Erwartungsgemäß wird die Leihe des FC St. Pauli mit Andréas Hountondji nicht verlängert. Nach einem Jahr am Millerntor steht er wieder in Diensten des FC Burnley.
Titelfoto: Stefan Groenveld
Er war der siebte Neuzugang des FC St. Pauli im letzten Sommer. Offiziell stand er unter Vertrag beim englischen Premier League-Aufsteiger FC Burnley, der diese Saison ohne Hountondji noch weniger Chancen hatte, die Klasse zu halten als der FC St. Pauli in der Bundesliga. Allerdings wechselte Hountondji nicht aus England zu uns, sondern er war bereits zuvor an Standard Lüttich verliehen.
Für das Spielerprofil sprachen wir mit einer Person aus dem befreundeten Ultra-Umfeld von Liège und zwei Sätze bleiben beim erneuten Lesen hängen: „Nein, ich denke nicht, dass er auf diesem Leistungsniveau passt“ war die allgemeine Einschätzung zum Wechsel in die Bundesliga. Und bei „Manchmal denke ich, hätte er vielleicht mehr Trainingseinheiten im Thema Abschluss gebraucht“ schwang „leichte“ Skepsis in die Torjägerqualitäten mit. Allerdings lief die Saison von Liège generell nicht so gut, der Frust war also erklärbar.
Schauen wir also auf das, was Tim damals als Fazit schrieb: „Der FC St. Pauli hat nun drei Mittelstürmer im Kader: Abdoulie Ceesay, Ricky-Jade Jones und Andréas Hountondji. Alle drei Spieler haben durchaus das Potenzial, um der gewünschte „15-Tore-Stürmer“ zu werden. Aber hinter allen steht auch ein fettes Fragezeichen, ob sie dieses Level wirklich erreichen. Das kann klappen und dann richtig, richtig gut werden. Aber es kann eben auch schiefgehen.“
Stark begonnen, verletzt, stark nachgelassen
Doch all die Skepsis wich, als der FC St. Pauli mit Wucht in die Saison startete – und Hountondji hatte großen Anteil daran. Ein Kopfballtor zum 1:1-Ausgleich beim Saisonauftakt gegen den BVB. Ein Kunstschuss von der Außenlinie im Derby zum umjubelten 0:2, als er Heuer Fernandes umkurvt hatte. Und ein (im Nachschuss) verwandelter Elfmeter zum zwischenzeitlichen Ausgleich beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Augsburg.

„15-Tore-Stürmer“? Pah, von wegen! Wenn Schiri Dingert ihn nicht im Derby frei auf dem Weg zum Tor zurückgepfiffen hätte, hätte Hountondji sogar noch einen Treffer mehr nach drei Spieltagen haben können. Harry Kane soll in diesem Moment um die sonst so sichere Torjäger-Kanone gezittert haben. In Bremen fehlte Hountondji dann offiziell verletzt, soll sich außerdem in der Kabine ein Scharmützel mit Oladapo Afolayan geliefert haben. In der Niederlagen-Serie ging er mit unter, ehe es ausgerechnet im Auswärtsspiel bei den Bayern den nächsten Lichtblick gab. Hountondji tat, wofür er geholt worden war, setzte seine Körperlichkeit ein und überwand dann auch noch Manuel Neuer zur umjubelten 1:0-Führung in der Münchner Arena. Leider musste er nur kurze Zeit später mit einer Oberschenkel-Blessur ausgewechselt werden. Sein viertes und leider letztes Tor für den FC St. Pauli.
Zwei Spiele fehlte er verletzt, kam beim 0:0 in Mainz zurück ins Team – und fehlte danach aufgrund eines Haarrisses im Fuß für zehn Spiele. Aus diesen zusammengezählt zwölf Spielen ohne ihn holte der FCSP vier der insgesamt nur sechs Saisonsiege – und nachdem er dann wieder da war, gab es aus neun Spielen nur noch zwei Zähler.
Fußball ist Ergebnissport, aber auch Teamsport. Die Schuld für diese Ergebnisse allein bei ihm zu suchen, wäre grob unfair. Als noch immer recht junger Stürmer, der zudem auch oft recht vorne alleingelassen wurde, war er mit dieser Rolle in einer insgesamt verunsicherten Mannschaft überfordert. Doch seine vergebene Großchance im Spiel gegen Wolfsburg am 34. Spieltag, als der den Ball freistehend vor dem leeren Tor verstolperte, steht sinnbildlich für die gesamte Saison des FC St. Pauli.
Tschüss, Andréas!
Als Torschütze in einem siegreichen Derby hat man in diesem Verein einen ewigen Platz an der braun-weißen Ehrentafel sicher. Man frage nach bei Matt Penney.
Den FC St. Pauli beim FC Bayern in Führung geschossen zu haben, ist ebenfalls eine Besonderheit, die vor ihm nur Ralf „Colt“ Sievers und (na? [Jeopardy-Melodie] – ja, richtig!) Oliver Schweißing in ihre Vita eintragen durften.
Der Vertrag des Nationalstürmers von Benin beim FC Burnley läuft noch bis 2028. Es ist ihm zu wünschen, dass er eine dauerhafte nächste Station findet, die das ständige Verleihen unterbricht. Mit 23 Jahren ist er noch lange nicht an seinem Zenit angekommen und wenn er von Verletzungen verschont bleibt, könnte er auch beim FC Burnley in der Championship sicher seinen Platz finden.
Mach es gut, Andréas – und Danke für jenes Tor Ende August im Volkspark.
Forza St. Pauli!
// Maik
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Trotz einer in vielen Belangen unglücklichen Saison für Andréas, hätte ich mich über einen Verbleib gefreut. Ich hatte die leichte Hoffung, in Liga 2 würde er den nächsten großen Schritt machen. Ich war gespannt, wie es dann mit einem sicherlich anderem System und auch etwas leichteren Gegnern funktioniert.