Die 1. Frauen des FC St. Pauli gewinnen zum dritten Mal den Hamburger Pokal. Vor 3007 Zuschauenden gab es gegen den Walddörfer SV ein 3:0 (2:0) an der Hoheluft.
Die 1. Frauen des FC St. Pauli standen zum vierten Mal in Folge im Hamburger Pokalfinale. Nach der Niederlage im Vorjahr gegen den SC Victoria sollte jetzt gegen das Team des bereits als Oberliga-Meisterinnen und Aufsteigerinnen in die Regionalliga feststehenden Walddörfer SV wieder einen Titel geben.
Die altehrwürdige Holztribüne im Stadion Hoheluft war zwischen beiden Fanlagern aufgeteilt. Bei den Stehplätzen waren die Fans auf der Gegengeraden platziert und die Fans des Walddörfer SV in der Hintertorkurve. Dort gab es dann zum Einlaufen beider Teams auch erstmal einiges an Rauch und Pyro. Beim FCSP gab es ein „Am 31.05. Nein zu Olympia“-Banner, im deutlichen Kontrast zur sonstigen Beflaggung des Spieltags, vom Programmheft bis hin zum großflächigen Banner auf dem Spielfeld vor Anpfiff. Ich empfinde (wie im Olympia-Artikel ausgeführt) die Werbekampagne insgesamt als etwas sehr penetrant und leider auch einseitig – bei einem Hamburger Pokalendspiel aber auch völlig legitim. Zumindest, wenn man dann, wie in diesem Fall, auch kritische Banner zulässt. Und damit zum Sport.
Die Aufstellung:
Tara Zimmermann – Rachel Rinast, Linnea Taube, Gianna Nicoleit, Alessa Blankenhorn (71. Linda Preuß) – Neele Nordhausen (60. Aksana Alizadeh), Jette Schulz, Carlotta Kuhnert (84. Ann-Sophie Greifenberg) – Josefin Lutz (71. Verena Mannes), Annie Kingman (84. Lina Jubel)
Die erste Halbzeit
Die Anfangsphase zeigte gleich, dass der FC St. Pauli hier seiner Favoritenrolle gerecht werden wollte. In den ersten zehn Minuten kam der WSV kaum aus der eigenen Hälfte, lediglich ein Konter über links sorgte für etwas Entlastung, wurde dann aber auch gleich gefährlich. St. Pauli dominierte, versuchte immer wieder über die Außen oder auch mit Bällen hinter die Kette zum Erfolg zu kommen.
Erst nach zwölf, dreizehn Minuten beruhigte sich das Geschehen etwas und beide Teams holten bei strahlendem Sonnenschein und 24 Grad etwas Luft.
Die erste bessere Torchance gab es in der 19. Minute, nach einer Flanke von Rachel Rinast köpfte Josefin Lutz in die rechte untere Ecke, Torfrau Antonia Posdziech war aber zur Stelle. Im direkten Gegenzug hätte der WSV in Führung gehen können, doch Oberliga-Torschützenkönigin Lea-Marie Rusch versagten vor Tara Zimmermann die Nerven. Rusch (24 Tore) und Sturmpartner Dalina Saalmüller (16 Tore) führen die Torschützenliste der Oberliga deutlich an und bewiesen auch im Finale, dass sie Abwehrreihen beschäftigen können.
Die Phase bis zur Trinkpause in der 25. Minute war insgesamt ausgeglichen. Man konnte jetzt deutlich sehen, dass der WSV die 18 Siege und zwei Unentschieden in der Oberliga nicht völlig zufällig geholt hatte.
Direkt nach der Fortsetzung scheiterte Annie Kingman nach einer scharfen Hereingabe von Janice Hauschild an Posdziech. Anschließend kochten die Emotionen erstmals hoch, Carlotta Kuhnert und Saalmüller gerieten nach einem Foulspiel vor den Trainerbänken aneinander und holten sich ein Einzelgespräch bei Schiedsrichterin Asli Gök ab, die hier aber noch ohne Verwarnung auskam. Wenig später war es erneut eine Hereingabe von Hauschild, diesmal verpasste Lutz in der Mitte knapp. Und in der 33. Minute war es Kuhnert, die zentral aus 17 Metern abzog und Posdziech zu einer weiteren Glanzparade zwang. Aus der daraus resultierenden Ecke aber ging der FC St. Pauli dann in Führung, Kingman staubte aus kurzer Distanz ab – 1:0!
Weiter ging es, in der 34. Minute verfehlte Neele Nordhausen per Kopf das zweite Tor. Noch größer die Chance für Lutz in der 42., erneut nach starker Einzelleistung von Hauschild auf der rechten Seite – doch erneut konnte Posdziech parieren. Eine Minute später, erneuter Abschluss Nordhausen – wieder Endstation Posdziech, die sich langsam aber sicher den Statuts als Spielerin des Spiels verdiente. Eine Minute später, erneuter Abschluss Nordhausen – wieder Endstation Posdziech – nein, kein Tippfehler, es war langsam ein Privatduell der WSV-Torhüterin mit der FCSP-Offensive.
Und als die drei Minuten Nachspielzeit dann schon fast abgelaufen waren, kam Hauschild noch ein letztes Mal an ihrer Gegenspielerin vorbei und Lutz konnte den klug zurückgespielten Ball dieses Mal ganz entspannt mit links ins lange Eck einschieben – 2:0.
Die zweite Halbzeit
Der Beginn verzögerte sich aufgrund des übermäßigen Gebrauchs an Pyrotechnik der WSV-Fans, tatsächlich wurde die Kapitänin des Teams zur Klärung in die Kurve geschickt – die Fackel ging dann aber erwartungsgemäß ohnehin von alleine aus. Und wenn sich das Team vorgenommen hatte, jetzt wie angezündet aus der Kabine zu kommen und die Partie zu drehen – dann war dieses Vorhaben bereits nach einer Zeigerumdrehung ad acta gelegt, denn Nordhausen konnte aus sechs Metern Posdziech endlich überwinden, aus der kurzen Distanz gelang dies sogar durch die Beine – 3:0, 46. Minute, die Vorentscheidung.
Doch damit wollte der WSV sich dann doch nicht zufrieden geben – nach kurzem Schütteln traf man in der 53. Minute das Lattenkreuz, der Nachschuss ging knapp drüber. Wie Trainer Victor Koopmann später in der Pressekonferenz sagte, sei es dem Team ohne den „Ergebnisrucksack“ deutlich leichter gefallen, zum Spiel und zu Chancen zu finden.
Der WSV arbeitete zumindest weiter am Ehrentreffer, in der 64. Minute war die eingewechselte Divine Chucks frei durch, scheiterte aber ebenfalls an Zimmermann. Der FC St. Pauli schaltete jetzt in einen defensiveren Gang und verlegte sich auf Ballkontrolle, ohne den ganz großen Offensivdrang – wohl auch den hohen Temperaturen geschuldet.
Das Spiel plätscherte dann langsam dem Abpfiff entgegen. Der WSV wollte, fand aber gegen die gut organisierte Defensive des FCSP keine Mittel mehr. Und der FC St. Pauli spielte entspannt dem Schlusspfiff entgegen, bis man in der Nachspielzeit dann noch einen weiteren Treffer durch Verena Mannes erzielte – dem allerdings aufrgund einer Abseitsentscheidung die Anerkennung verweigert wurde. Doch nach vier Minuten Nachspielzeit kam der Abpfiff und der Rest war Jubel.
Pokalsiegerinnen!
Auf der anschließenden Pressekonferenz strahlte das Trainerteam um Kim Koschmieder, Jan-Philipp Kalla und Dennis Dreke natürlich um die Wette. Es begann mit der naheliegenden Frage, wie man sich denn nun fühle: „Schön! Wir haben nach dem verlorenen Finale im letzten Jahr ja ne kleine Delle im Pokal gehabt, das tat weh. Wir haben uns fest vorgenommen hier als Pokalsiegerinnen vom Feld zu gehen und das ist gut aufgegangen“, sagte Koschmieder. Gleichzeitig war dies ihr dritter und vorerst letzter Titel als Trainerin, da sie zur neuen Saison nicht mehr weitermachen wird.
Kalla hatte zudem tröstende Worte für WSV-Trainer Koopmann, der dem Tag zwar grundsätzlich den wichtigen Erfahrungsgewinn zugestehen konnte, ansonsten aber schon sehr deutlich enttäuscht war. „Ich saß hier letztes Jahr, als Trainer der ein Pokalfinale verloren hat. Du kannst trotzdem stolz auf das Team sein – und ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr in der Regionalliga.“
Der dritte Titel in vier Jahren, verbunden mit der erneuten Qualifikation für den DFB-Pokal. Ein schöner Abschluss der Saison, eigentlich. Um diese kleine Einschränkung zu entfernen braucht es jetzt nächste Woche noch einen Punkt gegen den TSV Barmke für den Klassenerhalt in der Regionalliga – und dann kann man mit großer Vorfreude an die Planung der neuen Saison gehen.
// Maik
Tore: 1:0 Annie Kingman (33.), 2:0 Josefin Lutz (45.+3), 3:0 Neele Nordhausen (46.)
Gelbe Karten: Carlotta Kuhnert (40.)
Zuschauer*innen: 3007
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