„Es gilt jetzt, uns zusammenzuraufen und neu zu fokussieren“

„Es gilt jetzt, uns zusammenzuraufen und neu zu fokussieren“

Auswärtsniederlage gegen den 1. FC Heidenheim, langsam wird es auch beim FC St. Pauli knapp. Die Statistiken zum Spiel und die Stimmen zum restlichen Saisonverlauf.
(Titelfoto: Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)

Am Samstagnachmittag gewährte der FC St. Pauli dem 1. FC Heidenheim noch ein bisschen mehr Zeit in der Bundesliga. Statt sich um den Abstieg zu sorgen, sind die Heidenheimer bereits in der 3. Minute nach einem Eckentor von Budu Zivzivadze in Führung gegangen. Nach einer Weile kam auch der FC St. Pauli besser ins Spiel und hatte mit Hountondji in der 24. Minute die Riesenchance auf den Ausgleich. Aber knapp daneben ist eben auch vorbei. Die Gäste kamen besser aus der Pause und Heidenheim hatte einige Anpassungsprobleme. Doch auch dies mündete in nur wenige Abschlüsse der St. Paulianer. In der 82. Minute machten die Heidenheimer dann nach Konter die drei Punkte dingfest. Ramaj spielte einen langen Ball auf Dinkçi, der den Ball ins rechte obere Eck einschoss. Danach passierte eher wenig und beide Mannschaften spielten das 2:0 zu Ende. Ein glücklicher Nachmittag für den 1. FC Heidenheim und ein Spiel, das dem FC St. Pauli zu denken geben wird.

Trainerstimmen

Frank Schmidt: „Die Mannschaft hat sich als Mannschaft präsentiert, hat gezeigt, dass sie diesen Sieg haben wollen.“

Die Erleichterung nach dem gewonnenen Spiel gegen den FC St. Pauli dürfte beim 1. FC Heidenheim groß gewesen sein. Cheftrainer Frank Schmidt erklärte: „Für uns war es natürlich der perfekte Start, die Balleroberung, der Konter, vor allen Dingen haben wir da den Ball gut gesichert.“ Das frühe Tor gab den Heidenheimern selbstverständlich nochmal mehr Mut, das Spiel für sich zu entscheiden. Schmidt sagte zu dem Treffer: „Manchmal ist es komisch, wir trainieren sehr viele Eckbälle, diese Woche wollte ich nicht. Wir haben einfach ein paar Dinge verändert, um die Spieler nicht in dem normalen Umfeld zu lassen, damit sie nicht so viel nachdenken.“ Dass die Ecke auch ohne extra Training ankam, freute den Trainer umso mehr. Zudem richtete er noch ein Kompliment an seine Mannschaft: „Jeder wusste, obwohl wir es nicht thematisiert haben, aber jeder wusste es im Hinterkopf, was heute hätte passieren können. Und dass man dann so ein Spiel spielt, finde ich, ist ein Riesenkompliment wert. Die Mannschaft hat sich als Mannschaft präsentiert, hat gezeigt, dass sie diesen Sieg haben wollen.“

Blessin: „Es geht jetzt darum, den Relegationsplatz mit allem was wir haben, mit allen Mitteln zu verteidigen.“

„Das Problem ist natürlich wie wir reingekommen sind ins Spiel, da waren wir nicht präsent“, erklärte Alexander Blessin, „dann frisst man das 0:1 und dann ist es natürlich danach schwierig. Ist schon ein brutaler Nackenschlag.“ Die Spieler des FC St. Pauli hätten dann lange nicht ins Spiel gefunden, falsche Lösungen gesucht, oftmals den langen Ball zu schnell gespielt, obwohl andere Möglichkeiten da waren, sagte er. Blessin betonte: „Das war jetzt keine ruhmreiche Performance und es geht jetzt aber trotzdem darum, aufzustehen und da muss sich jeder zusammenreißen. Das geht nur zusammen und das muss nächste Woche gegen Mainz anfangen.“ Auf die Frage, was man der Mannschaft jetzt mitgeben und ob man das Spiel im großen Stil analysieren würde, meinte er: „Manchmal ist es vielleicht auch besser alles in die Tonne zu kloppen, auf Reset zu drücken und dann zu sagen, Jungs es geht jetzt nur noch um eins, um jeden Ball zu fighten.“ Eine weitere Sache dürfte noch für die weitere Motivation wichtig sein, so Blessin: „Es geht jetzt darum, den Relegationsplatz mit allem was wir haben, mit allen Mitteln zu verteidigen.“

Kernstatistiken

1. FC HeidenheimFC St. Pauli
11 (5)Torschüsse (auf das Tor)11 (2)
7Fouls6
46,66 %Ballbesitz53,34 %
358 (303)Pässe (erfolgreich)484 (375)
42 (22)… davon ins letzte Drittel (erfolgreich)75 (43)
61 (32)… davon lange Pässe (erfolgreich)67 (26)
24Ballkontakte im gegn. Strafraum19
41 (31)Defensivduelle (erfolgreich)43 (31)
52 (26)Kopfballduelle (erfolgreich)52 (20)
19,47PPDA10,58
120,96 kmLaufleistung121,22 km

Expected Goals

1. FC HeidenheimFC St. Pauli
(1,43 / 1,24 / 1,61) = 1,43(Wyscout / DFL / FotMob) Expected Goals(0,64 / 1,18 / 1,06) = 0,96
0,77xG herausgespielt0,87
0,84xG Standard0,19
2,76xGOT0,52

Ähnlich bei xG, starker Unterschied bei xGOT

Wenn man sich den xG-Wert anschaut, dann fragt man sich doch, woher diese 0,96 des FC St. Pauli kommen sollen. Von elf Abschlüssen gingen nur zwei aufs Tor. Andréas Houtondjis Chance in der 24. Minute hatte einen xG-Wert von 0,39. Die zweite nennenswerte Situation dürfte die von Sinani in der 49. gewesen sein, der xG-Wert betrug hier 0,27. In den herausgespielten Situationen ist der FC St. Pauli tatsächlich besser gewesen als Heidenheim, ganz anders sieht das bei den xGOT aus. Da sorgte bereits das 1:0 für 0,98x GOT, das 2:0 ebenfalls für starke 0,89. Die beiden Abschlüsse des FC St. Pauli auf das Heidenheimer Tor führen zusammen zu einem xGOT von 0,52.

Spielerstimmen

„Ich hatte manchmal das Gefühl, wir hatten alle eine Idee, aber es hat nicht zusammen harmoniert.“

„Wir sind denkbar schlecht ins Spiel gekommen, so ehrlich muss man sein. Dann haben wir besser reingefunden, uns aber nicht viel herausgespielt“, erklärte Hauke Wahl. Er kritisierte besonders die fahrigen Momente, in denen sie nicht in die Zweikämpfe kamen. Wie sich die Mannschaft nach dem Spiel fühlte, dürfte klar sein, doch Wahl brachte die Gefühlslage nochmal auf den Punkt: „Wir waren heute nicht gut genug, um etwas mitzunehmen. Wir wissen um die Tabelle, aber wir tun gut daran, uns auf uns selbst zu konzentrieren. Die Spiele werden immer weniger, deshalb muss das Minimalziel jetzt die Relegation sein.“ Kapitän Jackson Irvine sagte über das Spiel: „Es ist brutal, weil wir heute einige riesige Chance hatten. Wenn wir unsere maximale Leistung nicht erreichen, werden wir in dieser Liga überrollt.“ Auch Lars Ritzka betonte, dass sie in vielen Momenten unkonzentriert waren: „Ich hatte manchmal das Gefühl, wir hatten alle eine Idee, aber es hat nicht zusammen harmoniert.“ Auf die Frage, was jetzt noch Hoffnung gibt, sagte er: „Dass noch Spiele übrig sind (…) ich glaube, wir haben noch Chancen, aber wir müssen auf jeden Fall eine Reaktion zeigen und das fängt in der Trainingswoche an.“

„Es ist noch alles machbar. Natürlich werden die Spiele jetzt weniger, aber wir haben es immer noch in der eigenen Hand.“

So, jetzt sind es noch drei Spiele und es gibt ganz schön was aufzuholen. Jackson Irvine erklärte: „Wir müssen uns auf die letzten drei Spiele und die neun zu vergebenen Punkte konzentrieren. Es gilt jetzt, uns zusammenzuraufen und neu zu fokussieren.“ Abhaken und weitermachen muss zwingend die Devise sein, denn was bleibt einem jetzt anderes übrig? Zurück zu der Leistung, wie man sie gegen Köln gezeigt hat und mit voller Kraft gegen Mainz am Millerntor die Punkte sichern. Hauke Wahl machte auch nach diesem Spiel noch einmal auf das unvermeidbare Thema aufmerksam: „Es ist alles machbar, natürlich werden die Spiele jetzt weniger, aber wir haben es immer noch in der eigenen Hand.“
Immer weiter vor FC St. Pauli!
// Nike

Alle Beiträge beim MillernTon sind gratis. Wir freuen uns aber sehr, wenn Du uns unterstützt.

Unsere Kommentare sind nur per Registrierung zugänglich. Bitte bei Bedarf eine E-Mail mit Klarnamen und gewünschtem Username an Maik@MillernTon.de schicken.

MillernTon auf BlueSky // Mastodon // Facebook // Instagram // Threads // WhatsApp // YouTube

9 thoughts on “„Es gilt jetzt, uns zusammenzuraufen und neu zu fokussieren“

  1. „Ich finde, dass wir alles reingeworfen haben. Wir haben nicht perfekt gespielt, aber wir haben auch nicht alles schlecht gemacht. Klar laufen wir dem frühen Rückstand hinterher, trotzdem haben wir uns etwas erspielt.“ – Hauke Wahl

    Das ist ein Zitat, das hier keinesfalls fehlen darf. Es zeigt in a Nutshell, warum der FCSP absteigen wird. Es ist wie Felix Rathfelder sagt, eine Frechheit nach so einem Spiel sowas ins Mikrofon zu sprechen. Das ist einfach nicht ehrlich oder fahrlässig blind.

    1. Die Frage ist doch aber auch, wie ehrlich solche „Post Match“-Interviews noch auf dem Rasen sein sollen.
      Angenommen er stellt sich da hin und sagt: „Du meine Güte, lächerlich was wir heute hier gezeigt haben. Bringt alles nichts, wir können den scheiß auch einfach sein lassen, wir sind so gottverdammt chancenlos. Statt zum Training gehe ich nächste Woche lieber zum Eisessen mit meiner Familie.“ – dann ist das doch auch nicht hilfreich.
      (Und ja, es gibt noch ein paar Farbtöne dazwischen, auch klar. Ich will nur darauf hinaus, dass so eine Aussage nicht zwingend dem entspricht, wie man das nach dem Spiel auch intern aufarbeitet. Trotzdem werden die Spieler halt da hingeschleppt und müssen irgendwas „schlaues“ in die Mikros sprechen.)

      1. Niemand, auch ich (!) nicht, erwartet da ein Lospoltern seiner gleichen, aber ich habe das Gefühl, dass dies bei anderen Niederlagen, selbst bei Siegen, besser geklappt hat und man ehrlich war. Für mich, diese Interviews sind ja meist Richtung Fans, etc. gerichtet, kippt nur mehr Öl ins Feuer. Wenn ich sowas höre, dann bin ich einfach nur maximal irritiert. Man kann auch einfach abkürzen mit „war scheiße, aber legen den Blick Richtung kommendes Wochenende, blabla.“ und ich wäre fein mit. Persönlich weiß ich grad echt nicht, ob er das ernst meint oder nicht.

        Lirumlarum, der Verein darf Blessin noch das Mainz-Spiel geben. Wird das ein Spiegelbild der vergangenen Leistung, muss ein neuer Impuls her.

        1. Ich denke ich weiß was Hauke meint, wir hatten ein paar offensive Aktionen die „neu“ waren.
          Im übrigen: Was meinst Du mit „vergangenen Leistung“?
          Gegen Köln war es doch eine sehr geile Performance von uns.

          1. 1. war gg Köln keine „geile“ Leistung. Wenn man die Fanbrille absetzt, war es ein langweiliges Spiel, in der eine Mannschaft ums verrecken kein Tor schießen konnte und dann wieder einen Standard brauchte, um es zu realisieren. Mit einem plumpen Foul dann noch um den Lohn gebracht.

            Davor: Niederlage gg Bayern, Unentschieden gg Union, Niederlage gg. Freiburg, Niederlage gg BMG, Unentschieden gg FFM. Das waren 5 Spiele, der Trend ist nicht Köln, sondern alle diese Spiele zusammengenommen, im entferntesten Sinne die Saison. Die Siege sind die Ausreißer, nicht andersrum.

            Seit Blessin vor einigen Wochen ausgerufen hat, in den 7 (?) Endspielen nicht mehr zu stolpern, hat man ein Fettnäpfchen nach dem anderen genommen. Kein einziger Sieg, teils gruselige Auftritte. Ich weiß nicht, was hier das große Ziel sein soll? Auf Verderb und Gedeih das eigene Credo („ein anderer Fußball ist möglich“) durchboxen oder wird die Gefahr der Folgen des Abstiegs maßlos unterschätzt? Keeeeine Ahnung – ich bin einfach frustriert, wie neben der Mannschaft auf dem Platz der gesamte Verein sich seinem Schicksal zu ergeben scheint.

            1. Ja, es ist frustrierend.
              Wer gewinnt denn diese Saison gegen Bayern? Freiburg spielt nicht umsonst eine Liga höher, nämlich international und Gladbach war doof, alles klar.
              Es war doch aber auch klar, dass wir gegen den Abstieg spielen.
              Wir sind auf dem Relgationsplatz und allen geht der Arsch auf Grundeis, ich finde es auch nicht gerade angenehm, trotzdem: Bislang konnten wir zu Hause oft überzeugen und wir haben noch 2 Heimspiele.
              Mit etwas Glück ist RB dann auch durch und wir nehmen auch da 1-3 Punkte mit, nichts ist verloren, Pessimismus nicht angebracht weil ansteckend…

              1. Carsten, bei aller Liebe, aber das ist schlicht und ergreifend fahrlässig, wie du argumentierst. Natürlich kann man gegen die Giganten Bayern verlieren, aber hier geht es nicht um Einzelspiele, sondern Muster, die über die Spiele hinweg gleich bleiben, nicht gelöst werden von Blessin. Ich bleibe dabei, dass ich Unrecht hatte, ihn noch vor der Winterpause entlassen zu wollen, diese Chance im Winter korrekt zu stellen, hat er sich erarbeitet. Jetzt aber zeigt er, dass die Entlassung kommen muss. Es gibt keine externen Sündenböcke für die schlechten Leistungen, er hat keine Antworten für den Auftritt in Heidenheim, er hat wiederholt keine Erklärung dafür, warum der Matchplan nicht eingehalten wird und stellt immer wieder gleich auf, lässt Angsthasenball spielen, indem er gegen HEIDENHEIM, dem Team mit einer bodenlosen Abwehr auf dem letzten Platz, die ihre Chance noch nutzen wollen und Räume anbieten werden, DEFENSIV aufstellt.

                Ich bin auch nicht pessimistisch, ich sehe es nur realistisch, dass die Geduld enden muss und es nicht die Aufgabe unseres Vereins ist, Alexanders Karriere zu priorisieren, sondern den Erstligaverbleib. Wir haben gesehen, wie krass die Schere zwischen Buli und 2. Buli wächst, ein direkter Wiederaufstieg ist nicht garantiert und kann Jahre brauchen. Was meinste, wie es dann aussieht?

                WOB muss sich zwei Spiele jetzt einfach nur hinten reinstellen und haben uns dann überholt und können am 34. uns entspannt den Sargnagel reinhauen.

                Blessin kann von mir aus das Mainzspiel noch haben, das wird ohnehin ein 0:3. Besser wäre aber zu handeln und nicht Phrasen zu dreschen.

  2. Ich will zu diesem „Auftritt“ nichts weiter sagen, außer dass mich daran nichts überrascht hat.
    Aber was die Spieler sagen, das lässt so tief blicken. Lasst uns schauen:

    – Wir waren nicht gut genug.
    Gegen den Tabellenletzten, der bis dahin in genau jedem Spiel mindestens ein Gegentor kassiert hat.

    – Wenn wir nicht unser Maximum erreichen, dass werden wir überrollt.
    Ja, offensichtlich. Und zwar von jeder Mannschaft, ich behaupte nicht nur in dieser Liga. Diesen Satz (oder ähnlichen) höre ich nicht zum ersten Mal in der Saison. Es wurde schon früh seitens der Spieler über Basics gesprochen. Nachhaltig passiert da offenbar nichts, wenn du solche Sätze dann in der Crunchtime der Saison hörst.

    – Alle haben eine Idee, nichts harmoniert.
    Ja, das ich mein Liebstes und trifft den Nagel nicht erst seit Samstag. Am 31. Spieltag sieht das Team in den Abläufen aus, als hätten sich die Spieler kürzlich kennen gelernt. Das ist neben allem was sonst so (nicht) zu sehen ist, das fatalste überhaupt. Wann soll denn da was an erkennbaren Strukturen sitzen? Im Juni?

    Für all das gibt es einen Verantwortlichen. Der sagt dann auf der Konferenz, man habe, gerade in der ersten Halbzeit, einen völlig anderen Plan gehabt. Auch das höre ich nicht zum ersten Mal. Wer ist hierfür verantwortlich, dass ein Matchplan umgesetzt wird? Aber dafür drücken wir jetzt mal am 32. Spieltag auf die Resettaste und werden um jeden Ball fighten. Jetzt schon… na Potzblitz. In der Hinrunde 9 am Stück verloren, jetzt wieder 7 am Stück nicht gewonnen. Die letzten Trainer mussten allesamt für viel weniger gehen.

    Mir ist das aber mittlerweile alles egal. Ich habe mich mit dem Saisonausgang arrangiert. Und er kann von mir aus noch lange hier weitermachen. Bin einfach ehrlich gespannt, was hier passieren muss, damit auch der/die letzte Befürworter:in irgendwann zähneknirschend einknickt. Lasst es uns ausprobieren.

    1. Resignieren bringt nichts, wir müssen die Chance wahren. Alle großen Projekte, die wir als Verein vorantreiben wollen, sind durch den Abstieg existenzbedroht. Mir ist der Ausgang nicht egal, ich will unser „Scheiß St. Pauli“ in der ersten Liga behalten.

Comments are closed.