Hoffnung? Ja, warum denn nicht?!

Hoffnung? Ja, warum denn nicht?!

Vier Spieltage vor dem Saisonende droht der FC St. Pauli den Kontakt zu den Nicht-Abstiegsplätzen zu verlieren, auch die Relegation ist in Gefahr. Aber es gibt Hoffnung.
(Titelfoto: Stefan Groenveld)

So richtig konnten Trainer und Spieler des FC St. Pauli am Freitagabend nicht einordnen, was das Unentschieden gegen den 1. FC Köln wert ist. Wie auch? Schließlich waren die für eine Einordnung so wichtigen Spiele von Wolfsburg und Bremen noch nicht gespielt. Der Rückstand auf Bremen betrug am Freitag zwei, der Vorsprung auf Wolfsburg fünf Zähler. „Mit den drei Punkten hätten wir alles wieder schön beieinander gehabt“, erklärte Alexander Blessin kurz nach Abpfiff – aber es gab diese drei Zähler eben nicht. Schlimmer noch: Werder und Wolfsburg gewannen am Samstag jeweils. Rückstand und Vorsprung haben sich dadurch gedreht – aus zwei Punkten Rückstand und fünf Vorsprung sind fünf und zwei geworden. Platz 17 ist nun bedrohlich nahe, Platz 15 in weite Ferne gerückt.

Was die Sache für den FC St. Pauli sicherlich nicht einfacher macht, ist die negative Dynamik der Ergebnisse, die aktuell vorhanden ist. Aus den letzten sechs Ligaspielen holte der FCSP gerade einmal drei Punkte. Punktgleich mit Mainz, Köln und Bremen lag der FCSP nach 25 Spieltagen auf Rang 16, Bremen und Mönchengladbach waren nur einen Zähler entfernt. An dieser Konstellation hat sich nun einiges geändert. Mit drei Zählern aus den letzten sechs Partien stellt der FC St. Pauli das schlechteste Team der Bundesliga. Seit diesen sechs Spielen wartet der FCSP auch auf einen Treffer aus dem Spiel heraus, die letzten drei entstanden aus Standardsituationen. Der FC St. Pauli ist damit genau dahin unterwegs, wo er nach Meinung vieler aufgrund seiner Fähigkeiten (= hauptsächlich Kaderstärke) auch hingehört: auf einem Abstiegsplatz. Klingt hoffnungslos? Ja, vielleicht. Aber das ist es nicht.

Es gibt Hoffnung

Die These, dass der FC St. Pauli den Kader eines Absteigers hat, wird in den letzten vier Spielen einem Stresstest unterzogen, womöglich dem stärksten der Saison. Denn beim FCSP deutet sich ein Kader in einer Fülle an, die es so in dieser Saison noch nicht gegeben hat. Zwar werden dem Team auch weiterhin James Sands und Ricky-Jade Jones fehlen – aber das war es womöglich dann auch schon. Plötzlich ist der Konkurrenzkampf im Team extrem groß, allein für die Position im zentralen Mittelfeld kommen trotz des Sands-Ausfalls gleich fünf Spieler infrage (Irvine, Rasmussen, Metcalfe, Smith, Fujita). Auch in der Innenverteidigung könnte die personelle Situation so gut wie noch nie in dieser Spielzeit sein, sogar ohne Smith gibt es fünf Spieler für die drei Positionen. Zudem drängt Manos Saliakas in die Startelf und Andréas Hountondji wirkte in der Partie gegen Köln so fit und agil wie zuletzt am dritten Spieltag.
Das alles zeigt: Für das Saisonfinale könnte der FC St. Pauli personell so gut wie nie in dieser Spielzeit bestückt sein – und genau das macht Hoffnung.

Beim Blick auf den Spielplan wird deutlich, dass der FC St. Pauli nun gerade erst in einen Bereich reingekommen ist, in dem es fast durchgehend gegen direkte Konkurrenten geht. Eigentlich dürfte allen bereits im Saisonverlauf klar gewesen oder geworden sein, dass der FCSP in so eine heiße Phase kommen würde. Der Spielplan hat es quasi so vorgesehen, gab es zuvor doch einfach auch viele Spiele, in denen Punkte nicht zwingend erwartbar waren. Bemerkenswert, dass zum Beispiel gegen Stuttgart und Hoffenheim trotzdem dreifach gepunktet wurde. Dass diese außergewöhnlichen Punktgewinne nicht zu einer noch besseren Tabellensituation geführt haben, hängt eng mit der Serie von neun Niederlagen in der Hinrunde zusammen. Es brauchte diese positiven Ausreißer, um jetzt überhaupt auf Rang 16 stehen zu können. Die gab es aber und nun hat der FC St. Pauli vier Spieltage vor Saisonende zumindest das Erreichen der Relegation selbst in der Hand. Und vielleicht ja sogar mehr. Fünf Zähler Rückstand klingen zwar nach viel, aber ein Sieg in Heidenheim kann wahre Wunder wirken, kann Hoffnungen wecken – und Schockwellen in Richtung eines halben Dutzend Clubs senden, die sich bereits mehr oder weniger auf der sicheren Seite wähnen.

+++ Unterstützt den MillernTon! +++
Dir gefällt, was Du hier liest?
Alle Inhalte auf MillernTon.de sind gratis und das wird auch so bleiben. Aber Du kannst unsere umfassende und professionelle Berichterstattung rund um den FC St. Pauli unterstützen.
Alle Infos dazu: Hier entlang!
+++ +++

Druck ist ein Privileg

Sowieso gibt es eine ganz generelle Sache, die in den letzten Jahren eine Art Naturgesetz beim FC St. Pauli gewesen ist: Wenn der Druck zunimmt, dann ist das Team da. Ich muss aktuell oft an die Worte von Dapo Afolayan denken, der wenige Wochen vor dem Aufstieg betonte: „Druck ist ein Privileg“. So gesehen ist auch die jetzige Situation ein Privileg. Weil der FCSP das Saisonziel immer noch erreichen kann. Denn vier Spieltage vor dem Saisonende steht der FC St. Pauli zwar auf Rang 16, der Abstand zu Rang 15 ist vorhanden. Aber fünf Punkte innerhalb von vier Spieltagen aufholen, das geht. Genauso wie den Vorsprung von zwei Punkten auf Rang 17 mindestens zu halten. Wir sollten es nicht als Erfolg feiern, aber durchaus wahrnehmen, dass die aktuelle Tabellensituation einer ist. Denn der FCSP steht aktuell besser in der Tabelle da, als viele es prognostizierten. Dass es nun Druck gibt, weil man eben noch nicht abgestiegen ist, ja, das ist ein Privileg.

Macht das Hoffnung? Nun, angesichts der Stimmung und den zuletzt auch unglücklichen Ergebnissen würde ich sagen: Ja, auf jeden Fall! Denn der FC St. Pauli steht nicht zufällig nach 30 Spieltagen auf Rang 16. Die 26 Punkte sind nicht mit mehr Glück als Verstand zustandegekommen, sie sind hart erarbeitet. Fragt mal bei Köln nach, wie die ihre letzten fünf Punkte geschenkt zusammenbekommen haben oder ob der HSV auch Pech hatte mit den letzten Ergebnissen und deshalb in der Formtabelle fast so schlecht ist wie der FC St. Pauli – will sagen: Es gibt Clubs, die aktuell wesentlich schlechtere Leistungen bringen. Das wird sich hoffentlich auch zeitnah in Form Ergebnissen äußern.

Der wichtigste Punkt, der Hoffnung macht, ist das, was wir am Freitag auf dem Rasen sehen konnten. Das Team des FC St. Pauli stellt sich den Herausforderungen. Während die Kölner aus blanker Angst vor einer Niederlage lieber nur lange Bälle nach vorne droschen, hat der FCSP Lösungen gefunden und war das bessere Team, hätte den Sieg verdient gehabt. Das macht Hoffnung. Denn mit so einer Leistung wie gegen Köln wird der FC St. Pauli in den letzten vier Saisonspielen gute Chancen auf Punkte haben. Wofür diese Punkte dann reichen, das hängt auch von den Ergebnissen der anderen Spiele ab. Und es ist natürlich auch eher ein Kartenhaus, auf dem die Hoffnung aufgebaut wird. Aber so lange es nicht in sich zusammenfällt, weigere ich mich so zu tun, als sei es bereits passiert. Es ist gerade nicht die Zeit für Abgesänge. Denn wer weiß, vielleicht hält es ja, es gibt durchaus Gründe, an einen Klassenerhalt des FC St. Pauli zu glauben.
// Tim

Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.

Unsere Kommentare sind nur per Registrierung zugänglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.

MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube

One thought on “Hoffnung? Ja, warum denn nicht?!

Schreibe einen Kommentar