Pauli natürlich, nur selten gefährliche Umschaltmomente erzeugen kann.
… und geht damit in Führung …
Der FC St. Pauli agierte aber nur in einigen Momenten mit einer Viererkette im Aufbau. Dann nämlich, wenn Pereira Lage weit vorschob und Pyrka auf der anderen Seite eben nicht. Oder wenn Fujita und Pereira Lage die Positionen tauschten und Dźwigała auf der anderen Seite weit nach außen schob. Wenn dann noch einzig Irvine im Sechserraum verblieb und Rasmussen sich weiter nach vorne orientierte, dann konnte man sofort sehen, wie sich Union weiter zurückzog und die FCSP-Innenverteidiger plötzlich viel Raum hatten. So eine Szene gab es in der 24. Minute zu sehen: Mets hatte im Aufbau Raum, dribbelte an und fand mit seinem Pass den weit aufgerückten Pereira Lage, der mit dem Ball ins Zentrum zog und dort gefoult wurde.
Warum diese Szene so genau beschrieben wird? Weil es zum einen eben ein gutes Beispiel dafür ist, wie der FC St. Pauli gegen Union Berlin in ruhigeren Spielphasen die Oberhand gewinnen konnte. Aber eben auch, weil der Freistoß, der auf diese Szene folgte, zum Treffer des FC St. Pauli führte.
Den fälligen Standard brachte Danel Sinani dann halbhoch in den Strafraum rein. Sowieso wurden die Standards des FC St. Pauli in diesem Spiel mit bemerkenswerter Konsequenz nie hoch getreten. Das hatte man bereits bei der Chance von Mets in der 22. Minute beobachtet werden können. Der FCSP machte sich in der Luft keine Hoffnungen auf Erfolg, hatte aber Vorteile am Boden (dort gewann das Team auch über 60 Prozent der Duelle). Der Freistoß von Sinani wurde halbwegs geklärt, Irvines Schuss wurde anschließend geblockt, aber ein Abblocken des folgenden Schusses von Pereira Lage wäre vermutlich gleichbedeutend mit dem Verlust von Gliedmaßen gewesen. Auf 118km/h beschleunigte der rechte Fuß des 29-jährigen den Ball, der zwar zentral oben im FCU-Tor einschlug, den Unions Torwart Rønnow aber aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht abwehren konnte.

… nutzt die Lösung dann aber nicht mehr
Dieser Treffer fiel inmitten der besten Spielphase des FC St. Pauli. Zwischen der 20. und 40. Minute gelang es dem FCSP ganz gut, Union vom eigenen Tor fernzuhalten, das Chaos einigermaßen zu kontrollieren und nach Ballgewinnen einige Male einen ganz guten Zug zum gegnerischen Tor zu entwickeln. Das erste Problem: Trotz der besseren Spielanlage und vielversprechenden Ballgewinnen kam der FC St. Pauli bis zum Pausenpfiff nicht mehr zu Torabschlüssen. Das zweite Problem: Nach 40 Minuten war diese Phase dann auch leider schon wieder vorbei – und ich habe auch mehr als 24 Stunden nach Abpfiff immer noch keine Antwort darauf, wie dem FCSP dieses Spiel so aus der Hand gleiten konnte.
Denn nach Wiederanpfiff ging dann leider gar nichts mehr für den FC St. Pauli nach vorne. Da dürfte natürlich auch das recht schnelle Gegentor eine Rolle gespielt haben, welches natürlich aus einem Standard und natürlich per Kopf erzielt wurde. Blessin kritisierte im Anschluss, dass der FCSP in dieser Szene falsch positioniert gewesen sei. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Union gegen ALLE Bundesligisten extrem viel Torgefahr aus Standardsituationen erzeugen kann, die können das einfach richtig gut. Wichtiger wäre gewesen, solche Situationen seltener zuzulassen. Das gelang aber nicht. Unter anderem, weil der FC St. Pauli mit Anpfiff der zweiten Hälfte viel zu wenig Druck auf die gegnerische Innenverteidigung erzeugte, zu tief agierte – und weil man die eigentlich vorhandene Lösung im eigenen Spielaufbau nicht anwendete. Ich bin nicht ganz sicher, ob Union da etwas angepasst hat, aber es hat mich in der zweiten Halbzeit extrem geärgert, dass der FCSP nur ganz selten diese Viererkette im Aufbau zeigte, um Union dazu zu zwingen, tiefer zu fallen.
Und je länger das Spiel dauerte, umso deutlicher konnte der Eindruck gewonnen werden, dass sich der FC St. Pauli mit einem Punkt bei Union Berlin anfreunden kann, dass er das Risiko scheut, auf Sieg zu spielen. Darüber kann man sich ärgern, sehr sogar. Aber zweite Halbzeiten des FCSP in der Fremde sind in dieser Spielzeit leider alles andere als eine Stärke des Teams. Zu allem Überfluss holte sich Jackson Irvine noch kurz vor Schluss die Gelb-Rote Karte ab und wird dem Team kommende Woche fehlen. Wer auch fehlen wird ist Co-Trainer Peter Németh, der sich rund um den Platzverweis von Irvine noch die Rote Karte abholte. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt aber bereits quasi abgepfiffen, der FCSP war meilenweit davon entfernt, einen Treffer zu erzielen, Union aber ebenso, das Unentschieden war das einzig gerechte Ergebnis einer Partie, die insgesamt dann doch recht schwere Kost gewesen ist.
Situation annehmen und trotzdem das Maximum rausholen
Die Gründe dafür sind vielfältig und müssen natürlich in Ruhe aufgearbeitet werden. Aber gerade jetzt bringt uns das nicht weiter. Wir müssen diese Situation so annehmen, wie sie ist und versuchen das Beste rauszuholen. Wir können uns verkriechen und rumjammern, dass es an Qualität auf dieser, jener und anderer Ebene fehlt, wir viel Pech haben, die Schiedsrichter doof sind, die Gegner stärker als in der Vorsaison und, und, und … – da gibt es viele Punkte, die richtig sind. Abstiegssorgen kommen aber nicht aufgrund eines einzelnen Problems zustande, sondern haben viele Mütter und Väter, genauso wie es auch bei sportlichem Erfolg der Fall ist. Rumjammern bringt uns deshalb jetzt gerade nicht weiter. Denn dadurch wird die Offensive des FC St. Pauli nicht plötzlich angezündet, der Kader nicht generalüberholt, das Konto nicht gefüllt, das Spielglück nicht herbeigeschworen und, und, und … – aktuell ist nicht die Zeit für große Analysen der Gesamtsituation. Wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist und versuchen, aus dieser das Maximum herauszuholen. Das klingt total nach Trainer-Sprech, aber so ist es einfach. Was haben wir davon, wenn festgestellt wird, dass der FC St. Pauli offensiv das schlechteste Team der Liga ist? Wissen wir, brauchen wir nicht noch weiter festzustellen. Die nächste Stufe wäre Häme aus den eigenen Reihen und die können wir nun wirklich nicht gebrauchen. Was es braucht: Dass wir alle gemeinsam den Widrigkeiten trotzen und alles für den Klassenerhalt geben.
Zurück zur sportlichen Situation: Ein Punkt ist ein Punkt, ja. Aber er ist zu wenig, um das Bayern-Spiel als Bonus zu betrachten. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit nicht sonderlich hoch ist, muss alles versucht werden, um auch in diesem Spiel zu punkten. Was tatsächlich Mut macht, ist die Situation des VfL Wolfsburg, denn der FC St. Pauli konnte den Abstand durch den Punktgewinn auf vier Zähler erhöhen. Nun sind es noch fünf Spiele (15 Punkte), bis die Wolfsburger am Millerntor zu Gast sein werden. Wolfsburg müsste es gelingen, in diesen fünf Partien acht Punkte mehr als der FCSP zu holen, andernfalls hat der FC St. Pauli an diesem 34. Spieltag mindestens ein Endspiel um den Relegationsplatz (ausgenommen den Fall, dass Heidenheim nun alles gewinnt). Es mag sich also, besonders nach solchen Spielen wie gegen Union, so anfühlen, als wenn der FCSP dem Abstieg entgegentaumelt. Aber dem ist nicht so, das Team hat noch alle Chancen.
Immer weiter vor!
// Tim
Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.
Unsere Kommentare sind nur per Registrierung zugänglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.
MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube
Danke für deine treffende Analyse. Je länger das Spiel zurückliegt, desto entspannter bin ich wieder. Vor dem Spiel, bin ich davon ausgegangen, dass uns noch 9-10 Punkte für den Klassenerhalt reichen werden. Da hatte ich den Punkt vs Union gar nicht drin. Aus meiner Sicht sind es 2 Pflichtsiege zu Hause gegen Köln und Wolfsburg. Auswärts in Heidenheim und vielleicht noch zu Hause gegen Mainz ein Punkt. (Wenn wir da die Punkte in den direkten Duellen zu Hause nicht holen, ist der Abstieg dann auch absolut verdient). Mit deiner treffenden Analyse, ist der Punkt dann erst einmal ok. Jedoch gab es für mich in Halbzeit 2 einen Moment, der mich noch immer ärgert und auch etwas ratlos zurück lässt und mir dann doch wieder Sorgen bereitet. Weil Symptomatisch. Sinani hat fast Zentral ca. 20 Meter vor dem Tor den Ball. Merkt, dass ihn keiner anläuft und eine Lücke da ist. Er zieht das Tempo Richtung Tor an. Anstatt dann einfach mal mutig aus 15-16 Metern den Abschluss zu suchen, kommt er in den Strafraum und spielt dann einen flachem Pass und die Situation ist verteidigt und vorbei. Diese mutlosigkeit müssen wir dringend abstellen.
Danke, Tim!
Der Punkt hilft dabei, Wolfsburg weiter auf Abstand zu halten. Und mit 9 Punkten aus 3 von 4 Heimspielen bleiben wir drin. Es ist noch nichts verloren, ganz im Gegenteil, wir haben noch alle Chancen. Und die wollen genutzt werden.
Was mich genervt hat am Samstag war die Unüberlegtheit des Kapitäns. So darfst Du nicht reingehen, wenn Du gerade erst verwarnt wurdest, der Schiri Dich noch sehr präsent hat. Das war einfach echt dumm, es gab keinerlei Chance auf den Ball. Damit hat Jackson dem Team keinen Gefallen getan. Trotzdem wird es eine Lösung geben und das Team gegen die Bayern auch ohne ihn alles versuchen.
Noch mehr genervt hat mich aber die rote Karte für Peter. Mit wem zählen wir denn dann am Samstag?
(Nebenbei: Bedeutet eine rote Karte für Trainer/Co-Trainer automatisch nur 1 Spiel Sperre?)
Zum „Nebenbei“: Eine Rote Karte wegen „Ey, Schiri, Du pfeifst scheiße!“ wird sicher anders sanktioniert als eine Rote Karte für eine Tätlichkeit gegen einen Spieler oder Schiedsrichter. Über die Länge der Sperre entscheidet also auch hier das Sportgericht, ausschlaggebend dürfte der Bericht des SR-Gespanns sein.
Und wieder was gelernt. Danke, Maik!
Moin. Wieder ein Gegentor nach Standard. Würde man nach einer Analyse der Gegentore ein Muster feststellen können? Sind es nicht oftmals Kopfbälle im 5 Meterraum? Könnte man da dem Keeper eine gewisse „Mitschuld“ zusprechen?
Du meinst unsrer Nummer 22, die (auch) in diesem Spiel konsequent von gegnerischen Spielern abgeblockt wird? Diesmal „stand“ fast immer Khedira im Laufweg. Die Frage ist doch eher: weshalb kann Ilic in dieser Szene so völlig unbedrängt durch unseren Strafraum laufen?
Moin Tim.
„Genau“, will man da sagen. Trifft so ziemlich alles zu, was Du da schreibst und ich habe es weitestgehend auch so gesehen. Die Schwäche unseres Teams lag mit Sicherheit auch an der personellen Ausgangslage. Ohne Eric Smith, Ando Tomoya, Manolos Saliakis fehlten schon mal drei wichtige in der Abwehrformation.
James Sands kann auf der Sechs nur mit Einbußen an anderer Stelle halbwegs ersetzt werden und vorne braucht Andreas Hountondji noch Spielpraxis. Wenn dann auch noch Fujita nicht seinen allerbesten Tag erwischt, dann wird es mit der Spielkultur in einem nicht optmal eingespielten Team nun mal kompliziert. Und immer muss man auch daran denken, dass der Gegner mit Burkje und Ilic zwei Angreifer hat, die auf lange Bälle aus der Abwehr spezialisiert sind. Es also gefährlich ist, zu weit aufzurücken.
Der Schiri und der fallsüchtige Ilic machten die Sache nicht einfacher. Acht Fouls wurden uns angelastet, vier davon hat Ilic „herausgeholt“. Was jedes Mal Gefahr brachte. Zweiter Punkt, der mich ärgerte, waren die sieben Eckbälle gegen uns und die vielen Einwürfe in gefährlichen Zonen. Zumindest bei den ins Aus geklärten Bällen fehlte mir der Versuch, diese Bälle weiter nach vorne ins Aus zu schlagen.
Letztlich müssen und können wir mit dem Punkt leben.
Ich will da gar nicht das große Ausholen starten, daher mal nüchtern einen Aspekt herausgegriffen. Dass man gegen Union ein Standardtor fängt – geschenkt. Darauf ist deren Spiel schon immer ausgelegt. Schon seit Fischer. Und als der mal was anders machen wollte, flog ihm das ähnlich um die Ohren, wie Augsburg mit Wagner. Union spielt lang, dreckig, körperbetont und kopfballstark. So weit so klar. Dass man da Standards vermeiden sollte ist auch klar, geht aber nicht immer. Ich nehme auch explizit nicht den Aspekt, den Tim zwischen den Zeilen erwähnt hat heraus, dass wir taktisch egal gegen welchen Gegner immer gleich und starr agieren. Der ist nämlich auch nicht ganz nebensächlich.
Wenn ich jetzt aber nun weiß, was an der Försterei die Stunde geschlagen hat, dann leuchtet mir eines genau gar nicht ein. Wir haben grob drei Stürmertypen zur Verfügung. Der eine ist ein Wandspieler, der zweite ein laufstarker Konterspieler, der dritte nichts von beidem, aber abschlussstark im 16er. Das ist ja schon mal eine gute Auswahl. Haben auch nicht alle so. Und nun wird der erste Spielertyp gegen eine kopfballstarke Truppe nicht gebraucht, in der ersten Halbzeit der dritte Stürmertyp dauernd in Zweikämpfe geschickt, und in der zweiten Halbzeit der zweite Typ dafür permanent in Kopfballduelle gezwungen. Und am Ende heißt es dann zumeist: Die können es halt nicht besser. Doch. Können sie! Aber ihre Stärken werden in unserem Spiel Nullkommanull bespielt. Und dann spielt eben immer Sinani. Und das kreide ich dem Trainer an, und nicht den Spielern. Wahlweise könnte man auch überlegen, ob dahinter nicht ein Spieler fehlt, der sie besser in Szene setzen kann. Warum aber beispielsweise Rasmussen, der es eigentlich kann, nicht einen progressiven Pass auf Hountondji spielt, ist dann auch wieder das nächste Mysterium.
Trotz einer vergleichbaren Ausgangslage wie im letzten Jahr, sehe ich im Übrigen (Faktencheck) auf die Daten, und die zeigen deutlich, dass unsere Werte in der Offensive noch schlecht sind, als im letzten Jahr. Passspiel, Chancenqualität, XG – alle diese Werte stagnieren. Und das liegt nicht nur an Guilavogui und Treu. Das sind schon gute Spieler dazugekommen. Nur spielen sie entweder positionsfremd, oder haben kaum Alternativen, weil beispielsweise das Spiel über Außen vom letzten Jahr (ok, bis etwa 2/3 der letzten Saison), zuungunsten eines Spiels weichen musste, das so planlos aussieht wie ee auch eben ist.
Wenn man ehrlich ist, dann haben wir in dieser Rückrunde das eine oder andere Mal echt Spielglück gehabt. Das ist gut und wichtig. Aber leider müssen wir uns wohl darauf bis zum Ende hauptsächlich verlassen. Und wenn ich ehrlich bin, dann bin ich nicht sonderlich zuversichtlich, dass eine Mannschaft, die offensiv kaum Entwicklung nimmt und stets grundsätzlich defensiv denkt, jetzt plötzlich gegen Köln und in Heidenheim darin ihre Stärke entdeckt, mutig nach vorne zu spielen. Selbst In einer möglichen Relegation habe ich da Zweifel. Kurzum: Auch wenn wir rechnerisch sogar Platz 15. selbst in der Hand haben, glaube ich eher an Platz 16. und auch dann nur wenn Wolfsburg tatsächlich weiter so wegbricht.
Ich weiß ja, dass gleich wieder wer kommt mit „zuviel CL“ geguckt. Das ist hier ja leider oft ein „argumentativer“ Kniff. Nein tue ich nicht. Seit Jahren nicht. Ich spreche über uns und das was ich auf dem Platz (nicht) sehe, was aber aus meiner Sicht auch mit diesem Kader durchaus möglich wäre. Ja, wir haben auch Verletzungspech. Aber wenn man sich das anschaut, dann fehlte uns Saliakas wirklich extrem, Ando ordentlich und über Smith mag ich nicht schreiben, weil ich dann ein weiteres Fass aufmachen würde. Alle anderen Spieler hätten aber so ziemlich sicher auf dem Feld gestanden. Und damit im Hinterkopf ist dieses Gefühl, dass in der heißen Saisonphase die Abläufe, Pässe und Laufwege oft so aussehen, als hätten sich die Spieler kurz vorher erstmals am Stadiontor getroffen, echt frappierend.
Tatsächlich sehe ich es sehr ähnlich: Ein bisschen muss man schon beim Trainer gucken, was er aus dem Wenigen macht, das wir momentan an Qualität haben.
Mannschaftstaktisch finde ich es meistens nachvollziehbar, wenngleich die Anpassungen im Spiel oft eher spät als früh kommen.
Was mir fehlt, ist die individuelle Entwicklung der einzelnen Spieler. Welcher Spieler ist in dieser Saison im Laufe der Zeit eigentlich besser geworden?
Darüber hinaus erwarte ich auch schon mündige Spieler, die auf sichtbare Stärken und Schwächen reagieren, die erst während des Spiels sichtbar werden. Auch situative Schiedsrichterleistungen sollte man hier im Hinterkopf haben und sich nicht ständig beim Referee beschweren.
Das könnten am Ende die fehlenden 1-2% sein, die uns in der Tabelle fehlen.
Und was soll man mit der Bemerkung:“Da gingen dann die Köpfe der Spieler runter.“ anfangen? Auch Resilienz ist trainierbar und ein wichtiger Faktor bei internationalen Spitzensportlern.
Also bitte die fehlenden Prozente aktivieren, dann reicht es auch für das Minimalziel.
¡Venceremos!