„Für mich ist es eine absolute Top-Lösung“

„Für mich ist es eine absolute Top-Lösung“

Am Montag stellte sich Marcel Rapp als neuer Trainer des FC St. Pauli vor. Dabei wurde seine Vorfreude auf und Motivation für die anstehende Aufgabe sehr deutlich.
Foto: Stefan Groenveld

Drei Wochen ist es her, dass der FC St. Pauli um etwas Bedenkzeit bat bei der Frage, wer in der kommenden Spielzeit Trainer sein wird. Vor drei Wochen erklärte Sportchef Andreas Bornemann, dass es „zwei, drei Tage“ dauern werde, bis es Klarheit in der Trainerfrage geben wird. Doch es kam anders, aus Tagen wurden Wochen. Denn um zusammen weiterzumachen, muss „von beiden Seiten die hundertprozentige Überzeugung da sein“, so Bornemann, der zudem erklärte, dass es nach einem Abstieg völlig normal sei, „auch mal ins Grübeln“ zu kommen, ob die personelle Konstellation so auch kommende Saison aufgehe.

„Brauchen diesen anderen fußballerischen Ansatz“

Die Überzeugung gab es im Fall von Alexander Blessin offenbar auf mindestens einer der beiden Seiten nicht, sonst wäre er jetzt weiterhin Trainer des FC St. Pauli. Bornemann bestätigte auch, dass Blessin bei anderen Clubs Interesse geweckt habe und das man in der zweiten Woche nach dem Abstieg den Blick bereits in Richtung anderer Trainer gerichtet habe. Das sei zu diesem Zeitpunkt notwendig gewesen, denn die Suche nach einem neuen Trainer müsse laut dem Sportchef eben die gründlichste in diesem Business sein: „Ein Trainer ist und bleibt für mich in einer Fußballmannschaft die wichtigste Personalie.“

Irgendwann in dieser Phase, als es um die Frage ging, wie und mit welcher Art Fußball man in der kommenden Spielzeit erfolgreich sein möchte und könne, sei den Verantwortlichen des FC St. Pauli bewusst geworden, dass ein neuer Trainer den FC St. Pauli in die kommende Saison führen soll. Bornemann erklärte, dass den Verantwortlichen beim Blick nach vorne auf die neue Spielzeit bewusst geworden sei, dass man zwar keinen kompletten Neuanfang benötige, aber die Herangehensweise eine andere sein müsse: „Wir brauchen diesen anderen fußballerischen Ansatz. Und den kriegen wir mit einem neuen Trainer wahrscheinlich besser hin.“

„Gespräche sehr von Energie gekennzeichnet“

Das Ergebnis dieses Prozesses saß am Montag zwei Stühle links neben Andreas Bornemann auf dem Podium des Presseraums des FC St. Pauli: Marcel Rapp hat die Verantwortlichen davon überzeugt, dass er für den FC St. Pauli das ist, was dieser für Rapp selbst ist: Eine Top-Lösung.
Der Sportchef bezeichnete den neuen FCSP-Trainer als „absoluten Fachmann“, Holstein Kiel habe sich unter seiner Führung durch hohe Anpassungfähigkeit, Intensität und Widerstandsfähigkeit ausgezeichnet. Genau diese Anforderungen gebe es nun auch für den FC St. Pauli, denn: „Für unser Gefühl ist er der absolut passende Mann für die Situation und für die Aufgaben, die jetzt anstehen.“ Bornemann erklärte zudem: „Die Gespräche mit Marcel waren von Anfang an sehr von Energie gekennzeichnet und von profunder Kenntnis unserer Mannschaft und der Liga. Insofern bin ich sehr, sehr froh, dass wir eine Lösung gefunden haben.“ In den folgenden Abschnitten der mehr als 40-minütigen Pressekonferenz konnte eine Ahnung davon gewonnen werden, wie und mit welcher Energie es Rapp gelang, die Verantwortlichen beim FC St. Pauli zu überzeugen.

Der 47-jährige Rapp sprach ebenfalls von „sehr guten Gesprächen“ und betonte: „Wer mich als Mensch kennt, weiß: Ich liebe Fußball. Ich liebe es, Fußballspiele zu gucken.“ Letzteres meinte er sowohl aus analytischer Sicht, als auch aus Fansicht. Und mit der Fansicht erklärte er auch sein großes Interesse am FC St. Pauli. Erlebt hat er das Millerntor bisher dreimal an der Seitenlinie, als Trainer von Holstein Kiel. Und diese Erlebnisse haben Eindruck hinterlassen: „Wenn man mal hier auf St. Pauli war, dann weiß man, dass es etwas Besonderes ist.“
Neben den guten Gesprächen und den beeindruckenden Erinnerungen ans Millerntor spricht Marcel Rapp auch ganz klar einen weiteren großen Vorteil seines neuen Arbeitsgebers an: Er wohnt mit seiner Familie nicht weit weg, in der Nähe von Kiel nämlich. Gute Gespräche, ein attraktiver Club und die Nähe zur eigenen Familie – Rapps Fazit ist eindeutig „Das ist für mich natürlich ’ne absolute Top-Lösung.“

Co-Trainer bleiben beim FC St. Pauli

Aber auch für den FC St. Pauli? Das wird man nun in den nächsten Monaten herausfinden. Aktuell befinde sich alles noch in der Findungsphase, vor allem in Sachen Kaderzusammensetzung (Rapp: „Wir verschaffen uns gerade einen Überblick und werden gute Lösungen finden.“). Klarheit gibt es hingegen bereits bei der Besetzung der weiteren Trainerpositionen: Sven Van Der Jeugt und Peter Németh bleiben dem FC St. Pauli erhalten. Das Co-Trainer-Team wird zudem noch um Jens Schuster erweitert, der zuletzt in Kiel als Chefscout tätig war und den Rapp bereits aus seiner Zeit in Hoffenheim kennt.

Nun ist der Start beim FC St. Pauli aber sicher nicht ganz so leicht für Rapp. Denn es muss sich erst einmal daran gewöhnt werden, dass es nun wieder in der zweiten Liga weitergehe. Der Abstieg wird im Kader nicht nur für einen personellen Umbruch sorgen, sondern von jenen, die dem Team erhalten bleiben, wird auch eine mentale Umstellung verlangt. Rapp sprach davon, dass man die Fans mit ins Boot bekommen müsse, um in der ausgeglichenen zweiten Liga erfolgreich zu sein: „Ich glaube, es braucht eine Gemeinschaft, um in der zweiten Liga erfolgreich zu sein.“ Damit diese Gemeinschaft entstehen kann, muss aber in Vorleistung gegangen werden: „Wir müssen den Fans zeigen, dass wir bereit sind, in der Liga zu spielen.“ Entsprechend müsse Leidenschaft reingebracht werden, das sei „die Grundvoraussetzung“, um in der zweiten Liga zu bestehen. Aber da ist noch mehr: „Darüber hinaus wollen wir auch noch inhaltlich ordentlichen Fußball spielen.“

„Du musst ins Machen kommen“

Ein direkter Wiederaufstieg dürfte übrigens ziemlich schwer werden, zumindest wenn man sich den „Erfolg“ der Absteiger aus den letzten Jahren anschaut, von denen nur den wenigsten der direkte Wiederaufstieg gelang (und das meist nur den Clubs, deren Abstieg als „Unfall“ bezeichnet werden kann). Marcel Rapp weiß um die Schwierigkeit der Aufgabe, mit einem Absteiger eine gute Zweitligasaison zu spielen. Schließlich hat er das in der Vorsaison als Trainer von Kiel am eigenen Leib erfahren. Er erklärt: „Jeder weiß, dass es schwer ist. Das wussten viele Absteiger in den letzten Jahren auch – und trotzdem ist es immer schwer, in der Liga anzukommen. Deswegen bringt es nichts, darüber zu reden und nochmal zu reden und nochmal zu reden. Du musst ins Machen kommen. Da fangen wir jetzt schon an. Und wenn die Jungs dann kommen, dann sind wir bereit.“ („Nicht reden, sondern machen“ ist übrigens so etwas wie der Leitsatz, der Timo Schultz mit dem VfL Osnabrück in die zweite Liga gebracht hat, wie dieser kürzlich im Podcast erzählte)
Was aber in Sachen Einstellung auf keinen Fall passieren darf? „Der größte Fehler wäre, wenn man denkt, dass man noch ein Erstligist ist und man spielt so wie ein Erstligist in der zweiten Liga. Dann hat man gar keine Chance. Man muss die Liga annehmen und respektieren.“

Klar ist, dass die zweite Liga vom FC St. Pauli nun etwas anderes verlangen wird, als in den letzten beiden Jahren in der Bundesliga gefordert war. Bornemann: „Jetzt gibt es für uns in der zweiten Liga – das haben wir uns erarbeitet – die Situation, dass wir als Bundesliga-Absteiger mit der Favoritenrolle versehen werden und viele Mannschaften gar nicht so böse sind, wenn sie den Ball nicht haben. Darauf müssen wir Antworten finden, da müssen wir Lösungen finden.“
Diese Lösungen soll nun Marcel Rapp mit dem Team erarbeiten. (Wie er in Kiel hat spielen lassen und wie das zum Kader des FC St. Pauli und in die zweite Liga passt, schauen wir uns noch diese Woche in einem separaten Artikel an.) Wichtig sei nun ohnehin vorerst etwas anderes, wie Rapp betont: „Grundsätzlich geht es darum, eine Beziehung zu haben zu den Spielern, bevor man über Fußball redet. Damit der Empfänger auch das aufnimmt, was man erzählt.“

„Wir wollen sie nerven“

Es geht nun also erst einmal darum, Überzeugungsarbeit zu leisten, die persönliche Bereitschaft der Spieler zu wecken, besser werden zu wollen. Rapp: „Wenn sie das haben, dann sind sie herzlich willkommen, dann wird das ’ne richtig gute Geschichte. Weil wir sie schon nerven wollen, im positiven Sinne. Wenn sie merken, dass das mit dem Besserwerden funktioniert, dann sind sie noch aufgeschlossener. Dann entsteht auch ein Commitment zu der Geschichte.“ (Diese Aussage erinnert sehr stark an das, was Fabian Hürzeler oft erzählte von der notwendigen intrinsischen Motivation der Spieler und von der entscheidenden Frage, ob sich ein Spieler nur trainieren lässt oder ob dieser trainieren wolle.)

In den kommenden Tagen werden die Spieler aber noch nicht von Marcel Rapp und dem Rest des Trainerteams „genervt“ werden. Nun werde erstmal eine Justierung am Kader vorbereitet und/oder vollzogen (explizite Fragen dazu wurden von Bornemann und Rapp abmoderiert). Im Anschluss wird Rapp mit allen Personen im Staff Kontakt aufnehmen und auch mit den Spielern. Dann werde die Vorbereitung geplant. Die aktuelle Phase sei etwas, bei dem „wir als Trainerteam in Vorleistung gehen müssen“, so Rapp, denn „wir müssen bereit sein, wenn sie kommen. Dann müssen sich die Jungs darauf einlassen und dann entsteht was, was – glaube ich – etwas richtig Gutes werden kann.“
// Tim

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3 thoughts on “„Für mich ist es eine absolute Top-Lösung“

  1. Alles so weit überzeugend – ein realistisch besserer Trainer wäre mir auch nicht eingefallen, jedenfalls keiner, bei dem man nicht ins Risiko gegangen wäre (Erfahrung, Erfolge, Alter, Emotionen).
    Was ich nicht verstehe, ist die merkwürdige Rubrik: „zu den besten 25 Teams der Liga gehöre.“
    Zunächst einmal: Was bringt die Ansage so einer Platzierung in der Öffentlichkeit?
    Dann: Welchen Wert hätte das Erreichen von beispielsweise Platz 6 in der 2. Liga?
    Und zum Schluss: Ist das ein Mantra (von wem?), oder ist das nicht viel eher abhängig von den wirtschaftlichen Möglichkeiten, die doch in dieser Saison (3-Jahreswertung, Transfererlöse, DFB-Pokal) etwas besser sein sollten.
    Freiburg hatte, bevor sie durchgestartet sind, die besten 21 Mannschaften vorgegeben, das leuchtet als Team „zwischen“ den Ligen doch eher ein.
    Aber sei ihm, wie ihm wolle: Am Ende zählt nicht der Wunsch, sondern „aufm Platz“.
    Und da habe ich langsam wieder etwas mehr Energie als direkt nach dem Wolfsburg-Spiel.

    ¡Venceremos!

    1. Die Topp 25 werden ja schon seit einigen Jahren ausgegeben. Gerne mit dem Hinweis, dass auch Jahre in Liga 1 dazu gehören sollen. Aber dass man sich grundsätzlich mit den Rahmenbedingungen genau dort platzieren möchte mindestens immer oben dran in Liga 2. Was ja auch immer bei der Enge in Liga 2 bedeutet, dauerhaft zumindest um den Aufstieg mitzuspielen. Ich halte das für realistisch und hat uns ja auch 2 Jahre Liga 1 gebracht und keinen finanziellen Zusammenbruch durch Abstieg.

  2. Ich habe bei Rapp ein total gutes Gefühl. Erinnert mich an Hürzeler. Er wird den Spielern wieder Selbstvertrauen vermitteln und das er Spieler besser machen kann hat er auch schon bewiesen.
    Bin echt positiv gespannt, war ich bei Blessin nicht.
    Wir sollten aber nicht vom Aufstieg träumen. Wir müssen in der Liga erstmal ankommen und sie annehmen.

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